OT: Flügel in die Kirche!

Karl-Bernhardin Kropf, Dienstag, 08. November 2011, 15:28 (vor 5420 Tagen)
bearbeitet von Karl-Bernhardin Kropf, Dienstag, 08. November 2011, 15:34

Wir hatten im Outing-Thread ja das Thema "Flügel in der Kirche". Aktuell bin ich privat im Flügelkauf, und erstaunt, wieviel Flügel man für jedenfalls weniger Geld, als ich dachte, bekommen kann.
Mir liegen Angebote für einen 150cm-Kawai (GM-10) für unter 8.000 und einen Yamaha GB-1 für unter 10.000 vor und vür einen GC-2 für unter 15.000 usw. Das ist - für die ersten beiden - weniger als eine halbe Truhenorgel (die viele Kirchen ja schon haben). Heute war ich erstmals in einer bestimmten Rostocker Schule zu Gast, Projektchorprobe mit meiner Frau, und ich merkte, dass die Kinder, wenn sie tanzend/singend sich um den Flügel (ein neuer 173er-Kemble, die durchaus brauchbare ALDI-Version eines Yamaha) bewegten, sie nicht nur das Spiel beobachteten, sondern auch irgendwie das Instrument als solches - mit seiner Abstrahlung, seiner gediegenen Oberfläche - wahrnahmen.
Abgesehen davon, dass keine Kabel vergessen werden können (siehe anderer Thread...) -
dies und vieles mehr gibt's nicht bei Keyboards, obwohl ich auch ein häufiger und positiver Keyboard-Nutzer bin.

Würden in unserer Kirche nicht der unebene Boden (historische Grabplatten), die Stellplatz-Problematik (200.000 Besucher im Jahr, keine "Garagen" in der Kirche) und das Wetter (Dezember/Januar bis -4 Celsius, aber immerhin ohne Kirchenheizung/Trocknungsproblem) dagegen sprechen, ich hätte sofort auch einen Kauf für die Gemeinde eingeleitet - und dann vielleicht noch mehr Rabatt erzielt. Da es sich ergab, dass wir mit zwei Händlern verhandeln, merkte ich auch, wieviel Luft anscheinend in so einem Listenpreis ist. Also, wer bisher nicht wagte, konkret vom Kirchen-Flügel zu träumen: Händler kontakten, vielleicht ist es realistischer, als ihr dachtet!

Edit: Typenangaben korrigiert

OT: Flügel in die Kirche!

stein @, Dienstag, 08. November 2011, 19:31 (vor 5420 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Wendel und Lung ist sicherlich auch eine interessante Dumping-Marke. Unbedingt anschauen und informieren.
gruss stein

OT: Flügel in die Kirche!

untersatz32 ⌂ @, Amriswil, Mittwoch, 09. November 2011, 08:04 (vor 5419 Tagen) @ stein

Wir haben jetzt gerade auch (neben unserem Probenflügel im Saal) - leihweise wegen andernortigem Umbau - einen Flügel in der Kirche "in Pension" - super! Erstens ist der Flügelklang in der Kirche besser z.B. ein Klavier, zweitens kann man so auch die "irren" Orgel&Klavier-Sachen von Karg-Elert, Peeters, Dupre, Langlais, Guillou & Franck (etcetc) machen - notfalls (wie bei uns) mit Kamera und Kopfhörer (hatten wir gerade im Orgelsommer mit dem Duo Weltzel): klingt fantastisch...

Gruss TH

--
Thomas Haubrich

Klavier/Flügel und Orgel

willscher, Mittwoch, 09. November 2011, 09:26 (vor 5419 Tagen) @ untersatz32

Wir haben jetzt gerade auch (neben unserem Probenflügel im Saal) - leihweise wegen andernortigem Umbau - einen Flügel in der Kirche "in Pension" - super! Erstens ist der Flügelklang in der Kirche besser z.B. ein Klavier, zweitens kann man so auch die "irren" Orgel&Klavier-Sachen von Karg-Elert, Peeters, Dupre, Langlais, Guillou & Franck (etcetc) machen - notfalls (wie bei uns) mit Kamera und Kopfhörer (hatten wir gerade im Orgelsommer mit dem Duo Weltzel): klingt fantastisch...

Gruss TH

Von Franck gibt es bedauerlicherweise keine Originalkomposition für Orgel und Klavier.
Jedoch für Klavier und Harmonium, wie auch die Sachen von Karg-Elert. Und da ist die Frage, ob die entsprechende Orgel wirklich ein Harmonium ersetzen kann. Bei einer CC mit Schwellwerk geht das sicher, eine Ott oder Führer oder......wäre alles andere als geeignet.
Weitere Literatur-Tipps für Harmonium und Klavier: Wickenhausser, Durand.

Gruß

AW

Klavier/Flügel und Orgel

untersatz32 ⌂ @, Amriswil, Mittwoch, 09. November 2011, 09:31 (vor 5419 Tagen) @ willscher
bearbeitet von untersatz32, Mittwoch, 09. November 2011, 09:42

...klar: man brauch schon ein schönes Schwellwerk mit einer guten Oboe oder Clarinette, unter Umständen gescheiten forte-Zungen (16) 8 und 4 und auch z.B. romantische Grundstimmen (z.B. ne herrliche Soloflöte 8'), aber dann kommt der Franck auch mit Orgel&Klavier schön rüber...
An einer ganz neobarocken Orgel würde ich dann lieber was anderes spielen: da gibt es ja auch viel Schönes aus dem Barock oder dem NEObarock...

Grüsse

TH

--
Thomas Haubrich

OT: Flügel in die Kirche!

Matthias Mück ⌂ @, Magdeburg, Donnerstag, 10. November 2011, 12:42 (vor 5418 Tagen) @ stein

Finger weg ! Das ist so genannter Edel-Schrott

OT: Flügel in die Kirche!

stein @, Donnerstag, 10. November 2011, 19:28 (vor 5418 Tagen) @ Matthias Mück

auf mich haben diese Instrumente erst einmal keinen schlechten Eindruck gemacht. Skeptisch bin ich aber schon.
Was ist so gefährlich daran? Verfallsdatum?
gruss stein

OT: Flügel in die Kirche!

Florian-L, Donnerstag, 10. November 2011, 20:40 (vor 5418 Tagen) @ stein

auf mich haben diese Instrumente erst einmal keinen schlechten Eindruck gemacht. Skeptisch bin ich aber schon.
Was ist so gefährlich daran? Verfallsdatum?

Ja, auch mein erster Eindruck war: "Viel Klavier für relativ wenig Geld." Auch die Mechanik fand ich recht ansprechend. Über die Beständigkeit kann ich aber auch keine Aussagen machen.

Gruß, Florian

--
"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-

OT: Flügel in die Kirche!

Karl-Bernhardin Kropf, Donnerstag, 10. November 2011, 23:37 (vor 5418 Tagen) @ Matthias Mück

Finger weg ! Das ist so genannter Edel-Schrott

Höre den Namen auch zum ersten Mal. Der Website zufolge hatte ich meine erste Studentenwohnung also ca. 800 Meter vom "Stammhaus" entfernt, und kann mich auch nicht an eine einzige Erwähnung bzw. Begegnung mit einem Instrument in sechs Jahre Studiums erinnern, also weder unter diesem Namen noch unter Veletzky. Eine dunkle Erinnerung ist da allerdings an einen größeren Klavierhandel in dieser Straße, aber...

Sicher, fast alles (außer Pfeifenorgeln?) wird in China gefertigt, auch gute Marken. Wie gesagt, bei meinen Recherchen zum gegenwärtigen Kauf bin ich niemals über das Produktgestolpert. Naja, vielleicht zu Unrecht??? Aber wenn man im Web so blättert....

OT: Flügel in die Kirche!

Florian-L, Freitag, 11. November 2011, 07:50 (vor 5417 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Finger weg ! Das ist so genannter Edel-Schrott


Höre den Namen auch zum ersten Mal. Der Website zufolge hatte ich meine erste Studentenwohnung also ca. 800 Meter vom "Stammhaus" entfernt, und kann mich auch nicht an eine einzige Erwähnung bzw. Begegnung mit einem Instrument in sechs Jahre Studiums erinnern, also weder unter diesem Namen noch unter Veletzky. Eine dunkle Erinnerung ist da allerdings an einen größeren Klavierhandel in dieser Straße, aber...

Wenn ich die Website richtig interpretiere, wurde erst 2003 wieder mit der Klavierproduktion unter diesem Namen im großen Maßstab begonnen.
Ich entdeckte das jetzige "Stammhaus" in der Kaiserstraße zufällig, nachdem ich die Orgel in der Lazaristenkirche besichtigt hatte, die sich in derselben Straße befindet (ich war 2006 dort).

Gruß, Florian

--
"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-

OT: Flügel in die Kirche!

Matthias Mück ⌂ @, Magdeburg, Freitag, 11. November 2011, 08:27 (vor 5417 Tagen) @ Florian-L
bearbeitet von Matthias Mück, Freitag, 11. November 2011, 08:35

Im Klavierbau gibt es schon gravierende Qualitätsunterschiede. Man bekommt immer die Qualität, die man bezahlt. Einen neuen "asiatischen" Flügel für ca. 8.000 € ?? (161 cm lang) Kann das was Vernünftiges sein ?

Welchen Grund gibt es, ein asiatisches Klavier zu kaufen?

Weil die Instrumente aus Fernost besser verarbeitet sind oder schöner klingen als die unserer heimischen Produzenten? ...wohl kaum....

Weil wir die asiatische Wirtschaft stützen wollen, um später unsere Rente aus Tokio, Seoul oder Peking zu bekommen? ...auch eher unwahrscheinlich....

Genau genommen gibt es nur einen einzigen Grund, diese Instrumente zu kaufen: Man möchte für relativ wenig Geld relativ viel Qualität kaufen. Dahinter steckt selbstverständlich die Annahme, dass in Anbetracht der vielen Stunden Handarbeit, die auch bei industrieller Herstellung eines Klavieres erforderlich sind, in einem Niedriglohnland eben diese Löhne niedrig ausfallen und den Kaufpreis senken.

Nach dieser Devise haben bereits vor 20 - 30 Jahren die Vorreiter in Asien -die Japaner- mit sauber verarbeiteten Instrumenten große Marktanteile erobert.(z.B. YAMAHA) Inzwischen hat sich die Situation grundlegend geändert. Das Lohnniveau in Japan hat deutsche Maßstäbe erreicht und damit sind die Preise für japanische Instrumente drastisch gestiegen. Der Preisvorteil durch konsequent rationalisierte Massenproduktion (nur der kleinere Teil der hergestellten Klaviere und Flügel gelangt in den Export, das Gros bleibt in Asien, da dort sehr fleißig musiziert wird) hebt sich durch die langen Überseetransportwege wieder auf. Gleichzeitig haben wir in Deutschland durch die Wiedervereinigung einige hochmotivierte Klavier- und Flügelhersteller in den neuen Bundesländern dazugewonnen, die heute -gut 10 Jahre nach der Wende- die gleiche erstklssige Qualität wie die übrigen deutschen Fabrikanten liefern, aber noch immer zu moderateren Preisen ( z. B. Rönisch). Damit gibt es heute deutsche Qualitätsklaviere auf dem Preislevel der japanischen Instrumente.

Parallel haben sich andere asiatische Länder zu starken Instrumentenherstellern entwickelt, allen voran Südkorea, wo die Entwicklungsphase stark verkürzt werden konnte durch Verwendung von deutschen Bauteilen und deutschem Know-How in den Konstruktionen (z. B. Hyundai oder Young Chang). Auch die Volksrepublik China ist mittlerweile ein sehr ernstzunehmender Lieferant von Klavieren in solider Verarbeitung (siehe August Hoffman). Aufgrund daraus resultierender sinkender japanischer Produktionsstückzahlen, weiter steigender Preise und sich dieser Situation durchaus bewußt haben japanische Hersteller die Produktion für preiswerte Einsteigerserien in andere asiatische Länder verlagert, vorzugsweise China oder Indonesien, weil dort die Löhne wahrscheinlich am längsten niedrig bleiben werden.

Für manchen Händler hat es sich als richtige Entscheidung erwiesen, asiatische Klaviere direkt von den Herstellern zu importieren, um Verteuerungen durch unnötigen Zwischenhandel und überflüssige Transporte auszuschließen. Aber es mag ein jeder Kaufinteressent für sich selbst entscheiden, ob er wegen eines inzwischen bekannten Markennamens bereit ist, für ein gleichwertiges Instrument tiefer in den Geldbeutel zu greifen. Das Argument hierfür ist häufig der höhere Wiederverkaufswert. Man sollte dabei nur nicht übersehen, dass man zuvor auch deutlich mehr bezahlt hat.

OT: Flügel in die Kirche!

Florian-L, Freitag, 11. November 2011, 08:50 (vor 5417 Tagen) @ Matthias Mück

Im Klavierbau gibt es schon gravierende Qualitätsunterschiede. Man bekommt immer die Qualität, die man bezahlt. Einen neuen "asiatischen" Flügel für ca. 8.000 € ?? (161 cm lang) Kann das was Vernünftiges sein ?

Welchen Grund gibt es, ein asiatisches Klavier zu kaufen?

Weil die Instrumente aus Fernost besser verarbeitet sind oder schöner klingen als die unserer heimischen Produzenten? ...wohl kaum....

Ja, stimmt, ich hatte die Mögichkeit das Pianino von Wendl & Lung mit einem Pianino von Steinway zu vergleichen, da liegen natürlich Welten dazwischen.
Aber einem Vergleich mit so manchem größenmäßig gleichwertigen Instrument aus Europa vermag das asiatische Klavier meiner Meinung durchaus standzuhalten.

Gruß, Florian

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"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-

OT: Flügel in die Kirche!

FranzS. @, Freitag, 11. November 2011, 08:55 (vor 5417 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Wir hatten im Outing-Thread ja das Thema "Flügel in der Kirche". Aktuell bin ich privat im Flügelkauf, und erstaunt, wieviel Flügel man für jedenfalls weniger Geld, als ich dachte, bekommen kann.

Hallo,
ja, die Preise sind im Keller. Ich habe meinen Blüthner (Bj.1910/ 175) geschenkt bekommen und unser alter, völlig intakter Flügel brachte nicht mehr, als 250 Euronen ein.

Mir liegen Angebote für einen 150cm-Kawai (GM-10) für unter 8.000 und einen Yamaha GB-1 für unter 10.000 vor und vür einen GC-2 für unter 15.000 usw.

Ich habe die letzen Jahre diverse Flügel gespielt und war von Steinway sehr angetan. Entäuscht hat mich der Boesendorfer einer Bekannten von mir. Einer der klangschönsten war ein 210er Schimmel aus den 70ern, hässlich wie die Nacht ("Schulausführung"), aber ein Traum. Sachen, die ich nur so vom Blatt gespielt habe, gingen plötzlich, als ob man das vorher wochenlang geübt hätte. Ich kann mir bis heute nicht erklären wie das geht. Schimmel ist auch zur Zeit sehr günstig zu haben, ich würde mir auch so einen mal ansehen.
Sehr interessant war auch ein Hammerflügel der Firma Neupert, den ich auf der Messe in München gespielt habe. Eine wirkliche Alternative für die Wohnung, weil er eben nicht so laut ist.

Ich wünsche viel Erfolg beim Flügelkauf!

Grüße Franz

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