Hanjo Robrecht mit Le C(h)oeur in Herz Jesu, D-Derendorf

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Dienstag, 24. Januar 2012, 11:51 (vor 5344 Tagen)
bearbeitet von Clemens Schäfer, Dienstag, 24. Januar 2012, 19:54

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Hallo Forum,

das 4. Winterliche Orgelkonzert gab es gestern in der Kirche Herz Jesu in D-Derendorf. Hanjo Robrecht eröffnete mit Bach 530. Flüssig ging es durch das Allegro, mit Flöte und etwas quäkiger Oboe über ruhigem Bass ins Adagio. Das Schlußallegro war etwas dicker registriert. Hier lief oben eine metallische Stimme mit, die mich doch irritierte.

Dr. Wolfram Goertz moderierte das Konzert. Der Musikredakteur und -kritiker der Rheinischen Post, 2009 in Aachen zum Doktors der (theoretischen) Medizin promoviert, meinte, Fauré, dessen Messe Basse für Frauenstimmen, er nun anzusagen hatte, sei der beste französische Komponist des Impressionismus gewesen. Nun, diese Messe war klangschön, bestens gesungen von der fünfköpfigen Gruppe “Le C(h)oeur”, dabei aber auch recht kurz (kein Gloria, kein Credo).

http://www.kirche-in-derendorf.de/jugendchor.html

Nun wandte sich Goertz, an diesem Abend etwas zerfahren, der Titanic zu: Deren Passagiere ließ er samt und sonders untergegangen sein, zweifelte dann selbst an dieser Annahme und meinte, umso besser, wenn’s nicht so war. Jedenfalls sei nicht bewiesen, die die Bordkapelle “Nearer, My God, To Thee” gespielt habe, auch wenn dieser choralartige Song (Lowell Mason) in jedem Titanic-Film vorkomme. Le C(h)oeur sang also dieses Stück.

Auch Joseph Bonnet bediente sich in seinem “In Memoriam Titanic” zunächst dieser Melodie, dann ein kurzes Aufbäumen und ein ruhiger, trauriger Schluß - der Untergang halt. Robrecht machte das trefflich.

Nun beleuchtete Goertz das Verhältnis Regers zur Musikkritk, brachte die bekannte Anekdote, um dem erheiterten Publikum nun die düstere der “Wachet Auf” Einleitung nahe zu bringen. Aus schwarzer Friedhofsfarbe führe das Stück zur Helligkeit der Geburt unseres Herrn. “Wachet Auf” an Weihnachten zu verorten, halte ich denn doch für sehr gewagt. Nach meinem Dafürhalten spielt der Text des Liedes auf das Wiederkommen des Herrn am Jüngsten Tag an, gehört also nicht einmal in die Adventszeit (Jungfrauen erwarten den Bräutigam!). Wie dem auch sei, die Musik spricht für sich - zu jeder Jahreszeit. Und das vermochte Robrecht auch zu vermitteln. Ganz herrlich, wenn dann über das frische Fugenthema am Ende die Choralmelodie aufgesetzt wird.

Lebhafter Beifall aus der im Mittelschiff gut besetzten Kirche. Zugabe: Ein englisch gesungenes Lied mit Flöteneinschüben.

Das Konzert krankte an zwei Umständen. Da war zunächst die Videoübertragung. Anders als die Musiker, haben die Techniker noch viel zu lernen. So kam das Bild am Anfang erst zustande, als Robrecht längst spielte. Auch sonst wurde man immer wieder darauf aufmerksam gemacht, daß hier die Minessota Mining & Manufactoring Company ihre Finger im Spiel hatte. Auch Hinweise auf das Syndicat des Constructeurs d'Appareils Radiorécepteurs et Téléviseurs traten in Erscheinung. Immerhin hatte man drei Kameras aufgebaut; eine für den Organisten, zwei für den Chor. Die Choristinnen mußten sich nun jeweils vor der richtigen Kamera postieren, denn diese standen fest und waren nicht mit Personal besetzt. Da hätten Fußbodenmarkierungen sicher geholfen. So aber wurden Personen abgeschnitten, gab es Wanderbewegungen im laufenden Bild. Regie sieht anders aus.

Völlig unverständlich aber blieb mir, daß niemand (weder der begrüßende Robrecht, noch der moderierende Goertz) angesichts des unvermutet aktuellen Programms einen Bezug zum Unglück der Costa Concordia in Italien herstellte. Das hätte doch mehr als nahegelegen. Ein Nachdenken über menschliche Hybris hätte zu beiden Gegebenheiten gepaßt. Und Regers “Alle Menschen müssen sterben” wäre dann an Stelle von “Wachet Auf” auch nicht falsch gewesen.

Gruß Clemens Schäfer

P.S. Die "Sonntagsorgel" in St. Andreas machte ihrem Namen am letzten Sonntag keine Ehre. Angekündigt war der langjährige, auch von mir sehr geschätzte Organist Frank Volke. Der war aber nur als Pädagoge anwesend, spielte nicht selber. Statt seiner nahmen vier Knaben vor dem Altar Platz und brachten nette Stückchen von Purcell und Artverwandtes mit zwei Flöten, Cello und Cembalo zu Gehör. Toll, daß Jugendliche auch heute noch so etwas in ihrer Freizeit treiben. Und Auftrittsgelegenheiten sollte man ihnen auch gewähren. Nur sollte man das dann auch ehrlicherweise ankündigen!

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

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