Neue CD: Edouard Batiste: Bravissimo Diego Innocenzi!

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Sonntag, 25. Dezember 2011, 16:55 (vor 5371 Tagen)

Hallo Forum,

Edouard Batiste (1820-1876) war mir bis dato kein Begriff. Kürzlich legte AEOLUS eine Doppel-SACD mit Grands Offertoires und Transcriptions de Symphonies de Beethoven vor. Diego Innocenzi spielt die Merklin & Schütze-Orgel der Iglesia Catedral de Santa Maria zu Murcia (Spanien).

Mit etwas Vorbehalt hatte ich bestellt. Aber der Beethoven reizte. Was ankam, ist überwältigend. Zuerst die Originalwerke; durchaus im Zeitstil à la Léfébure-Wély - aber nicht so kirmeshaft und äußerlich wie dieser. Dann die Bearbeitungen (für den liturgisdchen Gebrauch! Zur Nachahmung empfohlen!). Jede Symphonie ist vertreten, meist mit den langsamen Sätzen als Offertoire, Communio oder Élevation verarbeitet. Was soll man mehr bewundern? Die Bearbeitung (oft auf Liturgiemaße geschickt gekürzte Fassung!) oder die Inszenierung = Registrierung? Beides ist meisterlich. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus. Drittens die Orgel: Ein herrliches Instrument mit ungeahnten Klängen und riesiger Bandbreite, von streng bis Kino. Viertens der Spieler: Jederzeit hat man das Gefühl, daß dieser einen Heidenspaß hat, seine Hörer zu begeistern. Der Schalk sitz ihm im Nacken. Und etwas Humor sollte auch der Hörer mitbringen. Zu guter Letzt die Aufnahmetechnik: Schlicht vom Feinsten - ungemein große Dynamik. Hat man gerade ein Communio (Adagio der 5.) in Zimmerlautstärke gehört, kommt der Orchesteraufruhr vor dem “Oh Freunde, nicht diese Töne” mit einer Lautstärke, daß man in den Sessel gedrückt wird. Die Fernbedienung sollte in Reichweite liegen.

Batiste hatte seit 1854 an St. Eustache gewirkt, die Orgel dort nahm in den Wirren der Pariser Commune Schaden, wurde auf Betreiben Batistes von Merklin & Schütze wiedererrichtet. Die Fertigstellung erlebte Batiste aber nicht mehr. In Murcia ist nun eine ganz ähnliche Orgel erhalten geblieben und 2006-2008 (Doldosso) restauriert worden. Das vorzügliche Beiheft enthält beide Dispositionen zum Vergleich. So kann man wohl sagen, daß hier im Klangideal Batistes musiziert wird.

Überaus empfehlenswert, man sollte sich dieses Bonbon nicht entgehen lassen.

Gruß Clemens Schäfer

P.S. Beim gleichen Label sind gerade auch Folge 6 Karg-Elert mit Elke Völker (Choralvorspiele) und Live-Impros mit Fréderic Blanc erschienen.

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

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