Setzer Mixer Sequenzer

ThomasMP @, Donnerstag, 10. November 2011, 12:10 (vor 5417 Tagen)

Moin moin zusammen!
Eine Frage an die Experten:
demnächst spiele ich vetretungsweise an einer Orgel mit 64-fachem Setzer, Sequenzer u. Mixer 999x. Ich verstehe das so, daß ich den Sequenzer in 999 Positionen vorprogrammieren kann, dafür aber nur 64 Möglichkeiten zur Verfügung habe.
Hat jemand Erfahrung mit so einer Vorrichtung und wo liegt der künstlerische Sinn darin?
Im Münchner Dom gab es wohl so etwas auch mal, ist aber dann bei einem Setzerumbau stillgelegt worden...?

Vielleicht kann man mir ja weiterhelfen.
Viele Grüße aus Schleswig-Holstein,
Thomas Michael

Setzer Mixer Sequenzer

Contrebasson 32' @, Donnerstag, 10. November 2011, 14:35 (vor 5417 Tagen) @ ThomasMP

Moin moin zusammen!
Eine Frage an die Experten:
demnächst spiele ich vetretungsweise an einer Orgel mit 64-fachem Setzer, Sequenzer u. Mixer 999x. Ich verstehe das so, daß ich den Sequenzer in 999 Positionen vorprogrammieren kann, dafür aber nur 64 Möglichkeiten zur Verfügung habe.
Hat jemand Erfahrung mit so einer Vorrichtung und wo liegt der künstlerische Sinn darin?
Im Münchner Dom gab es wohl so etwas auch mal, ist aber dann bei einem Setzerumbau stillgelegt worden...?

Vielleicht kann man mir ja weiterhelfen.
Viele Grüße aus Schleswig-Holstein,
Thomas Michael

Hallo!

Wahrscheinlich ist es einfacher, als man denkt, nur die Verwendung des Vokabulars ist etwas unorthodox, deswegen muss man hier ohne Kenntnis der konkreten Orgel mutmaßen.

Mit dem Mixer 999x sind wahrscheinlich 999 Ebenen gemeint, jede Ebene hat 64 "Setzer" (A1 bis H8). Das macht nach Adam Riese stattliche 63936 Kombinationen.
Sequenzer meint wahrscheinlich einfach nur die Funktionalität, dass man per "Weiter"-Taster die nächste Registrierung aufrufen kann.

Die unwahrscheinlichere Möglichkeit wäre, dass es quasi zwei Setzer gibt: einen mit 8x8 Speicherplätzen und einen mit 999 Speicherplätzen. Eine solche Anlage ist mir aber bisher noch nicht unter die Finger gekommen.

Insgesamt würde ich also einen älteren Setzer vermuten, dessen künstlerischer Sinn hier wohl nicht weiter erläutert werden muss.

Ich hoffe, meine Ausführungen waren hilfreich
Beste Grüße
Contrebasson 32'

Setzer Mixer Sequenzer

jrbecker @, Donnerstag, 10. November 2011, 15:25 (vor 5417 Tagen) @ Contrebasson 32'


Wahrscheinlich ist es einfacher, als man denkt, nur die Verwendung des Vokabulars ist etwas unorthodox, deswegen muss man hier ohne Kenntnis der konkreten Orgel mutmaßen.

Vielleicht ginge es ja mit Kenntnis der konkreten Orgel etwas einfacher, denn die hat ja vielleicht auch schon mal jemand unter den Fingern gehabt?!?

Setzer Mixer Sequenzer

ThomasMP @, Donnerstag, 10. November 2011, 19:02 (vor 5417 Tagen) @ Contrebasson 32'

Also, es handelt sich um eine Marcussen-Orgel aus dem Jahre 1974 in St. Ansgarii in der Nähe von Kastrup/Dänemark. 1998 hat ein elektro-technisch versierter Orgelbegeisteter einen 64-fachen Setzer mit ebendiesem Sequenzer/Mixer eingebaut. Beim googeln habe ich mehrere Orgeln, darunter der Fa. Sandtner, in Süddeutschland gefunden. Da wurden irgendwelche Setzer, zwischen 64 - 1.536 Kombinationen in diesen merkwürdigen Sequenzer/Mixer eingebaut.
Ich habe ja noch 6 Wochen zeit - werde mich schon durchwursteln. Leider spricht mein dänischer Kollege nicht allzu gut Holsteinisch.

Setzer Mixer Sequenzer

Karsten, Freitag, 11. November 2011, 07:43 (vor 5416 Tagen) @ ThomasMP
bearbeitet von Karsten, Freitag, 11. November 2011, 08:33

Hallo!

Wenn ich es richtig verstanden habe, ist dieses Setzer/Mixer-System eine Möglichkeit, aus der (in dieser Zeit finanziell und technisch bedingten) beschränkten Zahl an Setzerspeicherkombinationen ein "Mehr" an Bedienungskomfort und Klangfarbenwechsel zu ermöglichen.

Beispiel:

In einem Stück werden dynamisch unterschiedliche Registrierungen gefordert, die sich teilweise wiederholen (ff, f, mf, p, pp, mit denen entsprechende Crescendi, Decrescendi gestaltet werdn sollen) und identisch sein sollen.

Heute, mit hundertfachen Setzerkombinationen, werden einfach die Kombinationen mit den gewünschten Klangfarben in der entsprechenden Reihenfolge gesetzt und je nach Bedarf vielleicht sogar noch verfeinert:

[1] (ff) -> [2] (f) -> [3] (mf) -> [4] (p) -> [5] pp -> [6] ppp -> [7] p -> [8] mf -> [9] f -> [10] ff -> [11] fff -> [12] Tutti

Mit dem Setzer/Mixer System funktionert das so, dass erst einmal der Klangfarbenfundus (zum Beispiel in einer Gruppe) gesetzt wird. Also:

(A) Tutti
(B) ff
(C) f
(D) mf
(E) mp
(F) p
(G) pp
(H) ppp

Mit dem Mixer wird nun festgelegt, in welcher Reihenfolge der Sequenzer bei dessen Betätigung die Setzerkombinationen abrufen/aktivieren soll. Für ein einfaches decrescendo - crescendo wird also folgende Reihenfolge für den Sequenzer festgelegt:

1 (B) -> 2 (C) -> 3 (D) -> 4 (E) -> 5 (F) -> 6 (G) -> 7 (H) -> 8 (G) -> 9 (F) -> 10 (E) -> 11 (D) -> 12 (C) -> 13 (B) -> 14 (A)

"Sprünge" sind natürlich auch möglich.

Wie gesagt, so habe ich das verstanden. Korrekturen und Ergänzungen sind wie immer willkommen.

Gruß
Karsten

Edit: Dank einem Hinweis von Florian wurden die Begriffe für die Stufen in der Setzerhierachie genauer angegeben.

Setzer Mixer Sequenzer

Florian-L, Freitag, 11. November 2011, 08:25 (vor 5416 Tagen) @ Karsten

Sind bei diesem System die Begriffe "Setzer", "Ebene", "Gruppe" und "Kombination" anders definiert?

Bei den gängigen Systemen, die ich kenne, ist "Setzer" ein übergeordneter Begriff, der Ebenen, Gruppen und Kombinationen beinhaltet.

Häufig ist etwa eine Anzahl von vier Setzern (einer offen, drei absperrbar). Jeder dieser Setzer weist nun z.B. 32 Ebenen mit jeweils acht Gruppen (A - H) und pro Gruppe jeweils acht Kombinationen (1 - 8) auf. So ergibt sich in diesem Fall eine Anzahl von 8192 Gesamtkombinationen (4 x 32 x 8 x 8).

Das heißt, bei dem angesprochenen System gibt es nur eine Ebene mit acht Gruppen (A - H) und pro Gruppe jeweils acht Kombinationen (1 - 8), und mit dem Mixer hat man nun 999 Möglichkeiten, in welcher Abfolge diese 64 Kombinationen abgerufen werden können.

Gruß, Florian

--
"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-

Setzer Mixer Sequenzer

Karsten, Freitag, 11. November 2011, 08:37 (vor 5416 Tagen) @ Florian-L
bearbeitet von Karsten, Freitag, 11. November 2011, 08:44

Sind bei diesem System die Begriffe "Setzer", "Ebene", "Gruppe" und "Kombination" anders definiert?

Bei den gängigen Systemen, die ich kenne, ist "Setzer" ein übergeordneter Begriff, der Ebenen, Gruppen und Kombinationen beinhaltet.

Häufig ist etwa eine Anzahl von vier Setzern (einer offen, drei absperrbar). Jeder dieser Setzer weist nun z.B. 32 Ebenen mit jeweils acht Gruppen (A - H) und pro Gruppe jeweils acht Kombinationen (1 - 8) auf. So ergibt sich in diesem Fall eine Anzahl von 8192 Gesamtkombinationen (4 x 32 x 8 x 8).

Das heißt, bei dem angesprochenen System gibt es nur eine Ebene mit acht Gruppen (A - H) und pro Gruppe jeweils acht Kombinationen (1 - 8), und mit dem Mixer hat man nun 999 Möglichkeiten, in welcher Abfolge diese 64 Kombinationen abgerufen werden können.

Gruß, Florian


Danke für den Hinweis, ich habe das versucht, nun etwas genauer anzugeben. Die Ungenauigkeit bei den Begriffen war mein Fehler.
Entscheidend ist das Grundprinzip, mit dem Mixer die Schrittfolge des Sequenzers festzulegen, wie die 4x8=64 Setzerkombinationen unter Umständen auch mehrmals aktiviert werden. Das ist speicherplatztechnisch "ökonomischer", heute besteht aber wegen der großen Zahl an freien Kombinationen kaum Bedarf mehr für dieses System.

Gruß
Karsten

Setzer Mixer Sequenzer

elsenp, Freitag, 11. November 2011, 09:07 (vor 5416 Tagen) @ ThomasMP

Also, es handelt sich um eine Marcussen-Orgel aus dem Jahre 1974 in St. Ansgarii in der Nähe von Kastrup/Dänemark. 1998 hat ein elektro-technisch versierter Orgelbegeisteter einen 64-fachen Setzer mit ebendiesem Sequenzer/Mixer eingebaut. Beim googeln habe ich mehrere Orgeln, darunter der Fa. Sandtner, in Süddeutschland gefunden. Da wurden irgendwelche Setzer, zwischen 64 - 1.536 Kombinationen in diesen merkwürdigen Sequenzer/Mixer eingebaut.
Ich habe ja noch 6 Wochen zeit - werde mich schon durchwursteln. Leider spricht mein dänischer Kollege nicht allzu gut Holsteinisch.

Also meine Orgeln besitzen einen 1-fachen Setzer mit 0 Sequenzen und 0 Mixern.
Mein Orgelbauer nennt das, glaube ich, mechanische Registertraktur.
Funktioniert immer - sogar ohne Strom ;-)
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(Metzler-Orgel in Düren mit Daniel Roth an den Zügen)
Herzliche Grüße, besonders an die Elektronikfans der 70er Jahre:
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(Steinmeyer-Orgel in Düren mit guter, alter Relaistechnik!)

Peter

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