Medialer Nachtrag zu Kaufbeuren ...

zehnzweidrittel @, Dienstag, 13. Dezember 2011, 20:49 (vor 5386 Tagen)

Als Ergänzung zu einer umfangreichen Diskussionskritik hier ein aktueller Bericht über das Schicksal der Schmid-Orgel.
Erfreulich immerhin, dass sie - wenn auch nicht am originalen Ort - erhalten bleibt.

Viele Grüße

zehnzweidrittel

Medialer Nachtrag zu Kaufbeuren ...

fluteceleste @, München, Mittwoch, 14. Dezember 2011, 06:54 (vor 5386 Tagen) @ zehnzweidrittel

Danke für den Link!
Immerhin zeigt die neue Disposition eine Schalmey, das dürfte so ziemlich das einzige sein, was dann noch an Schmid erinnert. Aber schön, dass es auch zumindest einen 1 1/3' im Positiv gibt- heutzutage schon keine Selbstverständlichkeit mehr, und sogar eine Cymbel 4-6f.(!)auf 1 1/3' Basis.
habe gerade beim betrachten des dahinscheidenden Werkes festgestellt, daß ja das schwellbare Unterpositiv sozusagen ein Fernwerk auf der unteren Empore ist. Da konnten sicher schöne Echoeffekte produziert werden.
Fraglich auch, ob der Franzose Platz hat, die ganze Orgel aufzustellen...
Buntzimbelnde Grüße,
Stefan
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Medialer Nachtrag zu Kaufbeuren ...

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Mittwoch, 14. Dezember 2011, 17:04 (vor 5385 Tagen) @ zehnzweidrittel

Hallo, hier noch ein Bild der bisherigen Orgel, wohl 2010 entstanden, Gruß Clemens Schäfer

[image]

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

Medialer Nachtrag zu Kaufbeuren ...

MichaelS ⌂ @, Brackenheim, Mittwoch, 14. Dezember 2011, 17:28 (vor 5385 Tagen) @ Clemens Schäfer

Also irgendwie, je länger und öfter ich die Fotos von der Schmid-Orgel ansehe, kommt es mir vor, als hätte der Orgelbauer damals die Aufgabe gehabt, für möglichst wenig Geld möglichst "viel Orgel" zu bauen:
- Principalbass im Prospekt aus Holz, Fortsetzung in Zink
- Hauptwerksprincipal in Kupfer
- Schwellwerke direkt sichtbar ohne Prospektpfeifen davor

Verwunderlich dagegen fast schon die Anlage des Rückpositivs und die goldenen Schleierbretter. Aber kann man da nicht eine Holz-Stütz-Konstruktion unter dem Rückpositiv erkennen?

Medialer Nachtrag zu Kaufbeuren ...

FranzS. @, Mittwoch, 14. Dezember 2011, 18:52 (vor 5385 Tagen) @ MichaelS
bearbeitet von FranzS., Mittwoch, 14. Dezember 2011, 20:44

Also irgendwie, je länger und öfter ich die Fotos von der Schmid-Orgel ansehe, kommt es mir vor, als hätte der Orgelbauer damals die Aufgabe gehabt, für möglichst wenig Geld möglichst "viel Orgel" zu bauen:
- Principalbass im Prospekt aus Holz, Fortsetzung in Zink
- Hauptwerksprincipal in Kupfer
- Schwellwerke direkt sichtbar ohne Prospektpfeifen davor

Verwunderlich dagegen fast schon die Anlage des Rückpositivs und die goldenen Schleierbretter. Aber kann man da nicht eine Holz-Stütz-Konstruktion unter dem Rückpositiv erkennen?

Hallo,

bei dieser Orgel ging es nicht um Geld, sondern es war Gerhard Schmids "Hausinstrument" auf dem er alle seine Ideen umsetzen konnte (er hat am Konservatorium Orgel studiert). Einen Großteil der Orgel hatte er umsonst gebaut, so auch das Unterpositiv. Übrigens wurde alles bis auf den Gebläsemotor von Gerhard Schmid selbst entworfen und gebaut, auch der Setzter. Die Orgel zu bauen, dauerte 17000 Arbeitsstunden, wie Gerhard Schmid im Brenniger schreibt. Also, gespart wurde hier nicht.
Es freut mich, dass die Orgel einen Käufer gefunden hat, der all dies schätzt.

Grüße

Franz

edit:
eine mir bekannte Schmid hat sogar echte Elfenbeintasten.

Medialer Nachtrag zu Kaufbeuren ...

Hausorgler @, Feldkirch/Vorarlberg, Mittwoch, 14. Dezember 2011, 23:17 (vor 5385 Tagen) @ FranzS.

Eine solche Orgel nach so kurzer "Lebensdauer" abzureißen, nur weil ihr Konzept aus der Mode gekommen ist und weil der amtierende Organist einem neuen, gerade modischen Konzept anhängt, ist schlicht kulturlos, weil geschichtsblind. Dabei sollten wir gerade nach den Erfahrungen der Vernichtung barocker oder romantischer Instrumente aus all dem gelernt haben. Wenn wir genügend Orgeln aus dieser Zeit vernichtet haben, werden wir wie üblich dem Verlorenen hinterhertrauern.
Es ist in diesem Fall doppelt schade, da der Orgelbauer hier seine Idealorgel erbaute. Insofern ist diese Orgel in besonderer Weise ein Denkmal. Zudem ist es auch Ausdruck einer ziemlich respektlosen Haltung, wenn man ein Werk, das der Orgelbauer zu erheblichen Teilen seiner Heimatgemeinde kostenlos erbaut, also geschenkt hat, nach wenigen Jahrzehnten entsorgt. Und zuletzt möchte ich auch noch an die vielen damals angebettelten Spender erinnern, denen man wie bei jedem Orgelneubau etwas von einer unglaublich langen Lebensdauer einer Orgel vorschwafelt, nur um das von diesen Menschen finanzierte Werk nach ein paar Jahrzehnten billig zu verramschen. Man könnte sich schon fragen, ob dieser hemdsärmelige Umgang mit erheblichen Spendengeldern nicht wenigstens moralisch eine Veruntreuung darstellt.
Selbstverständlich wird auch die Festschrift zur Einweihung der neuen Orgel wieder davon schwärmen, daß eine zugegebenermassen teure Orgel ja eine Investition für Jahrhunderte sei. Dieses angepriesene Alter erreichen die wenigsten Instrumente, denn der größte Feind einer Orgel ist eine große Finanzkraft in späteren Jahrzehnten. Die meisten Orgeln sterben verfrüht, nämlich am veränderten Geschmack der nachfolgenden Generation. Sie sterben eher seltener an echter Altersschwäche.

Medialer Nachtrag zu Kaufbeuren ...

Hausorgler @, Feldkirch/Vorarlberg, Mittwoch, 14. Dezember 2011, 23:33 (vor 5385 Tagen) @ Hausorgler
bearbeitet von Hausorgler, Mittwoch, 14. Dezember 2011, 23:42

Wie ich gerade lese, schwafelt man bereits hier von einer Lebensdauer für viele Generationen. Dieser Satz - so gut wie nie wahr - gehört zum Standardrepertoire aller Orgelneubauten.
Das könnte dieses Mal eventuell sogar stimmen, insofern man für die nächsten Jahrzehnte von einer eheblich reduzierten Finanzkraft der Gemeinden ausgehen muß. Insofern könnte ein Abbruch zu Gunsten eines Neubaus tatsächlich unwahrscheinlicher werden.
Ob es in einigen Jahrzehnten aber überhaupt noch eine Gemeinde geben wird, welche diese Kirche benötigt, oder ob nicht schon längst ein andere Nutzung gefunden werden musste, ist dann noch die andere Frage. "Viele" Generationen wären mindestens drei Generationen, wenn man ganz naiv "1, 2, viele" zählt. Das wären dann also so um die 100 Jahre. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese neue Orgel 100 Jahre steht, dürfte nicht besonders hoch sein.
Wirklich "viele" Generationen sind drei Generationen ja nun fürwahr nicht. Insofern ist dieses Versprechen ziemlich vollmundig.

Medialer Nachtrag zu Kaufbeuren ...

KarlM, Samstag, 17. Dezember 2011, 18:14 (vor 5382 Tagen) @ Hausorgler

QHausorgeler

voll einverstanden!

Medialer Nachtrag zu Kaufbeuren ...

tombecher @, Saarbrücken, Mittwoch, 14. Dezember 2011, 21:30 (vor 5385 Tagen) @ MichaelS

Aber kann man da nicht eine Holz-Stütz-Konstruktion unter dem Rückpositiv erkennen?

Die Stützkonstruktion gehört wohr eher zur Orgelempore... hier steht 'was dazu...

Medialer Nachtrag zu Kaufbeuren ...

untersatz32 ⌂ @, Amriswil, Mittwoch, 14. Dezember 2011, 17:48 (vor 5385 Tagen) @ Clemens Schäfer

...Ja, in der Tat: die Holzsstütze unter dem RP ist sehr filigran gemacht und passt sich hervoragend unauffällig der Raumarchitektur an... ;-)

TH

Sorry - da finde ich Seifert's Entwurf besser, wenn auch etwas weiss...

--
Thomas Haubrich

Medialer Nachtrag zu Kaufbeuren ...

fluteceleste @, München, Freitag, 24. August 2012, 04:49 (vor 5132 Tagen) @ zehnzweidrittel

..hier ein Bericht zum Stand der Aufbauarbeiten..

Medialer Nachtrag zu Kaufbeuren ...

Xrot, Montag, 26. November 2012, 12:06 (vor 5037 Tagen) @ fluteceleste

lt. Gemeindehomepage ist die Fertigstellung scheinbar erheblich verschoben:

"Durch den verspäteten Baubeginn verschiebt sich leider unser geplanter Einweihungstermin.
Orgelbau ist hochqualitative Handarbeit und benötigt deshalb seine Zeit für ein gutes Endergebnis. Diese Zeit möchten wir den Orgelbauern gerne geben und freuen uns auf ein technisch wie klanglich hervorragendes Instrument.
Wir rechnen mit einer Fertigstellung der neuen Orgel im ersten Quartal 2013 und werden den neuen Einweihungstermin dann veröffentlichen."

Der "Rohbau" steht doch schon seit August 2012?

Medialer Nachtrag zu Kaufbeuren ...

Orlos, Montag, 26. November 2012, 21:04 (vor 5037 Tagen) @ Xrot

Spekulation:
Es könnte (!) vielleicht (!) damit zu tun haben, dass die Firma Seifert einige Mitarbeiter verloren hat. Ist aber nur eine Vermutung.

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