Stefan Schmidt in St. Lambertus, D-Altstadt, 07.02.2011

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Dienstag, 08. Februar 2011, 10:58 (vor 5682 Tagen)

Hallo Forum,

das zweite “Internationale” Orgelkonzert in St. Lambertus spielte am 07.02. Stefan Schmidt, Würzburg. Mitunter gibt es von der gleichen Blume zwei Sorten Blüten - offene und gefüllte. Schmidt wählte für Praeludium und Fuge Es-Dur BWV 552 die gefüllte Variante. Gravitätisch kam das Praeludium daher, fast gemächlich. Das war angesichts der fülligen Registrierung auch angebracht. Sonst hätte die Durchhörbarkeit zu sehr gelitten. Effektvoll die Echostellen: Chororgel vs. Rückpositiv. Auch das zweite Thema der Fuge kam von der Chororgel.

An zweiter Stelle Franck, Choral a-moll. Der begann offen und beinahe etwas knallig, entwickelte sich aber tonschön in nicht zu raschem Tempo. Innerlichkeit wollte sich aber nicht recht einstellen.

Von Alain gab’s Litanies zum Dritten. Auch Schmidt stieg nicht erschöpft von der Orgelbank. Das Drängende wurde immer wieder durch kurzes Innehalten unterbrochen: Schmidt wartete den Nachhall ab, um in die neue Passage zu gehen. Überhaupt tat dieser Nachhall dem Werk nicht unbedingt gut - die Schärfe der Rhythmik kam in St. Martin besser heraus.

Zum Abschluß eine Improvisation, die mit Introduktion, Thema und Variationen über “Unendlich starker Held, St. Michael” angekündigt war. Eher also eine vorbereitete, auswendig gespielte Eigenkomposition - auch die Setzer waren vorprogrammiert. Die Introduktion in ruhigem Tempo über einem Streicherbett wechselte in eine Steigerung, der die Vorstellung des Themas folgte. Die Variationen bedienten den Registerfundus sehr gut - eine kleine Orgeldemo. Dabei wechselten sich
schnelle und lyrische Teile ab. Zum Schluß wurden erst die Introduktion, dann die Steigerung wieder aufgenommen; Abschluß im Mezzopiano. Das ganze war mäßig modern, weitgehend tonal und keineswegs avantgardistisch.

Der Beifall der etwa 120 Hörer setzte zögerlich ein, steigerte sich aber und hielt längere Zeit an.

Das nächste “Internationale” in St. Lambertus folgt am 04.04. um 19:30h. Es spielt Els Biesemans, Belgien. Der März-Termin ist wegen Rosenmontag nicht besetzt. Nächsten Montag, 14.02., 19:30h geht es mit den “Winterlichen” in St. Elisabeth, D-Flingern (Klais 1960, 33/III) weiter. Odilo Klasen spielt Liszt (Weinen, Klagen), Alain (1er, 2e Fantaisie), Callhoff (Heptameron) und Ritters Dritte. Und dann unbedingt vormerken: 21.02., 19:30h St. Peter!

Gruß Clemens Schäfer

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

Stefan Schmidt in St. Lambertus, D-Altstadt, 07.02.2011

B80C, Dienstag, 08. Februar 2011, 14:48 (vor 5682 Tagen) @ Clemens Schäfer
bearbeitet von B80C, Freitag, 25. Januar 2013, 21:59

Hallo Clemens,
vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht! Weißt Du zufällig, ob das Programm vor den Konzerten irgendwo veröffentlicht wird? Die Pfarrnachrichten von St. Lambertus erwähnen immer nur die Komponisten, aber das hilft mir bei einem Bach auch nicht weiter. Da ich von mir aus mit Bus & Bahn immer eine gute Stunde unterwegs bin, würde mich das genaue Programm das ein oder andere Mal sicherlich an den Rhein locken (so auch gestern...).

Schöne Grüße
B80C

Stefan Schmidt in St. Lambertus, D-Altstadt, 07.02.2011

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Dienstag, 08. Februar 2011, 17:33 (vor 5682 Tagen) @ B80C

Hallo B80C!

Es ist das Elend dieser Konzertreihe, daß man höchstens die Namen der Komponisten erfährt. Ich habe das schon vor Jahren und öfters beim Veranstalter moniert. Dieser erklärte mir, einige Spieler rückten das Programm erst wenige Tage vor dem Konzert heraus und würden auch dann noch ändern wollen - von anderen hätte er die Programme lange vorher. Um erstere nicht bloßzustellen, veröffentliche er auch nicht die Programme der anderen.

Eigentlich stellen sich die zögerlichen, vielleicht auch skrupolösen Spieler ein Armutszeugnis aus, wenn sie nicht fähig sind, wenigstens 14 Tage vorher ihr Programm festzulegen. Es handelt sich ja nicht um irgendwelche Laien sondern um Vollprofis.

Die "Sommerlichen" veröffentlichen ihr Programm in allen Einzelheiten ab Juni, die "Winterlichen" sind ab Ende Dezember online und als Heft erhältlich. Der "Oberkasseler Orgelfrühling" ist ebenfalls ab Dezember verfügbar (jetzt auch online), das "ido" bringt sein Programmheft Ende des Sommers (online meist früher). Die "Sonntagsorgel" bringt vierteljährliche Vorschauen (nicht ganz regelmäßig, auch online). Diese Veranstalter können es also. Nur St. Lambertus nicht. Aber da ist die Orgel besonders gut...

Gruß Clemens Schäfer

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

Programmankündigungen

Karsten, Mittwoch, 09. Februar 2011, 18:09 (vor 5681 Tagen) @ Clemens Schäfer

Hallo!

Das Problem, dass das genaue Orgelkonzertprogramm nicht im Vorfeld veröffentlicht wird, gibt es auch an anderer Stelle. Ärgerlich ist das durchaus.

Der Grund dafür scheint in nicht wenigen Fällen zu sein, dass die Interpreten erst "vor Ort" das Instrument und den Raum kennen lernen und Programm auf Orgel und Raum anhand ihres Repertoires feinabstimmen. ABer wie Clemens Schäfer schon sagt: es sind professionelle Musiker, und da kann man etwas weitsichtigere Planung schon erwarten. Zumindest die "Highlights" eines Konzertes könnten ja verpflichtend im Vorfeld angekündigt werden. Kleinere Programmänderungen kann sicher jeder Konzertbesucher verkraften.

Gruß
Karsten

Programmankündigungen

orgelwilli, Mittwoch, 09. Februar 2011, 22:53 (vor 5680 Tagen) @ Karsten

Bei uns gibt es seit 29 Jahren Gesamtjahresprogramme der Orgelkonzerte.
Natürlich kommt es vor, daß Interpreten/INNEN ihr Programm kurzfristig noch ändern. Aber damit kann man leben. Einmal habe ich ein schon gedrucktes Programm am Sonntagnachmittag (vor dem Konzert am Abend) neu drucken müssen.......
Jahresprogramme sind möglich! Bitte nachsehen unter:
www.internationale-orgelkonzerte.de
(Termine!)

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