NGL / P OP / JAZZ an der Orgel

Antilope, Freitag, 04. November 2011, 12:49 (vor 5425 Tagen)

Dem vorhergenden Thread, der leider allzusehr von den Verlustängsten einiger Organisten sowie dem Kompetenzgerangel PR/KM geprägt ist, aufgreifend, möchte ich einfach mal in Frage stellen, ob die Orgel für die oben genannten Genres wirklich UNBEDINGT und AUTOMATISCH das ideale Instrument ist.

Im Jazzz/Pop - Bereich hat sich ja die Orgel nicht wirklich durchsetzen können ;-)

Selbst die synthetische Klangerzeugung eines Keyboards schliesst sich als Argument aus, sind doch manche Autoren vorhergehender Postings durchaus bereit an einer vollelektronischen "Hauptwerk-Orgel" zu konzertieren.

Ich persönlich würde ein durchschnittliches Klavier/Flügel einem guten Keyboard/E-Piano vorziehen, weil es mehr Natürlichkeit ausstrahlt.
Ein Klavier/Flügel würde ich dann einer Orgel vorziehen, wenn
a)die zu spielenden Lieder ausgeprägter rhythmischer Natur sind und die Gesangslinien viele "Zwischenspiele" erfordern.
b)die Akustik des Raumes dies zulässt (in einer halligen neugotischen Kathedrale ginge es nurmit Orgel).

Absurd erscheint mir der Gedanke, die Kinder würden die Orgel gar nicht mehr hören, denn: Nichts könnte mehr dazu führen, als eben eine schlecht ("zum abgewöhnen") eingesetzte Orgel! Dies währe wirklich anbiedernd und ein Bärendienst für die Orgel!

Wir machen uns akribisch Gedanken über Stilepochen des Orgelbaus und der Orgelmusik und meinen, dass diese oder jene Werke an dieser oder jener Orgel nicht seriös zu spielen seien. Zugleich schieben wir aber alle stilistischen und ästhetischen Bedenken (oft unter Berufung auf die - unumstrittene - besondere Stellung der Orgel in der Liturgie) beiseite, wenn es um das Begleiten von "NGL" geht. Ich finde das künstlerisch fahrlässig. Ich glaube, dass dieses unkritische Verhalten (leider oft auch unkritisch gegenüber der eigenen spielerischen Kompetenz) in dem geringen Respekt gegenüber dem Genre des "Neuen Geistlichen Liedes" begründet ist. Für diese Respektlosigkeit wiederum kann ich z.T. Verständnis aufbringen. Sie ist dem unbefangenen Einsatz vieler Lieder minderwertiger Qualität geschuldet.

Zugleich wäre es aber ein übles Zeichen, wenn unser Liedgut, das sich über zwei Jahrtausende ständig weiterentwickelt hat, auf einmal keine neuen Impulse mehr bekäme. Ich weiß, dass es viele Organisten gibt, die grundsätzlich neues Liedgut ablehnen. Dies dürfte man nur dann tun, wenn die "pilgernde Christenheit" ihr Ziel erreicht hätte. Dies muss aber bezweifelt werden... .

NGL / P OP / JAZZ an der Orgel

3rd_astronaut, Freitag, 04. November 2011, 15:20 (vor 5424 Tagen) @ Antilope

Ich persönlich würde ein durchschnittliches Klavier/Flügel einem guten Keyboard/E-Piano vorziehen, weil es mehr Natürlichkeit ausstrahlt.
Ein Klavier/Flügel würde ich dann einer Orgel vorziehen, wenn
a)die zu spielenden Lieder ausgeprägter rhythmischer Natur sind und die Gesangslinien viele "Zwischenspiele" erfordern.
b)die Akustik des Raumes dies zulässt (in einer halligen neugotischen Kathedrale ginge es nurmit Orgel).

Was ist der Grund für den 2. Punkt unter a)? An einer (mind. 2-manualigen) Orgel kann man doch die "Zwischenspiele" sehr einfach klanglich und/oder dynamisch absetzen von der eigentlichen Melodie?

NGL / P OP / JAZZ an der Orgel

willscher, Freitag, 04. November 2011, 16:23 (vor 5424 Tagen) @ Antilope

Im Jazzz/Pop - Bereich hat sich ja die Orgel nicht wirklich durchsetzen können ;-)

Hääääää??????????
Hammondorgel, ich erspare mir, die bahnbrechenden Interpreten aufzuzählen.....

Wir machen uns akribisch Gedanken über Stilepochen des Orgelbaus und der Orgelmusik und meinen, dass diese oder jene Werke an dieser oder jener Orgel nicht seriös zu spielen seien. Zugleich schieben wir aber alle stilistischen und ästhetischen Bedenken (oft unter Berufung auf die - unumstrittene - besondere Stellung der Orgel in der Liturgie) beiseite, wenn es um das Begleiten von "NGL" geht. Ich finde das künstlerisch fahrlässig. Ich glaube, dass dieses unkritische Verhalten (leider oft auch unkritisch gegenüber der eigenen spielerischen Kompetenz) in dem geringen Respekt gegenüber dem Genre des "Neuen Geistlichen Liedes" begründet ist. Für diese Respektlosigkeit wiederum kann ich z.T. Verständnis aufbringen. Sie ist dem unbefangenen Einsatz vieler Lieder minderwertiger Qualität geschuldet.

Ja, das ist es doch. Es funktioniert DURCHAUS, neue Lieder so zu konzipieren, daß sie rhythmisch interessant(er) sind UND TROTZDEM auf der Orgel gut zu begleiten sind. Nur: Das erfordert Geschick und Vermögen, und es ist eben NICHT jeder Hobby-Barde mit ein paar Akkordkenntnissen auf der Gitarre ein gestandener Komponist. "Wenn das Brot, das wir teilen" ist so ein nettes Beispiel. Diese künstlich aufgetauten Synkopen bräuchte es gar nicht. Das Lied ist auch so "fetzig" genug (auch wenn das Original-Arrangement für Orgel und Blockflöten (yeah) ist, wie man mir sagte). Aber vom ganzen Duktus her wünschte man sich halt das Panik-Orchester mit Udo als Leadsänger für eine authentische Imnterpretation....


Zugleich wäre es aber ein übles Zeichen, wenn unser Liedgut, das sich über zwei Jahrtausende ständig weiterentwickelt hat, auf einmal keine neuen Impulse mehr bekäme. Ich weiß, dass es viele Organisten gibt, die grundsätzlich neues Liedgut ablehnen. Dies dürfte man nur dann tun, wenn die "pilgernde Christenheit" ihr Ziel erreicht hätte. Dies muss aber bezweifelt werden... .

Das ist völlig richtig. Als Kirchenmusiker muß man sich mit allen Strömungen auseinandersetzen. Nur muß man auch nicht alles lieben. Und wenn ich an das neue GL denke, wird mir richtig übel, nicht nur wegen mancher Lieder, sondern auch wegen der Orgelbegleitsätze. Das war ja schon in der Probepublikation dilettantisch hoch drei. Leider herrscht das Prinzip, daß die Autoren (also meistens die Hobby-Barden mit...s.o.) als erste nach Erstellung eines Orgelsatzes gefragt werden. Und egal, wie schlecht das ist, es wird genommen. Von diesen Leuten (s.o.) würde kein einziger je eine Aufnahme in Musik-Theorie an einer Hochschule bestehen. Und mit solchem Mist muß sich dann die Riege der Organisten jahrzehntelang beschäftigen. Verständlicherweise kommt dann Frust auf, und Ablehnung.

Gruß
Andreas

NGL / P OP / JAZZ an der Orgel

otto krämer, Freitag, 04. November 2011, 16:25 (vor 5424 Tagen) @ willscher

Danke, Andreas...genau so isses.

NGL / P OP / JAZZ an der Orgel

Antilope, Freitag, 04. November 2011, 16:46 (vor 5424 Tagen) @ willscher

Im Jazzz/Pop - Bereich hat sich ja die Orgel nicht wirklich durchsetzen können ;-)


Hääääää??????????
Hammondorgel, ich erspare mir, die bahnbrechenden Interpreten aufzuzählen.....

Mir war nicht klar, dass eine Hammondorgel zur Grupper der PFEIFEN-Orgeln gehört. Nee, jetzt wirds klar...

Wir machen uns akribisch Gedanken über Stilepochen des Orgelbaus und der Orgelmusik und meinen, dass diese oder jene Werke an dieser oder jener Orgel nicht seriös zu spielen seien. Zugleich schieben wir aber alle stilistischen und ästhetischen Bedenken (oft unter Berufung auf die - unumstrittene - besondere Stellung der Orgel in der Liturgie) beiseite, wenn es um das Begleiten von "NGL" geht. Ich finde das künstlerisch fahrlässig. Ich glaube, dass dieses unkritische Verhalten (leider oft auch unkritisch gegenüber der eigenen spielerischen Kompetenz) in dem geringen Respekt gegenüber dem Genre des "Neuen Geistlichen Liedes" begründet ist. Für diese Respektlosigkeit wiederum kann ich z.T. Verständnis aufbringen. Sie ist dem unbefangenen Einsatz vieler Lieder minderwertiger Qualität geschuldet.


Ja, das ist es doch. Es funktioniert DURCHAUS, neue Lieder so zu konzipieren, daß sie rhythmisch interessant(er) sind UND TROTZDEM auf der Orgel gut zu begleiten sind. Nur: Das erfordert Geschick und Vermögen, und es ist eben NICHT jeder Hobby-Barde mit ein paar Akkordkenntnissen auf der Gitarre ein gestandener Komponist. "Wenn das Brot, das wir teilen" ist so ein nettes Beispiel. Diese künstlich aufgetauten Synkopen bräuchte es gar nicht. Das Lied ist auch so "fetzig" genug (auch wenn das Original-Arrangement für Orgel und Blockflöten (yeah) ist, wie man mir sagte). Aber vom ganzen Duktus her wünschte man sich halt das Panik-Orchester mit Udo als Leadsänger für eine authentische Imnterpretation....


Zugleich wäre es aber ein übles Zeichen, wenn unser Liedgut, das sich über zwei Jahrtausende ständig weiterentwickelt hat, auf einmal keine neuen Impulse mehr bekäme. Ich weiß, dass es viele Organisten gibt, die grundsätzlich neues Liedgut ablehnen. Dies dürfte man nur dann tun, wenn die "pilgernde Christenheit" ihr Ziel erreicht hätte. Dies muss aber bezweifelt werden... .


Das ist völlig richtig. Als Kirchenmusiker muß man sich mit allen Strömungen auseinandersetzen. Nur muß man auch nicht alles lieben. Und wenn ich an das neue GL denke, wird mir richtig übel, nicht nur wegen mancher Lieder, sondern auch wegen der Orgelbegleitsätze. Das war ja schon in der Probepublikation dilettantisch hoch drei. Leider herrscht das Prinzip, daß die Autoren (also meistens die Hobby-Barden mit...s.o.) als erste nach Erstellung eines Orgelsatzes gefragt werden. Und egal, wie schlecht das ist, es wird genommen. Von diesen Leuten (s.o.) würde kein einziger je eine Aufnahme in Musik-Theorie an einer Hochschule bestehen. Und mit solchem Mist muß sich dann die Riege der Organisten jahrzehntelang beschäftigen. Verständlicherweise kommt dann Frust auf, und Ablehnung.

Danke für die sachliche Diskussion!

Gruß
Andreas

NGL / P OP / JAZZ an der Orgel

Anna-Theresia, Freitag, 04. November 2011, 22:51 (vor 5424 Tagen) @ Antilope

Mir war nicht klar, dass eine Hammondorgel zur Grupper der PFEIFEN-Orgeln gehört. Nee, jetzt wirds klar...

Bevor die Hammondorgel kam, hat war die Pfeifenorgel auch im Jazz und Pop-Bereich durchaus beliebt. Ich glaube, eine Grund, warum sie sich nicht weiter durchsetzen könnte, war nicht das, dass sie für diese Musik unpassend war, sondern dass sie zu groß, zu teuer, zu empfindlich und nicht transportabel war.

NGL / P OP / JAZZ an der Orgel .... >>> Carpenter fällt flac

doppelfloete_h @, Hannover, Samstag, 05. November 2011, 17:45 (vor 5423 Tagen) @ Anna-Theresia

,, sondern dass sie zu groß, zu teuer, zu empfindlich und nicht transportabel war.


...a pro pos empfindlich und nicht transportabel: Das Konzert von C.C. im Kuppelsaal Hannover fällt einer Zeitungsmeldung zufolge aus, weil das Digitalinstrument für C.C. beim Transport Schaden genommen hat und bis zum Konzerttermin nicht mehr in einen spielfähigen Zustand zu bekommen ist.
Da sag ich nur, einem bekannten Sprichwort nachempfunden: Organist, bleib bei deinen Pfeifen! :)

Organist, bleib bei deinen Pfeifen! :)

Anna-Theresia, Samstag, 05. November 2011, 19:24 (vor 5423 Tagen) @ doppelfloete_h

Da sag ich nur, einem bekannten Sprichwort nachempfunden: Organist, bleib bei deinen Pfeifen! :)

Das soll, glaube ich, jeder für sich selbst entscheiden. Ich aber bleibe tatsächlich am liebsten bei den Pfeifen: http://www.divshare.com/download/16075126-9e0
Oder auch bei solchen: http://www.divshare.com/download/16114320-25d

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