Prof. Hans-Dieter Möller in St. Maximilian, D-Altstadt

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Sonntag, 18. Dezember 2011, 20:49 (vor 5378 Tagen)

Hallo Forum,

weiter geht es mit der Erkundung der Maxorgel. Diesmal spielte Prof. Hans-Dieter Möller. Auch dieser hatte in seinem Programm nichts, was man als bekannt im Ohr hätte haben können. Vergleiche waren also wie schon bei Schmeding auch diesmal nicht möglich. In sich war das Programm allerdings geschlossen, wobei die ganz großen Namen freilich fehlten.

Eröffnet wurde mit Grand dialogue a trois Choeurs von Gaspard Corette. Und da werden kräftige Bässe erwartet. Aber wie schon im letzten Konzert, zeigte sich auch diesmal, daß die Posaune 16’ einfach zu schwarz und zu derb ist. Die Stimmen der Sopranlage hatten Mühe, hörbar zu bleiben.

Gut durchhörbar waren dann drei Choralvorspiele über “Heiden Heiland” von Walther, beim Chorale in Basso dann aber wieder das gleiche Problem.

Sehr anmutig und mit herrlicher Schwebung danach die versonnene Fantasie Es-Dur von Pachelbel - weich und ausdrucksstark.

In der Fantasia g-moll von Müthel gab es Licht und Schatten. Pedalpassagen wurden zur Qual. Nicht daß Möller hier gepatzt hätte: Nein, es war einfach nicht mehr schön.

Eine weitere Fantaise folgte von Saint-Saens (op. 157). Im Mittelteil wird eine Oboe verlangt. Die hier vorhandene ist sehr statisch, fast ohne Leben und paßt überhaupt nicht zu dieser Musik (zu welcher überhaupt, bitte?). Und da sie nicht mal mit Schwelltüren zu beeinflussen ist, war das doch recht unbefriedigend. Im übrigen gelang das Werk aber gut.

Als sehr schön dagegen erwies sich das Cromhorn, das im Noel “Or nous dites Marie” von Balbastre eingesetzt wurde, auch im Dialog mit einer Flöte (vermutlich Flauto douce). Das dreiteilige “Tapage” von Balbastre litt dagegen wieder unter den zu heftigen Bässen.

Am Ende eine Improvisation “Tiefstes Schweigen hielt alles umfangen: Die Nacht hatte in ihrem Lauf die Mitte ihres Weges erreicht: Da kam, o Herr, aus dem Himmel vom Königstrhrone herab dein allmächtiges Wort”. Erwartungsgemäß also ein leiser Beginn mit großer Steigerung. Allerdings fehlt der Orgel mangels SW ein wirkliches pp, dafür - ich wiederhole mich leider - ist fff vorhanden - zumindest in der Baßlage. Wirkungsvoll gemacht. Und kurz.

Dankbarer Beifall der gut 100 Hörer. Eine Zugabe, zu der auch ein Janitscharenzug gepaßt hätte.

Tja, das zwiespältige Gefühl bleibt einstweilen. Vielleicht ändert sich die Situation ja, wenn Ute Gremmel-Geuchen am 01.04 (kein Scherz!) Bach spielt. Das wird dann womöglich die “Stunde der Wahrheit” sein. Hoffen wir, daß die Posaune bis dahin etwas in sich geht.

Gruß Clemens Schäfer

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

Prof. Hans-Dieter Möller in St. Maximilian, D-Altstadt

Reinhard Kluth ⌂ @, Tübingen, Sonntag, 18. Dezember 2011, 22:19 (vor 5378 Tagen) @ Clemens Schäfer

Stimmt alles ganz genau. Ich möchte noch folgendes dazugeben: ich habe die Fantasie Es-Dur von Pachelbel noch nie so wunderschön gehört. Das Register Onda Maris und die Interpretation von Möller verwandelten dieses Stück so, daß man fast den Eindruck einer Elevationstoccata von Frescobaldi hatte. Das Register ist berückend schön.
Daß Möller beim Dialogue von Corette das Pedal benutzte erstaunte mich doch sehr. Es ist so nicht vorgesehen; und die Nummer von Joh.Gottfried Müthel ist ja wohl so ne Sache für sich. Ich kenne mich da sehr genau aus, da ich vor einiger Zeit das gesamte Orgelwerk von Müthel in Altenburg aufführen konnte. Möller hat vor allem in den Pedalsoli in der Tat eine viel zu dicke Zungenregistrierung gewählt, die dann das Ganze nahezu undurchhörbar machte. Ich glaube, hier hätte weniger viel mehr gemacht.Dafür entschädigte allerdings die virtuose Pedaltechnik Möllers. Saint-Saens hätte ich mir auch lieber auf einer anderen Orgel gewünscht. Bei der Schlußimprovisation störte mich allerdings das fehlende Schwellwerk überhaupt nicht. Hier, das kenne ich aus meiner Studienzeit bei Möller, weiß dieser sehr gut, grandiose Crescendi zu zaubern; hier war er klar in seinem Element; und dafür bewundere ich ihn. Dem Mann fällt immer war Tolles ein.
Ich finde die Orgel einfach Klasse. Man muß nur wissen (und vorher überlegen) was man drauf spielt. Es ist keine Barockorgel, es ist auch keine König-Kopie und es ist auch nicht die "typische" Klaisorgel (wie ein naseweiser Orgelfreund meinte). Klais hat ein klassisches Instrument geschaffen, auf welchem bestimmt nicht alle Kompositionen gut gehen; aber die typisch klassische Orgelmusik (sicher nicht die symphonische)bis zur Romantik von Mendelssohn oder Rheinberger etc. ist hier sehr sehr gut aufgehoben.

Prof. Hans-Dieter Möller in St. Maximilian, D-Altstadt

Frank Berger @, Wassenberg, Sonntag, 18. Dezember 2011, 22:58 (vor 5378 Tagen) @ Reinhard Kluth

"es ist keine Barockorgel", hatte ich auch schon so formuliert, bin mir aber nicht mehr so ganz sicher. Schließlich klingen "Barockorgeln" je nach Region völlig verschieden. Und weiß man heutzutage wirklich noch so genau, wie Barockorgeln im Rheinland geklungen haben? Ich denke da z. B. an eine Stockmann-Orgel von 1979 im barocken Gehäuse in der Klosterkirche Kamp (Kamp-Lintfort), die einen durchaus kraftvollen, satten Klang hat, den ein Bekannter mal als typisch für rheinische (Barock-)Orgeln bezeichnet hat. Und originale Orgeln dieser Größe sind in unserer Gegend ja kaum noch vorhanden.
Gruß ... Frank (Berger)

Prof. Hans-Dieter Möller in St. Maximilian, D-Altstadt

Frank Berger @, Wassenberg, Sonntag, 18. Dezember 2011, 22:35 (vor 5378 Tagen) @ Clemens Schäfer
bearbeitet von Frank Berger, Sonntag, 18. Dezember 2011, 23:40

Hallo Forum,
Clemens Schäfer und ich saßen nebeneinander, haben also gleiche akustische Bedingungen.
Auch ich teile die Vorbehalte gegenüber der Pedal-Posaune, sie ist einfach zu stark.
Sie benötigt das volle Hauptwerk, am besten mit Trompete, als Gegengewicht. Sind die Manualwerke schwächer registriert, gehen sie, auch in der Mittellage, unter.
So bei dem einleitenden Corette-Grand Dialogue. Bei der Müthel-Fantasie
und auch bei Balbastre habe ich das nicht ganz so negativ empfunden .
Ich empfand den Anfang der Improvisation schon als pp, allerdings sind Steigerungen
eben nur durch Zuregistrierung, also Klangveränderung, möglich. Das ist nicht tragisch,
wohl aber eine (wohl durchaus gewollte) Einschränkung.
Laut Ankündigung werden 2012 an jedem 1. Sonntag im Monat Konzerte stattfinden.
Werde ich wohl nicht immer da sein können (sind jedesmal ca. 130 km , und das bei den Spritpreisen...), ist aber weitere Bereicherung der Orgelkonzert-Szene in Düsseldorf.
Gruß ... Frank (Berger)

PS (Edit): Bei der Zugabe handelte es sich um Händel (wenn ich mich nicht irre, um ein Stück
aus der "Music for the Royal Fireworks").

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