Mal eine orgebautechnische Frage. Im 18. Jhdt. und früher wurden oft oder fast immer Keilbälge verbaut. In der Regel (man korrigiere mich) waren die Instrumente relativ windstößig. Später ging die Entwicklung weiter und man baute andere Systeme (Magazinbälge etc). Das Ziel war doch sicherlich, einen ruhigen Orgelwind zu erreichen. Für mich ist auch das das Ideal (ruhig, aber nicht starr). Hätten - eine hypothetische Frage, klar - die Barock-Orgelbauer nicht auch die Balgsysteme bevorzugt, die einen ruhigeren Wind abgeben als es Keilbälge tun? Ich kenne neuere Orgeln, die nach barockem Vorbild gebaut wurden und ganz schön windstößig sind, da sie wieder das alte Balgsystem haben. Das ist zwar konsequent, aber ist es hilfreich? Ich finde ausgeprägte Windstößigkeit eher störend.
Gruß, Hardy
Keilbälge sind mechanisch einfach zu konstruieren, weil die Balgplatten verhältnismäßig starr miteinander verbunden sind. Nachteil: Der Winddruck verändert sich über die Reise der oberen Balgplatte hinweg. Schlaue Orgelbauer haben die untere Platte schräg gelagert, um den Balgwind so gut wie möglich auszunutzen.
Die starre Achse macht aber auch große Luftvolumina schwierig zu handhaben: mit dem Volumen wachsen Größe und Gewicht der Balgplatten sehr rasch, und je schwerer die Platte, desto träger ihre Reaktion auf Schwankungen; außerdem wird sie für den Kalkanten dann immer unbequemer zu handhaben. Die großen Kastenbälge werden ähnlich träge reagiert haben (bei denen kenne ich mich nicht aus). Eine Lösung bot die frei auf dem Wind schwimmende Balgplatte, doch auch die konnte bedrohlich ins Zittern kommen. Deswegen begrüßten die Orgelbauer und Organisten des 19. Jahrhunderts den Doppelfaltenbalg mit Balgschere von Cummings, der großes Volumen und ruhiges Absinken der Balgplatte kombinierte.
Windstößigkeit hat allerdings auch mit vielen anderen Variablen zu tun -- den Kanälen, Windkästen, Kanzellen und der Intonation und -- nicht zu vergessen -- den wechselnden Registriergewohnheiten.
Ich bilde mir ein, im Keilbalgwind einen gewissen "singenden" Ton zu hören, stärker als bei anders erzeugtem Wind. Deswegen leuchtet mir Woehls Viersener Idee ein, den Bass eines sinfonischen Manualwerks mit einem Doppelfaltenbalg-, den Diskant mit Keilbalgwind zu versorgen.
Gruß,
Friedrich