Elisa Rabanus, Marcel Andreas Ober in St. Lambertus, D-Altst

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Dienstag, 03. Januar 2012, 11:40 (vor 5364 Tagen)

Hallo Forum,

alle Kirchenbänke voll besetzt, 40-50 zusätzliche Stühle - so gut sind die Internationalen Orgelkonzerte in St. Lambertus nicht immer besucht. Aber es war ja auch ein besonderes Ereignis. Seit zwei Tagen heißt der Lambertusorganist Marcel Andreas Ober. Und den wollte man bei seinem Konzertdebut in diesem Amt erleben.

Es war schon ein kleines Wagnis, mit Widors Neunter zu beginnen. Denn was, bitteschön, konnte man noch danach bringen? Ober löste das Problem geschickt. Nach dem zweiten und dritten Satz ließ er Verse des gregorianischen Chorals “Puer natus est” singen solistisch, Sopran). Damit hatte er eine Klammer zum Folgenden. Denn auch da wechselten Choräle und Orgelstücke einander ab. Aber der Reihe nach:
Ober spielte zunächst am mechanischen Spieltisch im Turm. Dunkel erregt und suchend kam der erste Satz, der zweite mit herrlichen Kantilenen. Dann die ersten Choralverse von Elisa Rabanus (zierlich, Pagenkopf, Sakko, Krawatte - allein im Chorraum). Nun das freudig erregte, fugierte Allegro. Wieder Choralzeilen (Rabanus jetzt in voller Sicherheit - immer wieder genial, dieses gregorianischen Weisen mit ihren unerwarteten Intervallsprüngen). Der letzte Satz gediegen beginnend, dann vielgestaltig; betörende Bläsersoli, glanzvolle Steuerung ohne massiert zu wirken. Durchatmen!

Gelobet seist du, Jesu Christ, BWV 604 schloß sich wie selbstverständlich an. Diesmal mit Begleitung der Orgel sang Rabanus danach diesen Choral.

Von Duruflé folgte das Prélude sur l’Introit de l’Épiphanie. Kurz aber herrlich. Rabanus antwortete wieder solistisch mit dem Introitus “Ecce advenit”

Jetzt wechselte Ober zum zentralen Spieltisch im Chor. Mit Fuga sopra “Vom Himmel hoch...” BWV 700 ging es weiter. Der von Luther eingedeutschte Choral “Christum sollen wird loben schon, wurde nun gesanglich dargeboten, anschließend als Orgelstück BWV 604 gespielt.

Nun stimmte Rabanus das “Noel nouvelet” an - jenes Weihnachtslied, über das Dupré seine Variationen op. 30 geschrieben hat. Klar, daß dieses Stück dann am Ende des Konzerts stand. Ober kostete den Farbenreichtum der Orgel voll aus, gab jeder Variation ein eigenes Tempo, einen besonderen Charakter. Das alles ohne Übertreibungen. Sehr lebendig und farbig also. Als die Schlußakkorde standen, wurde der Nachhall kaum abgewartet: Brausender, anhaltender Beifall für beide Künstler. Zugabe von Ober: Dupré, Esquisses op. 41.2. e-moll.

Ein vollauf gelungener Einstand.

Gruß Clemens Schäfer

P.S.
Die von Heinz Terbuyken begründete Reihe der Internationalen Orgelkonzerte wird von Marcel Andreas Ober fortgesetzt:
Das geht am 06.02., 19:30h mit einem besonderen Bonbon los. Otto Maria Krämer, Straelen, spielt improvisierend zum Stummfilm “Ben Hur” (1925, 142 Min.)
05.03., 19:30h, Gerben Mourik, Oudewater (Niederlande)
02.04., 10:30h, Marcel Andreas Ober (Dupré, Le chemin de la croix op. 29), Dr. Wolfram Goertz, Sprecher
07.05., 19:30h, Ansgar Wallenhorst, Ratingen
04.06., 19:30h, Anthony Halliday, Melbourne (Australien)
02.07., 19:30h, Vincent & Lidia Dubois, Reims (Frankreich)
06.08., 19:30h, Isabelle Demers, Quebec (Kanada)
03.09., 19:30h, Dr. Wolfram Goertz, Mönchengladbach
01.10., 19:30h, Stephen Tharp, New York (USA)
05.11., 19:30h, Thierry Escaich, Paris (Frankreich)
03.12., 19:30h, Olivier Latry, Paris (Frankreich)

Erfreuliche Aussichten!

P.P.S.
Die Winterlichen Orgelkonzerte zum Thema “Orgel mit Stimme” werden an den kommenden Montagen fortgesetzt. http://www.duesseldorfer-kirchenmusik.de/html/tab2.htm

Und die Konzerte des Oberkasseler Orgelfrühlings (zwischen Ostern und Pfingsten - mit interessanten Programmen) sind auch schon online.
http://evangelisch-in-oberkassel.de/jahresprogramm_kirchenmusik

--
Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)


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