Orgel-Veriß
KarlM, Donnerstag, 17. November 2011, 13:58 (vor 5410 Tagen)
Hallo
wieso wird hier eigentlich jede neue Orgel zuerst einmal zerissen?
Hinweis auf eine Einweihung - Disposition wird nieder gemacht, meistens
taugt der Prospekt nichts,
dass alles ohne Kenntnis des Raums, der Gegebenheiten, der Planungen etc.
Wieso fährt man nicht zuerst mal hin und hört sich das an, fragt sich Karl?
Orgel-Veriß
orgeltom
, Donnerstag, 17. November 2011, 14:53 (vor 5410 Tagen) @ KarlM
Hallo,
weil der überwiegende Teil keine Ahnung hat wie so ein Entwurf zustande kommt und nicht im entferntesten weiss welch ein Entwicklungsprozess dahinter steht bis alleine ein Prospektentwurf fertig ist oder etwa eine Disposition.
Kaum einer kann sich vorstellen wie schwierig manche Gespräche mit Architekten sind die meist null Ahnung vom Orgelbau haben aber bei der Gestaltung mitreden wollen.
So eine Entwicklung kann vom der ersten Kontakt mit der Gemeinde bis zur Einweihung leicht 5-7 Jahre dauern.
Schlechtgeredet ist schnell und sich mit so einem Projekt auseinandersetzen sehr aufwändig.
Gruß
Orgeltom
--
Was sind die drei ärgsten Feinde des Musikers?
Frische Luft, helles Tageslicht und das unerträgliche Gebrüll der Vögel.
Orgel-Veriß
Subkoppel II - I
, Donnerstag, 17. November 2011, 16:57 (vor 5410 Tagen) @ KarlM
Hallo
wieso wird hier eigentlich jede neue Orgel zuerst einmal zerissen?
Hinweis auf eine Einweihung - Disposition wird nieder gemacht, meistens
taugt der Prospekt nichts,
dass alles ohne Kenntnis des Raums, der Gegebenheiten, der Planungen etc.
Wieso fährt man nicht zuerst mal hin und hört sich das an, fragt sich Karl?
Bin gespannt wieviele "Berufszereisser" und Besserwisser sich auf diesen Beitrag melden !
Ich schreibe "Beitrag" und nicht "Thread", weil ich nicht weiß ob ich das Fremdwort richtig schreibe (Gruß an jrbecker!)
Gruß,
Subkoppel II - I
Orgel-Veriß
jrbecker
, Donnerstag, 17. November 2011, 21:17 (vor 5409 Tagen) @ Subkoppel II - I
Hallo
wieso wird hier eigentlich jede neue Orgel zuerst einmal zerissen?
Hinweis auf eine Einweihung - Disposition wird nieder gemacht, meistens
taugt der Prospekt nichts,
dass alles ohne Kenntnis des Raums, der Gegebenheiten, der Planungen etc.
Wieso fährt man nicht zuerst mal hin und hört sich das an, fragt sich Karl?
Bin gespannt wieviele "Berufszereisser" und Besserwisser sich auf diesen Beitrag melden !
Ich schreibe "Beitrag" und nicht "Thread", weil ich nicht weiß ob ich das Fremdwort richtig schreibe (Gruß an jrbecker!)Gruß,
Subkoppel II - I
Danke, danke, Gruß zurück! Alles bestens, hast du schön gemacht!
Gruß
jrbecker
Orgel-Veriß
Reinhard Kluth
, Tübingen, Donnerstag, 17. November 2011, 21:55 (vor 5409 Tagen) @ jrbecker
Hallo und guten Abend
ich möchte mich dem unbedingt anschließen. Grade erst vor ein paar Wochen wurde die neue Scholz-Orgel in Mönchengladbach verrissen, obwohl sie noch nicht einmal fertig war: ...."was macht man denn mit einer solchen Disposition .?... etc". Kaum war die Orgel fertig und das erste Konzert erklungen, war man hoch erstaunt darüber, welch ein schönes Instrument hier entstanden ist. Heute spricht schon keiner mehr über diese Orgel. Ich bin auch absolut der Überzeugung, daß diese Besserwisser nicht die geringste Kompetenz für ihre hemmungslose Kritik aufweisen können.
Herzlichen Gruß, Reinhard Kluth
Orgel-Veriß
Martin78
, Donnerstag, 17. November 2011, 22:00 (vor 5409 Tagen) @ Reinhard Kluth
Hallo und guten Abend
ich möchte mich dem unbedingt anschließen. Grade erst vor ein paar Wochen wurde die neue Scholz-Orgel in Mönchengladbach verrissen, obwohl sie noch nicht einmal fertig war: ...."was macht man denn mit einer solchen Disposition .?... etc". Kaum war die Orgel fertig und das erste Konzert erklungen, war man hoch erstaunt darüber, welch ein schönes Instrument hier entstanden ist...
... und ich bin überzeugt, dass man das am Sonntag auch nach der Orgelweihe in Zemmer sagen wird!
Freuen wir uns, dass es noch engagierte Menschen gibt, die solche Projekte auch in der heutigen Zeit noch möglich machen, und in Deutschland noch jede Menge kompetente Orgelbaufirmen.
Schönen Abend!
Martin
Orgel-Veriß
FranzS.
, Donnerstag, 17. November 2011, 23:02 (vor 5409 Tagen) @ Reinhard Kluth
Hallo und guten Abend
ich möchte mich dem unbedingt anschließen. Grade erst vor ein paar Wochen wurde die neue Scholz-Orgel in Mönchengladbach verrissen, obwohl sie noch nicht einmal fertig war: ...."was macht man denn mit einer solchen Disposition .?... etc". Kaum war die Orgel fertig und das erste Konzert erklungen, war man hoch erstaunt darüber, welch ein schönes Instrument hier entstanden ist. Heute spricht schon keiner mehr über diese Orgel. Ich bin auch absolut der Überzeugung, daß diese Besserwisser nicht die geringste Kompetenz für ihre hemmungslose Kritik aufweisen können.
Herzlichen Gruß, Reinhard Kluth
Hallo,
nun ja, bei uns sind viele Orgeln der neueren Zeit als Universalorgel ausgelegt. Eben ein klassisches Hauptwerk, ein Schwellwerk mit ein paar romantischen Stimmen und mit dem entsprechenden Pedal. Ein typisches Instrument dieser Gattung dürfte das hier sein. Ich habe mich letze Woche mit großer Freude einen Nachmittag damit aufgehalten und es geht alles, wenn man das Ganze nicht so eng sieht. Der Typ der Universalorgel ist vielleicht nicht aufregend, aber für jemanden wie mich, der von allem ein bissl was spielt und nix gscheit, genau das Richtige und das ist es auch, was man mit einer solchen Disposition macht. Der Nebenamtler soll in der heutigen Zeit ein Instrument haben, das von Buxtehude bis in die Gegenwart alles mitmacht, ohne dass man groß Kompromisse eingehen muss. Leider kann ich mir das bei der jüngst erwähnten Orgel der Firma Scholz nicht ganz vorstellen.
Grüße
Franz
Orgel-Veriß
Erik
, Freitag, 18. November 2011, 08:54 (vor 5409 Tagen) @ FranzS.
Der Nebenamtler soll in der heutigen Zeit ein Instrument haben, das von Buxtehude bis > in die Gegenwart alles mitmacht, ohne dass man groß Kompromisse eingehen muss.
Grüße
Franz
Warum soll man solch ein Instrument haben?
Grüsse,
Erik
Orgel-Veriß
FranzS.
, Freitag, 18. November 2011, 10:15 (vor 5409 Tagen) @ Erik
bearbeitet von FranzS., Freitag, 18. November 2011, 10:20
Der Nebenamtler soll in der heutigen Zeit ein Instrument haben, das von Buxtehude bis > in die Gegenwart alles mitmacht, ohne dass man groß Kompromisse eingehen muss.
Grüße
Franz
Warum soll man solch ein Instrument haben?
weil ein Nebenamtel wohl eher selten sich auf ganz spezielle Orgelmusik konzentriert, dafür aber, wenn er gut ist, Literatur aus verschiedenen Epochen darstellen mag, sei es nun im Gottesdienst oder im Konzert.
Auch haben Hauptamtler meistens mehrere Orgeln zu Verfügung, beispielsweise ein mir bekannter Hauptamtler; der hat eine 30-Register Rheinbergerorgel (die lezte mechanische Kegellade von Steinmeyer), eine 15-Register Ahrend fürs Barocke und eine 77-Register Schmid für alles Andere. Hinzu kommen noch ein Cembalo, eine neue Truhe und eine historische Orgel der Biedermeierzeit in einer kleinen Nebenkirche. Bis auf die Schmid-orgel, sind seine Instrumente eher einschränkend, was aber nichts ausmacht, denn er kann ja spielen wo er will. Die Ahrend und die Steinmeyer stehen sogar in der gleichen Kirche. So etwas dürften nur die wenigsten Nebenamtler zur Verfügung haben. Wie schön eine Ahrend-orgel oder eine original romantische Orgel auch sein mögen, wenn man nur eine Orgel haben kann, dann doch gerne ein Universalinstrument, mit klassischem Hauptwerk und einem Schwellwerk. Und wenn der Intonateur gut ist, kann man darauf alles machen. So was hier ist doch ein anständiges Gerät.
Grüße
Franz
Orgel-Veriß
Erik
, Dienstag, 22. November 2011, 10:01 (vor 5405 Tagen) @ FranzS.
weil ein Nebenamtel wohl eher selten sich auf ganz spezielle Orgelmusik konzentriert, dafür aber, wenn er gut ist, Literatur aus verschiedenen Epochen darstellen mag, sei es nun im Gottesdienst oder im Konzert.
Wieviel Nebenamtler gibt es die Sweelinck bis Messiaen stilgerecht spielen können?
Und das wirklich auf einen Orgel?
Auch haben Hauptamtler meistens mehrere Orgeln zu Verfügung, beispielsweise ein mir bekannter Hauptamtler; der hat eine 30-Register Rheinbergerorgel (die lezte mechanische Kegellade von Steinmeyer), eine 15-Register Ahrend fürs Barocke und eine 77-Register Schmid für alles Andere. Hinzu kommen noch ein Cembalo, eine neue Truhe und eine historische Orgel der Biedermeierzeit in einer kleinen Nebenkirche. Bis auf die Schmid-orgel, sind seine Instrumente eher einschränkend, was aber nichts ausmacht, denn er kann ja spielen wo er will. Die Ahrend und die Steinmeyer stehen sogar in der gleichen Kirche. So etwas dürften nur die wenigsten Nebenamtler zur Verfügung haben. Wie schön eine Ahrend-orgel oder eine original romantische Orgel auch sein mögen, wenn man nur eine Orgel haben kann, dann doch gerne ein Universalinstrument, mit klassischem Hauptwerk und einem Schwellwerk. Und wenn der Intonateur gut ist, kann man darauf alles machen. So was hier ist doch ein anständiges Gerät.
Das Gerät kommt mir vor allem ziemlich laut vor.
Reinsburg (CC) z.B. war ein hervorragende Intonateur, aber ich glaube alte musik klingt wirklich besser auf andere Orgeln...
Oder gibt es in Deutschland noch immer die Utopie dass es Orgeln gibt wo man alles stilgerecht und/oder überzeugend spielen kann?
Und wer sagte "in der Beschränkung zeigt sich der Meister"?
Oder gilt das nicht in der liturgische / musikalische Praxis?
Grüsse aus die NL,
Erik
Grüße
Franz
Orgel-Verriss
Friedrich
, Dienstag, 22. November 2011, 10:17 (vor 5405 Tagen) @ Erik
Oder gibt es in Deutschland noch immer die Utopie dass es Orgeln gibt wo man alles stilgerecht und/oder überzeugend spielen kann?
Was heißt hier Utopie: Heterotopie!
Gruß aus D,
Friedrich
Orgel-Veriß
Martin78
, Dienstag, 22. November 2011, 10:26 (vor 5405 Tagen) @ Erik
weil ein Nebenamtel wohl eher selten sich auf ganz spezielle Orgelmusik konzentriert, dafür aber, wenn er gut ist, Literatur aus verschiedenen Epochen darstellen mag, sei es nun im Gottesdienst oder im Konzert.
Wieviel Nebenamtler gibt es die Sweelinck bis Messiaen stilgerecht spielen können?
Und das wirklich auf einen Orgel?
Oder gibt es in Deutschland noch immer die Utopie dass es Orgeln gibt wo man alles stilgerecht und/oder überzeugend spielen kann?
Und wer sagte "in der Beschränkung zeigt sich der Meister"?
Oder gilt das nicht in der liturgische / musikalische Praxis?
Das stimmt zwar, trotzdem möchte ich als Nebenamtler Franz zustimmen. Eine Orgel, auf der nur altfranzösische Musik überzeugend ginge, würde mich für meine Zwecke nicht hundertproentig glücklich machen, genauso wenig wie eine ausschließlich deutsch-romantische, dumpfe Achtfüßer-Orgel oder andere klangkronenlose Pseudo-Stil-Orgeln. Wenn ich also ein typisches "Nebenamtler-Instrument" (auf dem in der liturgischen Praxis hauptsächlich Nebenamtler zum Einsatz kommen, die aber auch ein paar Literaturstücke spielen möchten) zu disponieren hätte, würde das auch eher universell ausfallen.
Insofern würde ich wohl die eierlegende Wollmilchsau bevorzugen, kann aber jeden verstehen, der das nicht toll findet.
Viele Grüße,
Martin
Orgel-Veriß
FranzS.
, Dienstag, 22. November 2011, 10:35 (vor 5405 Tagen) @ Erik
Wieviel Nebenamtler gibt es die Sweelinck bis Messiaen stilgerecht spielen können?
Und das wirklich auf einen Orgel?
Na ja von Sweelinck bis Messiaen spiele ich nicht, aber von Scheidemann über Muffat zu Bach (selbstverständlich!), dann J.L. Krebs ein bissl Rheinberger, dann Reger (selbstverständlich!), Micheelsen (im Ernst), Borenfeld (allerdings schwierig ohne Setzter) bis hin zu Eberhard Kraus (nichts für Memmen). Spiele ich das stilecht? Eigentlich nicht. Beethoven spiele ich ja auch nicht stilecht auf meinem alten Blüthner. Aber ich spiele es, weil ich all diese Musik mag und weil es die Musik ist die mir am besten gefällt und man kann eine Orgel so bauen, dass man alles gut spielen kann. Ein guter Orgelbauer kann so eine Orgel sogar bauen, ohne dass sie langweilig wird (G. Schmid oder die Firma Jann). Schmid konnte so eine Orgel sogar so bauen, dass man auf den ersten Blick denkt, da geht überhaupt nichts drauf.
Das Gerät kommt mir vor allem ziemlich laut vor.
die Orgel ist sehr kräftig aber nicht zu laut. die Trompete könnte sogar noch mehr Substanz vertragen.
Reinsburg (CC) z.B. war ein hervorragende Intonateur, aber ich glaube alte musik klingt wirklich besser auf andere Orgeln...
Alte Musik klingt "echter" auf alten Instrumenten aber nicht immer besser. Gerade in den Niederlanden gibt es hervorragende Cembalisten, die Bach auf originalen Instrumenten eingespielt haben. Leider kann man diese Einspielungen alle in die Tonne treten, wenn man den MEISTER hört.
![[image]](images/uploaded/201111221034024ecb7a9a5a0a5.jpg)
Und wer sagte "in der Beschränkung zeigt sich der Meister"?
das war glaube ich Lehrer Lämpl.
Gruß zurück und nichts für ungut
Franz
Orgel-Veriß
Antilope, Donnerstag, 17. November 2011, 22:48 (vor 5409 Tagen) @ KarlM
Mein Reden! Ich danke für den Beitrag.
Wenn man eine Orgel, deren Umstände der Entstehung man so gar nicht kennt, auf diese Art und Weise zerreisst, outet man sich als unseriös und unqualifiziert. So was geht doch gar nicht nur vom Papier her. Ich finde es toll, dass sich eine Gemeinde zu so einem Projekt durchringt (offenbar wurde ja auch altes Pfeifenmaterial wiederverwendet) und in der Dispo Farbe bekennt.
Orgel-Verriss
Orlos, Donnerstag, 17. November 2011, 23:44 (vor 5409 Tagen) @ KarlM
Organisten sind Dispositions-"hörig" und das schon immer, wenn man zum Beispiel Registrierungshinweise von Johann Mattheson (1681-1764) liest. Dabei sind die Namen doch wirklich oft viel zu unbestimmt. Ob eine Disposition "funktioniert", lässt sich tatsächlich nur vor Ort entscheiden und hängt natürlich auch vom Benutzer ab, welche Musik/Interpretation nämlich funktionieren soll.
Übrigens habe ich auch schon den umgekehrten Fall erlebt: Eine Disposition, die extrem interessant aussah und phantastische Möglichkeiten versprach, wobei sich das Instrument dann als ziemlich öde und völlig uninspirierend herausstellte. Da "funktionierte" kaum etwas, obwohl die Namen das Tollste erwarten ließen.
Vor einiger Zeit sollte ich das Einweihungskonzert einer "restaurierten" Orgel spielen, welche kurz vor 1900 erbaut worden war. Ich kannte die Orgel vor den Arbeiten, ahnte aber bereits, dass sie jetzt vielleicht anders klingen könnte und hatte vorsorglich nicht nur romantische Orgelmusik in die Tasche gesteckt. Tatsächlich klingt die Orgel nun ziemlich neobarock, was an den neuen Pfeifen und der völlig neuen Intonation der alten Pfeifen liegt. Schade. Es zeigt sich daran: Dispositionen sind nur ein entfernter Anhaltspunkt und es ist erschreckend, was man beispielsweise aus einer "Gambe" alles machen kann!
Andererseits darf ich trotzdem feststellen, dass einem schon beim Lesen einer Disposition Dinge auffallen, die merkwürdig sind. Wenn eine 20-Register-Orgel eine 2'-Zunge im Pedal aufweist, frage ich mich schon, ob es da nicht andere Register gibt, die häufiger einsetzbar sind. Und im Schwellwerk einer neuen Orgel zwar einen Quintatön, jedoch keinen echten Streicher vorzusehen, darf bei mir ein Stirnrunzeln verursachen. Auch wenn dieser Quintatön dann vielleicht wunderschön tönt...
Orgel-Verriss
Fabian Brackhane
, Worms, Freitag, 18. November 2011, 06:15 (vor 5409 Tagen) @ Orlos
Organisten sind Dispositions-"hörig" und das schon immer, wenn man zum Beispiel Registrierungshinweise von Johann Mattheson (1681-1764) liest. Dabei sind die Namen doch wirklich oft viel zu unbestimmt. Ob eine Disposition "funktioniert", lässt sich tatsächlich nur vor Ort entscheiden und hängt natürlich auch vom Benutzer ab, welche Musik/Interpretation nämlich funktionieren soll.
Wie wahr, wie wahr! Das war eine der ersten (schmerzhaften) Erfahrungen, die ich als Teenie beim ersten engeren Kontakt mit einem Orgelbauer machen musste. Er sagte mir ganz nüchtern "Registernamen sind Schall und Rauch. Wie es heißt, ist völlig beliebig. Was der Intonateur draus macht, entscheidet alles."
Inzwischen weiß ich, dass das in der Tat stimmt. Die Beschreibung einer Orgel kann noch so verlockend sein, sie sagt absolut nichts über die tatsächlichen Qualitäten des Instrumentes aus. lediglich eine vage Ahnung kann man bekommen.
So verführerisch ich es selbst finde, anhand einer gedruckten Disposition oder eines Fotos (schlimmstenfalls gar von einem Modell!) den Stab über einem Instrument zu brechen oder eben auch nicht, so genau weiß ich doch, dass es schlussendlich zwei Faktoren sind, die darüber entscheiden, ob die Orgel was taugt oder nicht: Das Können des Intonateurs und das Können des Organisten. Wenn letzerer wirklich gut registrieren kann, macht es gar nichts, wenn die Disposition ein bisschen exotisch ist. Im Gegenteil!
Übrigens habe ich auch schon den umgekehrten Fall erlebt: Eine Disposition, die extrem interessant aussah und phantastische Möglichkeiten versprach, wobei sich das Instrument dann als ziemlich öde und völlig uninspirierend herausstellte. Da "funktionierte" kaum etwas, obwohl die Namen das Tollste erwarten ließen.
Ja, auch solche Fälle gibts. Ich denke da gerade speziell an die Schukin in Luxemburg. Die Disposition liest sich fantastisch, aber was ich bisher von dieser Orgel gehört habe, war, freundlich ausgedrückt, farblos.
Fabian
Orgel-Verriss
Rochus Schmitz
, Münster, Freitag, 18. November 2011, 09:08 (vor 5409 Tagen) @ Fabian Brackhane
Übrigens habe ich auch schon den umgekehrten Fall erlebt: Eine Disposition, die extrem interessant aussah und phantastische Möglichkeiten versprach, wobei sich das Instrument dann als ziemlich öde und völlig uninspirierend herausstellte. Da "funktionierte" kaum etwas, obwohl die Namen das Tollste erwarten ließen.
Ja, auch solche Fälle gibts. Ich denke da gerade speziell an die Schukin in Luxemburg.
Und ich an diese!
Orgel-Verriss
elsenp, Freitag, 18. November 2011, 09:15 (vor 5409 Tagen) @ Rochus Schmitz
Übrigens habe ich auch schon den umgekehrten Fall erlebt: Eine Disposition, die extrem interessant aussah und phantastische Möglichkeiten versprach, wobei sich das Instrument dann als ziemlich öde und völlig uninspirierend herausstellte. Da "funktionierte" kaum etwas, obwohl die Namen das Tollste erwarten ließen.
Ja, auch solche Fälle gibts. Ich denke da gerade speziell an die Schukin in Luxemburg.
Und ich an diese!
Was ist an dieser Orgeldisposition interessant?
Das könnte man auch noch ein 6. und 7. Manual drauf setzen mit der Disposition:
Irgendwie Gedackt 8'
Quintig 8'
das zehnte Prinzipal 4'
nichtssagende Flöte 4'
noch ein Zweifuß 2'
Oktävleinchen 1'
Schrillklang VIII 1/8'
Rohrkrepierer 8'
etc. etc. etc.
Gruß
Peter
Orgel-Verriss
Rochus Schmitz
, Münster, Freitag, 18. November 2011, 09:40 (vor 5409 Tagen) @ elsenp
Was ist an dieser Orgeldisposition interessant?
Das könnte man auch noch ein 6. und 7. Manual drauf setzen mit der Disposition:Irgendwie Gedackt 8'
Quintig 8'
das zehnte Prinzipal 4'
nichtssagende Flöte 4'
noch ein Zweifuß 2'
Oktävleinchen 1'
Schrillklang VIII 1/8'
Rohrkrepierer 8'
etc. etc. etc.
Ja, aber das ist nicht entscheidend. Ausschlaggebend ist, daß an dieser Orgel das 6. und 7. Manual genauso wenig funktionieren würden wie alle anderen fünf auch!
Orgel-Verriss
elsenp, Freitag, 18. November 2011, 10:15 (vor 5409 Tagen) @ Rochus Schmitz
Ja, aber das ist nicht entscheidend. Ausschlaggebend ist, daß an dieser Orgel das 6. und 7. Manual genauso wenig funktionieren würden wie alle anderen fünf auch!
Dann wäre dies doch eine ausgezeichnete Gelegenheit, ein Orgel-Kunst-Projekt wie in Halberstadt einzurichten: Statt: Organ²/ASLSP dann vielleicht Organ° / ASAP ("As silent as possible")...
Herzliche Grüße
Peter
Orgel-Verriss
Rochus Schmitz
, Münster, Freitag, 18. November 2011, 14:49 (vor 5409 Tagen) @ elsenp
Dann wäre dies doch eine ausgezeichnete Gelegenheit, ein Orgel-Kunst-Projekt wie in Halberstadt einzurichten: Statt: Organ²/ASLSP dann vielleicht Organ° / ASAP ("As silent as possible")...
Hier eher "as horrible as possible" oder "Wer schafft den ersten Gottesdienst ohne Heuler?"
Orgel-Verriss
Antilope, Freitag, 18. November 2011, 15:17 (vor 5409 Tagen) @ elsenp
Das ist unfug. Entscheidend sind Mensuren und Intonation.
Wer von "nichtssagender Flöte" etc. schreibt, hat wohl noch nicht in den Genuß einer chraktervoll intonierten Orgel gekommen zu sein.
Orgel-Verriss
Fabian Brackhane
, Worms, Freitag, 18. November 2011, 16:55 (vor 5409 Tagen) @ Antilope
Das ist unfug. Entscheidend sind Mensuren und Intonation.
Wer von "nichtssagender Flöte" etc. schreibt, hat wohl noch nicht in den Genuß einer chraktervoll intonierten Orgel gekommen zu sein.
Von denen es - Gott sei's geklagt - viel zu wenig gibt. Ist jedenfalls mein Eindruck. Vor allem in neuerer Zeit scheinen Intonateure öfters mal der Meinung zu sein, "laut" sei auch ein intonatorisches Qualitätsmerkmal. Frühere Generationen haben zwar auch oft genug sterbenslangweilig und fade intoniert, aber wenigstens nicht so tinnituös. Ich denke, auf diese Art Orgeln bezog sich der Dispositionsvorschlag. ^^
Orgel-Verriss
zehnzweidrittel
, Freitag, 18. November 2011, 22:17 (vor 5408 Tagen) @ Fabian Brackhane
Frühere Generationen haben zwar auch oft genug sterbenslangweilig und fade intoniert, aber wenigstens nicht so tinnituös.
... woran aber keineswegs die Orgelbauer / Intonateure allein schuld sind.
Es sind schon auch wir Organisten und sonstige Mitentscheider, die es gerne doch mal ein bisschen kräftiger haben wollen.
Ein älterer Orgelbauer hat zu mir mal gesagt, er habe in seinem Berufsleben noch keinen Organisten getroffen, der seine Orgel leiser haben wollte.
Gute Nacht
zehnzweidrittel
Orgel-Verriss
Axel
, Mechernich, Freitag, 18. November 2011, 22:53 (vor 5408 Tagen) @ zehnzweidrittel
Leiser? Doch, und ob. Wir wollten in Großbüllesheim die Prinzipale leiser haben. Nebenan in Flamersheim hat Weimbs bei einer Reinigung auf Wunsch einige Register der eigentlich schönen Orgel von 1991 leiser intoniert. Beide Maßnahmen sehr zum Vorteil der Mischungsfähigkeit.
Grüße
Axel
Orgel-Verriss
Antilope, Samstag, 19. November 2011, 00:56 (vor 5408 Tagen) @ Fabian Brackhane
Ja, dem stimme ich zu: Die meisten neuen/neueren Orgeln, die ich gehört habe, sind irgendwie zu laut. Nicht nur im Plenum, sondern eben auch in den leisen Labialen.
In der Antike war ja die Orgel auch wegen ihrer Lautstärke ein Mittel der Demonstration weltlicher Macht. Daran fühle ich mich beim Hören neuerer Orgeln häufiger erinnert...
Orgel-Verriss
elsenp, Freitag, 18. November 2011, 17:13 (vor 5409 Tagen) @ Antilope
Das ist unfug. Entscheidend sind Mensuren und Intonation.
Stimmt. Es war Unfug.
Orgel-Verriss
Rochus Schmitz
, Münster, Freitag, 18. November 2011, 18:07 (vor 5409 Tagen) @ elsenp
Stimmt. Es war Unfug.
Aber ein fantasievoller Beitrag!
Orgel-Verriss
Antilope, Samstag, 19. November 2011, 00:59 (vor 5408 Tagen) @ Rochus Schmitz
Stimmt. Es war Unfug.
Aber ein fantasievoller Beitrag!
...mit phantasievollen Registernamen :-D
Orgel-Verriss
Poupoulcorouse
, Mülheim am Rhein, Freitag, 18. November 2011, 18:54 (vor 5409 Tagen) @ Rochus Schmitz
Nur zur Erinnerung: Der Threadtitel "Orgel-Verriß" war NICHT als Aufforderung zu verstehen!
... daß man schon in einer Diskussion über die Unsinnigkeit dieses "Kritikreflexes" am Ende wo landet? Richtig. Bei einem weiteren Verriß. Chapeau!
Orgel-Verriss
Frank Berger
, Wassenberg, Freitag, 18. November 2011, 18:58 (vor 5409 Tagen) @ Rochus Schmitz
... immerhin weiß ich jetzt, wo die Dominikaner-Orgel abgeblieben ist und kann meine Düsseldorf-Daten ergänzen. Das ist auch was wert - Danke!