Klais-Orgel Duisburg-Marxloh 1938

Karsten, Montag, 07. Februar 2011, 18:44 (vor 5681 Tagen)

Hallo!

Ich habe die Tage folgende Orgel-Aufnahme in die Finger bzw. Ohren bekommen:

Allegresse
Orgelwerke von J.S. Bach, G. Bunk, A. Boely, L. Vierne, J. Giroud und J.-J. Grunenwald
Michael Matthes an der Klais-Orgel (1938) in St.Peter, Duisburg-Marxloh

Der fantastische Klang dieser alten Orgel, sowohl was Schönheit als auch Volumen angeht, hat mich sofort gefangen genommen. Man ahnt nicht, dass diese Orgel "nur" III/40 Register (+5 Transmissionen bzw. Extensionen) hat.

Beim Durchlesen der Disposition im Booklet bin ich auf eine kleine Ungereimtheit gestoßen, die die Koppelanlage betrifft.

Die aktuelle Manualverteilung wird angegeben mit:

III. Rückpositiv (ist seit den 1960er Jahren auf den Schwellwerk-Kasten umgestellt)
II. Schwellwerk
I. Hauptwerk

Die Orgel hat elektropneumatische Trakturen.

Neben den üblichen Normalkoppeln (II an I, III an I, III an II) stutzte ich bei der angegeben Koppel III an II-Sub. Diese ist die einzige Oktavkoppel.

Mich wunderte einmal, dass gerade auf das RP mit einer Suboktavkoppel ausgestattet ist (anstatt z.B. das SW und/oder HW). Dies ließe sich damit erklären, dass das eher dünn besetzte RP (8.8.4.2.1-1/3.1.Schf.8.4.) dadurch etwas mehr "Gewicht" bekommen könnte. Allerdings frage ich mich dann, warum diese Okrtavkoppel dann nicht als Intra-Manualkoppel (III-Sub) ausgeführt wurde, sondern als Koppel auf das II. Manual (Schwellwerk) (und nicht z.B. auf das HW, sozusgane als "Nachbrenner" für besondere Schlussteigerungen.

Mir ist dann noch ein anderer Gedanke gekommen:

Die Orgel wurde im Krieg beschädigt, mehrmals Umgebaut und schließlich von der Westempore ins Querschiff transloziert. Könnte sich im Laufe diser verschiedenen Umbaumaßnahmen schlicht die Zuordnung der Werka an die Manuale geändert haben?
Üblicher (aber bei elektrischer Traktur natürlich nicht zwingend notwendig) ist die Manualverteilung:

III - Schwellwerk
II - Hauptwerk
I - Rückpositiv

So würde eine Koppel III an II-Sub eher Sinn machen: als zusätzliche Steigerungsmöglichkeit. Die abgedruckte Geschichte der Orgel gibt leider keine genaueren Informationen über Umbauten am Spieltisch. Aber es klingt plausibel, dass im Rahmen der Umbauten (z.B. bei der Umsetzung des Rückpositivsa auf das Schwellwerk, nun sozusagen als "Oberwerk") den neuen räumlichen Gegebenheiten auch in der Manualanordnung Rechnung getragen wurde. Das I. Manual "rutschte" nach ganz oben (bzw. wurde entsprechend verkabelt). Die Registerzüge wurden nur grade so modifiziert, die "exotische" Subokatvekoppel blieb einfach.

Kennt jemand diese Orgel, hat da vielleicht schonmal gespielt und kann was dazu sagen?

Gruß
Karsten

Klais-Orgel Duisburg-Marxloh 1938

jrbecker @, Mittwoch, 09. Februar 2011, 22:42 (vor 5679 Tagen) @ Karsten


Die aktuelle Manualverteilung wird angegeben mit:

III. Rückpositiv (ist seit den 1960er Jahren auf den Schwellwerk-Kasten umgestellt)
II. Schwellwerk
I. Hauptwerk

Die Orgel hat elektropneumatische Trakturen.

Neben den üblichen Normalkoppeln (II an I, III an I, III an II) stutzte ich bei der angegeben Koppel III an II-Sub. Diese ist die einzige Oktavkoppel.

Mich wunderte einmal, dass gerade auf das RP mit einer Suboktavkoppel ausgestattet ist (anstatt z.B. das SW und/oder HW). Dies ließe sich damit erklären, dass das eher dünn besetzte RP (8.8.4.2.1-1/3.1.Schf.8.4.) dadurch etwas mehr "Gewicht" bekommen könnte. Allerdings frage ich mich dann, warum diese Okrtavkoppel dann nicht als Intra-Manualkoppel (III-Sub) ausgeführt wurde, sondern als Koppel auf das II. Manual (Schwellwerk) (und nicht z.B. auf das HW, sozusgane als "Nachbrenner" für besondere Schlussteigerungen.


Hallo Karsten,
nein ich kenne die Orgel nicht. Ich habe lediglich in Piet Brons Datenbank nachgeschaut, er schreibt über die Koppeln:

Koppelingen: Hauptwerk - Rückpositiv, Hauptwerk - Schwellwerk, Rückpositiv - Schwellwerk, Rückpositiv - Schwellwerk 16', Pedal - Hauptwerk, Pedal - Rückpositiv, Pedal - Schwellwerk.

Wenn man drüber nachdenkt und das der von dir wiedergegebenen Manualzuordnung vergleicht, kommen einem mehr Fragen, als dass es weiterhilft.

Irgendwas ist da faul im Staate Dänemark ... äääh Duisburg...

Kenner vor!

LG
Jörg

Klais-Orgel Duisburg-Marxloh 1938

Karsten, Donnerstag, 10. Februar 2011, 21:24 (vor 5678 Tagen) @ jrbecker


Hallo Karsten,
nein ich kenne die Orgel nicht. Ich habe lediglich in Piet Brons Datenbank nachgeschaut, er schreibt über die Koppeln:

Koppelingen: Hauptwerk - Rückpositiv, Hauptwerk - Schwellwerk, Rückpositiv - Schwellwerk, Rückpositiv - Schwellwerk 16', Pedal - Hauptwerk, Pedal - Rückpositiv, Pedal - Schwellwerk.

Wenn man drüber nachdenkt und das der von dir wiedergegebenen Manualzuordnung vergleicht, kommen einem mehr Fragen, als dass es weiterhilft.

Irgendwas ist da faul im Staate Dänemark ... äääh Duisburg...

Kenner vor!

Hallo!

Ja, das ist auch verwirrend. Muss wohl jeweils gelesen werden "Hauptwerk + Rückpositiv" usw. Übereinstimmen mit den Angaben im Booklet tun diese daten dann aber auch nicht.

Vielleicht ist die Lösung des ganzen ein sich irgendwo versteckender simpler Druckfehler?!

Gruß
Karsten

Klais-Orgel Duisburg-Marxloh 1938

Martin78 @, Dienstag, 15. Februar 2011, 13:55 (vor 5674 Tagen) @ Karsten

Ich vermute auch, dass bei dem Umstellen der Orgel ins Querschiff bzw. schon früher, als das ehem. RP auf die Orgel gesetzt worden ist, die Koppeln angepasst wurden, falls sich die Manualverteilung dabei geändert hat.

Eine fantastische Orgel trotz zeitbedingter Merkwürdigkeiten in der Dispo (kein 2'-Prinzipal im HW findet man bei Klais öfter, aber kein einziger Sesquialter / Kornett bei 43 Registern ist schon erstaunlich, dafür aber Kopfregal 4', Progressio, Nonencymbel etc. sowie eine vollbecherige Bombarde 32' und eine 10 2/3'-Quinte!). Zumindest war die Orgel 1993 bei der Aufnahme besagter CD "Allegresse", die ich heute morgen noch einmal angehört habe, gut in Schuss (die Kathedralakustik tut ihr Übriges).

Im alten Forum war das Instrument auch schon einmal Gegenstand einer Diskussion, da der dortige Organist wohl lieber Gottesdienste mit dem Keyboard als mit der schönen Klaisine begleitet und die Kirche in einem mittlerweile ausgesprochen türkisch geprägten Stadtteil steht.

Insofern ist auch fraglich, ob die später an der Orgel vorgenommenen Änderungen (Ersatz der Vox Coelestis im SW durch eine überflüssige Oktave 2' sowie statt dessen die Schwebend-Stimmung des Gemshorn im HW) noch rückgängig gemacht werden konnte, wie im Booklet der CD erwähnt war, wenn das Instrument keine so große Beachtung findet. Die Pfarrei-HP lässt jedenfalls nicht auf das Vorhandensein von Orgelkonzerten schließen...

Ist jemand aus Duisburg oder der Ecke Mit-Forianer, der über den aktuellen Status Quo Auskunft geben könnte?

LG,
Martin

Klais-Orgel Duisburg-Marxloh 1938

robot, Dienstag, 09. September 2014, 10:28 (vor 4372 Tagen) @ Karsten
bearbeitet von robot, Dienstag, 17. August 2021, 19:06

(...) Der fantastische Klang dieser alten Orgel, sowohl was Schönheit als auch Volumen angeht, hat mich sofort gefangen genommen. Man ahnt nicht, dass diese Orgel "nur" III/40 Register (+5 Transmissionen bzw. Extensionen) hat.

Beim Durchlesen der Disposition im Booklet bin ich auf eine kleine Ungereimtheit gestoßen, die die Koppelanlage betrifft.

Die aktuelle Manualverteilung wird angegeben mit:

III. Rückpositiv (ist seit den 1960er Jahren auf den Schwellwerk-Kasten umgestellt)
II. Schwellwerk
I. Hauptwerk

Die Orgel hat elektropneumatische Trakturen.

Neben den üblichen Normalkoppeln (II an I, III an I, III an II) stutzte ich bei der angegeben Koppel III an II-Sub. Diese ist die einzige Oktavkoppel.

Mich wunderte einmal, dass gerade auf das RP mit einer Suboktavkoppel ausgestattet ist (anstatt z.B. das SW und/oder HW). Dies ließe sich damit erklären, dass das eher dünn besetzte RP (8.8.4.2.1-1/3.1.Schf.8.4.) dadurch etwas mehr "Gewicht" bekommen könnte. Allerdings frage ich mich dann, warum diese Okrtavkoppel dann nicht als Intra-Manualkoppel (III-Sub) ausgeführt wurde, sondern als Koppel auf das II. Manual (Schwellwerk) (und nicht z.B. auf das HW, sozusgane als "Nachbrenner" für besondere Schlussteigerungen.

Mir ist dann noch ein anderer Gedanke gekommen:

Die Orgel wurde im Krieg beschädigt, mehrmals Umgebaut und schließlich von der Westempore ins Querschiff transloziert. Könnte sich im Laufe diser verschiedenen Umbaumaßnahmen schlicht die Zuordnung der Werka an die Manuale geändert haben?
Üblicher (aber bei elektrischer Traktur natürlich nicht zwingend notwendig) ist die Manualverteilung:

III - Schwellwerk
II - Hauptwerk
I - Rückpositiv

So würde eine Koppel III an II-Sub eher Sinn machen: als zusätzliche Steigerungsmöglichkeit. Die abgedruckte Geschichte der Orgel gibt leider keine genaueren Informationen über Umbauten am Spieltisch. Aber es klingt plausibel, dass im Rahmen der Umbauten (z.B. bei der Umsetzung des Rückpositivsa auf das Schwellwerk, nun sozusagen als "Oberwerk") den neuen räumlichen Gegebenheiten auch in der Manualanordnung Rechnung getragen wurde. Das I. Manual "rutschte" nach ganz oben (bzw. wurde entsprechend verkabelt). Die Registerzüge wurden nur grade so modifiziert, die "exotische" Subokatvekoppel blieb einfach.

Hallo, gerade habe ich noch ein Dokument gefunden, das recht detaillierte Ausführungen zum Spieltisch macht, so dass man ihm Glauben schenken können sollte. Dort sind als Subkoppeln III-I und II-I angegeben, was Sinn ergibt. Also könnte es sich im Booklet um einen simplen Druckfehler handeln...

Hach, irgendwann, wenn ich nochmal in den Pott komme, muss ich mir die Kiste mal unbedingt angucken :-))

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