Marcel Andreas Ober in St. Martin, D-Unterbilk, 31.01.2011
Hallo Forum,
das fünfte “Winterliche” gab es gestern in St. Martin. Dort war im Frühjahr des vergangenen Jahres die von Friedrich Kampherm reorganisierte Kreienbrinck-Orgel auf der neuen Empore geweiht worden. Wie erfolgreich diese Arbeiten waren, konnte man jetzt wieder bestaunen.
![[image]](images/uploaded/201102011119074d47ec2b5266a.jpg)
Marcel Andreas Ober eröffnete das Konzert mit “Litanies” von Alain - just heard by Hanjo Robrecht. Hier kam es direkter, rhythmisch akzentuierter, frisch und lebensfroh.
Von andächtiger Ruhe dann Liszts “Ave Maria von Arcadelt”. Klangschön und ausgefeilt.
Von Alain folgte danach die Suite pour orgue. Eindrucksvoll die Variationenfolge, Vierne-nah das Scherzo, von fast archaischer Strenge der Choral.
Jean Guillou servierte sodann zunächst einmal zwei Gläschen Champagner: Prickelnd perlten die aufgelösten Akkorde in zwei Anläufen - dann ging es mit Liszt weiter: Orpheus in der Guillou-Fassung. Herrliche Klangfarben; bis ins letzte ausgespielt. Am Schluß dann sehr dunkle Mousse au chocolat, bestreut mit etwas rotem Pfeffer und einem Hauch von Puderzucker. Musik und Darbietung mit Suchtpotential.
Mit Verve begann Ober Guilmants Fünfte Sonate (c-moll op. 80). Klar - steht ja auch “Allegro appassionato” drüber. Genau so war es. Das Adagio mit der nötigen Ruhe, das Scherzo recht schnell. Kurzes Innehalten im Selbstgespräch beim Rezitativo. Jetzt ein wunderbar schlichter, in seiner scheinbaren Einfachheit ausgekosteter Choral, ehe die Fuge mit ihren punktierten Rhythmen als frohe Zustimmung zur Glaubensaussage einfiel.
Kräftiger, anhaltender Beifall der etwa 70 Hörer, Zugabe Escaich. Noch lange nach dem Konzert verblieben diskutierende Gruppen in der Kirche - man wollte mit dem Erlebten nicht alleine sein.
Gruß Clemens Schäfer
P.S. das sechste "Winterliche" in St. Hubertus, D-Itter wird nicht von Johannes Koop (erkrankt) sondern von Reinhard Kluth gespielt. Der will das angekündigte Programm übernehmen (Richter, Boyce, Liszt, Ritters Zweite, Guilmant, Westering und Duro). Ich werde da vermutlich in St. Lambertus sitzen, wo Stefan Schmidt (Würzburg) spielen wird: 07.02.2011, 19:30h. Denn mir fehlt die Fähigkeit, gleichzeitig an zwei Orten sein zu können.
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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)
Marcel Andreas Ober in St. Martin, D-Unterbilk, 31.01.2011
Hallo,
erst mal vielen, vielen Dank für diese wie auch all die anderen tollen Rezensionen!
Ich habe diesmal nur eine Frage:
Marcel Andreas Ober eröffnete das Konzert mit “Litanies” von Alain - just heard by Hanjo Robrecht. Hier kam es direkter, rhythmisch akzentuierter, frisch und lebensfroh.
"lebensfroh" habe ich die "Litanies" eigentlich noch nie empfunden und kann mir das auch gar nicht vorstellen. Wie ist das hier gemeint?
Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.
Marcel Andreas Ober in St. Martin, D-Unterbilk, 31.01.2011
Hallo,
"lebensfroh" habe ich die "Litanies" eigentlich noch nie empfunden und kann mir das auch gar nicht vorstellen. Wie ist das hier gemeint?
Danke für das Echo! Eine Litanei kann man eher teilnahmslos herunterleiern oder ganz bewußt bejahend beten (verkünden). Ich hatte den Eindruck, daß hier Letzteres der Fall war. Womit ich allerdings Hanjo Robrecht nicht des Leiern zeihe! Aber in Herz Jesu klang es dumpfer und gedeckter als in St. Martin, wo Ober irgendwie offener zur Sache schritt. Das empfand ich als lebendiger, froher. Vielleicht hilft dieser Versuch einer Erklärung?
Beste Grüße Clemens Schäfer
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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)
Marcel Andreas Ober in St. Martin, D-Unterbilk, 31.01.2011
"lebensfroh" habe ich die "Litanies" eigentlich noch nie empfunden und kann mir das auch gar nicht vorstellen. Wie ist das hier gemeint?
Danke für das Echo! Eine Litanei kann man eher teilnahmslos herunterleiern oder ganz bewußt bejahend beten (verkünden). Ich hatte den Eindruck, daß hier Letzteres der Fall war. Womit ich allerdings Hanjo Robrecht nicht des Leiern zeihe! Aber in Herz Jesu klang es dumpfer und gedeckter als in St. Martin, wo Ober irgendwie offener zur Sache schritt. Das empfand ich als lebendiger, froher. Vielleicht hilft dieser Versuch einer Erklärung?
Hallo!
Clemens Schäfer bestätigt mit seinem Kommentar auch meinen Eindruck seiner Bemerkung: "lebensfroh" bezog sich nicht auf das Stück an sich, sondern eher auf die Interpretation.
Nun ist aber - bei Kenntnis des Hintergrundes dieses Werkes - "lebensfroh" vielleicht nicht ein unbedingt passender Ausdruck. Im "alten" Forum waren die Litanies mehrmals Thema und wie schön wäre es, auf diese informativen Beiträge zu Hintergrund und Entstehungsgeschichte verweisen zu können...
Gruß
Karsten
Marcel Andreas Ober in St. Martin, D-Unterbilk, 31.01.2011
Hallo,
vielen Dank!
Mir treiben die Litanies regelmäßig die Tränen in die Augen (Emotionen: Trauer, aber auch Trotz und Lebensmut...).
Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.
Marcel Andreas Ober in St. Martin, D-Unterbilk, 31.01.2011
Hallo Christoph,
wenn Sie auch Lebensmut heraushören, dann war es das, was Ober nach meinem Eindruck besonders herausgekehrt hat.
Aber - es ist immer nur mein Eindruck, was ich da schreibe. Und es gibt keine Garantie, daß ich immer die richtigen Worte finde. Denn wenn Trotz diesen Lebensmut speist, dann paßt die Vokabel "froh" nicht so recht. Wird dieser Lebensmut aber nicht vielleicht doch durch das wiederholte, ja besessene Gebet herbeigeführt? Weniger theologisch formuliert: durch eine Art Autosuggestion? Ein Selbstheilungsprozeß?
Jedenfalls ein tolles Stück, über das nachzudenken lohnt.
Geuß Clemens Schäfer
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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)