Gehen der evangelischen Kirche die Organisten aus?
Saltzianell, Donnerstag, 29. Dezember 2011, 15:39 (vor 5367 Tagen)
Gehen der evangelischen Kirche die Organisten aus?
Hausorgler
, Feldkirch/Vorarlberg, Donnerstag, 29. Dezember 2011, 20:26 (vor 5367 Tagen) @ Saltzianell
Meine Erfahrungen beziehen sich eher mehr auf die katholische Situation. Doch verglichen mit dem katholischen "Sitten", herrschen bei den Evangelischen geradezu paradiesische Zustände. Das betrifft nicht nur die Bezahlung. Insgesamt ist die Würdigung der Organisten in der evangel. Kirche höher. Wenn ich in einer evangelischen Gemeinde aushalf, war es immer so, daß der Pfarrer der Gemeinde mitteilte, wer aushilft und er bedankte sich bei der Gelegenheit gleich öffentlich. Solches habe ich in katholischen Gottesdiensten in 35 Jahren nie erlebt.
Insgesamt setzt die katholische Kirche meinem Eindruck nach weit mehr auf Nebenamtler. Nebenamtler sind allerdings vielerorts auch rar geworden. Wer die Woche hindurch einem anstrengenden Brotberuf nachgeht, ist nicht unbedingt bereit, jedes Wochenende für den Organistendienst frei zu halten. Und wo gibt es schon so viele Organisten, daß man sich abwechseln kann?
Ein weiteres Problem besteht für hauptamtliche katholische Musiker (wie für jeden in der kath. Kirche Angestellten), daß sie gewisse "Loyalitätspflichten" haben. Darunter fällt beispielweise die Unmöglichkeit einer zweiten Eheschließung nach einer Scheidung. Wegen solcher Verletztung der "Loyalitätspflicht" wurde unlängst der Paderborner Domorganist gefeuert und ein anderer Organist (wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, aus dem Bistum Essen) hat eine solcherart verfügte Entlassung bis zum Europäischen Gerichtshof durchgefochten.
Man kann zwar als katholischer Musiker an der Existenz Gottes zweifeln, wie man bei Peter Planyavski nachlesen kann, aber wehe, man verliebt sich ein zweites Mal. Bedenkt man, wie klein das Spektrum der Ausweichsmöglichkeiten für einen hauptberuflichen Kirchenmusiker ist, dürfte ein solches Damoklesschwert bei der Berufswahl für einen kathol. Kirchenmusiker durchaus bedenkenswert sein. Interessant ist allerdings, daß man in solchen Fällen bei den preislich günstigen Neben- und fast Ehrenamtlichen wiederum so gut wie keine Berührungsängste mit Wiederverheirateten hat. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
Grundsätzlich denke ich, daß in beiden Konfessionen die Organisten knapper werden. Die Entkirchlichung in der Gesellschaft verläuft rasant. Damit sinkt auch das Interesse an Kirchenmusik.
Gehen der evangelischen Kirche die Organisten aus?
hardy, Donnerstag, 29. Dezember 2011, 21:33 (vor 5367 Tagen) @ Hausorgler
Ich bin auch ev. Nebenamtler und denke schon, daß es knapper wird mit Organisten. Bei den Kirchenmusikerkonventen ist die Teilnahme auch nicht so riesig. Es finden aber wenigstens manchmal D-Kurse statt.
Falls ich weiter weg ziehen würde wüßte ich aus unserer Gemeinde jedenfalls keinen Nachfolger an der Orgel. Wichtig ist halt, die Orgel (und die Gottesdienste!) attraktiv zu machen.
Gehen der evangelischen Kirche die Organisten aus?
Tabernakelwanze
, Niederrhein, Freitag, 30. Dezember 2011, 10:55 (vor 5366 Tagen) @ hardy
Ich meine, wir sollten nicht verallgemeinern. Ich habe am 2. Weihnachtstag in Rheinberg, St. Peter katholisch ausgeholfen, und der Pfarrer bedankte sich vor dem Segen mit der Erwähnung meines Namens dafür. Die Gemeinde spendete darüber hinaus Applaus. Da freut sich doch das Dorforganistenherz!
--
Gruß vom Niederrhein
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orgelsolo
, Voitsberg, Freitag, 30. Dezember 2011, 17:41 (vor 5366 Tagen) @ Tabernakelwanze
Guten Abend.
Ich bin nebenberuflicher B-Organist, und hätte liebend gern hauptberuflich katholische Kirchenmusik studiert, wenn die Anstellungsaussichten besser wären.
Was mich auch ärgert ist, dass bei uns zwischen B-Organisten des Kirchenmusikkonservatoriums und B-Organisten der Universität unterschieden wird.
(diese bekommen 3 € mehr)
Die Sonntagsmessen könne in meiner Gegend noch ziemlich abgedeckt werden, jedoch
fällt es immer schwerer Organisten für Begräbnisse wochentags zu finden.
(und recht geschieht es ihnen!)
Während eine Sängerin für ein Ave Maria beim Requiem 100 € verlangen kann, wird es vom Organisten verlangt, dass dieser zum Messtarif )im meinem Fall ca. 17 € spielt)
In den Pfarren hier heißt es: Das Requiem ist ein Geschenk der Kirche für die Familie des Verstorbenen. Somit wird der Organist auch von der Pfarre bezahlt und spielt daher zum Messtarif. (Das gleiche gilt auch für Taufen)
In Wirklichkeit ist in diesem Fall das Requiem ein Geschenk des Organisten an die Familie.
Wovon dieser ansonsten lebt, interessiert keinen.
Wenn in einigen Jahren die Organisten im Rentenalter bei uns wegfallen (die wochentags Zeit haben),
wird man auch für viel Geld bei Begräbnissen keine Orgelmusik bekommen.
Gruß, Martin
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Hausorgler
, Feldkirch/Vorarlberg, Freitag, 30. Dezember 2011, 18:06 (vor 5366 Tagen) @ orgelsolo
Das Requiem mag ja ein Geschenk der Kirche sein, insofern das Gebet gemeint ist. Nicht aber der Zierrat des Requiems. Und dazu gehört die Musik. Auch ein Requiem ohne Musik ist theologisch gesehen vollständig. Doch die Menschen hättens halt gerne etwas hübscher und das ist verständlich. Aber "Lametta und Zierrat" kosten eben.
Und daß beim "Zierrat" sehr wohl Unterschiede gemacht werden, beweisen ja regelmäßig diverse Feudalrequien mit Tschigdarassabum. Ich glaube nicht, daß´dann Chöre und Orchester ihre Dienste den Angehörigen schenken.
Im Übrigen kosten üblicherweise auch die Dienste des Pfarreres einen kleinen Obolus. Also ganz geschenkt ist es ja nicht. Daß das nicht teurer ist, liegt schlicht an der Kirchensteuer: Man kann daraus dem Pfarrer ein Gehalt bezahlen, egal ob und wieviel er arbeitet. Quasi eine Personalbereitstellungsfinanzierung. Solange diese dem Organisten nicht ebenso zugebilligt wird, hinkt das Bild mit dem "Geschenk der Kirche".
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Andreas Scotty Böttcher
, Dresden, Samstag, 31. Dezember 2011, 03:59 (vor 5366 Tagen) @ Hausorgler
bearbeitet von Andreas Scotty Böttcher, Samstag, 31. Dezember 2011, 04:17
Das Requiem mag ja ein Geschenk der Kirche sein, insofern das Gebet gemeint ist. Nicht aber der Zierrat des Requiems. Und dazu gehört die Musik. Auch ein Requiem ohne Musik ist theologisch gesehen vollständig.
Vielleicht verstehe ich nicht viel von Theologie als eher kirchenfremder Agnostiker, wohl aber von Spiritualität. Daran mag es liegen, dass mich der Begriff "Zierrat" im Zusammenhang mit Musik etwas stört. Musik ist das Spirituellste, was es überhaupt gibt. Insofern ist für mich gerade in einem geistlichen Umfeld nichts ohne Musik vollständig und gültig. Kirchenmusiker sollten natürlich dem Pfarrer gleichgestellt werden. Ohne (Orgel-)Musik bekämen mich keine zehn Pferde in eine Kirche. Musik gehört jedenfalls untrennbar zu meinem Verständnis von Spiritualität.
Edit:
Aber wahrscheinlich wird es vielen Christen auch so gehen. Wenn es da kein Umdenken von Seiten der Amtskirchen gibt, braucht sich doch niemand über den Organistenmangel zu wundern.
Herzlich grüßt mit besten Wünschen für einen guten Rutsch
Scotty.
--
"Tradition ist Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche." (Gustav Mahler)
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stein
, Samstag, 31. Dezember 2011, 10:48 (vor 5366 Tagen) @ Andreas Scotty Böttcher
Gute Liturgie und gute Musik potenzieren sich. Das habe ich in meinem Leben immer wieder persönlich erlebt, ob als Kind oder Erwachsener.
Isoliert betrachtet, konnten selbst die schönsten Konzerte nicht diese Empfindungen hervorrufen.
gruss stein
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Hausorgler
, Feldkirch/Vorarlberg, Samstag, 31. Dezember 2011, 13:14 (vor 5365 Tagen) @ Andreas Scotty Böttcher
Subjektiv hast Du da völlig recht und mir geht es ähnlich. Ein Gottesdienst ohne vernünftige Musik ist für mich ein Grund, da wegzubleiben. Ich habe nur die offizielle katholische Sicht wieder gegeben. Die Ritenbücher schreiben zwar exakt die Abläufe und Texte vor und wenigstens theoretisch darf ein Priester davon kein Jota abweichen (tun sie dennoch massenhaft, aber das ist ein anderes Thema). Die Ritenbücher schreiben aber nicht vor, ob diese Texte gesungen oder gesprochen werden. Insofern ist die Musik in der katholischen Liturgie zwar willkommen. Aber welche Intensität, Quantität oder Qualität die Präsenz von Musik dabei hat, ist theologisch völlig irrelevant. Deshalb habe ich durchaus bewußt provokant von "Zierrat" gesprochen. In der alten tridentinischen Messe war eine Missa cantata (also gesungene Messe) ein eigener Ausdruck für eine feierlichere Messe - weil die Norm die (halblaut) gesprochene Messe war, wenn man als Norm die massenhafte Vielzahl der Messen nimmt, die übers Jahr in einer Kirche abgehalten wurden: Die überwiegende Mehrzahl der Messen wurden als sogenannte Privatmessen an den zahlreichen Nebenaltären der Kirchen zelebriert. Man konzelebrierte nicht. Deshalb zelebrierte jeder Priester mindestens eine Messe täglich privat. Oft geschah dies parallel zur Hauptmesse am Hauptaltar. In Klosterkirchen zelebrierten leicht einmal 20 Priester an den dann 20 Altären leise flüsternd parallel zur vielleicht musuikalisch gestalteten Hauptmesse am Hochaltar. Und unabhängig von ihrer Gestaltung galten alle diese Messen spirituell als völlig gleichwertig. Ja, es gab sogar eine Tendenz, die Privatmessen als für die persönliche Spiritualität (des Priesters) wichtiger zu nehmen.
Auch wenn es all das nicht mehr gibt: Aus dieser Tradition kommt bis heute das relative stiefmütterchendasein der Musik in der katholischen Tradition.
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orgelsolo
, Voitsberg, Samstag, 31. Dezember 2011, 13:42 (vor 5365 Tagen) @ Hausorgler
Auch heutzutage wird die Mehrzahl der kathol. Messen ohne Orgel gefeiert. Ich denke da an die Wochentagsmessen, die oft in einer eigenen Werktagskapelle gefeiert werden. Da kommen ca. 5-10 Gottesdiensbesucher. Gesungen wird ohne Begleitung, in ziemlich langsamen Tempo, und teils recht schräg (vor allem wenn ein paar Brummer unter den Besuchern sind...).
Ich glaube dass die Wochentagskirchgeher aus reiner Pflichterfüllung diese Messen besuchen, feierliches ist da gar nichts drann, oft dann noch ein nuschelnder Aushilfspfarrer, ein stotternder Lektor...
Bei solchen Gottesdiensten kommt bei mir keine fromme Stimmung auf. Ich finde dass ein guter Organist nach dem Pfarrer eine der wichtigsten Personen bei der Messe ist. Und wenn der Pfarrer rhetorisch nicht so bewandert ist, kann man als Organist durch festliche Musik die Stimmung noch etwas "retten".
Leider bekommt der Organist aber neben dem "Mess-Honorar" kein Grundgehalt, wie es den Priestern zusteht.
Ich hab mal ein Zitat von Albert Schweitzer gehört, das sagt "eine Kirche ohne Orgel ist wie ein Körper ohne Seele."
Im Jänner wird vom Grazer Domorganist ein Treffen bezüglich eines Kollektivvertrages für Organisten organisiert. Bin mal gespannt was da herauskommt.
So jetzt nicht weiter ärgern, ich wünsche einen schönen Silvesterabend,
und wer noch Dienst hat (wie ich) eine feierliche Jahresschlussmesse!
Gruß, Martin
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Hausorgler
, Feldkirch/Vorarlberg, Samstag, 31. Dezember 2011, 15:33 (vor 5365 Tagen) @ orgelsolo
"Gesungen wird ohne Begleitung, in ziemlich langsamen Tempo, und teils recht schräg"
Liturgiegeschichtlich ist das schon ein Fortschritt. Jahrhundertelang wurden solche Werktagsmessen ausschließlich als sogenannte "stille Messen" abgehalten: Der Priester zelebrierte halblaut, ein Ministrant sprach in Vertretung der Gemeinde die Antworten ebenfalls halblaut und die Gemeinde wohnte dem Ganzen still bei, eventuell parallel Rosenkranz betend.
Ähnlich war es an den Sonn- und Feiertagen: da gab es einmal das sogenannte "(Hoch)Amt". Dieses war die Hauptmesse. Gewöhnlich mit Kirchenchor, Weihrauch, Predigt. Also das volle Programm. Und daneben die sogenannte "Frühmesse": Schlicht und kurz, öfters auch ohne Predigt, manchmal als "Betsingmesse" (seit ca. den 1930ern das war damals schon geradezu revolutionär),oft auch als gesprochene Messe. Aus Erzählungen weiß ich, daß meine bäuerlichen Großeltern diese bevorzugten: Sie dauerte nur eine halbe Stunde und da man ja auch am Sonntag in den Stall mußte, um die Tiere zu versorgen, war diese sehr beliebt. Zudem ging man damals ja nüchtern zur Kirche. Vor dem Kommunionempfang durfte nichts anderes gegessen werden. Und wenn dann das Hochamt um 10 war, bis 11.30 dauerte und man also die Stallarbeit nüchtern erledigen musste, war das schon eine Belastung. "Gültig" im sakramentalen Sinn waren beide Messformen. Und da es ja auch eine Sonntagspflicht gab, "arbeitete" man seine Pflicht gerne an der Kurzform ab.
Ich kenne noch aus meiner Kindheit in den 60ern eine Begebenheit: Meine andere Großmutter war eine fromme Frau, hatte sich aber leider mit dem Herrn Stadtpfarrer zerstritten. Daher mochte sie an seinen Messen nicht mehr teilnehmen. Damals gab es noch eine Reihe pensionierter Priester, die an Seitenaltären ihre stillen Privatmessen zelebrierten, während gleichzeitig das Hochamt für die Gemeinde am Hauptaltar statt fand. Also setzte sich meine Großmutter in die erste Reihe des linken Seitenschiffs, direkt zum linken Nebenaltar und verfolgte die Messe dort, während sie den Herrn Stadtpfarrer mit seiner Messe ignorierte. Sonntags war das dann putzig: Weil wegen des Gesanges das Hochamt viel länger dauerte, war der Herr Pensionär so ca. zur Predigt des Stadtpfarrers bereits fertig. Er machte eine Kniebeuge und verschwand in die Sakristei. Meine Großmutter tat dasselbe machte sich auf zu gehen. Die baulichen Umstände erzwangen es, daß sie dabei immer mit etwas eingezogenem Kopf unter der Kanzel mit dem darauf predigenden Stadtpfarrer durch musste. Sie grüßte ihn jedesmal mit einer leichten Handbewegung und verschwand. Zu Hause kam sie dann gerade rechtzeitig an, um den damals im Alpenvorland berühmten Radioprediger Pater Suso Braun OFMCap. zu hören.
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chp, Samstag, 31. Dezember 2011, 16:28 (vor 5365 Tagen) @ orgelsolo
Hallo,
Auch heutzutage wird die Mehrzahl der kathol. Messen ohne Orgel gefeiert. Ich denke da an die Wochentagsmessen, die oft in einer eigenen Werktagskapelle gefeiert werden. Da kommen ca. 5-10 Gottesdiensbesucher. Gesungen wird ohne Begleitung, in ziemlich langsamen Tempo, und teils recht schräg (vor allem wenn ein paar Brummer unter den Besuchern sind...).
nicht nur die Werktagsmessen. In Spanien werden auch die meisten Sonntagsgottesdienste ohne Orgel gefeiert. Ich habe in Madrid, Andalusien (auch in großen Städen wie Sevilla oder Malaga) und halb Nordspanien (auc hin größeren Städten wie Bilbao, Oviedo...) schon oft gefragt, wann denn eine Messe mit Orgel gefeiert wird. Meist gab es nur eine einzige Messe am Sonntag, obwohl es in den großen Kirchen fast schon im Stundenrhythmus (Siesta natürlich ausgenommen) Gottesdienste gibt. Zur Kommunion wird dann manchmal eine CD aufgelegt. In Frankreich ist es wohl auch nicht viel anders, auch in NDdP habe ich nie einen Gottesdienst mit Orgel erwischt (OK, zu den einschlägigen Zeiten am Sonntag war ich nicht vor Ort oder familiär verhindert). Das waren zwar sehr familäre Gottesdienste mit freundlichen Leuten im Chorraum, aber nicht mal ein klitzekleines Orgelschülerlein verirrte sich an das Chorörgelchen. Bei uns in der tiefsten Katholen-Diaspora gibt es auch werktags sehr oft Musik von Orgel oder Positiv.
Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.
Gehen der evangelischen Kirche die Organisten aus?
Hausorgler
, Feldkirch/Vorarlberg, Samstag, 31. Dezember 2011, 16:57 (vor 5365 Tagen) @ chp
Stimmt. Und da sieht man einerseits das Erbe der sogenannten "liturgischen Bewegung", welche eigentlich nur im deutschsprachigen Raum ihre Wirkung entfaltete (Klosterneuburg, Maria Laach usw.) und andererseits der sicher nicht unbeträchtliche Einfluß der evangelischen Praxis. Hinsichtlich Orgel waren die evangelischen Kirchen ja immer die Trendsetter weil der evangelische Gottesdienst immer schon auf dem Gemeindegesang basierte, welcher natürlich durch ein entsprechend kräftiges Instrument geführt werden musste. Wohingegen der kathol. liturgische Gesang eigentlich der unbegleitete gregor. Choral war, welcher von einer Schola vorgetragen wurde. Musikalisch große Gottesdienste wurden dann mit Chor und Orchester gestaltet. Bis heute spielt in den meisten Orchestermessen zu den Feiertagen die Orgel keine besondere Rolle. Gemeindegesang mit Orgel im kathol. Gottesdienst ist eine eher junge Kulturform und in romanischen Ländern ohne evangelische Vorbilder dementsprechend unterentwickelt. Man kann dies übrigens auch im Orgelbau sehen: Katholische Großorgeln als Standardausstattung tauchen erst relativ spät auf. Die süddeutschen Großorgeln in den barocken Abteien waren hauptsächlich Prestigeobjekte. Häufig spielte man damit eher Ein- und Auszüge, Elevationen usw. Aber man begleitete kaum Gesang. Wenn keine Orchestermesse stattfand, sangen die Mönche Choral - und der wurde von den kleineren Chororgeln gestützt.
Wer einmal in Weingarten die Gablerin bei vollem Haus gehört hat, weiß, was ich meine: Das Instrument ist für eine volle Kirche, in der alle aus vollem Halse zB "Großer Gott wir loben Dich singen" eindeutig zu schwach. Denn dafür war sie nie konzipiert.
Gehen der evangelischen Kirche die Organisten aus?
Andreas Scotty Böttcher
, Dresden, Samstag, 31. Dezember 2011, 20:16 (vor 5365 Tagen) @ orgelsolo
Auch heutzutage wird die Mehrzahl der kathol. Messen ohne Orgel gefeiert. Ich denke da an die Wochentagsmessen, die oft in einer eigenen Werktagskapelle gefeiert werden. Da kommen ca. 5-10 Gottesdiensbesucher. Gesungen wird ohne Begleitung, in ziemlich langsamen Tempo, und teils recht schräg (vor allem wenn ein paar Brummer unter den Besuchern sind...).
Ohne Orgel, aber nicht ohne Musik. Es wird ja immerhin gesungen. Die Qualität des Gesangs sei mal dahin gestellt.
Bei solchen Gottesdiensten kommt bei mir keine fromme Stimmung auf. Ich finde dass ein guter Organist nach dem Pfarrer eine der wichtigsten Personen bei der Messe ist. Und wenn der Pfarrer rhetorisch nicht so bewandert ist, kann man als Organist durch festliche Musik die Stimmung noch etwas "retten".
Das stimmt!! Und mit einem Pfarrer ohne rhetorische Begabung kann ich sogar ganz gut leben, wenn der Organist/die Organistin das mit richtig guter Musik ausgleichen kann.
Und:
Ich habe einen Pfarrer als wunderbaren Freund. Er ist tatsächlich kein großer Rhetoriker. Aber wenn er gebraucht wird, wenn Not am Mann ist, dann steht er ohne zu zögern und unaufgefordert auf der Matte und macht und tut und hilft nach Kräften, wo er kann. Davor habe ich allerhöchsten Respekt.
Auch ich wünsche allen einen guten Rutsch. Ich komme gerade von einem Konzert in der Trinitatiskirche Chemnitz. Im Trio mit Ulrich Thiem am Cello, Frank Bartsch an Trompete und Flügelhorn und mir an Vibraphon und Orgel gab es viel Improvisierten Jazz. Wie kann man das Jahr besser verabschieden als mit Musik.... Die Kirche war bis unters Dach voll!!
Herzlichst, Scotty.
--
"Tradition ist Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche." (Gustav Mahler)
Gehen der evangelischen Kirche die Organisten aus?
hinterSatz
, Köln, Sonntag, 01. Januar 2012, 15:05 (vor 5364 Tagen) @ Andreas Scotty Böttcher
Wagen wir doch einmal ein Experiment.
Für einen katholischen Gottesdienst bekommt der Organist eine Vergütung von 10€,
auch am Sonntag und Vorabend. Nach dem Gottesdienst darf er eine "Musikerkollekte",
die am Ausgang von den Gottesdienstbesuchern gegeben werden kann, für sich beanspruchen, abzüglich eines "Zehnten" für Licht, Strom & Instrumentenerhalt.
Plan- und buchbar über eine webbasierende Platform, die auch die Honorar- und
Steueraspekte abwickeln kann.
Würde das nicht einmal mehr Leute auch werktags in die Kirchen ziehen, weil dort Musik geboten wird und zum anderen einen Organistennachwuchs motivieren, sich mit Instrument, Literatur und Liturgie zu beschäftigen, weil man da auch etwas verdienen kann ?
Mit Speck fängt man bekanntlich Mäuse, und mit Musik, so hats der Rattenfänger vorgemacht, verführt man vielleicht auch den einen oder anderen vielleicht auch in
die dunklen Mysterien der katholischen Liturgie ?
Gehen der evangelischen Kirche die Organisten aus?
willscher, Sonntag, 01. Januar 2012, 15:25 (vor 5364 Tagen) @ hinterSatz
Wagen wir doch einmal ein Experiment.
Für einen katholischen Gottesdienst bekommt der Organist eine Vergütung von 10€,
auch am Sonntag und Vorabend. Nach dem Gottesdienst darf er eine "Musikerkollekte",
die am Ausgang von den Gottesdienstbesuchern gegeben werden kann, für sich beanspruchen, abzüglich eines "Zehnten" für Licht, Strom & Instrumentenerhalt.
Plan- und buchbar über eine webbasierende Platform, die auch die Honorar- und
Steueraspekte abwickeln kann.
Würde das nicht einmal mehr Leute auch werktags in die Kirchen ziehen, weil dort Musik geboten wird und zum anderen einen Organistennachwuchs motivieren, sich mit Instrument, Literatur und Liturgie zu beschäftigen, weil man da auch etwas verdienen kann ?
Mit Speck fängt man bekanntlich Mäuse, und mit Musik, so hats der Rattenfänger vorgemacht, verführt man vielleicht auch den einen oder anderen vielleicht auch in
die dunklen Mysterien der katholischen Liturgie ?
Tolle Idee, die unglaublich viele Arbeitsplätze schafft, nämlich mehr Finanzbeamte.
Denn die müssen dann die Einnahmen der Kollekten schätzen, genau wie die Trinkgelder der Kellner/Innen. Im Übrigen kenne ich genug Leute, die auch werktags einen GD besuchen können, aber leider einer geregelten Arbeit nachgehen (müssen).
Gruß
Andreas
Gehen der evangelischen Kirche die Organisten aus?
hinterSatz
, Köln, Sonntag, 01. Januar 2012, 17:19 (vor 5364 Tagen) @ willscher
Im Übrigen kenne ich genug Leute, die auch werktags einen GD besuchen können, aber leider einer geregelten Arbeit nachgehen (müssen).
Kollekten kann man durchaus auch zählen und dokumentieren, im Übrigen geht mir das mit den Leuten (die allerdings dann am WE arbeiten müssen), genau so. Wer hat heutzutage denn noch einen Sonntag ? Geschweige denn ein WE ?
Gehen der evangelischen Kirche die Organisten aus?
Schreipositiv
, Wetter, Sonntag, 01. Januar 2012, 18:19 (vor 5364 Tagen) @ hinterSatz
Im Übrigen kenne ich genug Leute, die auch werktags einen GD besuchen können, aber leider einer geregelten Arbeit nachgehen (müssen).
Kollekten kann man durchaus auch zählen und dokumentieren, im Übrigen geht mir das mit den Leuten (die allerdings dann am WE arbeiten müssen), genau so. Wer hat heutzutage denn noch einen Sonntag ? Geschweige denn ein WE ?
Einzelhändler, Lehrer, Bauarbeiter, Lokführer (wenn auch nicht so oft), Sysadmins (sofern das System läuft), Schreiner, Schornsteinfeger, Büromenschen, usw...
OT: Wochenenden
Karsten, Montag, 02. Januar 2012, 09:00 (vor 5364 Tagen) @ Schreipositiv
Einzelhändler, Lehrer, Bauarbeiter, Lokführer (wenn auch nicht so oft), Sysadmins (sofern das System läuft), Schreiner, Schornsteinfeger, Büromenschen, usw...
Wobei es darunter auch schon einige Berufsgruppen gibt, die sich Arbeit am Wochenende mit nach Hause nehmen können bzw. müssen.
Gruß
Karsten