Regers "Wachet auf"-Fantasie an Gaudete
Karsten, Sonntag, 04. Dezember 2011, 13:18 (vor 5393 Tagen)
Hallo!
da (leider, aber nicht unbegründet) sehr häufig ein Thema im Forum ist, welchen schlechten Stellenwert Orgelmusik in der Liturgie hat, hier mal was positives:
Am Dritten Adventssonntag Gaudete wird in der Mannheimer Jesuitenkirche die Wort-Predigt in allen Gottesdiensten "gestrichen". Stattdessen spielt der Organist im (!) Gottesdienst als "musikalische Verkündigung" Max Regers Choralfantasie über "Wachet auf, ruft uns die Stimme", op. 52,2 - komplett.
In Pfarrblatt etc. ist dies angekündigt, so dass die Gottesdienstbesucher nicht damit "überrumpelt" werden. Zudem wird in den Gottesdiensten ein kleiner Flyer ausgeteilt, mit dem Choraltext und einigen musikalischen Erläuterungen.
Finde ich ne tolle Sache!
Gruß
Karsten
Regers "Wachet auf"-Fantasie an Gaudete
schnitgers.anderer.erbe, Sonntag, 04. Dezember 2011, 17:35 (vor 5393 Tagen) @ Karsten
Finde ich ne tolle Sache!
Dem schließe ich mich an und wünschte mir ebensolche Verhältnisse. Aber in einem Landstrich, wo man am liebsten den ganzen Advent ausschließlich mit "Wir sagen euch an den lieben Advent" und "Tauet Himmel den Gerechten" in allen denkbaren Kombinationen gestalten würde, hat das leider wenig Chancen.
Regers "Wachet auf"-Fantasie an Gaudete
Karsten, Sonntag, 04. Dezember 2011, 18:12 (vor 5393 Tagen) @ schnitgers.anderer.erbe
Finde ich ne tolle Sache!
Dem schließe ich mich an und wünschte mir ebensolche Verhältnisse. Aber in einem Landstrich, wo man am liebsten den ganzen Advent ausschließlich mit "Wir sagen euch an den lieben Advent" und "Tauet Himmel den Gerechten" in allen denkbaren Kombinationen gestalten würde, hat das leider wenig Chancen.
Hallo!
Nun ja, es war durchaus etwas "Überzeugungsarbeit" notwendig, zumal an den Wochenenden immer verschiedene Pfarrer bzw. Patres die Gottesdienste leiten. Umso schöner, dass alle "mitmachen". Ob sich daraus eine "Tradition" entwickeln wird, bleibt abzuwarten.
Ich bin an einem Termin zum Registrieren "verdonnert" worden*) und will versuchen, trotzdem ein wenig die Reaktionen aufzufangen und hier weiterzugeben.
Gruß
Karsten
*) wobei ich ich aus dieser Perspektive ziemlich "froh" bin, dass für die Registrierungen nicht ein Christoph Bossert oder sonst ein Pferd aus dessen Stall für die Registrierung verantwortlich ist ;)
Regers "Wachet auf"-Fantasie an Gaudete
Clemens Schäfer
, Düsseldorf, Sonntag, 04. Dezember 2011, 17:39 (vor 5393 Tagen) @ Karsten
Finde ich ne tolle Sache!
Wahrlich. Und ein erster vorsichtiger Schritt zur Laienpredigt?!
Gruß Clemens Schäfer
--
Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)
Regers "Wachet auf"-Fantasie an Gaudete
doppelfloete_h
, Hannover, Sonntag, 04. Dezember 2011, 20:19 (vor 5393 Tagen) @ Clemens Schäfer
In Hannover gibts ne Gemeinde, wo das relativ regelmäßig stattfindet als "musikalische Predigt". Oder zumindest mal stattfand, alle zwei Monate oder schießmichtot... Habe es mal mit der Reubke-Sonate erlebt.
Regers "Wachet auf"-Fantasie an Gaudete
MichaelS
, Brackenheim, Dienstag, 06. Dezember 2011, 08:35 (vor 5392 Tagen) @ Karsten
Eine tolle Idee, auch wenn ich persönlich mit Wachet auf im Advent nicht wirklich viel anfangen kann...
Regers "Wachet auf"-Fantasie an Gaudete
Schreipositiv
, Wetter, Dienstag, 06. Dezember 2011, 17:03 (vor 5391 Tagen) @ MichaelS
Eine tolle Idee, auch wenn ich persönlich mit Wachet auf im Advent nicht wirklich viel anfangen kann...
Och, des past scho.
Ich durfte letztes Jahre BWV 645 beim Weihnachts-Schulkonzert in der örtlichen Kirche spielen. "Wachet auf" ist eigentlich ein Stück für kurz vor der Adventszeit.
Regers "Wachet auf"-Fantasie an Gaudete
Karsten, Mittwoch, 14. Dezember 2011, 09:51 (vor 5383 Tagen) @ Karsten
bearbeitet von Karsten, Mittwoch, 14. Dezember 2011, 09:55
Hallo!
Hier ein kleiner Nachtrag zu der musikalischen "Laienpredigt" in der Mannheimer Jesuitenkirche.
Zunächst einmal hat es diese "Predigt in Noten" sogar auf die "Aktuelles"-Seiten des Erzbistum Freiburg geschafft. Dies mag auch ein Grund dafür gewesen sein, dass die Kirche in den Gottesdiensten trotz (oder gar wegen?) des ungwöhnlichen Programms gut besucht war.
Wie erwähnt, wird fast jeder Gottesdienst in der Jesuitenkriche von einem anderen Pfarrer bzw. Jesuitenpater gehalten. Von daher ist der Überzeugungsaufwand gegenüber den Priestern, auf die Gaudete-Predigt zu verzichten, nicht zu unterschätzen. Aber alle haben mitgemacht und man beschränkte sich höchstens auf einige einleitende Worte zu Beginn.
Um den interessierten Gottesdienstbesuchern Hilfestellung beim Hören zu geben, wurden Handzettel ausgeteilt, die zweispaltig aufgebaut waren: In der linken Spalte wurde der Choraltext abgedruckt, in der zweiten Spalte, parallel dazu einige kurze musikalische Erläuterungen abgedruckt. So war für "alle" gesorgt: man konnte sich entweder zurücklehnen und die Musik auf sich wirken lassen, den Choraltext verfolgen oder auch weitere musikalische Erklärung suchen. Um das Verfolgen der Musik auch Ungeübten zu erleichtern, wurden über Liedanzeiger die verschiedenen Text- und Musikabschnitte angegeben. Für den Registranten war das eine weiterre Herausforderung, neben Blättern und Registrieren "dürfte" er auch pünktlich Nummern eintippen ;)
Wie kam das nun bei den Gottesdiensbesuchern an? Anstatt viele Worte zu machen, glaube ich, dass dieser Schnappschuss (trotz schlechter Qualität) es ganz gut ausdrückt:
![[image]](images/uploaded/201112140939204ee86ec8191ec.jpg)
Nach den mächtigen Schlussakkorden ergreifende Stille.
Im Gottesdienst verteilt wurden als Gemeindelied ebenfalls alle Strophen von "Wachet auf" gesungen.
Das weitere solistische Orgelprogramm bestand aus Bachs "Nun komm der Heiden Heiland" (Leipziger Choräle) zur Kommunion und "Wachet auf, ruft uns die Stimme" als Nachspiel.
Es verwundert nicht, dass die Gottesdienstbesucher entgegen der ausdrücklichen Bitte auf dem Handzettel keinen Beifall zu spenden am Ende nach diesem "Orgelhit" ehrlich und dankbar applaudierten.
Resümée dieses "Experiments": es ist gelungen und großer Respekt gebührt dem Organisten Tobias Breitner, der es auf sich nahm, dreimal an einem Tag (bzw. viermal innerhalb anderthalb Tagen) die Choralfantasie öffentlich zu spielen.
Gruß
Karsten