Maxorgel

Reinhard Kluth ⌂ @, Tübingen, Montag, 12. Dezember 2011, 20:56 (vor 5386 Tagen)

Leider konnte ich gestern nicht bei der Weihe der neuen Orgel in der Maxkirche hier in Düsseldorf dabei sein. Aber, ich bin ganz erstaunt, daß hier noch kein Bericht über die neue Orgel von irgendjemandem veröffentlicht wurde. Nicht einmal Herr Schäfer Dabei handelt es sich doch hier um ein Spitzeninstrument, oder?
fragt sich erstaunt Reinhard Kluth

Maxorgel

stein @, Montag, 12. Dezember 2011, 20:59 (vor 5386 Tagen) @ Reinhard Kluth

ist wahrscheinlich zu klein.
stein

Maxorgel

Reinhard Kluth ⌂ @, Tübingen, Montag, 12. Dezember 2011, 21:26 (vor 5386 Tagen) @ stein

..stimmt, 38 Register sind auch nicht der Rede wert. Und dann auch noch mit Schiebekoppeln und temperierte Stimmung nach Neidhardt III....da kann man ja kaum was drauf spielen, oder? fragt sich weiter Reinhard Kluth

Maxorgel

Frank Berger @, Wassenberg, Montag, 12. Dezember 2011, 21:47 (vor 5386 Tagen) @ stein
bearbeitet von Frank Berger, Montag, 12. Dezember 2011, 22:30

kann schon sein. Ich war da, bin aber kein Berichte-Schreiber. Andere Forianer habe ich nicht gesehen. Das einzige mir bekannte Gesicht war das von Prof. Hans-Dieter Möller, der aber auch als maßgeblicher OSV qua Amt da sein musste. (Die meisten Düsseldorfer Organisten-Kollegen hatten ja wohl gleichzeitig selbst Dienst). Leider musste ich nach dem Festhochamt, das knapp 2 Stunden dauerte, sofort Richtung Heimat und konnte nicht an den weiteren Angeboten (Orgelführung, Führung durch das Maxhaus (ehemals Franziskaner-Kloster), Film-Vorführung über Klais) teilnehmen und auch nicht bei Markus Belmanns Einweihungskonzert sein. Die Messe war, wie in Max sonntags um 10 üblich, ein lateinisches Hochamt, d.h. die Propriums(Mess-)texte wurden von einer Schola gesungen. Der Antwortgesang der Gemeinde (GL 261, 1+3, 2: Chorsatz von Markus Belmann) nach der 1. Lesung, da die Orgel noch nicht geweiht war, unbegleitet. Die Orgelweihe selbst fand nach der Predigt statt. Das erste Stück danach : Bach BWV 564 (Toccata). Etwas ungewöhnlich die offensichtliche Demonstration des Echowerks: Pedalplenum mit Posaune gegen Plenum des Echowerks, das klang irgendwie wie aus Nebenzimmer. Die Orgel hat ja kein Schwellwerk - man hat es im weiteren aber auch nicht vermisst. Da die Kirche gut gefüllt war (allerdings waren die U50 auch hier in absoluter Minderheit), hat Markus Belmann die Liedbegleitung durchweg im Hauptwerksplenum mit Mixtur, aber im Manual überwiegend ohne Zungen gespielt. Vor der jeweils letzten gesungenen Strophe ein Zwischenspiel, wohl auch, um die Möglichkeiten der Orgel zu demonstrieren. Sehr schön die Demonstration der Flöten und Streicher bei den Liedintonationen.
Weiter gesungene Lieder (Advent) : GL 110, 1-3, GL 105, 1-3 + 5, GL 107, 1-3, GL 257, 1,2,5
Die Messteile Sanctus, Benedictus, und Agnus Dei stammten aus der Dvorak-D-dur-Messe. Auch hier machte Orgel eine ausgezeichnete Figur, sowohl bei den Chor-Forte- als auch bei den Piano-Stellen. Der Chor hatte a capella noch Mendelssohn (100. Psalm, 42. Psalm)gesungen. Orgelbegleitung zur Kommunion vor dem 2. Mendelssohn: Robert Schumann, Adagio op.56,6. Nachspiel (Auszug) Widor, Finale aus der 6. Orgelsymphonie (Op. 42,2). Insgesamt eine überzeugende Sache.
Die Orgel hat Saft und Kraft, ist aber nicht erschlagend. Ach ja: Stimmung ist nicht gleichschwebend, sondern Neidhard III (1731, "Für eine große Stadt"). Ich bin gespannt auf Martin Schmedings Konzert am Mittwoch. Ich werde dasein.

Gruß...Frank

Maxorgel

Reinhard Kluth ⌂ @, Tübingen, Montag, 12. Dezember 2011, 23:04 (vor 5385 Tagen) @ Frank Berger

Vielen vielen Dank, lieber Frank. Das ist doch mal was. Ich bin im Konzert bei Meister Möller dabei.
Herzlichen Gruß von Reinhard

Maxorgel

Poupoulcorouse @, Mülheim am Rhein, Montag, 12. Dezember 2011, 23:30 (vor 5385 Tagen) @ Frank Berger

Ich habe es gestern leider auch nicht geschafft. Hält die Orgel denn, was die Disposition verspricht?


Vielleicht schaffe ich es ja, übermorgen dazusein.

Maxorgel

Contrebasson 32' @, Dienstag, 13. Dezember 2011, 00:31 (vor 5385 Tagen) @ Frank Berger
bearbeitet von Contrebasson 32', Dienstag, 13. Dezember 2011, 10:46

Dann bin ich wohl der einzige Forianer, der bei der Orgelführung dabei war (zur Messe und zum Konzert habe ich es leider nicht geschafft).

Vorweg sei geschickt, dass Markus Belmann für das Konzert am Abend ein sehr vielseitiges Programm vorbereitet hat (u. A. Teile einer Suite von Clérambault, Bach, Schumann, Mendelssohn, Langlais), das erahnen lässt, dass die Maxorgel vielseitiger ist, als es die Disposition vermuten lässt.

Nun aber zur Orgel bzw. zur Orgelführung. Insgesamt fanden am Nachmittag drei Führungen statt, von denen besonders die ersten beiden sehr gut besucht waren.
Nach einigen theoretischen Einführungen zur Historie der Kirchenmusik und der Orgelsituationen an bzw. in der Maxkirche sowie einigen Hinweisen zur Orgel ging es dann auf die Orgelempore (wo noch die Vorgängergruppe ihr Unwesen trieb).

Die nun folgenden Ausführugen zum Werkaufbau, den Gründen für einige Entscheidungen bzgl. Gesamtkonzeption sind alle auch auf der Webseite von Klais nachzulesen, wo Ausschnitte aus der Festschrift veröffentlicht sind, daher will ich diesen Teil überspringen.

Rein optisch macht die Orgel einen sehr guten Eindruck, die handwerklichen Arbeiten sind - soweit sichtbar - wie zu erwarten sehr gut und in der von Klais gewohnten Qualität ausgeführt.

Klanglich sind leider nur einige Einzelregister und wenige Beispielregistrierungen vorgeführt worden, hier sind wohl die Konzertberichte abzuwarten.
Mein persönlicher Höreindruck war der, dass - vllt. auch auf Grund der Orientierung an historischen Mensuren, Bauarten und Intonationstechniken - die Orgel nicht nach einer Klaisorgel klingt. Viele mir bekannten Klaisorgeln der letzten Jahrzehnte klingen insgesamt doch eher hart bzw. stählern. Das ist hier nicht der Fall. Einige Register (wie z.B. die Violdigamba oder die Principale) haben einen wirklich schönen Strich, die Aliquote zeichnet eine klangliche Präsenz im Raum ohne Penetranz aus.
In Anbetracht dessen, dass die Vorstellung der Register nicht sehr umfangreich war, möchte ich aber für genauere Infos auf die Konzertbesucher verweisen.

Die Seitenspieligkeit der Orgel ist sowohl dem historischen Vorbild, Vorteilen bei der Trakturführung als auch der Möglichkeite des Sichtkontakts zwischen Dirigent/Chorleiter und Organist ohne Spiegel geschuldet, bringt aber den Nachteil der erschwerten Abhörbarkeit der Orgel mit sich.

Gerade die Anlage des Spielschranks hat mich verwirrt, auch wenn es nachvollziehbare Gründe für die jetzige Lösung gibt (siehe oben). Hiermit meine ich aber weniger die Seitenspieligkeit als die Anordnung der Registerzüge und der Setzeranlage (Bild).

Links neben dem Manual befinden sich die Züge für das Echowerk, rechts neben den Manualen ein mit "Echo" bezeichneter Zug, der die Türen des Echowerks öffnet oder schließt. Über dem Notenpult befinden sich in drei Reihen die restlichen Registerzüge. Die oberste Reihe besteht aus den Manubrien des Hauptwerks, die mittlere Reihe stellt die Züge fürs Positiv und die untere Reihe besteht aus den Manubrien des Pedals. Dies dürfte für auswärtige Organisten, die darauf nicht hingewiesen wurden, verwirrend sein. Angesichts der Position der Manubrien, die gerade für darin weniger Geübte das schnelle Umregistrieren erschwert, sind sowohl die Schiebekoppeln als auch der Setzer eine sinnvolle Einrichtung.
Lediglich die Bauweise des Setzers irritiert mich. Diese kleinen schwarzen Taster werden m. E. eher als Fremdkörper empfunden als beispielsweise die Bauweise von Seifert in Bad Brückenau. Hier frage ich mich, ob nicht auch Klais eine ästhetischere Lösung hätte realisieren können (aber das ist natürlich ein Klagen auf hohem Niveau).

Soviel zu so später Stunde von mir,
gute Nacht!

Contrebasson 32'

PS: Ich bin doch erstaunt, dass es Menschen gibt, die den günstigen Moment nutzen, um sich von ihrer Gruppe zu trennen und - ohne vorher um Erlaubnis gebeten zu haben - sich einfach an die Orgel setzen und "Heil dir im Siegerkranz" anspielen...

Edit: Ich habe - dem Komfort wegen- mal die entsprechenden Links eingefügt, darüber hinaus sei noch angemerkt, dass die erste und die letzte Führung am Sonntag von Markus Belmann gemacht wurden, die zweite Führung jedoch von einem sehr lebendigen Dr. Hans-Wolfgang Theobald (Restaurator bei Klais).

Maxorgel

Reinhard Kluth ⌂ @, Tübingen, Dienstag, 13. Dezember 2011, 08:56 (vor 5385 Tagen) @ Contrebasson 32'

Vielen Dank für den guten ausführlichen Bericht.
Ich hoffe, daß das Instrument mit allen Vorzügen und auch evtl. Nachteilen gebührende Anerkennung hier findet.
Ihre letzte Ausführung (PS) versetzt mich allerdings auch in Rage und ist für mich völlig unverständlich.
Viele Grüße von Reinhard Kluth

Maxorgel

Contrebasson 32' @, Dienstag, 13. Dezember 2011, 10:43 (vor 5385 Tagen) @ Frank Berger

Da die Kirche gut gefüllt war (allerdings waren die U50 auch hier in absoluter Minderheit), hat Markus Belmann die Liedbegleitung durchweg im Hauptwerksplenum mit Mixtur, aber im Manual überwiegend ohne Zungen gespielt.

Eine kleine Anmerkung:
Markus Belmann berichtete bei der Führung, dass auch er noch in einer Experimentierphase ist, um die optimalen Registrierungen zur Begleitung des Gemeindegesangs (angepasst an die jeweilige Zahl der Gottesdienstbesucher) zu finden.

Gerade angesichts der proppevollen Kirche zum Gottesdienst anlässlich der Orgelweihe, hätte er einerseits festgestellt, dass er ob seiner akustisch ja eigentlich eher ungünstigen Position endlich auch den Gemeindegesang besser hört, die Orgel hingegen nur indirekt bzw. "hintenrum".

Andererseits meint er auch, dass bei diesem Gottesdienst sich die Orgel schon ihren Grenzen angenähert hätte, viel mehr Luft zum Aufregistrieren wäre da wohl nicht gewesen. Dies beklagt er aber keinesfalls, sondern verwies auf einige zu laute Neubauten und auf den von ihm geschätzten Vorteil in der Max, auch mal einen Bach mit einer Plenumsregistrierung spielen zu können, ohne dass einem hiernach die Ohren klingeln.

Mit besten Grüßen
Contrebasson 32'

Maxorgel: Schiebekoppel im Setzer?

tiratutti @, Dienstag, 13. Dezember 2011, 11:02 (vor 5385 Tagen) @ Frank Berger

Hallo,

wie ist denn das: als Manualkoppel ist eine Schiebekoppel angegeben. Jetzt hat die Orgel auch eine Setzeranlage. Wie geht das zusammen? Bewegt sich eines der Manuale, wenn der Setzer die Koppel aktiviert? Oder ist die Koppel nicht im Setzer enthalten?

Weiß das jemand?

Grüße von tiratutti

Sorry, war: Maxorgel; ist OT: Hindemith u.a.

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Dienstag, 13. Dezember 2011, 12:46 (vor 5385 Tagen) @ Reinhard Kluth

Hallo,

ich bin amüsiert. Werde wohl beim nächsten Mal vorher eine Entschuldigung einreichen. *grins*

Hier ist diese nachgeliefert:

Am Sonntagabend (also zur Zeit von Belmanns Konzert) war das Orpheus Chamber Orchestra in der Tonhalle. Die begannen mit Hindemith, Kammermusik Nr. 1. Solistisch besetzt gibt es hier Vl I, Vl II, Vla, Vc. Kb, Fl (Pic), Ob, Fg, Klavier, Akkordeon und kleines Schlagwerk mit Xylophon, Becken, Triangel, Sirene etc. Ein überaus musikantisches, lebensfrohes Stück. Mit Schwung, Delikatesse und Klangsinn. Herrliche Musik vom “Bürgerschreck”. Der langsame Mittelsatz heißt Quartett und ist mit Flöte, Oboe, Fagott und Triangel besetzt. Die Sirene kommt am Schluß und läuft noch über den Schlußton weiter aus - in den Beifall hinein. Erstklassig gemacht.

An zweiter Stelle kam das Oboenkonzert von Richard Strauss (1945). Für Strauss’sche Verhältnisse ein kleines Orchester., klassisch besetzt. Solist war Albrecht Mayer. Unverkennbar die süffige Harmonik und Linienführung auch bei diesen reduzierten Mitteln. Zurückgenommen - ja. aber doch unverkennbar Strauss. Sehr schön gespielt - auch im Zusammenspiel, perfekte dynamische Rückungen, beste Orchesterbläser. Mayer spielte dann noch zwei Zugaben, ein Mozart Adagio und ein Stück, dem die Basslinie der Bach’schen Air zugrunde lag.

Nach der Pause folgte von Andrew Norman “Projekt 440”. Zuerst setzten die Bläser gemeinsam ein. Bei weiteren Einsätzen zerfledderte der jeweilige Einsatz immer mehr; es mußte bewußt gepatzt werden. Danach setzte eine geradezu manische Steigerung des gesamten Orchesters ein, die beängstigende Züge annahm. Kurzes Innehalten, neuer Anlauf. Irgendwann aber muß nun einmal Schluß sein. Und der war eher unspektakulär. Ein gewaltiger Klagegesang? Technisch übrigens eine Glanzleistung.

Am Ende Haydn, Symphonie Nr. 103 Es-Dur mit dem Paukenwirbel. Dieser Haydn wirkte frisch und unverbraucht, robust und doch kammermusikalisch. Alles durchhörbar und bestens akzentuiert. Herrlich die Klarinetten im Trio des Menuetts (Große Besetzung für Haydn: Neben den Streichern jeweils zweifach Fl, Ob, Kl, Fg, Cor, Tr. Dazu Pauken).

Als Zugabe La scala di seta (Rossini), perfekt gemacht (Oboensolo!). Noch nie gesehen: Zur Zugabe gesellten sich nicht nur ein weiterer Geiger sondern auch der Akkordeonspieler und Albrecht Mayer zum Ensemble, setzten sich hinter die anderen und spielten die Tutti mit. Das ist Teamgeist! Große Begeisterung in der nicht ganz vollen Tonhalle.

Gruß Clemens Schäfer

P.S. Am Mittwoch bei Schmeding will ich dabei sein.

--
Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

Sorry, war: Maxorgel; ist OT: Hindemith u.a.

Frank Berger @, Wassenberg, Dienstag, 13. Dezember 2011, 18:25 (vor 5385 Tagen) @ Clemens Schäfer

Heute ist in der RP (für Nicht-Düsseldorfer: Rheinische Post - die maßgebliche örtliche Tageszeitung) eine (durchaus positive) Kritik über die Orpheus-Leute zu lesen. Die Weihe der Maxorgel hat außer einer einspaltigen 20-Zeilen-Meldung auf der (allerdings im überregionalen befindlichen) Kulturseite in der RP bisher kein Echo gefunden ... oder hab ich was übersehen?

Der Fairness halber: angekündigt worden ist die Weihe in der RP mehrfach, auch ausführlich.

Konzert Belmann

Cantor, Mittwoch, 14. Dezember 2011, 11:08 (vor 5384 Tagen) @ Frank Berger

Hallo,

Herr Belmann hatte ein sehr interessantes Programm vorbereitet, bei dem die Orgel in all ihren Facetten vorgeführt würde. Es ist schon einwenig heikel das "Einweihungskonzert" mit Bach D-Dur BWV 532 anzufangen, man darf die Nervosität nicht außer Acht lassen. Ich habe bei diesem Stück schon die besten Weltorganisten versagen hören, so auch in Düsseldorf. Der zweite Pedallauf war schon daneben.... Die Fuge dann im rasenden Tempo eine Berg- und Talfahrt. Die Ciacaona f-Moll von Pachelbel hat schön die Klangvielfalt der Orgel gezeigt, die Interpretation (vor allem das sehr schnelle Tempo und die daraus entstehenden Fehler und Streiftöne) hat mir nicht gefallen. Danach folgte der langsame Satz aus der f-Moll Fantasie KV 608 von W.A.Mozart, die Kadenz wurde dann von Herrn Belmann ergänzt... Desweitern wurde dann ein Stück aus der Suite breve von Langlais gespielt, welches die barock orientierte Orgel und die Neithard-Stimmung sehr gut mitgemacht haben. Die ehem. Kapellmeister der Maxkirche, Schumann und Mendelssohn, durften natürlich im Programm nicht fehlen. Schumann war mit zwei Kanons vetreten, die so manche technischen Schwierigkeiten des Interpreten aufzeigten, genauso wie bei der Bearbeitung der "Paulus-Ouvertüre" von Mendelssohn-Bartholdy. Als Zugaben gab es dann nochmals zwei Werke von J.S.Bach d-Moll Toccata und Fuge BWV 565 und "Nun komm´ der Heiden Heiland" BWV 659. Die Orgel klingt wirklich sehr nach "im Geiste Königs", für mich hat der Klang nichts mit originalen Orgel dieser Familie zutun! Die Zungen klingen z.B. viel zu matt und uncharakteristisch. Aber das ist nur meine Meinung, andere sehen das vielleicht anders. Ich jedenfalls, war vom Konzert und von der Orgel nicht sehr angetan.

Gruß Cantor

Konzert Belmann

Florian-L, Mittwoch, 14. Dezember 2011, 13:51 (vor 5384 Tagen) @ Cantor

Danach folgte der langsame Satz aus der f-Moll Fantasie KV 608 von W.A.Mozart, die Kadenz wurde dann von Herrn Belmann ergänzt...

War es vielleicht doch KV 594? Bei KV 608 gibt es keine wirklich langsamen Abschnitte.

Gruß, Florian

--
"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-

Konzert Belmann

doppelfloete_h @, Hannover, Mittwoch, 14. Dezember 2011, 14:31 (vor 5384 Tagen) @ Florian-L

...das wird 608 gewesen sein (Allegro-"Andante"-Allegro), bei 594 gäbe es ja schon ZWEI langsame Teile... ;)
Aber vielleicht wars ja auch was ganz anderes :) - kann mir Teile aus den entsprechenden Werken auch gar nicht wirklich aus dem Zusammenhang gerissen vorstellen...

Konzert Belmann

Reinhard Kluth ⌂ @, Tübingen, Mittwoch, 14. Dezember 2011, 16:16 (vor 5384 Tagen) @ doppelfloete_h

....ist ja eigentlich auch jetzt mal egal. Was mich stört, ist die Ausdrucksweise, daß Markus Belmann "versagt hat". Markus Belmann ist ein hervorragender Kirchenmusiker; und wenn ein solches Mißgeschick passiert, muß man das nicht unbedingt anprangern. Diese Ausdrucksweise erinnert mich immer an den schlechten Stil unqualifizierter Zeitungsreporter, die meinen, sie wüßten alles besser. So ist das auch erst vor ein paar Wochen bei einem fantastischen Konzert in Düsseldorf passiert, welches vom "Kritiker" zerrissen wurde. Okay, lieber Cantor, ich mein es auch nicht bös: aber: machen Sie es es mal besser.
Nichts für ungut und herzliche Grüße von Reinhard Kluth

Konzert Belmann

ThomasMP @, Mittwoch, 14. Dezember 2011, 20:54 (vor 5384 Tagen) @ Reinhard Kluth

Auch für mich hat die abwertige Rezension einen merkwürdig schalen Beigeschmack. Irgendwie mag ich nicht glauben, daß Hr. Belmann samt der Orgel eine derartig schlechte Performance abgeliefert haben. Gut, ich war nicht dabei, aber alles klingt so, als hätte ein ungeübter Nebenamtler auf einer desaströsen Dorforgel versucht, irgendwas zu spielen.
Vielleicht war Cantor doch bei einer anderen Vorstellung...

Moin moin

Konzert Belmann

Antilope, Mittwoch, 14. Dezember 2011, 23:00 (vor 5383 Tagen) @ ThomasMP

Ich glaube, dass ich offenbar ein anderes Konzert als der "Cantor" gehört habe!
Der Bericht sowie die Äußerung über Heinz Terbuyken in einem anderen Thread haben ein merkwürdiges "Geschmäckle": Klingt nach "Frust-Cantor"...

Konzert Belmann

Contrebasson 32' @, Mittwoch, 14. Dezember 2011, 23:29 (vor 5383 Tagen) @ Antilope

Ich glaube, dass ich offenbar ein anderes Konzert als der "Cantor" gehört habe!
Der Bericht sowie die Äußerung über Heinz Terbuyken in einem anderen Thread haben ein merkwürdiges "Geschmäckle": Klingt nach "Frust-Cantor"...

Zuerst einmal sollte man auch Neulingen die Chance lassen, ihre Meinung zu äußern.
Für manchen mag es durchaus ein Geschmäckle haben, dass Terbuyken für die Oberlingerorgel der Maxkirche mit verantwortlich zeichnete und was dabei rausgekommen ist, lässt sich auch nicht leugnen. Aber das ist definitiv eine andere Diskussion.
Ich saß heute zufällig an der Oberlinger-Orgel der Kirche St. Chrysanthus und Daria in Haan (einer "kleinen" Schwester der Orgeln in Wiesbaden und Beuel) und war mehr als angetan.

Viel mehr würde mehr als dieses leidige Thema (Qualität von verschiedenen Oberlinger-Orgeln) würde mich jedoch ein zweiter Konzertbericht von Antilope interessieren (sowie ein Bericht vom heutigen Konzert, falls dort ein Forianer war)...

Mit besten Grüßen
Contrebasson 32'

Konzert Belmann

Tabernakelwanze @, Niederrhein, Donnerstag, 15. Dezember 2011, 07:41 (vor 5383 Tagen) @ Contrebasson 32'

Ich denke, soviel Meinungsfreiheit muss sein, auch in diesem Forum mal ein Konzert als "nicht gelungen" empfinden zu dürfen.

Das jeder Kritiker seine subjektive Meinung vertritt die man nicht teilen muss, ist eine Binsenweisheit.

--
Gruß vom Niederrhein

Konzert Belmann

Cantor, Donnerstag, 15. Dezember 2011, 08:24 (vor 5383 Tagen) @ Tabernakelwanze

Hallo,

das denke ich allerdings auch! Aber wenn man mir nicht glaubt, es war z.B. Oskar G. Blarr, Heinz Terbuyken, Joachim Neugart, Marcel Ober, Ute Gremmel-Geuchen, Ansgar Wallenhorst, Odilo Klasen, Andreas Petersen anwesend. Vielleicht fanden diese das Konzert besser gelungen!!!???

Konzert Belmann

Contrebasson 32' @, Donnerstag, 15. Dezember 2011, 09:32 (vor 5383 Tagen) @ Cantor

Hallo,

das denke ich allerdings auch! Aber wenn man mir nicht glaubt, es war z.B. Oskar G. Blarr, Heinz Terbuyken, Joachim Neugart, Marcel Ober, Ute Gremmel-Geuchen, Ansgar Wallenhorst, Odilo Klasen, Andreas Petersen anwesend. Vielleicht fanden diese das Konzert besser gelungen!!!???

Deswegen wäre es zumindestens fair, wenn Antilope seinen Eindruck ebenfalls schildern würde...

Konzert Belmann

Antilope, Donnerstag, 15. Dezember 2011, 15:17 (vor 5383 Tagen) @ Contrebasson 32'
bearbeitet von Antilope, Donnerstag, 15. Dezember 2011, 16:04

Nun, nachdem bereits viele Nachfragen kamen, habe ich jetzt auch Zeit, meine Eindrücke zu schildern (gestern hatte ich keine Lust mehr).

Zum Programm: Eine interessante Zusammenstellung von Werken, die offenbar die Vielseitigkeit der Orgel unter Beweis stellen sollte. Interessant, dass dabei die Barockmusik nicht unbedingt den Löwenanteil hatte. Ein Zeichen? Vielleicht sollte man die Auswahl auch nicht überbewerten...

Ich hatte bei keinem Stück den Eindruck, dass es bei der Orgel "zu kurz" gekommen wäre. Auch Langlais klang gut!

Zur Darbietung:
Ich habe Markus Belmann zuletzt mit einem guten Konzert in Kaiserswerth sowie in der Neanderkirche im Sommer vergangenen Jahres mit einer starken Darbietung (und einem schönen Programm: Kagel, Mendelssohn´s Vater-Unser in rasanter Interpretation, Liszt...) gehört. Gemessen daran war das Konzert in St. Maximilian tatsächlich schwächer. Eine Nervosität - und das, was daraus resultiert - war zu vernehmen, ja, auch beim Bach, wobei die Fuge und das Schluß-Solo im Pedal überzeugt haben.

Gewagter Anfang!

Den Pachelbeld kannte ich nicht und möchte mich daher nicht zum Tempo äußern. Ich fand ihn jedenfalls schön registriert, sehr abwechslungsreich.

Wie gesagt, es war "nervös", aber Cantor´s Einschätzung - auch bzgl. Technik - teile ich nicht: Es war ein schöner Abend, mit langem, begeisterten Applaus der Zuhörer und Standing Ovations.

Zur Orgel:
Mir hat sie gefallen: Schöne Achtfüssler, eine aparte Traversflöte(?), wunderbar singende Prinzipale, angenehme Streicher mit einer angemessenen Ansprache, klare Mixturen. Eine (zu?) mächtige Posaune. Das Echo, wenn ich es richtig gehört habe, war gar nicht so leise.
Clerambault (Basse de Cromorne und Grands Jeaux) kam sehr gut und "authentisch" daher, sehr agile Zungen, nicht zu laut. Das habe ich aber nicht als dumpf oder charakterlos empfunden. Hier und da vertretbare Trakturgeräusche. Wind und Stimmung OK gingen in Ordnung.

Eine Barockorgel? Hm. Man müsste die Frage präzisieren: WAS FÜR EINE Barockorgel soll es sein? Franzosen gehen gut, ich fand es sehr süddeutsch (klar: die vielen 8´). Mächtiges Pedal: Das ist ja nicht "unbarock"! König? Tja, da gibt es ja gänzlich verschiedene Rekonstruktionen und Restaurierungen: Kempen (Verschueren) klingt ganz anders als Steinfeld (habe ich nur auf CD) oder Schleiden oder - wie ich vermute - auch Nijmegen. "Im Geiste" kann vieles heißen. Vielleicht eine Orgel des "empfindsamen Stils"? Ein Unikum und eine gute Abwechslung in Düsseldorf auf jeden Fall. Man müsste die Orgel mal mit mehr Barockmusik hören, die kam ja eher zu kurz, auch bei Schmeding, der ja nur einen "echten" Bach gespielt hatte.

Zu Schmeding:
Zwar habe ich den Anfang verpasst, aber hat mich auch dieses Konzert insgesamt überzeugt, mir persönlich waren 90 (bzw. bei mir gerade mal 80) Minuten zu lang (war auch müde...). Toll die beiden Zeitgenossen! Bei Blarr eine Schrecksekunde beim Spiel mit langsam schließenden Schleifen: Das war aber nicht der Wind! Schöner Effekt. Definitiv muss dieses Stück auch Manualiter-Passagen gehabt haben, lieber Herr Schäfer: Man hat es an den hohen Streicherklängen hören können. Irgendwo mittendrin klang es nach früher Mehrstimmigkeit.

Die Bässe: Manchesmal zu laut, aber oft auch im Piano passend: Vielleicht ungüsntig registriert? In jedem Fall großartig gespielt! Nach kurzem Lob von Schmeding über das - seines Erachtens - gelungene Instrument, dann noch eine kurze Zugabe (Orgelbüchlein).

Von Blarr und Schmeding war noch am Rande mitzubekommen, dass sie offenbar mit dem Ergebnis zufrieden sind. Weiß jemand, ob die beiden bei dem Projekt beteiligt waren (so wie Prof. Möller)? Habe nicht direkt mit ihnen gesprochen - wegen der Menschentraube.

Ihr merkt: Mir hat die Orgel gefallen: Sie ist warm und farbig. Bin mal auf mehr 18. Jh. gespannt.

Ich hätte Lust auch am kommenden Sonntag rüber zu fahren und das letzte Konzert der Festwoche zu hören. Ist von Euch jemand da?

PS: In der Festschrift ist ein Spieltischfoto: Dort wirken die Manubrien "geordneter" - das war ja schon mal Thema hier. Seitenspielig ist natürlich ein Thema bzw. eine Wissnschaft für sich.

PSS: Es wird langsam Zeit, dass die Düsseldorfer ihren Straßenverkehr geregelt bekommen. Das war mal wieder unmöglich!

Konzert Belmann

Reinhard Kluth ⌂ @, Tübingen, Donnerstag, 15. Dezember 2011, 19:17 (vor 5383 Tagen) @ Antilope

So,das ist mal ein richtig toller Bericht mit allen Hoch - und Tiefs und einer guten, eleganten Wortwahl.Es trifft die Interpretationsweise von Markus Belmann genauso, wie ich sie auch in vergangenen Konzerten erlebt habe, und so, wie ich mir die Orgel auch vorstelle. Ich bin gespannt auf Sonntag, denn zu dem Konzert gehe ich hin, weil ich auf Möllers Programm mehr als gespannt bin. Vielleicht berichte ich darüber, aber Herr Schäfer wird sicher auch da sein? Was den Verkehr in Düsseldorf anbetrifft: der ist wahrlich mehr als katastrophal. Ich wollte schon nicht mehr Auto fahren hier.
Herzliche Grüße von Reinhard Kluth

Konzert Belmann

Antilope, Donnerstag, 15. Dezember 2011, 20:46 (vor 5383 Tagen) @ Reinhard Kluth

...haben denn bei Ihnen nächsten Sonntag die Geschäfte auch geöffnet? Ich war etwas perplex, muss ich sagen!

Konzert Belmann

Reinhard Kluth ⌂ @, Tübingen, Donnerstag, 15. Dezember 2011, 22:11 (vor 5383 Tagen) @ Antilope

ja, da haben Sie wohl Recht. Das nimmt hier von Jahr zu Jahr zu. Zwischenzeitlich haben schon beide Kirchen dagegen protestiert und Kampagnen durchgeführt. Das hilft aber nichts. Also am kommenden Sonntag den 18. sind die Geschäfte nur in Kaiserwerth, Gerresheim und bei uns in Eller geöffnet.Das Umfeld der Maxkirche ist davon nicht betroffen. Aber es gibt noch den Weihnachtsmarkt.
VG Reinhard Kluth

Kritik

Dorforganist @, Freitag, 16. Dezember 2011, 12:47 (vor 5382 Tagen) @ Cantor

Ui,ui,ui,lieber Cantor,

was bin ich froh, hier noch keine Kritik veröffentlicht zu haben...

Der schiere Hinweis auf die Größe mancher Größen schützt halt nicht vor objektiven (oder auch meinetwegen subjektiven) Unzulänglichkeiten - und seien diese auch nur auf die Tagesform zurückzuführen. Wer sich öffentlich präsentiert, muß damit rechnen, daß jemand, der zuhört und hören kann, das auch bemerkt. Das ist ja nicht ehrenrührig (höchstens unangenehm) für den Betroffenen - und vielleicht tröstlich für manche weniger Berühmte.

Deshalb aber gleich dem Kritiker zu unterstellen, er sei "in einem anderen Konzert gewesen" (ein immer wiederkehrendes Motiv in jedem zweiten Leserbrief auf eine Zeitungskritik), oder ihn aufzufordern, es mal selber besser zu machen (Joachim Kaiser kann doch auch Alfred Brendel kritisieren, ohne der bessere Pianist zu sein), geht doch am Wesen der Kritik vorbei: soll sie nicht gerade den Eindruck des Zuhörers wiedergeben, wie hier eben den von Cantor und später den von Antilope? - vom anscheinend allgegenwärtigen Clemens Schäfer (dessen Artikel ich mit Vergnügen lese) mal ganz zu schweigen.

Seien wir doch froh, daß es noch Zuhörer gibt, die genug musikalische Bildung haben (die muß nicht professionell erworben sein!), ein Konzert differenziert aufzunehmen und ihre Eindrücke benennen zu können - und sich damit dann auch noch der Kritik der Kritiker des Kritikers zu stellen!

Also: Lassen Sie sich nicht entmutigen, bei anderer Gelegenheit wieder mal hier Ihre Meinung kundzutun - auch wenn die meinem Empfinden nach etwas heftigen Reaktionen vielleicht nicht dazu ermuntern!

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"Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt" (Gotthold Ephraim Lessing)

Maxorgel, Konzert mit Martin Schmeding

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Donnerstag, 15. Dezember 2011, 11:16 (vor 5383 Tagen) @ Reinhard Kluth

Hallo Forum,

nachdem die Wogen über den Konzertbericht von Cantor hier hochschlagen (ich habe von dritter Seite auch einen negativen Eindruck von diesem Konzert vermittelt bekommen), will ich trotzdem über Martin Schmeding an der Maxorgel schreiben.

Zuerst mal das Programm:

Bach-Liszt: Einleitung und Fuge aus der Kantate “Ich hatte viel Bekümmernis”
Bach: “Allein Gott in der Höh sei Ehr” BWV 662
Bach-Landmann: Chaconne d-moll aus BWV 1004
Rinck: Allegro maestoso aus Flötenkonzert F-Dur op. 55
Blarr: Estampe II für Orgelpedal solo (Stantes erant pedes nostri in portis tuis, Hierusalem), Psalm 121,2, Uraufführung
Mendelssohn-Schmeding: Variations sérieuses d-moll op. 54
Nishimura: Vision in flames (1996)
Brahms: “Es ist ein Ros entsprungen” op. 122,8
Reimann: Fantasie und Fuge über “Wie schön leuchtet der Morgenstern” op. 25

Im Grunde ein Programm zum Zungeschnalzen! Wann bekommt man solche Sachen je zu hören? Schmeding hat sie drauf und präsentiert sie gerne. Aber war das gut für eine erste Begegnung mit einem neuen Instrument? Es war ja nicht ein größerer Titel dabei, den man von anderen Orgeln im Ohr hatte. Vergleiche kann man also nicht anstellen. War das Zufall oder gewollt?

Musikalisch war der Abend jedenfalls ein Gewinn. Lediglich der Rinck fiel von der Substanz her etwas ab. Der langweilte auf Dauer schon. Alles andere war spannend, teilweise auch mitreißend - komponiert wie gespielt. Im einzelnen war es so:

Mit Pomp stieg Schmeding in die Kantate ein. Etwas schlanker die Fuge. Schon gleich hier zu Beginn wurde man auf die Bassstimmen aufmerksam, die an diesem Abend weiter auffallen sollten. Sehr kräftig. Das Choralvorspiel 662 hatte in der Sopranstimme eine wenig ausdruckstarke, etwas gehemmt wirkende Flöte. Die Chaconne ist natürlich hinreißende Musik - und was Arno Landmann damit gemacht hat, ist aller Ehren wert. Schmeding nutzte die Gelegenheit allerlei Register vorzuführen. Das kammermusikalische kam zwar nicht zu kurz, der große Gestus aber überwog. Auch hier mächtige Bässe. Über Rincks Flötenkonzert ist bereits das Nötige gesagt. Folgte die Uraufführung der Komposition von Oskar Gottlieb Blarr. Hätte es nicht im Programm gestanden, niemand wäre auf die Idee gekommen, daß das hier für Pedal solo geschrieben ward. Es klang vollgriffig. Formal konnte ich das Werk nicht entschlüsseln. Es gab aber höchst interessante Klangeindrücke, mächtige Erruptionen, Suhlen im Bass, Zwitschern in der Höh’. Hörenswert.

In Schmedings eigener Bearbeitung dann Mendelssohns Variations. Hier kamen erstmals auch weichere Stimmen zum Einsatz - eine Erlösung gegenüber all dem Vorigen. Das Werk wurde sehr geschmackvoll musiziert. In starkem Kontrast dazu Akira Nishimura: Ein mitreißendes Stück Moderne, klanggewaltig, rhythmisch prägnant - möchte ich unbedingt wieder hören. Mit Brahms trat dann wieder selige Ruhe ein, weich und schön. Schließlich Heinrich Reimanns Morgenstern. Viel zu schade zum Vergessen. Großartig inszeniert.

Ach ja, die Orgel. Wie schon angedeutet; mir waren die Bässe zu vorlaut. Das zog sich durch fast alle Stücke. Mit der Charakteristik der Flöten wurde ich auch nicht ganz warm. Die weichen Stimmen kamen dagegen schön. Eine Barockorgel ist das gewiß nicht. Eine romantische Orgel - wie an diesem Programm vorgeführt, schon eher. Aber das soll sie nicht sein - es gibt ja kein Schwellwerk. Ein merkwürdiger Zwitter also. Moderne geht bestens. Und mit der Stimmung hatte ich keine Probleme - oder klang BWV 662 deshalb so merkwürdig? Gemischte Gefühle also.

90 Minuten. Sehr herzlicher Beifall; Zugabe “Der Tag der ist so freudenreich” aus dem Orgelbüchlein mit recht statischer Oboe. Höchstens 150 Hörer (95% über 50) - es gab noch reichlich Platz.

Nun bin ich gespannt, was andere gehört haben.

Gruß Clemens Schäfer

--
Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

Maxorgel, weitere Konzerte

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Freitag, 16. Dezember 2011, 11:24 (vor 5382 Tagen) @ Clemens Schäfer

Hallo Forum,

wer die Orgel kennenlernen möchte, hat dazu in Zukunft einige Gelegenheit. Angekündigt sind folgende Konzerte:

01.01.2012, 19:30h, Markus Belmann, Programm NN
05.02.2012, 19:30h, Odilo Klasen, Mendelssohn, Schumann
04.03.2012, 19:30h, Markus Belmann mit Stefaie Brijoux (Gesang), Mittelalter und Gegenwart
01.04.2012, 19:30h, Ute Gremmel-Geuchen, Bach
06.05.2012, 19:30h, Markus Belmann mitREbecca Engel (Sprecherin), Heinrich Heine und die Religion
03.06.2012, 19:30h, Roland Dopfer Franz. Musik d. 17.-20. Jhdt.
01.07.2012, 19:30h, Markus Belmann, Liszt, Messiaen (Vogelpredigt)

Gruß Clemens Schäfer

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

Estampie

Antilope, Freitag, 16. Dezember 2011, 12:52 (vor 5382 Tagen) @ Clemens Schäfer

Geschätzter Herr Schäfer,

mir geht eine Sache nicht aus dem Kopf: Die Estampie.

War das wirklich formell (vom Aufbau) eine Estampie? Ich habe es jedenfalls so nicht gehört. Sie? Weiß nich, warum mir das durch den Kopf geht. Bei Blarr ist man ja gewöhnt, dass auch drin steckt was drauf steht.

Wie es sei, mir hat das Stück gefallen, das ändert sich auch nicht!

Estampie

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Freitag, 16. Dezember 2011, 13:28 (vor 5382 Tagen) @ Antilope

Hallo Antilope,

Hm, eine Form hatte ich ja auch nicht herausgehört. Aber laut Wiki steckt ja "Stampfen" im Wort, also eine Fußbetätigung. Und da es ein Pedalsolo Werk sein sollte, läge diese Verbindung nahe. Darüberhinaus hatte das Stück schon robusten Charakter, auch wenn es etwas banal wäre, das Stück ein "Stampfstück" zu nennen. Vielleicht paßt besser die Wortentwicklung ins Französische, wo estampe so viel wie Prägung, Holzschnitt bedeutet. "Holzschnittartig" würde ich hier akzeptieren.

Und gefallen hat es mir auch - wie auch der Nishimura.

Gruß Clemens Schäfer

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Estampie

Frank Berger @, Wassenberg, Freitag, 16. Dezember 2011, 21:29 (vor 5382 Tagen) @ Clemens Schäfer
bearbeitet von Frank Berger, Samstag, 17. Dezember 2011, 07:29

Hallo,
das thematische Zitat einer Estampie (Stampftanz aus dem Mittelalter), das in Oskar Blarr's Stück zu hören war, stammt aus dem Robertsbridge Codex (um 1330). Herr Blarr hat es u.a. in seinem Konzert in St. Lambertus gespielt. Ob das Blarr'sche Stück formal eine Estampie war, kann ich allerdings auch nicht sagen, weil ich nicht weiß, wie eine solche formal auszusehen hat. Ein Notenbeispiel lässt sich z. B. hier herunterladen, allerdings nicht das von Oskar Blarr benutzte.
Gruß ... Frank

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