ex tempore

zehnzweidrittel @, Mittwoch, 28. Dezember 2011, 13:57 (vor 5368 Tagen)

Fröhliche Nach-Weihnachtszeit,

inzwischen wird ja jeder seine mehr oder weniger zahlreichen Geschenke ausgepackt haben.
Favorit meiner Geschenkeliste ist auf jeden Fall die DVD-/CD-edition "ex tempore" mit dem "bavarian-born" und jetzt in England wirkenden Organisten Ronny Krippner.

Krippner hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Ursprünge, Techniken und Einsatzgebiete der Orgelimprovisation in England durch verschiedene Epochen bis zur Gegenwart vorzustellen. Was leicht in einer trockenen Vorlesung hätte enden können, wird in diesem Film eine unterhaltsame Zeitreise mit nicht nur lehrreichen, sondern auch unterhaltsamen und wohlklingenden Improvisationsbeispielen, die auch das Verständnis der komponierten Musik aus der jeweiligen Zeit fördern können.

Besonders interessant waren - schon allein wegen der Instrumente - für mich persönlich die Kapitel über die viktorianische Zeit, die Neoklassik und die Gegenwart. Krippner präsentiert die Musik der jeweiligen Zeit auf Originalinstrumenten bzw. entsprechenden Rekonstruktionen, was die Authentizität hörbar steigert.

Höchst anregend und informativ sind auch die Aussagen der "internationally distinguished improvisers David Briggs and Martin Baker, organ builder Dominic Gwynn, and early music scholar and Handel expert Donald Burrows." (Text aus der Website zum Film).

Ich vergebe daher ***** für diese DVD.

Herzliche Grüße

zehnzweidrittel

ex tempore

elsenp, Mittwoch, 28. Dezember 2011, 16:51 (vor 5368 Tagen) @ zehnzweidrittel

Vielen Dank für den Tipp!

Die Beschreibung und der kurze Youtube-Ausschnitt sind sehr vielversprechend.
Habe mir die DVD gerade zum bald anstehenden Geburtstag geschenkt.

Herzliche Grüße
Peter

ex tempore

Friedrich @, Mittwoch, 28. Dezember 2011, 17:06 (vor 5368 Tagen) @ zehnzweidrittel

Fröhliche Nach-Weihnachtszeit,

inzwischen wird ja jeder seine mehr oder weniger zahlreichen Geschenke ausgepackt haben.
Favorit meiner Geschenkeliste ist auf jeden Fall die DVD-/CD-edition "ex tempore" mit dem "bavarian-born" und jetzt in England wirkenden Organisten Ronny Krippner.

Hallo zehnzweidrittel,

ich fand diese CD/DVD auch erst einmal eindrucksvoll. Ich habe mir nun einige Male die CD (also nur die Musik) angehört, und mein Eindruck ist inzwischen zwiespältig. Vielleicht ist es genau das, was man mit Improvisations-Aufnahmen nicht machen sollte; aber schon beim ersten Hören war mir etwas aufgefallen, was mich seitdem jedesmal mehr nervt, und das sind – wie gesagt, dem Höreindruck nach, einen anderen gibt es nicht – Unsauberkeiten beim (improvisierten) Satz.

Der Gestus ist jedesmal beeindruckend und auch verblüffend stilsicher, und es ist toll, so viele unterschiedliche Orgeln mit stilistisch angemessener Musik hören zu können. Aber ich bin überzeugt, dass viele Forumsmitglieder die Oktaven und Quinten aus dem Stand geschickter umschiffen können, als das Krippner hier tut.

In meiner früheren Heimat Baden sagte man zu so etwas vielleicht Dipfelesschisserei. Aber ich kann mir nicht helfen, mich stört's.

Gruß,
Friedrich

ex tempore

JFK, Mittwoch, 28. Dezember 2011, 18:39 (vor 5368 Tagen) @ Friedrich

Der Gestus ist jedesmal beeindruckend und auch verblüffend stilsicher, und es ist toll, so viele unterschiedliche Orgeln mit stilistisch angemessener Musik hören zu können. Aber ich bin überzeugt, dass viele Forumsmitglieder die Oktaven und Quinten aus dem Stand geschickter umschiffen können, als das Krippner hier tut.

Mein Orgellehrer, der übrigens der gleiche war, wie der dieses Herren, hat mir immer gesagt: "Denk nicht an die Parallelen, das behindert das Spiel!"

Und ich muss sagen, da ist viel wahres dran, drum nennt man es auch Improvisation und nicht Komposition. Also mich störts ganz und gar nicht! Lieber eine fesselnde Impro mit Parallelen, als eine computermäßig durchdachte, die mich kalt lässt!

ex tempore

Friedrich @, Donnerstag, 29. Dezember 2011, 12:44 (vor 5367 Tagen) @ JFK

Mein Orgellehrer, der übrigens der gleiche war, wie der dieses Herren, hat mir immer gesagt: "Denk nicht an die Parallelen, das behindert das Spiel!"
Und ich muss sagen, da ist viel wahres dran, drum nennt man es auch Improvisation und nicht Komposition. Also mich störts ganz und gar nicht! Lieber eine fesselnde Impro mit Parallelen, als eine computermäßig durchdachte, die mich kalt lässt!

Aber wenn man's doch hört? Und wenn es erstens nicht gut klingt und zweitens – bei Stilimpros! – doch eigentlich zu keinem Stil vor 1900 passt?

Fragt sich und euch
Friedrich

ex tempore

BourdonCéleste, Donnerstag, 29. Dezember 2011, 14:02 (vor 5367 Tagen) @ Friedrich

Mein Orgellehrer, der übrigens der gleiche war, wie der dieses Herren, hat mir immer gesagt: "Denk nicht an die Parallelen, das behindert das Spiel!"
Und ich muss sagen, da ist viel wahres dran, drum nennt man es auch Improvisation und nicht Komposition. Also mich störts ganz und gar nicht! Lieber eine fesselnde Impro mit Parallelen, als eine computermäßig durchdachte, die mich kalt lässt!


Aber wenn man's doch hört? Und wenn es erstens nicht gut klingt und zweitens – bei Stilimpros! – doch eigentlich zu keinem Stil vor 1900 passt?

Fragt sich und euch
Friedrich


Doch: Ein feines Quintorganum. Könnt ich stundenlang hören. Am besten in der Besetzung Maultrommel und Marimbaphon.

ex tempore

elsenp, Donnerstag, 29. Dezember 2011, 14:17 (vor 5367 Tagen) @ BourdonCéleste

Nun, wer Parallelen liebt, dem sei z.B. das hier empfohlen. Vielleicht finde ich auch noch was von Ahrens, Doppelbauer etc. etc.

Parallele Grüße
Peter

ex tempore

zehnzweidrittel @, Donnerstag, 29. Dezember 2011, 16:52 (vor 5367 Tagen) @ elsenp

... oder das hier.

Beste Grüße

zehnzweidrittel

ex tempore

Karl-Bernhardin Kropf, Freitag, 30. Dezember 2011, 16:06 (vor 5366 Tagen) @ zehnzweidrittel

Die "Mängel" in Krippners Spiel sind aber auch Beweis dafür, dass es sich nicht um die Reproduktion sorgfältig ausgearbeiteter und memorierter Kompositionen handelt. Auch was wert, jedenfalls den einen oder anderen Satzfehler!
Ich hatte an der DVD auch meine Freude - allein schon an seinem guten Englisch, und natürlich an den "Gaststars". Die Instrumentenwahl wird sicherlich auch damit zu tun haben, wo er ohne großen Aufwand oder Gebühren "dran durfte", denn man hätte sich sicherlich auch andere, vielleicht sogar charakteristischere Instrumente für das 19. und 20. Jahrhundert, bzw. eine weitere Differenzierung der Stile, vorstellen können. Letztere allerdings auch noch improvisatorisch oder kompositorisch aufzugreifen, wäre allerdings wohl auch kaum mehr möglich, jedenfalls betreffend das 20. Jhdt., da hier ein Zeitstil immer schwerer auszumachen ist.

Bei Priory Records sind ja auch noch viele schöne DVDs fertig oder im Werden - das ist schon ein wunderbares Medium. Allerdings ist Krippners DVD meine bisher einzige dieser Art, ganz kostenlos ist so ein Produkt verständlicherweise ja nicht.

Als zumindest ehemaliger Fachmann spreche ich ihm eine große Anerkennung aus.

ex tempore

otto krämer, Freitag, 30. Dezember 2011, 18:31 (vor 5366 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

...Karl-Bernhardin, warum bist Du ein ehemaliger Fachmann....tss....stelle Dein Licht nicht unter den Scheffel, Du kannst echt etwas!
DU brauchst Dich nicht verstecken.
ICH habe Hochachtung vor Deiner allzu großen Bescheidenheit.

ex tempore

untersatz32 ⌂ @, Amriswil, Freitag, 30. Dezember 2011, 22:21 (vor 5366 Tagen) @ otto krämer

Lieber Karl-Bernhadin:

dem schliesse ich mich nur an: DU wärst allerhöchstens ein Kandidat für eine weitere DVD ;-)

Evtl. im Verein mit Otto :-)

Ein Gutes Neues 2012 euch allen...

Thomas

--
Thomas Haubrich

ex tempore

Friedrich @, Freitag, 30. Dezember 2011, 19:04 (vor 5366 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Danke, KBK, für Beitrag und Urteil, auf die ich gehofft hatte. Ich bin ja nicht nur kein Spieler, sondern auch erst recht kein Improvisierer, da freue ich mich über die Einschätzung eines echten “peer”.

Wie gesagt, finde ich den Gestus und die stilistische Bandbreite auch eindrucksvoll und schließe mich dem Lob fürs Gesamtprojekt gerne an. Auch, weil ich mir unbekannte Orgeln gerne durch Improvisation vorstellen lasse.

Gruß,
Friedrich

ex tempore

zehnzweidrittel @, Freitag, 30. Dezember 2011, 19:37 (vor 5366 Tagen) @ Friedrich

Danke, KBK, für Beitrag und Urteil, auf die ich gehofft hatte. Ich bin ja nicht nur kein Spieler, sondern auch erst recht kein Improvisierer, da freue ich mich über die Einschätzung eines echten “peer”.

Wie gesagt, finde ich den Gestus und die stilistische Bandbreite auch eindrucksvoll und schließe mich dem Lob fürs Gesamtprojekt gerne an. Auch, weil ich mir unbekannte Orgeln gerne durch Improvisation vorstellen lasse.

Gruß,
Friedrich

Für mich schreit diese DVD eigentlich nach einer Fortsetzung, denn die Orgelimprovisation ist ja keine englische Erfindung (was dort auch keiner behauptet).

Es wäre doch jetzt eigentlich zumindest mittelfristig eine tolle Sache, wenn sich ein oder mehrere Fachleute z.B. der Orgelimprovisation im deutschsprachigen Raum annehmen würden (ein immenses Feld, schon angesichts der religiös bedingten Unterschiede). Vielleicht könnte dann das gefühlte Übergewicht der französisch intendierten Orgeltradition (in keiner Weise abwertend gemeint - ich liebe diese Musik) etwas abgebaut werden.

Sicher haben wir hier im Forum Fachleute (m/w), die wiederum entsprechende Kollegen kennen. Wenn jetzt nur noch das Problem der Finanzierung auch noch gelöst wäre ...

Herzliche Grüße - ich wünsche Euch allen ein gesegnetes neues Jahr!

zehnzweidrittel

ex tempore - leicht OT

otto krämer, Freitag, 30. Dezember 2011, 18:35 (vor 5366 Tagen) @ elsenp

übrigens ist Frank Stinder nicht nur ein Virtuose auf der Orgel, sondern auch auf dem Klavier....und...er restauriert besonders hervorragend alte Flügel und Klaviere hier kommt mal ein blog über meinen Erard von 1855 (2,55 m), den er gemacht hat...:

ex tempore

Friedrich @, Dienstag, 17. Januar 2012, 23:08 (vor 5348 Tagen) @ zehnzweidrittel

Fröhliche Nach-Weihnachtszeit,

inzwischen wird ja jeder seine mehr oder weniger zahlreichen Geschenke ausgepackt haben.
Favorit meiner Geschenkeliste ist auf jeden Fall die DVD-/CD-edition "ex tempore" mit dem "bavarian-born" und jetzt in England wirkenden Organisten Ronny Krippner.

Gerade guck ich die DVD durch. Am liebsten natürlich die Abschnitte an der fantastischen Walker-Orgel in Bristol.

Da fällt mir die eigentümliche Balgstand-Anzeige auf: Im Winkel zwischen Notenpult und linker Registerstaffel fährt ein gedrechseltes Stückchen Elfenbein auf (Balg leert sich) und ab (füllt sich), zwischen zwei Elfenbeinknöpfchen, die wahrscheinlich die Extremmarken Leer und Voll bilden.

Hier kann man's sehen (die Orgel ist aus, der Balg leer):
[image]

Bei den Ecksätzen seiner (von mir zu, ja, Unrecht gescholtenen) viktorianischen Sonate geht die Anzeige dann ganz schön auf Reisen, besonders wenn’s in den Füßen abwärts geht.

Hübsch!

Freut sich
Friedrich

ex tempore

elsenp, Mittwoch, 18. Januar 2012, 05:52 (vor 5348 Tagen) @ Friedrich


Da fällt mir die eigentümliche Balgstand-Anzeige auf: Im Winkel zwischen Notenpult und linker Registerstaffel fährt ein gedrechseltes Stückchen Elfenbein auf (Balg leert sich) und ab (füllt sich), zwischen zwei Elfenbeinknöpfchen, die wahrscheinlich die Extremmarken Leer und Voll bilden.

Das ist ja mal ein Ansporn beim Spiel: "Heut mach ich sie alle..."

Gruß
Peter

ex tempore

Oliver Horlitz ⌂, Mittwoch, 18. Januar 2012, 11:47 (vor 5347 Tagen) @ elsenp


Da fällt mir die eigentümliche Balgstand-Anzeige auf: Im Winkel zwischen Notenpult und linker Registerstaffel fährt ein gedrechseltes Stückchen Elfenbein auf (Balg leert sich) und ab (füllt sich), zwischen zwei Elfenbeinknöpfchen, die wahrscheinlich die Extremmarken Leer und Voll bilden.

So etwas sah ich vor über dreißig Jahren an der Orgel der St. Mary Church in Torqay. Der Organist nannte es seine "Orgel-Maus" - in der Tat sah es mit Phantasie so aus, wie eine am Schwanz aufgehängte Maus. Die Einrichtung weist darauf hin, daß zur Erbaungszeit Kalkanten-Betrieb vorgesehen war.

Die Konstruktion ist denkbar einfach: Von der Balgoberplatte führt eine Schnur über eine Rolle nach vorn in Richtung Spielschrank, dort ist eine weitere Rolle angebracht, über die die Schnur nach unten hängt, Gewicht drangehängt und die Balgstandsanzeige ist fertig - da beißt die Maus keinen Faden ab...


meint grüßend
Oliver

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