vom Organisten zum Lehrer

Axel ⌂ @, Mechernich, Donnerstag, 10. November 2011, 16:24 (vor 5416 Tagen) @ elsenp

Da ich diesen Weg gegangen bin, darf ich vielleicht etwas dazu sagen:

Grundsätzlich muss jeder selbst wissen, was ihm liegt. Ich finde, es war keine Fehlentscheidung.

Die Lage in der Kirche ist einfach desolat. An vielen Stellen ist nicht nur der BU gekürzt, es fehlen auch personelle und finanzielle Mittel für eine hochertige Arbeit. Dazu kommt das Problem, dass diese eben oft gar nicht gewünscht ist, eine Klampfe zum Taizégebet tut es doch auch, den Scheiß mit den altmodischen Instrumenten (wie hießen die Typen, die so gar nicht grooven? Moßhart und Haidden, oder so...) will doch keiner hören...("Bildungsferne Schichten" heißt das auf Pädagogendeutsch)

Wie die Chorarbeit an Schulen aussieht, ist wohl so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Bei uns geht nicht so viel, andere bekommen ganze Oratorien hin. Um diese Aktionen tut es mir schon leid, aber das geht in der Kirche ja auch nur vereinzelt. Aber vielleicht sucht ja mal ein Oratorienchor einen Chorleiter.

Eine gewisse Frustrationstoleranz sollte man mitbringen. Schüler schreien oft als erstes laut "Nein", wenn sie etwas nicht kennen. Wenn man beharrlich ist, wundert man sich oft, wie schnell sich so eine Meinung ändern kann.

Allgemein habe ich schon die Erfahrung gemacht, dass solider Musikunterricht auch eine Wertschätzung seitens der Schüler erfährt.

Musik finde ich vorbereitungsintensiv. Eine Englischstunde überstehe ich im Notfall mal mit "Open your book, start reading, do exercise No. 1". Das geht in Musik nicht. Man findet auch nicht so viel brauchbares vorstrukturiertes Materail. Dafür halten sich die Korrekturen in Grenzen, das ist auch etwas wert.

In der Schule muss ich natürlich präsent und wach sein. Das kann anstrengen. Dafür werde ich in meiner Freizeit, die klarer abgegrenzt ist als im Kirchendienst, auch nicht behelligt. Auch das hat etwas. (Nicht so, dass der Pfarrer an meinem freien Tag bei mir klingelt: "Es ist Beerdigung und deine Vertretung ist nicht gekommen. Könntest Du gerade spielen?")

Unter den Vorteilen ist natürlich das erheblich bessere Gehalt zu nennen (netto fast das Doppelte).

Ich wäre wirklich gerne Kantor geblieben, aber unter den derzeitigen Bedingungen sehe ich kaum eine Chance, erst recht nicht, da ich noch mehr als 30 Dienstjahre vor mir habe. Und ich würde natürlich gerne als Kirchenmusiker qualifikationsgerecht arbeiten. Dazu zählt für mich nicht, dass ich mit einem Xylophon unter dem Arm über die pfarreieigenen Kindergärten ziehe und mich an Früherziehung versuche. Das können andere besser.

Grüße
Axel


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