Natürlich ist es sub specie aeternitatis nicht wichtig, ob man auf St. Langerkrugoog an Weihnachten einen Organisten hat. Vermutlich haben an diesem Tag eine ganze Reihe von Kirchen keinen Organisten. Natürlich sollen hier vor allem Orgelmusik und Orgelbau diskutiert werden. Aber was ist Schlechtes daran, wenn sich in einem solchen Forum, wo eben doch hauptsächlich Organisten schreiben, sich diese auch einmal über unangenehme Begebenheiten mit Leuten aus dem kirchlichen Leitungsbereich austauschen und man dann mögliche Reaktionen auch diskutiert? Nur so kann das altbewährte "divide et impera" ausgehebelt werden. Das ist ja genau die Masche, welche der Inselpfarrer versucht: Er probiert seine Strategie so lange an Einzelpersonen, die voneinander nichts wissen, bis er einen findet, der den Dienst für lau macht. Erst wenn diese Einzelpersonen von der Strategie des Ausspielens wissen, wird sie zusammenbrechen.
Dass daher nach wie vor ein Interesse daran besteht, solche Dinge nicht öffentlich werden zu lassen, zeigen ja gerade Hinweise, dass "Polarisierungen nicht hilfreich" seien. Dazu passt auch die Drohung "ich darf das hier gar nicht meinen Mitstudenten zeigen, denn sonst werden die als spätere Pfarrer Euch nicht mehr wohlgesonnen sein". Zu deutsch: Prangert ja keinen Pfarrer an, es wird Euch nicht guttun! Das ist klassische Machterhaltungsrhetorik zu welcher natürlich auch sofort die Floskel gehört, daß der Pastor der Diener der Gemeinde sei und Obrigkeit theologisch nur gedeckt sei, wenn sie gottgefällig wäre. Gottgefälligkeit aber ist ein weites Feld. Als gottgefällig galten schon die absurdesten Dinge und die Deutungshoheit darüber beanspruchen wiederum dieselben Führungszirkel.
"Polarisierung" bedeutet, daß etwas öffentlich diskutiert wird und sich auch solche Menschen über einen Mißstand aufregen, die mit demselben direkt nichts zu tun haben. Genau solche Solidaritäten mögen die Vertreter der "Obrigkeit" gar nicht und neigen dazu, jede öffentliche Kritik mit dem Hinweis, es sei "nicht hilfreich" abzuwürgen.
Natürlich sind nicht alle Pfarrer so arrogant wie im "Inselweihnachtsfall". Natürlich haben viele Organisten einen guten Draht zu ihren Pfarrern. Gottseidank.
Anders dürfte es teilweise bei den Hauptberuflichen aussehen. Nur diese können es nicht wagen, ihre Konflikte öffentlich zu debattieren. Divide et impera eben.
Dass diese Kleinigkeit hier solche Wellen schlagen konnte, ist für mich ein Hinweis, dass diese Thema -auch wenn es am Ende egal ist, ob irgendwo in der Nordsee eine Orgel gespielt wird- ganz grundsätzlich einen wunden Punkt getroffen hat. Und vielleicht könnte daraus eine fruchtbare Debatte über die Wertschätzung der Organistendienste werden. Die Honorarlisten zB in Würzburg sprechen da ja Bände. Honor bedeutet Ehre. Offensichtlich meint man mancherorts die Leistung der Organisten nicht besonders ehren zu müssen. Diese Ehre, man könnte auch "Respekt" sagen, dürfen die Organisten sehr wohl einfordern - auch in öffentlichen Diskussionen und auch unter Nennung der Institutionen, welche diesen Respekt vermissen lassen. Daher gehört diese Diskussion nicht ins Landeskrankenhaus, sondern just genau hierher.