Buxtehude Chaconne in e - Registrierung
Tim T., Dienstag, 29. November 2011, 21:06 (vor 5397 Tagen)
´nabend an alle,
nach einiger Beschäftigung mit der Buxtehude-Chaconne in e (BuxWV 160) bin ich mir gerade sehr unsicher wegen einer möglichen Registrierung.
Auf vielen Aufnahmen hört man ein Crescendo von Variation zu Variation; andere registrieren die Abschnitte je nach Charakter.
Gegen diese Lösung spricht m.E., dass es keine Stelle gibt, an der man ohne Bruch umregistrieren kann, die Variationen gehen ja ziemlich nahtlos ineinander über.
Die Alternative (eine Registrierung durchgehend) überzeugt mich auch nicht, die ruhigen Stellen sprechen gegen ein Plenum, die bewegten Stellen gegen leise Registrierungen (z.B. mit Principal 8').
Ein Mittelweg ist ebenfalls schwierig, da die Symmetrie des Tonsatzes z. B. Echo-Registrierungen ausschließt.
Wie würdet ihr die Chaconne registrieren?
Gruß, Tim
Buxtehude Chaconne in e - Registrierung
Karsten, Dienstag, 29. November 2011, 21:37 (vor 5397 Tagen) @ Tim T.
´nabend an alle,
nach einiger Beschäftigung mit der Buxtehude-Chaconne in e (BuxWV 160) bin ich mir gerade sehr unsicher wegen einer möglichen Registrierung.
Auf vielen Aufnahmen hört man ein Crescendo von Variation zu Variation; andere registrieren die Abschnitte je nach Charakter.
Welche Aufnahmen hast Du denn verglichen?
Wie würdet ihr die Chaconne registrieren?
Aus eigener Erfahrung kann ich dazu nichts sagen, aber bei Interesse könnte ich die Registrierangaben aus einigen Bookelts einstellen.
Gruß
Karsten
Buxtehude Chaconne in e - Registrierung
Friedrich
, Dienstag, 29. November 2011, 22:01 (vor 5397 Tagen) @ Karsten
bearbeitet von Friedrich, Dienstag, 29. November 2011, 22:08
Wie würdet ihr die Chaconne registrieren?
Interessante Frage. Ein gutes Cembalo wäre zweifellos eine Möglichkeit. :-)
Aber weil Dir damit nicht geholfen ist: Schnell mal 'ne Playlist gestrickt.
Gerade habe ich Herrick gehört, der an der Wagner-Orgel in Trondheim einen wunderbar zeichnenden Pedal-8' nimmt und drüber die Flöten 8-4-2 des Oberwerks. Ein Gedicht, ein gerauntes. In den Flüsterton zurück geht Bine Bryndorf in Helsingør: Pedal Gedeckte 16-8, Manual Gedeckt 8. Mmmmh. Suzuki macht's in Altenbruch genauso und ist mit Abstand der zarteste, auch wenn er bis zu Nasat und Oktave 4' steigert. Vogel nimmt den Grasberger Nasat dialogisierend hinein, die Folie bilden Gedeckte 16+8 (P) und Flöten 8-4 (BW); später dreht er auf: Schnitgers 8'-Pedalzunge hier nicht uneben.
Eindeutige Tendenz: leise, meditativ. Ich habe versucht, mir das mit solistischem 8'-Prinzipal vorzustellen oder auch mit Oktave 4' dazu. Gerade werden ich Zeuge, warum meine Fantasie das nicht so recht reinlassen will, und zwar in der Aufnahme von Ton dem Trampler, ebenfalls in Altenbruch: Prinzipale sind wahrscheinlich grundsätzlich eine Spur zu langsam und für diese cembalistische Musik zu schwerfällig, außerdem verlangen sie eher nach gebundener Spielweise. Feine Gedeckte mit schneller, sacht artikulierter Ansprache tun gut.
Vielleicht im Dialog mit Quintade 8', oder selbige mit einer 4'-Flöte. Denkbar auch, dass ein schnelles Rückpositiv-Prinzipal 8' (glücklich, wer eines hat!) in Begleitung einer quicken 4'-Flöte (Block-, Rohr-) Zutritt zu diesem Theater erhält.
Ist doch eine schöne Gelegenheit, mal die Flöten der eigenen Orgel wieder zu erkunden!
Viel Spaß wünscht
Friedrich
Buxtehude Chaconne in e - Registrierung
MichaelS
, Brackenheim, Mittwoch, 30. November 2011, 09:35 (vor 5397 Tagen) @ Friedrich
bearbeitet von MichaelS, Mittwoch, 30. November 2011, 14:54
Schön finde ich die Bezeichnung "cembalistische Musik", die diesem herrlischen Stück sehr nahe kommt. Auf den heutigen Orgeln nehme ich Flöten 8-4-2 aus dem Positiv, dazu ein zeichnendes Pedal (vielleicht Subbaß 16 und Cello 8, die Oboe aus dem SW ankoppeln?), für einige Echo-Stellen nehme ich die Hauptwerksflöte (oder Gedeckt) allein.
An einer wunderschönen Steinmeyer-Orgel von 1895 mit Mönch-Erweiterung (Bombardwerk-Recit) habe ich mit diesem Stück einmal ein großes Crescendo "zelebriert" mit zig vorgespeicherten Kombinationen und einer Spieldauer von rund neun Minuten in einer rieseigen neuromanischen Kirche. Es war das Jubiläumskonzert vom Kirchenchor und mein Freund und Kollege hatte lauter Chor-Orchestermusik aus Barock und Klassik ausgewählt und dazwischen sollte auch die große Orgel zweimal erklingen - das zweite Stück war Bachs Es-dur in Anlehnung an Widor...
Edit
Buxtehude Chaconne in e - Registrierung
Tabernakelwanze
, Niederrhein, Mittwoch, 30. November 2011, 12:02 (vor 5396 Tagen) @ MichaelS
Man nehme 8+4+2...hört sich so nach Kochbuch an. Steht das irgendwo geschrieben?
--
Gruß vom Niederrhein
Buxtehude Chaconne in e - Registrierung
Friedrich
, Mittwoch, 30. November 2011, 12:26 (vor 5396 Tagen) @ Tabernakelwanze
Man nehme 8+4+2...hört sich so nach Kochbuch an. Steht das irgendwo geschrieben?
Natürlich nicht.
So wie man in einem Kochrezept voraussetzt, dass fließend Wasser vorhanden ist und nicht auf der Zutatenliste auftaucht, so sollte man bei Registrierungstipps voraussetzen, dass hinter dem »Man nehme …« immer erstmal »… ein paar Ohren, etwas dazwischen sowie …« stehen müsste.
Gruß,
Friedrich
Buxtehude Chaconne in e - Registrierung
MichaelS
, Brackenheim, Mittwoch, 30. November 2011, 14:59 (vor 5396 Tagen) @ Friedrich
Man nehme 8+4+2...hört sich so nach Kochbuch an. Steht das irgendwo geschrieben?
Natürlich nicht.So wie man in einem Kochrezept voraussetzt, dass fließend Wasser vorhanden ist und nicht auf der Zutatenliste auftaucht, so sollte man bei Registrierungstipps voraussetzen, dass hinter dem »Man nehme …« immer erstmal »… ein paar Ohren, etwas dazwischen sowie …« stehen müsste.
Gruß,
Friedrich
Ja, man nehme - wie im Kochbuch. Im Kochbuch steht danach immer EINE MÖGLICHKEIT, ein Gericht zuzubereiten. In einem anderen Kochbuch steht dann vielleicht eine andere Möglichkeit und so manch einer bereitet ein Gericht so zu, wie es vielleicht in gar keinem Kochbuch steht? Und es schmeckt trotzdem? Vielleicht nicht jedem...
Wenn ich Bachs "Wasserflüsse" rechts mit Gambe und Vox coelestis spiele, das Solo links mit der durchschlagenden Klarinette oder dem franz. Hautbois (wie wärs mit Physharmonika?), so steht das vielleicht in gar keinem (Koch)Buch, aber es mag an mancher Orgel so klingen, dass einige Zuhörer und ich als Spieler es gut finden. Funktioniert also wie beim Sauerbraten die Rosinen...
Buxtehude Chaconne in e - Registrierungen
Karsten, Mittwoch, 30. November 2011, 15:05 (vor 5396 Tagen) @ Karsten
Christopher Herrick, Wagner-Ahrend-Orgel Trondheim
- Hauptwerk: Rohrflöte 8', Waldflöte 2
- Pedal: Principal 8
Bernard Foccroulle, Lorentz-Fritzsche-Orgel Helsingor
Takt 1:
- Werk: Principal 8, Octava 4
- Pedal: Untersatz 16', Principal 8', Octava 4'
Takt 41:
- Rückwerk: Gedact 8', Principal 4, Octava 2'
Takt 69:
- Werk: Principal 8, Octava 4, Quinte 3', Octava 2', Mikstur IV
- Pedal: Untersatz 16', Principal 8', Oktav 4', Rauschpfeife II, Trompete 8'
Takt 101:
- Pedal: (+) Posaun 16'
Piet Kee, St. Laurenskerk Alkmaar
HW: Praestant 16', Prasetant 8', Octaav 4', Ryschpyp II,
RP: Praestant 8', Octaav 4' Octaav 2'
OW: Praestant 8', Baarpijp 8', Quintadna 8', Octaav 4'
Pedal: Praestant 16', Octaav 8', Octaav 4'
Takt 1:: RP
Takt 45:: OW
Takt 69:: HW
- Koppeln: (+) OW an HW, HW an Ped
- Ped: (+) Quinta 5 1/3'
Takt 93:
- HW: (+) Mixtuur VI
Takt : RP
- OW: (+) Trompet 8'
- Ped: (+) Bazuin 16'
- Koppeln: (+) HW an RP
Takt 117:
- Ped: (+) Rohrquint 10 2/3'
Harald Vogel, Grasberg:
Takt 1-5:
- HW: Rohrflöte 8', Nasat 3'
Takt 1-41:: Rechte Hand T, 9, 16, 25 und 32:
- BW: Gedact 8', Rohrflöte 4',
- Ped: Subbass, Gedact 8', Octava 4'
Takt 41-49:
- HW: Rohrflöte 8', Octava 4'
Takt 49-61:
- Anfangsregistrierung (BW, 53-57 r.H. HW)
Takt 61-65:
- HW: Rohrflöte 8', Octava 4'
Takt 65-69:
- BW: Gedact 8', Rohrflöte 4'
Takt 69-73:
- HW: Rohrflöte 8', Octava 4'
Takt 73-77:
- BW: Gedact 8', Rohrflöte 4'
Takt 77-81:
- HW: Rohrflöte 8', Octava 4' (R.H. bis T.85)
Takt 77-92:
- BW: Gedact 8', Rohrflöte 4'
- Ped: Subbass, Gedact 8', Octava 4'
Takt 93-112:
- HW: Rohrflöte 8', Octava 4', Nasat 3', Octava 2' (manualiter)
Takt 105-112:
- Ped: Subbass 165', Trompet 8', Octava 4
Takt 112-116:
- BW: Gedact 8', Rohrflöt 4', Waldflöt 2'
Takt 117-125:
- HW: Rohrflöte 8', Octava 4', Nasat 3', Octava 2'
- Ped: Subbass 165', Trompet 8', Octava 4
Ulrik Spang-Hanssen, Lund-Orgel Praesto (DK):
HW: Principal 8
Pedal: Subbass 16', Pedalkoppel HW
Buxtehude Chaconne in e - Registrierungen :-)
Martin78
, Mittwoch, 30. November 2011, 18:20 (vor 5396 Tagen) @ Karsten
- Ped: Subbass 165'
... wahrlich ein abgrundtiefes Register :-)
Danke für die Fleißarbeit - auch ich schätze dieses Stück außerordentlich und finde, dass die kammermusikalische Variante dem Stück besser "steht" als der Passacaglia d-Moll. Da muss es zum Schluss rauschen!
Gruß,
Martin