Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

kjz1, Freitag, 11. Februar 2011, 17:23 (vor 5679 Tagen)

Bereits im alten Forum hatte ich über dieses Projekt berichtet. Mittlerweile gibt es Neuigkeiten:

Im Jahre 2008 wurden die Orgelbaufirmen Klais (Bonn), Mayer (Heusweiler) und Rieger (Schwarzach, Österreich) um ein Angebot gebeten. 2009 fand mit Interessierten eine Orgelbesichtigungsfahrt zu Orgeln der drei Firmen statt. Eine Orgelbaukommission – besetzt mit den Professoren Sander (Heidelberg) und Gnann (Mainz) den Orgelsachverständigen des Bistums, mit Vertretern der Bauabteilung und der Denkmalpflege des Bistums, mit Professor Höhnen und dem Verwaltungsrat – tagte zweimal.

Die Entscheidung des Verwaltungsrates für den Orgelneubau fiel zugunsten des Angebotes der Firma Mayer (Heusweiler) aus. Zurzeit sind ein Architekturbüro mit der Planung eines Orgelprospektes und ein Ingenieurbüro mit der statischen Prüfung für die Aufhängung der Orgel an der Westwand beauftragt. Wir hoffen, noch in diesem Jahr den Auftrag für den Orgelneubau vergeben zu können.

Quelle: Orgelprojekt St. Kastor

Viele Grüße,

- Karl-Josef

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

kjz1, Sonntag, 30. Oktober 2011, 14:48 (vor 5418 Tagen) @ kjz1

Mittlerweile wurde auch die geplante Disposition in der Kirche ausgehängt und ist somit veröffentlicht:

I. Manal - Hauptwerk, C-a3

Praestant 16'
Principal 8'
Viola da Gamba 8'
Gedackt 8'
Octave 4'
Hohlflöte 4'
Quinte 2 2/3'
Superoctave 2'
Mixtur IV 1 1/3'
Cornett V 8' (ab f0)
Trompete 8'
Tremulant


II. Manual - Positiv, C-a3

Ital. Principal 8'
Salicional 8'
Bourdon 8'
Weitoctav 4'
Rohrflöte 4'
Flageolet 2'
Cymbel III 1'
Fagott 16'
Clarinette 8'
Tremulant


III. Manual - Schwellwerk, C-a3

Bourdon 16'
Geigenprincipal 8'
Konzertflöte 8'
Gamba 8'
Vox coelestis 8'
Lieblich Gedackt 8'
Fugara 4'
Trichterflöte 4'
Nasard 2 2/3'
Piccolo 2'
Terz 1 3/5'
Progressio III-IV 2'
Trompete 16'
Tromp. harmonique 8'
Oboe 8'
Tremulant


IV. Manual - Solo, C-a3

Viola pomposa 8'
Doppelflöte 8'
Unda maris 8'
Traversflöte 4'
Harmonia aetheria III-V 2 2/3'
Tuba 16' (ext. Fanfare)
Fanfare 8'


Pedal, C-g1

Untersatz 32'
Principalbass 16'
Praestant 16' (transm. HW)
Subbass 16' (ext. Untersatz)
Octavbass 8' (ext. Principalbass)
Weitgedackt 8' (ext. Untersatz)
Tenoroctave 4' (ext. Principalbass)
Posaune 16'
Trompete 8' (ext. Posaune)
Clarine 4' (ext. Posaune)


Schleifladen
mechanische Spiel- und elektrische Registertraktur


mech. Koppeln

III/I, II/I
III/II


elektr. Koppeln

I/P, II/P 8' 4', III/P 8' 4', IV/P
II/I 16' 8' 4', III/I 16' 8' 4', IV/I
IV/II, II/II 16' 4'
IV/III, III/III 16' 4'

II. und III. Manual sind für die Superoktavkoppeln bis a4 ausgebaut.


Setzer, Sequenz auf/ab
Walze (einstellbar)
Schwelltritte für III und IV
Tutti
Zungenabsteller

Da keine Empore existiert, soll die Orgel an der Westwand über dem Eingangsportal aufgehängt werden. Im Wesentlichen handelt es sich um einen Freipfeifenprospekt, der in den Linien der Pfeifenmündungen die umgebende Architektur reflektiert.

Was vielleicht auffällt: die Extensionen im Pedal. Hier gleicht die Orgel stark dem (bereits gebauten) Entwurf für die Nachbarkirche, St. Florin. Kein Wunder, es ist ja auch derselbe OSV daran beteiligt. In St. Florin funktioniert dieses Konzept sehr gut, ich habe bei den bisherigen Konzerten da im Pedal nichts 'vermisst'. Und bei sehr vielen angloamerikanischen Orgeln ist dies ja auch so realisiert und funktioniert.

Allerdings hat die Orgel in St. Florin eine unabhängige Pedalmixtur und die Zunge ist auch bis in die 32' Lage ausgebaut. Aber vielleicht stehen dem finanzielle und Platz-Gründe entgegen. Im Gegensatz zu St. Florin (eher trockene Akustik) verfügt die Basilika St. Kastor über mind. 5-6 sek. Nachhall und eine sehr tragfähige Akustik. Wie wurde einmal gesagt: 'Hier predigen/singen ja die Steine mit'. Von der lokalen Musikkritik wird dies ständig mit dem Attribut 'Überakustik' abgewertet.

In der Praxis bedeutet dies, dass man in St. Kastor schon mit relativ wenigen Stimmen bzw. Registern einen sehr tragfähigen Klang erzielen kann. Im Bassbereich schwellen die Pauken des Orchesters regelrecht zu einem donnernden Gewitter an. Vielleicht reicht ja auch deshalb der Untersatz 32' aus.


Viele Grüße,

- Karl-Josef

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

Antilope, Sonntag, 30. Oktober 2011, 18:29 (vor 5418 Tagen) @ kjz1

Schön! Ich hätte aber für MEINEN Geschmack die Konzertflöte nicht in das Schwellwerk gestellt, damit das doppelt labiierte Register freier sprechen kann. Im Hauptwerk wäre es allerdingst stilistisch isoliert. Gäbe es eine andere Lösung?

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

kjz1, Sonntag, 30. Oktober 2011, 19:31 (vor 5417 Tagen) @ Antilope

Ich hätte aber für MEINEN Geschmack die Konzertflöte nicht in das Schwellwerk gestellt, damit das doppelt labiierte Register freier sprechen kann. Im Hauptwerk wäre es allerdingst stilistisch isoliert. Gäbe es eine andere Lösung?

An der Erstellung der Disposition war ich zwar nicht beteiligt, kann mir aber trotzdem denken, wie es geplant ist.

Bei der Konzertflöte handelt es sich wahrscheinlich nicht um ein doppelt labiiertes Register. Das dürfte - nach franz. Nomenklatur - eher eine Flute harmonique sein. Zusammen mit den anderen Flöten bildet die Konzertflöte dann im Schwellwerk ein Cornet décomposé.

Doppelt labiiert ist hingegen die Doppelflöte im Solo. Ausserdem soll das Solo auf erhöhtem Winddruck stehen. Das Solo ist wohl einmal für intensive Solostimmen gedacht, ich denke da z. Bsp. an die engl. Tuba Tunes. Andererseits, wenn es in einem relativ schalldichten Schwellkasten untergebracht ist, lassen sich damit (gekoppelt) recht starke Crescendo-Wirkungen erzielen. Also quasi ähnlich einem Bombardwerk.

Viele Grüße,

- Karl-Josef

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

Friedrich @, Montag, 31. Oktober 2011, 09:08 (vor 5417 Tagen) @ kjz1

Bei der Konzertflöte handelt es sich wahrscheinlich nicht um ein doppelt labiiertes Register. Das dürfte - nach franz. Nomenklatur - eher eine Flute harmonique sein. Zusammen mit den anderen Flöten bildet die Konzertflöte dann im Schwellwerk ein Cornet décomposé.

Um noch eine nicht abgesicherte Mutmaßung zu ergänzen: Das historische Register Konzertflöte ist doch eigentlich eine eng mensurierte, von außen angeblasene und eher zarte Soloflöte. Da wäre ich mal gespannt, wie es hier ausgelegt wird. Für mich liest sich die SW-Disposition eher elsässisch-reformiert als französisch, wozu die übrige Besetzung auch passt (leichtes HW, bescheidenes und grundtöniges Positiv).

Persönlich nervt mich, dass die Pedalzunge so ausgewrungen wird, als wäre es egal, ob man eine 8'-Trompete hat oder eine Posaune in Tenorlage (»Hauptsache Krach«?). Eine Klangfarbe in Oktaven statt drei, oder meinetwegen auch nur zwei, unterschiedliche.

Gruß,
Friedrich

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

elsenp, Montag, 31. Oktober 2011, 09:43 (vor 5417 Tagen) @ Friedrich

Persönlich nervt mich, dass die Pedalzunge so ausgewrungen wird, als wäre es egal, ob man eine 8'-Trompete hat oder eine Posaune in Tenorlage (»Hauptsache Krach«?). Eine Klangfarbe in Oktaven statt drei, oder meinetwegen auch nur zwei, unterschiedliche.

Gruß,
Friedrich

Da bin ich einer Meinung mit dir: Eine Pedalzunge über 3 Fußlagen zu bauen, kann kein brauchbares Ergebnis bringen. Gerade im Pedalbereich haben 16', 8' und 4' Zungen unterschiedliche Aufgaben und damit unterschiedlichen Charakter und auch Lautstärke.
Aber auch den 16'-Prinzipalbaß auf 8' und 4' zu verlängern ist problematisch. Ein 4'-Choralbass muss ganz andere Dinge leisten können, als ein 16'-Bassregister.
Das ist dann weder Fisch noch Fleisch. Eigentlich schade für eine Orgel in dieser Größe.

Herzliche Grüße
Peter

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

Orlos, Montag, 31. Oktober 2011, 11:36 (vor 5417 Tagen) @ elsenp

Völlig einverstanden. Skeptisch war ich bislang auch beim kombinierten Subbass 32'-16'-8', da war mir der 8' dann oft zu laut. In Leonberg habe ich aber an der Mühleisen-Orgel erleben können, dass es doch klappen kann. Also wie immer: Die Intonation ist das ausschlaggebende Element!
Witzig finde ich, dass in den 1980er Jahren die kombinierten Pedalregister ein Grund dafür waren, eine alte Orgel (1950, elektrisch) abzureißen! Jetzt baut man wieder neue mit dieser Vorrichtung. In 30 Jahren wird man dann wieder...

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

elsenp, Montag, 31. Oktober 2011, 12:47 (vor 5417 Tagen) @ Orlos

Nur um klarzustellen:
Ich bin nicht grundsätzlich gegen Oktavextensionen im Pedal.
Spiele selbst eine Klaisine mit Subbass 16' - Gedeckbass 8' - Flötbass 4' (neben anderen selbständigen Pedalregistern). Oder eine Metzlerin mit Bourdon 32' - Subbass 16'. Das geht durchaus. Diese gedeckten Pedalregister lassen sich erweitern, ohne dass man große klanglichen Eingeständnisse machen muss.
Habe auch schon eine Tzschöckel-Orgel in einer kleinen Kirche mit Fagottbass 16'-Fagott 8' im Pedal gespielt. Auch dies ging in dieser kleinen Kirche ganz gut (war nicht so sehr auf Lautstärke, sondern auf Farbe intoniert).
Aber wenn das Pedal dann nur noch aus Extensionen und "geliehenen" Manualregistern besteht, bekomme ich meine Zweifel daran. Vor allem bei den Zungenregistern.

Herzlichen Gruß
Peter

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

kjz1, Montag, 31. Oktober 2011, 14:04 (vor 5417 Tagen) @ Friedrich

Um noch eine nicht abgesicherte Mutmaßung zu ergänzen: Das historische Register Konzertflöte ist doch eigentlich eine eng mensurierte, von außen angeblasene und eher zarte Soloflöte. Da wäre ich mal gespannt, wie es hier ausgelegt wird. Für mich liest sich die SW-Disposition eher elsässisch-reformiert als französisch, wozu die übrige Besetzung auch passt (leichtes HW, bescheidenes und grundtöniges Positiv).

Da würde ich zunächst einmal davon ausgehen: 'Namen sind Schall und Rauch'. Was dann mit dieser Bezeichnug tatsächlich gebaut wird und wie man es intoniert, das muss man sehen. Eigentlich sollte die Orgel eher englisch 'angehaucht' sein, dafür wurde dann das Solo und das Pedal mit den Extensionen stehen.

Viele Grüße,

- Karl-Josef

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

kjz1, Montag, 31. Oktober 2011, 14:33 (vor 5417 Tagen) @ Friedrich

Persönlich nervt mich, dass die Pedalzunge so ausgewrungen wird, als wäre es egal, ob man eine 8'-Trompete hat oder eine Posaune in Tenorlage (»Hauptsache Krach«?). Eine Klangfarbe in Oktaven statt drei, oder meinetwegen auch nur zwei, unterschiedliche.

Aus rein musikalischen Gründen wäre ich auch eher für selbständige Pedalregister, aber es spielen halt nicht nur musikalische Gründe eine Rolle. Dazu muss man wohl etwas mehr von den Hintergründen kennen.

Die Kirche ist zwar nicht riesig, aber auch nicht ganz klein. Sie gehört zu den ältesten Kirchen in Deutschland und hat einige kunsthistorische Bedeutung. Erste Rahmenbedingung: der Denkmalschutz wacht sehr kritisch über jedwede bauliche Veränderungen, i.e. natürlich auch die Orgel.

Aufgrund ihrer Bedeutung und des 'Ambientes' wird die Kirche häufig für Hochzeiten, Festgottesdienste mit überregionaler Bedeutung und Konzerte genutzt. Zudem wird die Kirche jedes Jahr von tausenden Touristen (gerade jetzt wieder bei der BUGA) besucht. Das bisherige 'Interims-Örgelchen' (11 Register) reicht für den rein liturgischen Gebrauch aus, nicht jedoch für obigen Zwecke. Zweite Rahmenbedingung: es sollte sich um ein 'repräsentatives' Instrument handeln, das auch bei vollbesetzter Kirche noch führen kann und nicht gnadenlos (wie zur Zeit üblich) von der Menge 'niedergesungen' wird.

Es ist keine Westempore vorhanden. Es gab zwar mal eine Holzempore, diese war jedoch ein späterer Einbau und ist im 2. Weltkrieg (samt Orgel) abgebrannt. Eine Empore wird vom Denkmalschutz nicht genehmigt. Die Orgel kann also nur an der Westwand über dem Portal aufgehängt werden. Dahinter befindet sich die ebenfalls kunsthistorisch bedeutende Michaelskapelle, die möglichst nicht angetastet werden sollte. Insofern stehen für die Statik nur begrenzte Spielräume zur Verfügung, zudem ist der Platz in der Höhe begrenzt (16'). Eine Aufstellung auf dem Boden kommt ebenfalls nicht in Frage, da die Kirche öfters von Hochwasser heimgesucht wird. Dritte Rahmenbedingung: die Orgel darf nicht zu schwer und groß (Höhe, Tiefe) ausfallen.

Soweit mir bekannt ist, sind für bauliche Massnahmen relativ hohe Zuschüsse (Bistum, Land, Bund) zu erhalten. Da gibt es für die Gemeinde also einen recht großen 'Hebel', man kann mit relativ wenig Eigenanteil viel erreichen. Leider gilt dies nicht für die Orgel, die die Gemeinde zum allergrößten Teil selbst finanzieren muss. Die Gemeinde ist relativ klein, zudem hat sie die Baulast einer großen historischen Kirche zu tragen. Vierte Rahmenbedingung: es steht nur ein begrenztes Budget zur Verfügung.

Und welche Register sind groß, schwer und teuer... Aus den gegebenen Rahmenbedingungen ergibt sich für mich ganz zwangsläufig der Schluss, dass man dann halt beim Pedal Kompromisse eingehen muss. Oder wo könnte man sonst in nennenswertem Umfang Platz, Gewicht und Kosten einsparen? Einige Pedalregister nur elektronisch bauen? Das wäre dann aber auch ein Bruch im Konzept.

Wie bereits gesagt: bei der Nachbarkirche wurde ein ähnliches Konzept verfolgt, ich habe da bei Konzerten noch nichts vermisst. Zudem sind ja dutzende (hunderte?) Orgeln in den USA nach diesem 'Unit'-Konzept im Pedal gebaut. Da scheint es ja auch zu funktionieren. Man könnte sich höchstens wünschen, dass evtl. alle 16' aus dem Manual auch als Transmission im Pedal spielbar sind. Musikalisch sind sicher bessere Lösungen denkbar, aber unter den gegebenen Rahmenbedingungen?

Viele Grüße,

- Karl-Josef

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

Martin78 @, Montag, 31. Oktober 2011, 16:16 (vor 5417 Tagen) @ kjz1

Mittlerweile wurde auch die geplante Disposition in der Kirche ausgehängt und ist somit veröffentlicht:

(...)

Eins ist sicher: Diese Orgel dürfte den Raum mehr als ausreichend füllen, der ist ja wirklich nicht riesig (im Vergleich zu anderen Koblenzer Kirchen im Kathedralformat, St. Josef in der Südstadt oder Herz-Jesu, wo gute Instrumente stehen und beweisen, dass man diese Kirchen auch ohne "Ramba-Zamba" füllen kann).

Wobei ich grundsätzlich wirklich nichts gegen Gravität habe (16'-Plenum) :-)

Vielleicht kann es sich der Orgelbauer hier sogar mal leisten, z.B. die Fanfare so zu intonieren, dass einem im Raum nicht gleich die Ohren abfallen... ist doch mal eine traumhafte Situation, eine so opulente Disposition in einen gut klingenden Raum integrieren zu dürfen, ohne die Pfeifen komplett "aufreißen" zu müssen.

Viele Grüße
Martin

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

kjz1, Montag, 31. Oktober 2011, 16:52 (vor 5417 Tagen) @ Martin78

Eins ist sicher: Diese Orgel dürfte den Raum mehr als ausreichend füllen, der ist ja wirklich nicht riesig (im Vergleich zu anderen Koblenzer Kirchen im Kathedralformat, St. Josef in der Südstadt oder Herz-Jesu, wo gute Instrumente stehen und beweisen, dass man diese Kirchen auch ohne "Ramba-Zamba" füllen kann).

Sicher, wobei St. Josef zwar hoch, aber nicht allzu lang und breit ist. Für eine romanische Kirche ist St. Kastor relativ breit und hat sehr hohe Seitenschiffe (Was Kunsthistoriker im Sinne der 'reinen Lehre' auch immer etwas verzweifeln lässt). Also rechnet man das Raumvolumen, so ist da sicherlich genug vorhanden. Dazu dann noch relativ große Steinflächen und Bänke aus Hartholz ohne allzu üppige Polsterung.

Vielleicht kann es sich der Orgelbauer hier sogar mal leisten, z.B. die Fanfare so zu intonieren, dass einem im Raum nicht gleich die Ohren abfallen... ist doch mal eine traumhafte Situation, eine so opulente Disposition in einen gut klingenden Raum integrieren zu dürfen, ohne die Pfeifen komplett "aufreißen" zu müssen.

Die Vorvorgänger-Orgel hatte ja Horizontaltrompeten 8' und 4', die meiner Erinnerung nach aber auch eher 'dezent' intoniert waren (jedenfalls keine 'Partyhörner'). Ich kann mir schon vorstellen, dass in diesem Raum eine engl. Tuba (mit gekröpften Bechern) in einem gut isolierten Schwellkasten gut verwendet werden kann. Eher dezent bei geschlossenem Schweller, bei voll geöffnetem Schwellkasten dann aber auch eindeutig im Tutti wahrnehmbar.

Viele Grüße,

- Karl-Josef

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

kjz1, Montag, 20. Februar 2012, 19:28 (vor 5304 Tagen) @ kjz1
bearbeitet von kjz1, Montag, 20. Februar 2012, 19:32

Mittlerweile gibt es für diese Orgel auch einen Prospektentwurf:

http://www.sankt-kastor-koblenz.de/Orgei1.jpg

Leider nur eine Ausschnittvergrößerung, im Original zeigt die Photomontage die gesamte Westwand der Kirche inklusive Orgel. Da sind dann die Proportionen besser sichtbar. Die Pfeifenmündungen nehmen nämlich jeweils die Verläufe der umgebenden Architektur auf. Der Verlauf der Positiv-Prospektpfeifen spiegelt z. Bsp. den Spitzbogen des Westfensters. Was man hier auch nicht sieht: im Original wirkt die (digitale?) Photomontage erstaunlich real, man könnte meinen, es wäre ein Bild der bereits fertig errichteten Orgel.

Viele Grüße,

- Karl-Josef

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

Friedrich @, Montag, 20. Februar 2012, 19:46 (vor 5304 Tagen) @ kjz1

Mittlerweile gibt es für diese Orgel auch einen Prospektentwurf:

http://www.sankt-kastor-koblenz.de/Orgei1.jpg

»Haben wir vielleicht uns schon gesehen?« (Seume)

:-)
Friedrich

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

Friedrich @, Montag, 20. Februar 2012, 19:47 (vor 5304 Tagen) @ Friedrich

Mittlerweile gibt es für diese Orgel auch einen Prospektentwurf:

http://www.sankt-kastor-koblenz.de/Orgei1.jpg


»Haben wir vielleicht uns schon gesehen?« (Seume)

Allerdings, um das hinzuzufügen: Die Koblenzer Ausprägung der Idee gefällt mir architektonisch besser als die am Genfer See.

Gruß,
Friedrich

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

kjz1, Montag, 20. Februar 2012, 20:03 (vor 5304 Tagen) @ Friedrich

Allerdings, um das hinzuzufügen: Die Koblenzer Ausprägung der Idee gefällt mir architektonisch besser als die am Genfer See.

Der Prospektentwurf wirkt auf mich auch modern, aber trotzdem der umgebenden Architektur angepasst und damit auch nicht zu dominant.

Soweit ich es sehe, der Prästant 16' des Hauptwerks im Prospekt, rechts und links die Schwellkästen für Schwellwerk und Solo, darüber und seitlich dann Hauptwerks- und Pedalladen. In der Mitte Spielschrank und darüber das Positiv.

Ein Gehäuse benötigt man nicht unbedingt, da die vorhandene Akustik relativ 'resonant' ist. Die umgebenden (glatten) Wände und das steinerne Gewölbe nach oben stellen quasi die Reflektoren für den Schall dar.

Viele Grüße,

- Karl-Josef

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

kjz1, Montag, 20. Februar 2012, 19:56 (vor 5304 Tagen) @ Friedrich

Mittlerweile gibt es für diese Orgel auch einen Prospektentwurf:

http://www.sankt-kastor-koblenz.de/Orgei1.jpg


»Haben wir vielleicht uns schon gesehen?« (Seume)

Alerdings strebt St. Kastor mehr in die Breite, denn in die Höhe (für eine typische romanische Kirche eigentlich viel zu breit) und ist auch im Innern um einiges heller, deshalb auch das grau gebeizte Holz.

Viele Grüße,

- Karl-Josef

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

doppelfloete_h @, Hannover, Montag, 20. Februar 2012, 22:20 (vor 5304 Tagen) @ Friedrich

...lustig, das war spontan auch meine allererste Assoziation :)

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

tombecher @, Saarbrücken, Montag, 20. Februar 2012, 22:01 (vor 5304 Tagen) @ kjz1

... und wer darf sie nun letztlich bauen? Gibt es mittlerweile einen (unterschriebenen) Vertrag ?

fragt: Thomas

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

kjz1, Dienstag, 21. Februar 2012, 08:24 (vor 5304 Tagen) @ tombecher

... und wer darf sie nun letztlich bauen? Gibt es mittlerweile einen (unterschriebenen) Vertrag ?

Von einem Vertrag ist mir bisher offiziell nichts bekannt. Aber der (öffentlich) in der Kirche ausgehängte Dispositions- und Prospekt-Entwurf und die (obligatorische?) Spenden-Pfeife tragen alle das Signet der Fa. H. Mayer.

Wenn ich das richtig überblicke, dürfte dies eines der größten Projekte (mir fallen da noch St. Johann, Saarbrücken und St. Bonifatius, Wiesbaden ein) der Firma sein.

Viele Grüße,

- Karl-Josef

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

kjz1, Montag, 28. Mai 2012, 13:17 (vor 5207 Tagen) @ kjz1

Die ersten Schritte sind getan, die alte Spaeth-Orgel wurde von der Nordwand der Vierung abmontiert, es blieb nur noch das stählerne Traggerüst zurück:

[image]

Als Nebeneffekt klingt jetzt das zur Zeit in Benutzung befindliche Orgelpositiv etwas lauter, da es ja zuvor qasi in einer Nische unter der Orgel stand und nun frei in den Raum klingen kann.

Und an die jetzt noch leere Westwand soll dann die neue Orgel gehängt werden:

[image]

Viele Grüße,

- Karl-Josef

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

kjz1, Sonntag, 17. Juni 2012, 14:55 (vor 5187 Tagen) @ kjz1

Mittlerweile gibt es zu diesem Projekt auch einen Flyer, welcher die Planungen (samt Bild) noch einmal kompakt zusammenfasst:

Orgelprojekt St. Kastor

Viele Grüße,

- Karl-Josef

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

Cor de Basset, Sonntag, 17. Juni 2012, 16:29 (vor 5187 Tagen) @ kjz1
bearbeitet von Cor de Basset, Sonntag, 17. Juni 2012, 16:49

Mittlerweile gibt es zu diesem Projekt auch einen Flyer, welcher die Planungen (samt Bild) noch einmal kompakt zusammenfasst:

Orgelprojekt St. Kastor

Viele Grüße,

- Karl-Josef

Ein sehr ambitioniertes und spannendes Projekt! Aber warum wird (wie leider schon viel zu oft bei Orgelneubauten in den letzten 20 Jahren in Deutschland) auch diesmal offensichtlich nicht die Chance genutzt, wenn schon der Pedalumfang C-g' beträgt, auch den Klaviaturumfang der vier Manuale konsequenterweise mit 61 Tasten (C-c'''') zu konzipieren? Stattdessen wird das Pfeifenwerk für das 2. und 3. Manual bis a'''' auf 73 Töne zur Verwendung der Superoktavkoppeln ausgebaut.

Angesichts der Menge an Orgelliteratur, die einen Manualumfang von C-c'''' tatsächlich zwingend voraussetzt, wäre für mich das übliche K.O.-Argument, dass man die drei obersten Töne viel zu selten benötigen würde (und somit der Aufpreis nicht gerechtfertigt wäre), nicht überzeugend (ohne hier die zusätzlichen Möglichkeiten bei der Improvisation oder auch bei Transkriptionen genauer zu diskutieren). Eine Orgel mit diesem Konzept ist eindeutig nicht darauf ausgelegt, ausschließlich liturgische, sondern auch vielfältige konzertante Funktionen zu erfüllen. Trotzdem bin ich gespannt auf das klangliche Ergebnis.

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

kjz1, Sonntag, 17. Juni 2012, 16:56 (vor 5187 Tagen) @ Cor de Basset

Aber warum wird (wie leider schon viel zu oft bei Orgelneubauten in den letzten 20 Jahren in Deutschland) auch diesmal offensichtlich nicht die Chance genutzt, wenn schon der Pedalumfang C-g' beträgt, auch den Klaviaturumfang der vier Manuale konsequenterweise mit 61 Tasten (C-c'''') zu konzipieren?

In der Expertenkommission waren 3 Professoren vertreten, die alle auch als Orgellehrer tätig sind: Prof. Höhnen (Uni Koblenz), Prof. Gnann (Uni Mainz) und Prof. Sander (Uni Heidelberg/Detmold). Da sollte man eigentlich annehmen, dass diese die Literatur kennen.

Ich würde 2 Gründe vermuten: man schätzt die Anzahl der Stücke, die diesen Klaviaturumfang benötigen, als gering ein. Zudem würde diese Literatur an dieser Orgel wohl eher selten gespielt werden. Das ganze Projekt unterliegt auch gewissen finanziellen (und räumlichen) Restriktionen. Mit dem jetzt Geplanten ist die Gemeinde sicher schon an den Rand des finanziell Machbaren gegangen. Sonst gäbe es wahrscheinlich auch nicht die Extensionen und Transmission im Pedal. Der Raum mit seiner relativ 'großen' Akustik könnte problemlos auch 50+ Register vertragen.

Man muss bedenken, es ist eine relativ kleine Gemeinde mit recht hohem Altersdurchschnitt, die aber eine große und sehr alte Kirche zu unterhalten hat. Ohne einige größere Spenden im Vorfeld wäre das ganze Projekt wahrscheinlich nie in die Realisierungsphase getreten. Und dass dieses Projekt erst 20 Jahre nach der Kirchenrenovierung begonnen werden konnte, liegt auch daran, dass die Schulden durch versch. Renovierungsprojekte erst einmal bezahlt sein wollen.

Viele Grüße,

- Karl-Josef

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

Cor de Basset, Sonntag, 17. Juni 2012, 17:10 (vor 5187 Tagen) @ kjz1

Aber warum wird (wie leider schon viel zu oft bei Orgelneubauten in den letzten 20 Jahren in Deutschland) auch diesmal offensichtlich nicht die Chance genutzt, wenn schon der Pedalumfang C-g' beträgt, auch den Klaviaturumfang der vier Manuale konsequenterweise mit 61 Tasten (C-c'''') zu konzipieren?


In der Expertenkommission waren 3 Professoren vertreten, die alle auch als Orgellehrer tätig sind: Prof. Höhnen (Uni Koblenz), Prof. Gnann (Uni Mainz) und Prof. Sander (Uni Heidelberg/Detmold). Da sollte man eigentlich annehmen, dass diese die Literatur kennen.

Nach den Konzertaktivitäten und künstlerischen Schwerpunkten aller drei Professoren zu urteilen, spielt keiner dieser drei Musiker, die ich im Übrigen sehr schätze, entsprechende Literatur, sondern konzentriert sich auf den europäischen Bereich zwischen der Zeit vor Bach bis zur deutschen Romantik und dem frühen 20. Jahrhundert (die die angesprochenen Klaviaturumfänge nicht erfordert), was selbstverständlich völlig legitim ist.

Ich würde 2 Gründe vermuten: man schätzt die Anzahl der Stücke, die diesen Klaviaturumfang benötigen, als gering ein.

Das lässt darauf schließen, dass man sich der Menge der existierenden Literatur nicht bewusst ist oder sie schlichtweg nicht kennt.

Zudem würde diese Literatur an dieser Orgel wohl eher selten gespielt werden. Das ganze Projekt unterliegt auch gewissen finanziellen (und räumlichen) Restriktionen. Mit dem jetzt Geplanten ist die Gemeinde sicher schon an den Rand des finanziell Machbaren gegangen. Sonst gäbe es wahrscheinlich auch nicht die Extensionen und Transmission im Pedal. Der Raum mit seiner relativ 'großen' Akustik könnte problemlos auch 50+ Register vertragen.

Was wäre angesichts eines Orgelneubaues von mehr als einer Million Euro teurer gewesen: Der Ausbau der Superoktavkoppeln in zwei Manualen, oder drei zusätzliche Tasten im Diskant für alle Manualregister?

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

kjz1, Sonntag, 17. Juni 2012, 18:28 (vor 5187 Tagen) @ Cor de Basset

Was wäre angesichts eines Orgelneubaues von mehr als einer Million Euro teurer gewesen: Der Ausbau der Superoktavkoppeln in zwei Manualen, oder drei zusätzliche Tasten im Diskant für alle Manualregister?

Bei jedem Projekt bleiben wohl einige Wünsche offen. Was ich mich z. Bsp. frage:

Bei der neuen Orgel der Nachbarkirche (derselbe OSV) wurde das Pedal ebenfalls mit Extensionen disponiert. Dort gibt es aber zumindestens eine Pedalmixtur als unabhängiges Register. Und die Zunge wurde bis in die 32'-Lage extendiert. Das hat man sich hier 'gespart'.

Wenn man schon eine so umfangreiche elektr. Koppelanlage baut, dann könnte man eigentlich auch noch in der Pedaltraktur Abzugsmagnete vorsehen. Dann wäre nämlich mit recht geringem Aufwand ein elektr. Zweitspieltisch nachrüstbar.

Das Solowerk soll wohl auf hohem Winddruck stehen: Viola pomposa, Doppelflöte, Fanfare/Tuba. Warum dann aber dort eine Harmonia aetheria?

Viele Grüße,

- Karl-Josef

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

Cor de Basset, Sonntag, 17. Juni 2012, 19:13 (vor 5187 Tagen) @ Cor de Basset

Was wäre angesichts eines Orgelneubaues von mehr als einer Million Euro teurer gewesen: Der Ausbau der Superoktavkoppeln in zwei Manualen, oder drei zusätzliche Tasten im Diskant für alle Manualregister?

Meine flüchtige Berechnung ergab: Bei den ausgebauten Superoktavkoppeln in den Manualen II und III (Töne b'''-a'''') umfasst dies etwa 336 zusätzliche Pfeifen; für eine Alternative mit erweitertem Klaviaturumfang in allen vier Manualen (61 Tasten, Töne b'''-c'''') wären etwa 170 zusätzliche Pfeifen erforderlich, zuzüglich der erweiterten Spieltraktur und Koppelmechanik bzw. -elektrik.

Hinsichtlich des Konzepts einer Superoktavkoppel ist es interessant zu sehen, dass Christian Scheffler bei seiner Restaurierung/Rekonstruktion der großen Sauer-Orgel im Bremer Dom (mit immerhin 98 Registern plus einer Transmission im Pedal) nur ein einziges Manual (II. Manual) bis a'''' für die Superoktavkoppel II/I erweitert hat; darüber hinaus wurden alle Manualumfänge bei diesen Arbeiten von 54 Tasten (C-f''') auf 58 Tasten (C-a''') erweitert.

Die Konzeption der Orgel in St. Kastor in Koblenz lässt mich (abgesehen von der, ehrlich gesagt, etwas enttäuschenden Standard-Hauptwerksdisposition) auf eine Präferenz der deutschen Romantik schließen. Ich halte es angesichts der Disponierung einer Schwebung (Unda maris) sowie der Harmonia aetheria für unwahrscheinlich, dass das Solo-Werk einen höheren Winddruck erhält, sondern vielmehr eine zusätzliche Klangebene bieten soll.

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

kjz1, Sonntag, 17. Juni 2012, 19:36 (vor 5187 Tagen) @ Cor de Basset

Die Konzeption der Orgel in St. Kastor in Koblenz lässt mich (abgesehen von der, ehrlich gesagt, etwas enttäuschenden Standard-Hauptwerksdisposition) auf eine Präferenz der deutschen Romantik schließen. Ich halte es angesichts der Disponierung einer Schwebung (Unda maris) sowie der Harmonia aetheria für unwahrscheinlich, dass das Solo-Werk einen höheren Winddruck erhält, sondern vielmehr eine zusätzliche Klangebene bieten soll.

Vor einigen Tagen wurde die alte Späth-Orgel abgebaut. Zumindestens geplant war es, zur Kostenreduzierung einen Teil der alten Pfeifen wiederzuverwenden. Da spielt es natürlich auch eine Rolle, was dann wie weiterverwendet werden kann. Wie mir der Orgelbauer mitteilte, soll die Orgel eher 'englisch angehaucht' sein. Insofern war zumindestens halt doch ein Solowerk angloamerikanischen Stils mit höherem Winddruck geplant. Deshalb wohl auch Viola pomposa und Tuba. Aber wie uns schon viele Diskussionen hier gelehrt haben: (Register-)Namen sind Schall und Rauch.

Viele Grüße,

- Karl-Josef

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

Oliver Horlitz ⌂, Sonntag, 17. Juni 2012, 18:16 (vor 5187 Tagen) @ kjz1

Ich würde 2 Gründe vermuten: man schätzt die Anzahl der Stücke, die diesen Klaviaturumfang benötigen, als gering ein. Zudem würde diese Literatur an dieser Orgel wohl eher selten gespielt werden. Das ganze Projekt unterliegt auch gewissen finanziellen (und räumlichen) Restriktionen. Mit dem jetzt Geplanten ist die Gemeinde sicher schon an den Rand des finanziell Machbaren gegangen. Sonst gäbe es wahrscheinlich auch nicht die Extensionen und Transmission im Pedal. Der Raum mit seiner relativ 'großen' Akustik könnte problemlos auch 50+ Register vertragen.

Dann wird das Extrem-Spar-Pedal noch unverständlicher...drei Pfeifenreihen mit doppelten Extensionen! Ob das dort akustisch befriedigend sein wird?.

fragt sich - freundlich grüßend
Oliver

Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

kjz1, Sonntag, 17. Juni 2012, 18:36 (vor 5187 Tagen) @ Oliver Horlitz

Dann wird das Extrem-Spar-Pedal noch unverständlicher...drei Pfeifenreihen mit doppelten Extensionen! Ob das dort akustisch befriedigend sein wird?.

Ich glaube schon. Bei der Nachbarorgel hat man ein sehr ähnliches Konzept verfolgt. Und da habe ich absolut nicht den Eindruck, dass da im Pedal etwas 'fehlen' würde. Im Gegenteil, das Pedal ist dort sehr 'prominent'.

Ausserdem, was man nicht sieht: die Kirche hat in der Akustik einen sehr großen 'Bloom', insbesondere in den tiefen Frequenzen. Bei Sinfoniekonzerten schwillt ein Paukenwirbel zu einen großen 'Donner' an, der fast das ganze übrige Orchester 'erschlägt' (was Konzertkritiker dann immer wieder bemängeln). Durch diese ausgeprägte 'Tiefenresonanz' habe ich da wegen des schwächer besetzten Pedals keine Bedenken.

Viele Grüße,

- Karl-Josef

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