Wiederweihe Kreutzbach-Orgel Eibenstock
jori
, Montag, 05. Dezember 2011, 19:46 (vor 5392 Tagen)
bearbeitet von jori, Montag, 05. Dezember 2011, 19:50
In Eibenstock / Sachsen steht das letzte Orgelwerk des Orgelbauers Urban Kreutzbach aus Borna.
Die Orgel verfügt über 36 Register auf 2 Manualen und Pedal und wurde 1868 erbaut.
1917 wurden für Kriegszwecke die Prospektpfeifen bis auf eine einzige Pfeife eingezogen und erst nach 1952 durch Zinkpfeifen ersetzt. Diese erhalten gebliebene Pfeife steht jetzt im neu erschaffenen Zinnprospekt und wirkt wie eine Zahnlücke. Gleichzeitig erfolgte 1952 eine Umdisponierung in Richtung barockem Geschmack. Im Zuge der Generalsanierung in diesem Jahr erfolgte eine Wiederherstellung der ursprünglichen Disposition von 1868. Es wurden 15 Stimmen rekonstruiert.
![[image]](images/uploaded/201112051939384edd1dfab74cf.jpg)
Wiederweihe Kreutzbach-Orgel Eibenstock
MichaelS
, Brackenheim, Dienstag, 06. Dezember 2011, 08:38 (vor 5391 Tagen) @ jori
Weiß jemand, wer´s gemacht hat und wo man weitere Infos darüber findet? Google gibt irgendwie nicht viel her oder ich bin einfach zu blöd dazu...
Wiederweihe Kreutzbach-Orgel Eibenstock
jori
, Dienstag, 06. Dezember 2011, 12:30 (vor 5391 Tagen) @ MichaelS
bearbeitet von jori, Dienstag, 06. Dezember 2011, 14:41
Weiß jemand, wer´s gemacht hat und wo man weitere Infos darüber findet? Google gibt irgendwie nicht viel her oder ich bin einfach zu blöd dazu...
Die Arbeiten an der Orgel hat die Orgelbaufirma Ekkehart Groß durchgeführt.
http://www.orgelbau-gross.de/
Die Seiten von Groß bringen dazu aber noch keine Informationen.
Die Disposition lautet wieder wie von 1868:
1.Manual - Hauptwerk C-e'''
Principal 16'
Prinzipal 8'
Viola di Gamba 8'
Hohlflöte 8'
Rohrflöte 8'
Quintflöte 5 1/3 '
Oktave 4'
Gemshorn 4'
Quinte 2 2/3'
Oktave 2'
Terz 1 3/5'
Cornett 4fach
Mixtur 4fach
Zimbel 3fach
Trompete 8'
2.Manual - Oberwerk C-e'''
Principal 8'
Salicional 8'
Gedeckt 8'
Flauto dolce 8'
Oktave 4'
Fugara 4'
Rohrflöte 4'
Nassat 2 2/3'
Gemshorn 2'
Cornettino 3 fach
Harmonia aetherea 3 fach
Fagott 16'
Pedal C-e'
Principalbass 16'
Violonbass 16'
Subbass 16'
Quintbass 10 2/3'
Oktavbass 8'
Violoncello 8'
Hohlflötenbass 8'
Posaunenbass 16'
Trompetenbass 8'
Spielhilfen/Hilfszüge
Manualcoppel
Pedalkoppel
Collektivzug
Klingel zum Calkant
Tremulanten konnte ich je einen für das Hauptwerk und das Oberwerk hören. Ob die schon 1868 drin waren, müsste noch geklärt werden,
Grüße
Wiederweihe Kreutzbach-Orgel Eibenstock
elsenp, Dienstag, 06. Dezember 2011, 12:33 (vor 5391 Tagen) @ jori
Hier gibts noch Informationen zur Orgelbauerfamilie Kreutzbach.
Gruß
Peter
Wiederweihe Kreutzbach-Orgel Eibenstock
Antilope, Dienstag, 06. Dezember 2011, 13:29 (vor 5391 Tagen) @ jori
Die Disposition liest sich sehr gut. Eine Frage: Kann es sein dass im II. Manual noch eine 8´ Zunge schlummert, die bei der Auflistung untergegangen ist?
Wiederweihe Kreutzbach-Orgel Eibenstock
jori
, Dienstag, 06. Dezember 2011, 14:37 (vor 5391 Tagen) @ Antilope
bearbeitet von jori, Dienstag, 06. Dezember 2011, 15:04
Die Disposition liest sich sehr gut. Eine Frage: Kann es sein dass im II. Manual noch eine 8´ Zunge schlummert, die bei der Auflistung untergegangen ist?
Davon ist mir nichts bekannt.
Die Orgeldatenbank der Evang.-luth. Kirche Sachsens nennt in der Disposition von 1868 im 2. Manual auch keine 8' Zunge. Weiterhin erscheint in der Disposition von 1868 auch kein Tremulant. Dies kann natürlich auch ein Fehler beim Erstellen der Datenbank sein. Die letzten großen Arbeiten am Instrument führten die Brüder Otto und Rudolf Jehmlich von 1952-1954 aus. Sie schmissen u. a. das Cornettino im 2. Manual raus und planten dafür ein Krummhorn 8', welches aber nie eingebaut wurde. Unter den Spielhilfen wird hier auch das Tremolo genannt.
Ich habe bei dem Weihekonzert 2 Tremulanten hören können.
Es gibt also noch offene Fragen, welche aber geklärt werden können.
Grüße
Wiederweihe Eibenstock - Alleinige Zunge 16' im II.
untersatz32
, Amriswil, Dienstag, 06. Dezember 2011, 14:55 (vor 5391 Tagen) @ jori
bearbeitet von untersatz32, Dienstag, 06. Dezember 2011, 15:03
Hallo miteinander,
eine alleinige Zunge zu 16' scheint im 19. Jahrhundert gar nicht so ungewöhnlich, es gibt auch Beispiele von Furtwängler (Trompete 16' im HW) oder Ladegast (Durchschlagende Aeoline 16' im Nebemmanual). Gekoppelt, ergänzen sich dann die Zungenchöre, aber z.B. oktaviert sind die Dinger auch als Solozungen zu gebrauchen.
Besonders schön sind die Ladegast'schen Aeolinen 16'...
Uebrigens: Paralellthema Skinner/Wannamaker/Yale:
in einigen Skinner-Orgeln findet sich im HW auch ein alleiniges Fagott 16', welches dann durch die Bombarde-Zungen 8 und 4 des Solo- oder Bombarde-Manuals zu ergänzen ist.
Gruss
Thomas
--
Thomas Haubrich
Wiederweihe Eibenstock - Alleinige Zunge 16' im II.
untersatz32
, Amriswil, Dienstag, 06. Dezember 2011, 16:01 (vor 5391 Tagen) @ untersatz32
...uebrigens haben das ja Schnitger oder Hildebrandt & Co. vorgemacht mit ihren alleinigen Zungen 16' (z.B. "nur" Trompete 16' im HW, Rest des Zungenplenums (8 und 4) dann jeweils koppelbar im OW oder BW); bzw. Dulcian 16 oder Fagott allein im RP etc.
Grüsse
Thomas
--
Thomas Haubrich
Wiederweihe Eibenstock - Dispo von 1952 - 2011
jori
, Dienstag, 06. Dezember 2011, 16:47 (vor 5391 Tagen) @ untersatz32
Hallo,
die wiederhergestellte Kreutzbach-Disposition von 1868 habe ich vorgestellt:
http://orgelforum.info/orgelforum/index.php?id=7213
Zum direkten Vergleich stelle ich hier mal die Disposition von 1952 rein. Bis 1952 fehlten nur die Prospektpfeifen (wanderten 1917 in den Weltkrieg). Einige Register findet man in der unten stehenden Dispo umintoniert, abgeschnitten oder an anderer Stelle wieder. Das Fagott 16' von 1868 wurde eingeschmolzen und man baute daraus gleich mal ein Scharf für das 2. Manual.
Disposition Kreuzbach-Orgel von 1952
1. Manual - Hauptwerk C-e'''
Principal 16'
Principal 8'
Spitzflöte 8'
Rohrflöte 8'
Oktave 4'
Gemshorn 4'
Repetierende Quinte 2 2/3'
Octave 2'
Nachthorn 2'
Terzia 1 3/5'
Superquinte 1 1/3'
Zinke
Mixtur 4 fach )
Klingende Zimbel 2 fach
Trompete 8'
2.Manual - Oberwerk C-e'''
Pommer 16'
Prinzipal 8'
Quintaden 8'
Gedackt 8'
Oktave 4'
Rohrflöte 4'
Nassat 2 2/3'
Oktävlein 2'
Gemshorn 2'
Sifflet 1'
Scharf 4 fach
Krummhorn 8' (vacat)
Pedal C-e'
Prinzipalbass 16'
Violonbass 16'
Subbass 16'
Oktavbass 8'
Choralbass 4'
Rohrpfeife 2'
Baßmixtur 4 fach
Posaunenbass 16'
Trompetenbass 8'
Spielhilfen / Hilfszüge
Manualcoppel
Pedalcoppel
Tremolo
Klingel
Collectivzug
Somit ist also jetzt noch mehr Stoff zur Diskussion vorhanden.
Grüße
jori
Wiederweihe Eibenstock - Dispo von 1952 - 2011
Nokuhn, Dienstag, 06. Dezember 2011, 20:40 (vor 5391 Tagen) @ jori
Hallo Jori,
sicher haben Sie recht, wenn Sie die vollkommen unnötige Zerstoerung des Instruments durch die Baumaßnahmen von 1952 beklagen.
Beeindruckend ist allerdings (nicht speziell in Ihrem Beitrag, sondern vielmehr in der Gesamttendenz der Forendiskussion) die Einseitigkeit der Klage. Ich habe hier selten (oder nie) ein Wort des Vorwurfs oder auch nur des Bedauerns über die ca. 5o Jahre zuvor ebenso überfluessigerweise erfolgte "Abwrackung" bzw. "Verschandelung" barocker Instrumente (beispielsweise in Pellworm, das in seiner Teilerhaltung noch als positive Ausnahme vermerkt wird) gehoert.
Auch der Ruin werthaltiger Instrumente der Nachkriegszeit durch Anpassung an den Zeitgeschmack (z.B. im Hamburger Dom)findet hier kaum ein Wort des Bedauerns.
Viele Gruesse
nokuhn
Wiederweihe Eibenstock - Dispo von 1952 - 2011
Florian-L, Mittwoch, 07. Dezember 2011, 08:11 (vor 5390 Tagen) @ Nokuhn
Auch der Ruin werthaltiger Instrumente der Nachkriegszeit durch Anpassung an den Zeitgeschmack (z.B. im Hamburger Dom)findet hier kaum ein Wort des Bedauerns.
Doch, im "alten" Forum gab es eine umfangreiche Diskussion dazu.
Gruß, Florian
--
"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-
Wiederweihe Eibenstock - Alleinige Zunge 16' im II.
Friedrich
, Dienstag, 06. Dezember 2011, 20:41 (vor 5391 Tagen) @ untersatz32
Uebrigens: Paralellthema Skinner/Wannamaker/Yale:
in einigen Skinner-Orgeln findet sich im HW auch ein alleiniges Fagott 16', welches dann durch die Bombarde-Zungen 8 und 4 des Solo- oder Bombarde-Manuals zu ergänzen ist.
Und wieder ist zu sagen: Das betrifft die Orgeln von Æolian-Skinner, nicht die des Altmeisters selber, der hätte schon schön für seine Trombas gesorgt. Auf die Idee kam der A-S-Chef G. Donald Harrison tatsächlich über die norddeutschen Beispiele. Er wollte den großen Prinzipalchor getrennt wissen vom Zungenensemble, weswegen er manchmal dem Great gar keines gönnte (Church of the Advent in Boston, Methuen) oder es, wie Du schon sagst, als “floating division” auslagerte, also auf die Reservebank zum Koppeln abschob (Mormon Tabernacle, St John the Divine). In Methuen und im Mormon Tabernacle wurde inzwischen jeweils ein Zungenchor ergänzt, weil dieses Klangkonzept offenbar allzu quer lag zu allem, was Organisten so brauchen und gewohnt sind.
Gruß,
Friedrich
Wiederweihe Eibenstock - Alleinige Zunge 16' im II.
untersatz32
, Amriswil, Dienstag, 06. Dezember 2011, 21:25 (vor 5391 Tagen) @ Friedrich
....so ein Tromba/Trombone-Chor 16 8 4 des Altmeisters Skinner iss aber auch wirklich schön......
Seufz!
--
Thomas Haubrich