Outing
Orlos, Donnerstag, 03. November 2011, 21:19 (vor 5424 Tagen)
Für den nächsten Sonntag habe ich von einer Gemeinde mit einer sehr schönen Klais-Orgel die Anfrage erhalten, ob ich vertretungshalber als "Organist" spielen könnte. Genaueres wusste ich nicht.
Eben erreicht mich folgende E-Mail der Pastoralreferentin:
"Einige Lieder werde ich mit der Gitarre begleiten, da ich die Lieder mit den Kinder eingeübt habe. Wir benutzen an diesen „anderen“ Sonntagen immer das Keyboard (wegen des neugeistlich Liedgutes) und ich hoffe, dass auch Sie sich darauf einlassen können."
Ich "oute" mich jetzt mal als hoffnungslos ewiggestriger Pfeifenorgelbenutzer, der durchaus Freude daran, neue Lieder an der Orgel zu begleiten. Ich nehme das ironisch und mache einen netten Bass dazu und ein bisschen Pseudo-Jazz-Geklingel, dazu Oboe und Tremulant und putzige Aliquotmischungen. Den Gemeinden gefällt das eigentlich ganz gut. Wir haben auch häufiger schmissige Jugendgottesdienste mit Schlagzeug, Saxophon, Trompete, Querflöte - und Orgel! Aber an ein Keyboard setze ich mich nicht. Die Orgeln sind so teuer, dass die Gemeinde ein Recht darauf hat, sie auch zu hören.
Jetzt bin ich gespannt, wie die Dame reagieren wird...
Outing
orgelwilli, Donnerstag, 03. November 2011, 21:52 (vor 5424 Tagen) @ Orlos
Gut so!
Ich spiele im Gottesdienst auch nicht am Keyboard!
Die Kinder hören sonst die Orgel überhaupt nicht mehr!!!!
Outing
Hausorgler
, Feldkirch/Vorarlberg, Donnerstag, 03. November 2011, 22:35 (vor 5424 Tagen) @ orgelwilli
Find ich super, daß Sie das Keyboard verweigern. Das sollten alle machen.
Outing
Friedrich
, Donnerstag, 03. November 2011, 22:40 (vor 5424 Tagen) @ Hausorgler
Find ich super, daß Sie das Keyboard verweigern. Das sollten alle machen.
Hm.
Einerseits: Klar. Orgel ist schöner. Aber was ist, wenn dann am Ende die Keyboards nur noch von Leuten bedient werden, die's in einer Keyboard-Schule gelernt haben? Immerhin hat so ein Ding Tasten, damit muss doch was anzufangen sein. Was 'ne Harke ist und so.
Gruß,
Friedrich
Outing
Orlos, Donnerstag, 03. November 2011, 23:23 (vor 5424 Tagen) @ Friedrich
Ich kann durchaus Keyboards bedienen, habe sogar (wenige) Keyboard-Schüler. Aber erstens bin ich auf der Orgel besser und zweitens halte ich die Pfeifenorgel auch für das bessere Instrument - gerade auch beim NGL. Mit einem Keyboard bekomme ich die Gemeinde nicht so gut zum Singen.
Letzthin sollte ich bei einer Hochzeit nur die "traditionellen" Lieder spieler, für "Danke" und ein paar andere wurde extra ein Guitarrist engagiert. Er mühte sich redlich, es klappte aber gar nicht, die Kirche war zu groß und zu hallig. Später sagten mir die Gäste, es wäre besser gewesen, wenn auch die "moderneren" Lieder mit der Orgel begleitet worden wären!
Man muss dann aber meines Erachtens schon rhythmisch akzentuiert spielen und nicht versuchen, einen braven vierstimmigen Satz daraus zu basteln.
Outing
Aeolinchen, Freitag, 04. November 2011, 06:48 (vor 5424 Tagen) @ Friedrich
Einerseits: Klar. Orgel ist schöner. Aber was ist, wenn dann am Ende die Keyboards nur noch von Leuten bedient werden, die's in einer Keyboard-Schule gelernt haben?
Dann denken die Zuhörer eventuell: Was fürn Scheißinstrument, dieses Keyboard...
So what?
Immerhin hat so ein Ding Tasten, damit muss doch was anzufangen sein. Was 'ne Harke ist und so.
Schon klar, aber die meisten von uns können an der Orgel besser zeigen, was 'ne Harke ist.
Outing
otto krämer, Freitag, 04. November 2011, 10:12 (vor 5424 Tagen) @ orgelwilli
...ich vermute, das ist genau das, was diese Anbiederer erreichen wollen.
Outing
Antilope, Freitag, 04. November 2011, 12:18 (vor 5424 Tagen) @ otto krämer
Warum sollten sie das tun wollen?
Outing
Friedrich
, Freitag, 04. November 2011, 12:38 (vor 5424 Tagen) @ Antilope
Warum sollten sie das tun wollen?
Weil: Orgel ist böse, streng, alt, schwarze Pädagogik, autoritär, Dracula. Hochschwellig insgesamt.
(Hat mal einer mit Kindern "Little Amadeus" gesehen? Jedesmal, wenn der böse Widersacher "Devilius" ins Bild kommt, erklingt eine Orgelkadenz. Dabei war "little Amadeus" doch ein ebenso übler Orgelfan wie manche von uns hier.)
Gruß,
Friedrich
Outing
otto krämer, Freitag, 04. November 2011, 12:44 (vor 5424 Tagen) @ Friedrich
Danke, Friedrich.
Outing
Antilope, Freitag, 04. November 2011, 12:55 (vor 5424 Tagen) @ Friedrich
Dann hatt ich bisher das große Glück, Menschen zu begegnen, die bzgl. der Orgel andere Assoziationen hatten!
Outing
3rd_astronaut, Donnerstag, 03. November 2011, 22:46 (vor 5424 Tagen) @ Orlos
Wenn das Keyboard alternativlos für den "anderen" Godi ist, würde ich absagen. Wenn ich wo Vertretung spiele, will ich auch die Orgel ausprobieren und kein Keyboard.
Zudem ich ein besserer Organist als Pianist bin ;-)
Outing
elsenp, Freitag, 04. November 2011, 01:30 (vor 5424 Tagen) @ Orlos
Eben erreicht mich folgende E-Mail der Pastoralreferentin:
"Einige Lieder werde ich mit der Gitarre begleiten, da ich die Lieder mit den Kinder eingeübt habe. Wir benutzen an diesen „anderen“ Sonntagen immer das Keyboard (wegen des neugeistlich Liedgutes) und ich hoffe, dass auch Sie sich darauf einlassen können."
Erstaunlich finde ich immer wieder, wie sich in die Arbeit der eigentlich für die Musik Verantwortlichen eingemischt wird. Von pastoraler Seite (denen unterstelle ich noch gewisse Grundkenntnisse) gerne mal, aber immer wieder von so berufener Seite wie hier geschildert oder so kompetenten Kräften wie Kommunioneltern oder Firmgruppen-Betreuern. Ich unterstelle hier mal, dass die Pastoralreferentin -außer den Gitarrengrundlagen- keine (kirchen-)musikalische Ausbildung besitzt. Woher nimmt sie das Recht, hier in das fremde Arbeitsgebiet eingreifen zu müssen? Ich gehe ja auch nicht hin und würde einem Priester oder Pastoralrefenten bei der Vorbereitung eines Gottesdienstes sagen: "Ich hoffe sie können sich darauf einlassen, die Ansprache ohne Mikro zu machen. Das machen wir hier immer so. Und als Text zu den Fürbitten sprechen sie bitte das Gebet unter Nr. 33, das finden hier alle so schön. Und beim Vater unser möchte die Gemeinde gerne Ringelrein um den Altar tanzen. Ich hoffe, damit haben sie auch kein Problem."
Nicht, dass ich etwa gegen eine gemeinsame Überlegung zur Gestaltung der Gottesdienste bin. Hier kann man gemeinsam oft mehr erreichen.
Aber bei dem von dir geschilderten kann man nur ganz einfach sagen "NEIN. Das mache ich nicht. Ich habe andere Vorstellungen von der musikalischen Gestaltung. Wenn ihnen das nicht passt, bin ich wahrscheinlich nicht der richtige Kirchenmusiker für sie."
Herzlichen Gruß
Peter
Outing
willscher, Freitag, 04. November 2011, 10:21 (vor 5424 Tagen) @ elsenp
Eben erreicht mich folgende E-Mail der Pastoralreferentin:
"Einige Lieder werde ich mit der Gitarre begleiten, da ich die Lieder mit den Kinder eingeübt habe. Wir benutzen an diesen „anderen“ Sonntagen immer das Keyboard (wegen des neugeistlich Liedgutes) und ich hoffe, dass auch Sie sich darauf einlassen können."
Aber bei dem von dir geschilderten kann man nur ganz einfach sagen "NEIN. Das mache ich nicht. Ich habe andere Vorstellungen von der musikalischen Gestaltung. Wenn ihnen das nicht passt, bin ich wahrscheinlich nicht der richtige Kirchenmusiker für sie."
Herzlichen Gruß
Peter
NEIN, ihr seid schon die richtigen Kirchenmusiker, es ist die falsche Pastoralreferentin. Dieser und den meisten ihrer Kollegen/Innen sollte man mal eine Weiterbildung aufs Auge drücken.........
Gruß
Andreas
Outing
otto krämer, Freitag, 04. November 2011, 11:46 (vor 5424 Tagen) @ willscher
...warum nicht direkt eine Umschulung statt Fortbildung?
..."fort" sind die allermeisten von ihnen ehe die meiste Zeit. Ausnahmen bestätigen diese Regel leider auch nur.
Outing
Hausorgler
, Feldkirch/Vorarlberg, Freitag, 04. November 2011, 22:22 (vor 5423 Tagen) @ elsenp
Woher nimmt sie das Recht, hier in das fremde Arbeitsgebiet eingreifen zu müssen?
Ganz einfach: Die Theologen, egal, ob Pfarrer oder Pastis sehen sich erstens in allem grundsätzlich kompetent - egal ob sie darin ausgebildet sind oder nicht. Und zweitens sehen sie sich als "vorne" Stehende als die Herren/Herrinnen der Liturgie.
Und drittens sehen sie Kirchenmusiker als subalterne Dienstleister, die ihre Gestaltungsideen nach Wunsch auszuschmücken haben. Fazit: Es gibt eine Tendenz (natürlich nicht bei allen), den Kirchenmusikern ernsthafte inhaltliche Kompetenz jenseits der Formalen des spielen Könnens abzusprechen. Dies betrifft vielleicht weniger die hauptamtlichen Kirchenmusiker, aber die nebenamtlichen Helfer sind dem durchaus ausgesetzt. Dies zeigt sich im Übrigen auch in der miserablen Bezahlung. Auch das ist ein Ausdruck, wie hoch die "Wert"schätzung im wahrsten Sinne des Wortes geht.
Übrigens erlaube ich mir das zu schreiben, gerade weil ich Theologe bin und die Befindlichkeit kenne. Man kann mir also nicht Opposition zu "Denen am Altar" andichten.
echtes Klavier als Alternative zur Orgel akzeptiert?
Dulzian
, Freitag, 04. November 2011, 11:52 (vor 5424 Tagen) @ Orlos
In unserer Kirche steht ein Flügel, der auch für Konzerte genutzt wird und genauso wie die Orgel auch gewartet wird.
Wenn Taufen anstehen (bei Kindergottesdiensten sowieso), begleite ich lieber das bei uns üblicherweise genommene Lied "Kind du bist uns anvertraut" auf dem Flügel statt auf der Orgel. Es gefällt mir besser so, der Flügel ist näher am Geschehen dran, und die Taufe ist eine eher intimere Handlung als der Rest des Gottesdienstes.
Aber die Wahl des Instruments wird mir grundsätzlich freigestellt!
Wenn die Alternative nur zwischen Keyboard und Orgel bestünde, statt echtem Klavier/Flügel und Orgel, würde ich wahrscheinlich dann auch die Orgel vorziehen. Zum Glück steht in "meiner" Kirche, wo ich meistens Vertretungen übernehme, ein guter Flügel parat, sodass nie auf Keyboard zurückgegriffen werden müßte.
echtes Klavier als Alternative zur Orgel akzeptiert?
Karl-Bernhardin Kropf, Freitag, 04. November 2011, 12:09 (vor 5424 Tagen) @ Dulzian
Flügel ist super, haben wir hier auch in einer Kirche. Auf meiner letzten England-Katherdaltour war auch in jeder einer am Rande abgestellt zu finden (und auch eine fahrbare Truhenorgel), in Norwich sogar zwei...
Aber das sind leider keine Alltags-Verhältnisse...
Outing
Karl-Bernhardin Kropf, Freitag, 04. November 2011, 12:07 (vor 5424 Tagen) @ Orlos
Ich "oute" mich jetzt mal als hoffnungslos ewiggestriger Pfeifenorgelbenutzer, der durchaus Freude daran, neue Lieder an der Orgel zu begleiten. Ich nehme das ironisch... u
Wieso "ironisch"? Oder meinst Du, was ich auch empfehlen würde, dass man es einfach nur "gut" macht?
Die anderen Postings hier finden nicht so sehr mein Wohlgefallen. Ich höre da auch viel Arroganz heraus. Aber da die Pastoralreferentin hier nicht postet, kann ich nicht beurteilen, ob sie wirklich noch arroganter ist, wie hier unterstellt wird.
Wenn die Kinder die Orgel hören sollen, es aber vielleicht doch Gründe für ein Keyboard (was für eins???) gibt, wird man dafür andere schöne Gelegenheiten einrichten können, sie mit der ORgel zusammenzubringen.
Bin ich mit den Mitarbeiter/Pfarrer/Pastorenerfahrungen meiner letzten 25 Jahre wirklich so gesegnet (im Durchschnitt jedenfalls), dass mir diese Diskussionen hier meist etwas nervig vorkommen? Oder habe ich so stark den Kontakt zur nebenamtlichen Realität verloren?
Wer's aber auf dem Keyboard nicht gut kann, kann's auf der Orgel auch nicht besser - jedenfalls meine Überzeugung. Sorry.
Mein peinlichstes Keyboard Erlebnis
orgelsolo
, Voitsberg, Freitag, 04. November 2011, 21:42 (vor 5423 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
In meiner Pfarre wurde ich auch immer wieder gebeten in
Altenheimen, Kapellen und Kirche wo es keine Orgel gibt
Gottesdienste zu gestalten. Und es gibt nichts demütigerndes als
vor den Leuten mit einem meist seher bescheidenen Keybord zu sitzen
und es ist außer peinlich nur peinlich.
Aufgrund dieser Erlebnisse hat meine Pfarre eine Stagepiano angeschafft,
also eine tranportables E-Piano, auf dem ich dann aber mit Klavierklang (und nicht
mit Orgelsound) spiele. Dies finde ich musikalisch vertretbar. Der Orgelklang ist von diesen Instrumente eigentlich mitlerweile auch ganz ok... vor allem für Continuo etc...)
Vor einigen Wochen gab es eine Hochzeit mit Taufe in einer Klosterkirche zu spielen.
Es gibt dort eine Orgel, die aber auf derempore im Klausurbereich steht - und deshalb von mir nicht bespielt werden darf ! (Hab mich schon oft genug geärgert)
Jedenfalls bin ich mit unserem Stagepiano angerückt - und beim Aufbau stellte sich
aber heraus, das die Kabel fehlen (wurden im Pfarrhof falsch weggeräumt). Das Brautpaar steht schon vor der Tür und will einziehen - und du musst ihnen sagen dass es keine Musik gibt....
Daraufhin brachte mir die Klosterschwester ein kleines Keyboard, über das ich nicht weiter sprechen möchte. Der Pfarrer meinte besser das als gar nix...
Ich wäre am liebsten heimgefahren - habe es dann aber durchgezogen, und traute mir für diese Peinlichkeit letzendlich kaum was zu verlangen. Während der Zeremonie wäre ich wegen dem blechernen pimpigen Klang am liebsten im Boden versunken. Außerdem kleine Tasten... bei denen auch ein bissl was daneben ging
Der Bräutigamm hats aber gelassen gesehen, und gab mir noch ein Trinkgeld.
Gruß, Martin
Was ist peinlicher?
Dulzian
, Samstag, 05. November 2011, 08:57 (vor 5423 Tagen) @ orgelsolo
bearbeitet von Dulzian, Samstag, 05. November 2011, 09:03
In meiner Pfarre wurde ich auch immer wieder gebeten in
Altenheimen, Kapellen und Kirche wo es keine Orgel gibt
Gottesdienste zu gestalten. Und es gibt nichts demütigerndes als
vor den Leuten mit einem meist seher bescheidenen Keybord zu sitzen
und es ist außer peinlich nur peinlich.
Ich finde, es ist weitaus peinlicher, wenn zum Beispiel falsch und unmusikalisch gespielt wird, ganz unahbhängig vom Instrument.
Oftmals kann man eben an den widrigen Gegebenheiten nichts ändern. Man kann aber möglicherweise trotzdem versuchen, das beste draus zu machen. Wenn man das geschafft hat, hat das (für mich) nichts Peinliches oder Demütigendes.
Man kann auch auf einem sehr bescheidenen Keyboard Bach virtuos und musikalisch zelebrieren (um ein Beispiel zu nennen), und man kann auch auf einer Silbermann-Orgel komplett versagen. Letzteres finde ich peinlich, ersteres nicht.
Was will man und was kann man?
ArnezN, Samstag, 05. November 2011, 10:12 (vor 5423 Tagen) @ Dulzian
Guten Morgen,
ich glaube, dass man auf einem bescheidenen Keyboard keinen Bach vernünfitg spielen kann, da ein solches Gerät bestimmte für eine gute Interpretation wichtige Dinge wie einen schönen Klang und einen beherrschbaren Anschlag einfach nicht bieten kann. Ich hatte vor einiger Zeit das Vergnügen bei einem Zeltgottesdienst ein Keyboard spielen zu dürfen, das sich in einer bestimmten "Registrierung" (die einzige, die klanglich zu gebrauchen war) als lediglich zweistimmig polyphon herausstellte. Dann doch lieber das Harmonium...
Wir haben bei uns in der Kirche ein ganz ordentliches E-Piano. Trotzdem versuche ich alle Dienste, bei denen es möglicherweise gewünscht sein könnte, an meinen Kollegen abzutreten. Grund: Ich kann ein Klavier einfach nicht bedienen! Wenn ich also weiß, was ich eben nicht kann, dann sage ich doch im Sinne der musikalischen Qualität eben das lieber ab, oder versuche meine deutlich besseren Fähigkeiten auf der Orgel zu nutzen.
Dass ein NGL auf einer Pfeifenorgel nicht gut darstellbar ist, halte ich für Unfug. Denn gerade der Jazz nutzt so intensiv die Hammond-Orgel, die ja immerhin mal als Pfeifenorgelersatz gedacht war. Schonmal versucht mit Terzmischung, Tremulant und Sixte ajouté zu experimentieren? Ich bin jetzt in keinster Weise Jazz-Organist, habe auch keine Ahnung von den Grundlagen, aber ich denke, dass ein halbwegs musikalischer "klassischer" Organist mit etwas Experimentierfreude unter völligem Ignorieren des Choralbuches sehr ansprechend "fetzig" NGLs begleiten kann!
Und was die Kinder und Orgel angeht: Wir haben regelmäßig Vorkonfirmanden, die die Kirche entdecken und zum Schluss von mir die Orgel erklärt bekommen. Wenn man die fragt, was ihnen in der Kirche am besten gefallen hat, hört man sehr oft "die Orgel" - Sie ist einfach groß und faszinierend. Aber das Thema hatten wir ja auch unlängst.
So, genug des Textes,
Viele Grüße,
Arne
Was will man und was kann man?
willscher, Samstag, 05. November 2011, 11:53 (vor 5423 Tagen) @ ArnezN
Guten Morgen,
ich glaube, dass man auf einem bescheidenen Keyboard keinen Bach vernünfitg spielen kann,
Wenn man irgendeinen Komponisten auf einem noch so bescheidenen Klangerzeuger wirkungsvoll spielen kann, dann Bach.......
Dass ein NGL auf einer Pfeifenorgel nicht gut darstellbar ist, halte ich für Unfug
Es geht hier ja auch nicht um die "Cracks", sondern um den normalen D- oder C-Organisten. Aber gerade NGL ist ja eben NICHT für die Orgel angelegt, sondern oft am Lagerfeuer oder Kamin mit Klampfe entstanden. Warum steht wohl "Bewahre uns Gott" in e-Moll und nicht in f-Moll? Weil man auf der Klampfe mit drei Akkorden auskommt, die sich grifftechnisch die meisten Gitarristen zutrauen (e-Moll, a-Moll, H-Dur).........
Und dann werden da unsägliche Orgelsätze "geschustert", die krampfhaft irgendwelche Quintparallelen vermeiden, was völliger Schachsinn ist, da der letzte Schrott entsteht. Wenn schon, dann doch bitte à la Deep Purple - ohne ständige Quintparallelen bei Smoke on the water und Child in time geht da doch nix.......
Gruß A.
Viele Grüße,
Arne
Was will man und was kann man?
otto krämer, Sonntag, 06. November 2011, 00:12 (vor 5422 Tagen) @ willscher
..bei "Smoke on the water" sind es Quart-Parallelen, sog. Power - Chords....mal nach hören.
Was will man und was kann man?
FranzS.
, Sonntag, 06. November 2011, 07:56 (vor 5422 Tagen) @ otto krämer
Mein peinlichstes Keyboard Erlebnis
elsenp, Samstag, 05. November 2011, 10:11 (vor 5423 Tagen) @ orgelsolo
In meiner Pfarre wurde ich auch immer wieder gebeten in
Altenheimen, Kapellen und Kirche wo es keine Orgel gibt
Gottesdienste zu gestalten. Und es gibt nichts demütigerndes als
vor den Leuten mit einem meist seher bescheidenen Keybord zu sitzen
und es ist außer peinlich nur peinlich.
Kleine Anekdote dazu:
Ab und an vertrete ich einen Kollegen in den Ferien. Dort gibt es eine sogenannte "Werktagskapelle" für die weniger gut besuchten Wochentagsgottesdienste. Diese Kapelle hatte eine Hohner-Elektronenorgel mit Stummelpedal und zwei "kurzen" Manualen, die Oktavversetzt waren (F-c² und f° bis c³). In beiden Manualen funktionierten mehrere Töne (C und F) nicht mehr, der Schwelltritt gab infernalische Geräusche von sich und während des Betriebs gab das Gerät plötzlich Pfeiftöne und andere Zwitschergeräusche von sich. Alles in allem: Schrott. Ich habe dann der Gemeinde vorgeschlagen, doch eine kleine Truhenorgel anzuschaffen. Aus der Schließung einer Kirche konnte ich ihnen sogar ein gutes gebrauchtes Instrument für 5.000 EUR empfehlen. Antwort des Kirchenvorstandes: Wissen Sie, unseren hauptamtlichen Organisten stört das nicht weiter. Und die Gemeinde ist es gewohnt, dass die Orgel nicht richtig funktioniert.
Ein Jahr später vertrete ich erneut in der Gemeinde und der Küster (der auch im KV tätig ist) berichtet mir freudenstrahlend: "Ach, gut dass sie kommen! Wissen Sie schon, dass wir jetzt doch ein neues Instrument für die Kapelle angeschafft haben?" Ich war echt erfreut und denke: Na, hat man sich aber für eine kleine Truhenorgel entschieden! Als ich in die Kapelle komme, was steht da: Eine Hohner Elektronenorgel in genau der gleichen Ausführung (und fast den gleichen Macken) wie vorher. Kommentar des Küsters: "Toll, nicht wahr: Wir konnten über eBay genau das gleiche Modell nochmal bekommen."
Herzliche Grüße
Outing
hardy, Sonntag, 06. November 2011, 21:48 (vor 5421 Tagen) @ Orlos
Also bei uns (ev. Kirchengemeinde in Westfalen) ist das ganz unkompliziert: 2-3, gelegentlich auch 4 Lieder neuerer Art (würde ich nicht als NGL bezeichnen, da m. E. qualitätvoller) mit der Ansinggruppe (nenne ich es mal), das ist neben einigen Sänger(innen) Bass, Gitarre und Stage-Piano (jawohl. selten auch Schlagzeug), bei dem ich (so ich es spiele, vielleicht jeden 2. Gottesdienst) immer auf "normalen" Klavierklang stelle, der auch nicht schlecht klingt. Der Rest (ebenfalls 2-3, heute sogar 4 Lieder sowie Vor-und Nachspiel) mit der Orgel. Alle sind zufrieden, ich als Organist und "Pianist" auch. Ich würde mich an der Thematik nicht so hochziehen.
Gruß Hardy
Outing
Antilope, Sonntag, 06. November 2011, 21:51 (vor 5421 Tagen) @ hardy
DANKE!
Ergebnis
Orlos, Sonntag, 06. November 2011, 23:14 (vor 5421 Tagen) @ Antilope
Nachdem ich die Diskussion "verursacht" habe, hier nun die "Auflösung": Die Kirche war sehr voll, neben den Kindergartenkindern waren auch alle Kommunionkinder da, die vorgestellt wurden, und ein Täufling, alles nebst Eltern und Verwandten. Ich musste die Orgel ziemlich "aufdrehen", die Leute haben toll mitgesungen, flott und rhythmisch, es war eine schöne Stimmung. Ich glaube nicht, dass ich das mit einem Keyboard so hinbekommen hätte.
Bei den Liedern mit Guitarre klappte es dagegen eher nicht. Die Pastoralreferentin im langen weißen Gewand erinnerte mich etwas an Nicole und "Ein bisschen Frieden", sie saß auf einem Hocker mit überschlagenem Bein seitlich im Altarraum und sang in ein Mikrophon, die Gemeinde versuchte mitzusingen. Die Kinder verstanden nicht, dass sie manchmal dazu Bewegungen hätten ausführen sollen (stampfen, klatschen etc.). Hätte sie mich auch diese Lieder an der Orgel spielen lassen, hätte sie die Bewegungen problemlos vormachen können. (Ob man das nun mag oder nicht...)
Witzigerweise hat der Gottesdienst so lange gedauert, dass der Pfarrer (nach 80 Minuten) vor dem "regulären" Ende den Schluss-Segen dazwischenschob und sich verabschiedete, weil er noch in eine andere Gemeinde musste. Da ich auch noch woanders Dienst hatte, spielte ich daraufhin das Kindergartenlied und das Schluss-Stück auf der Orgel und verließ die Kirche. Ich habe keine Ahnung, was dann noch alles passierte.
Es war wirklich ein "anderer" Sonntag...
Vorzeitiges Ende, war: Ergebnis
Fabian Brackhane
, Worms, Dienstag, 08. November 2011, 12:02 (vor 5420 Tagen) @ Orlos
Witzigerweise hat der Gottesdienst so lange gedauert, dass der Pfarrer (nach 80 Minuten) vor dem "regulären" Ende den Schluss-Segen dazwischenschob und sich verabschiedete, weil er noch in eine andere Gemeinde musste.
Ist das nicht zutiefst deprimierend? Mal ganz abgesehen davon, dass die liturgsiche "Dramaturgie" vor die Hunde geht, kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass es einem Zelebranten in einer derartigen Situation noch möglich sein kann, den einen wie den anderen Gottesdienst mit der eigentlich zwangsnotwendigen Andacht und ja, auch Inbrunst zu feiern. Im ersten denkt er ständig "Leute, macht's hinne, ich muss weg!" Im zweiten kommt er völlig abgehetzt und ungesammelt an. Da verkommt Gottesdienst doch wirklich zu einer Schauveranstaltung. Von der fehlenden Seelsorge, sprich Interaktion mit Gemeindegliedern, vor und vor allem nach den Gottesdiensten mal ganz zu schweigen.
Mich demprimietr's immens. Wäre es nicht besser und ehrlicher, die Gottesdienste so zu beschränken und zu terminieren, dass es für alle Akteure zumutbar ist? Natürlich wäre es das, aber da geht dann wieder das Hickhack der Kirchengemeinden mit "Bei uns war aber immer schon um 10!" los...