Bardowick

Barry Jordan, Montag, 16. Januar 2012, 09:11 (vor 5353 Tagen)

Liebe Foris

Wolfgang wird sicherlich mehr zu sagen haben (und natürlich auch einige schöne Bilder posten!), aber vielleicht darf ich erstmal einige Eindrücke von der gestrigen Einweihung der neuen Bardowicker Domorgel schildern.

Um einige dringenden offenen Fragen zu beantworten, nein, es gab keine Grußworte während des Gottesdienstes, und die angebotenen Suppen waren Kartoffel- und Kürbis-, Erbsensuppe kam nicht vor. Den Gottesdienst eröffnete Domorganist Peter Elflein mit einer Wiedergabe des großen C-Dur Praeludiums von J.S. B auf der Ahlborn-Orgel, ein Mixturklang, der zur Blasenbildung an meinen Gehörgängen führte. Einige Lieder dann, sehr schnell gesungen. Eine kurze Handlung zur "Indienststellung" folgte, dann nahm Harald Vogel Platz an der neuen Schuke-Orgel. Alle weiteren Lieder waren dann eher sehr langsam zu singen. Eine besondere Pikanterie war sicherlich das Lied "Bewahre uns Gott" von Prof. Vogel begleitet, mitsamt Vorspiel als Bicinium. Am Ende dann das "kleine" C-Dur BWV 545, mit Fuge. Dieses ausladende Nachspiel gab der Frau hinter mir die Gelegenheit in einiger Länge zu erklären, dass sie schon am Vorabend die Orgel gehört habe, denn sie gehe schliesslich jeden Abend 22.30 mit dem Hund raus, wunderschön sei sie. Ich konnte die Versuchung wiederstehen, ihr zu sagen, dass wenn zu endlich zu Quatschen aufhören würde, ich auch eventuell diese Erfahrung machen dürfte; aber die versammelte Gemeinde hat im übrigen auch die willkommene Gelegenheit zur Auswertung mit Begeisterung aufgenommen. Die Predigt beschäftigte sich wie üblich mit der Frage, ob, wie bei der Hochzeit zu Canaa, es unbedingt Wein sein müsste, oder ob Wasser nicht auch gereicht hätte?

Danach gleich, um das Entkommen zu verhindern, gleich die Grußworte, die aber relative kurz und schmerzlos waren; am Ende (als 4. Redner) Matthias Schuke mit einigen sehr schönen Worten, einschließlich ein Plädoyer, die "!Orgel nicht zu schonen; dazu ist sie nicht da." Dann die Suppen.

Vogels "Registervorführung" enthüllte dann einiger Qualitäten dieser bemerkenswerte Orgel, ja ganz im thüringischen Stil gehalten, aber keine Kopie. Vogel lobte insbesondere die Flöten und Streicher - zurecht - und hob die Mischfähigkeit dieser Stimmen hervor. Fagar und Hohlflöte des Oberwerkes könnte man zusammen einen ganzen Abend anhören; im Gegensatz zu HV hat ich aber den Eindruck, dass die Mischung eher an Kontur und Schönheit verliert, wenn der Gedackt auch in den Eintopf geworfen wird. Allerdings verliebte ich mich sofort in das Prinzipal 8 des Hauptwerkes. Unvorstellbar schön auch die trichterförmige Viola da Gamba. An schöne Klänge ist kein Mangel, so viel Zeit hat man nicht.

Schukes haben meiner Ansicht nach mit dieser Orgel ernsthaft bewiesen, dass hier eine Werkstatt ist, die hervorragendes leisten kann. "Meiner" Domorgel hat für diesen Betrieb nicht den Aufschwung gebracht, den ich mir damals erhofft habe. Es ist kein Geheimnis, dass ich selber über die Auswahl der Firma Schuke nicht glücklich war, und ich musste mich langsam überzeugen (lassen) davon, dass die Firma nicht nur grundsolide sondern auch fantasievoll agiert. Dennoch findet sie ihren Absatzgebiet hauptsächlich noch im Ausland, und ich habe mich sehr gefreut, dass sie nun die Gelegenheit hatten, einen Neubau im "Westen" zu realisieren. Alle, die sich über Stahlträger und "Abflussröhre" in meiner Orgel echauffiert haben, können ganz beruhigt sein: in Bardowick ist nichts dergleichen zu sehen.

Ein letztes Wort zum Thema Orgelgehäuse und Inhalt. Auch ich war ein wenig skeptisch, muss ich zugeben; aber eigentlich geht alles ganz gut auf. Die Form der Gehäuse ist so falsch nicht, verglichen mit, zB, der Eilert-Köhler-Orgel in Suhl, die ja Pate steht für dieses Instrument, oder sogar mit Waltershausen. Einziges Manko, vielleicht - so gut wie gar nichts im Prospekt ist klingend, was die Furtwänglerische Bauart vorbedingt. Das hört man nicht:-)

Herzliche Grüße
Barry


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