Parallelventile

Florian-L, Samstag, 10. Dezember 2011, 10:10 (vor 5387 Tagen)

Hallo!

In Hans Klotz' "Buch von der Orgel" (12. Auflage 2000) gibt es auf Seite 16 unten eine Abbildung, auf der unter anderem ein vorne und hinten gestiftetes Ventil zu sehen ist, der Abzug erfolgt mittig; wenn ich mich recht erinnere, bezeichnet man ein so konstruiertes Ventil als Parallelventil. Lange scheint es diese Bauart ja nicht gegeben zu haben. Welche Vorteile erhoffte man sich durch diese Konstruktion?

Gruß, Florian

--
"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-

Parallelventile

Friedrich @, Samstag, 10. Dezember 2011, 10:59 (vor 5387 Tagen) @ Florian-L

Welche Vorteile erhoffte man sich durch diese Konstruktion?

Ich nehme mal an: weniger Reise, weil das Ventil die gesamte Öffnung sofort freigibt; weniger Seitenauslenkung, weil der Anhängepunkt am Ventil keine Kurve beschreibt, und dadurch präzisere Trakturführung.

Als ich diese Zeichnung im Klotz zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich gleich, dass sich das verkanten müsste (Murphys Gesetz).

Gruß
Friedrich

Parallelventile

orgeltom @, Samstag, 10. Dezember 2011, 13:16 (vor 5387 Tagen) @ Florian-L

Hallo!

In Hans Klotz' "Buch von der Orgel" (12. Auflage 2000) gibt es auf Seite 16 unten eine Abbildung, auf der unter anderem ein vorne und hinten gestiftetes Ventil zu sehen ist, der Abzug erfolgt mittig; wenn ich mich recht erinnere, bezeichnet man ein so konstruiertes Ventil als Parallelventil. Lange scheint es diese Bauart ja nicht gegeben zu haben. Welche Vorteile erhoffte man sich durch diese Konstruktion?

Gruß, Florian

Halo Florian

Der Voreil war nicht die kleinere Reise sondern man konnte die Ventilschlitze kleiner (schmaler) machen und daher waren die Windladen recht kurz.
(Auch in die kleinste Ecke passt eine Orgel):-)
Erfinder dieser Ventile war der Kölner Orgelbauer Willi Peter der auch das Patent darauf hatte und am Anfang sogar die Spunddeckel versiegelt hat damit die Konkurenz nicht abkupfert.
Der Nachteil war das man nur den Abzugdraht in die Mitte setzen konnte und die Feder leicht aus der Mitte war ,so dass das Ventil leicht schräg aufging und sehr genau einreguliert werden musste da sonst schnell "Heuler" kamen.
Hinzu kommt das bei diesen Ventilen kaum ein Druckpunkt zu spüren ist.

Noch ein gravierender Nachteil ist ,das man ja die Windlade kleiner bauen kann (Was ann auch gemacht wurde)um Platz zu sparen aber die Pfeifen dann so eng stehen das es mit der An-und Ausprachen hapert.

Gruß Orgeltom

--
Was sind die drei ärgsten Feinde des Musikers?
Frische Luft, helles Tageslicht und das unerträgliche Gebrüll der Vögel.

Parallelventile

Friedrich @, Samstag, 10. Dezember 2011, 21:37 (vor 5387 Tagen) @ orgeltom

Der Voreil war nicht die kleinere Reise sondern man konnte die Ventilschlitze kleiner (schmaler) machen und daher waren die Windladen recht kurz.

Ah, super. Danke für die Aufklärung. Das mit dem fehlenden Druckpunkt finde ich eigenartig. Aber die Geschichte mit der Regulierung hatte ich mir schon so oder ähnlich gedacht.

Gruß,
Friedrich

Parallelventile

Florian-L, Sonntag, 11. Dezember 2011, 08:19 (vor 5386 Tagen) @ Friedrich

Der Voreil war nicht die kleinere Reise sondern man konnte die Ventilschlitze kleiner (schmaler) machen und daher waren die Windladen recht kurz.


Ah, super. Danke für die Aufklärung. Das mit dem fehlenden Druckpunkt finde ich eigenartig. Aber die Geschichte mit der Regulierung hatte ich mir schon so oder ähnlich gedacht.

Danke für die Antworten!
Ein Bekannter hat unlängst eine Orgel mit solchen Ventilen bespielt und hat die Spielart als sehr zäh empfunden. Ich weiß nicht, ob es an der Trakturführung allgemein oder an der Ventilkonstruktion an sich liegt.

Würde man heute übliche Ventile einsetzen, könnte es dann aufgrund des einseitigen Ventilaufgangs und den verhältnismäßig kleinen Ventilschlitzen zu mangelnder Windversorgung kommen? Oder könnte man die Ventilschlitze einfach verlängern?

Gruß, Florian

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-Joseph Marx-

Parallelventile

orgeltom @, Sonntag, 11. Dezember 2011, 14:51 (vor 5386 Tagen) @ Florian-L

Würde man heute übliche Ventile einsetzen, könnte es dann aufgrund des einseitigen Ventilaufgangs und den verhältnismäßig kleinen Ventilschlitzen zu mangelnder Windversorgung kommen? Oder könnte man die Ventilschlitze einfach verlängern?

Gruß, Florian

Wenn man die heutigen einseitig aufgehenden Ventile einbauen möchte muss man unbedingt die Ventilschlitze vergrößern.

Gruß Orgeltom

--
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Parallelventile

KarlM, Sonntag, 11. Dezember 2011, 19:58 (vor 5386 Tagen) @ orgeltom

Hallo

das größte Problem beim Tausch gegen einseitig aufgehende Ventile ist die Lage des Abzugs/Tontraktur.
Die muß ja um ca 100 mm ans Ende des Ventils versetzt werden oder der Ventilschlitz
um die 100 mm verschoben werden.
Das ist bei den meisten Instrumenten schlicht nicht möglich

Grüße KM

Parallelventile

orgeltom @, Montag, 12. Dezember 2011, 07:08 (vor 5385 Tagen) @ KarlM

Hallo

das größte Problem beim Tausch gegen einseitig aufgehende Ventile ist die Lage des Abzugs/Tontraktur.
Die muß ja um ca 100 mm ans Ende des Ventils versetzt werden oder der Ventilschlitz
um die 100 mm verschoben werden.
Das ist bei den meisten Instrumenten schlicht nicht möglich

Grüße KM

Hallo KM,
meist gibt es eine Lösung, dem Orgelbauer sollte schon was einfallen.

Gruß Orgeltom

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Parallelventile

KarlM, Dienstag, 13. Dezember 2011, 06:29 (vor 5384 Tagen) @ orgeltom

Hallo Tom,

das ist mir auch klar,
ich wollte darauf aufmerksam machen,
das diese Lösungen durch die Verlegung das Abzugs sehr teuer werden,
und liegen die Manualwerke turmartig übereinander, sind fast immer darunter
Teile der Tragkonstruktion genau dort, wo der Abzug hin sollte.

Grüße
Karl

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