Letzau - Entwurf Jann

BourdonCéleste, Donnerstag, 03. November 2011, 15:15 (vor 5423 Tagen) @ zehnzweidrittel
bearbeitet von BourdonCéleste, Donnerstag, 03. November 2011, 15:22

Folgende Überlegungen lagen dem Entwurf zugrunde:

Wenn man einen Entwurf beginnt, fragt man als Zeichner zuerst, ob die Orgel sich dem Raum unterordnen oder sehr eigenständig sein soll. Während der Siegerentwurf offenbar (schon ausweislich der Schleierbretter, der geschwungenen Labienverläufe sowie der Stufung der Felder) auf eine große Eigenständigkeit zum Raum gesetzt hat, fiel beim Entwurf der Firma Jann die Entscheidung auf Unterordnung unter den Raum und wurde wie folgt umgesetzt:


- Verwendung der selben Hölzer und Texturen wie in Dachkonstruktion, Empore und Gestühl im Raum bereits vorhanden.

- Aufnahme der Schlichtheit des Raumes.

- Aufnahme der Geometrie des Raumes: Klare Formen und Winkel aus dem Fundus der Formen und Winkel des Raumes.

- Aufnahme der Höhe des Raumes. Deutliche Vertikalität im Dialog mit Portal und Fenstern.

- Die angedeutete Kornähre im oberen Fenster spiegelt den Winkel der Dachneigung und des Firstes. Dieser Gedanke wird vom Orgelgehäuse aufgenommen, es vervollständigt die Dachneigung durch deren Spiegelung zu quadratischen Rauten. Geäusekanten setzen sich im Labienverlauf fort.

- Der Spiegelprospekt ist kein billiger 70er-Jahre-Effekt, sondern setzt dieses Winkelspiel vom Dachfirst abwärts nur konsequent fort. Ein guter Entwurf enthält keine "Gags". Alles sollte für das konkrete Projekt Sinn machen - ästhetisch und funktional. Zitate und Paraphrasen sind freilich erlaubt - oder lehnt jemand Gehäusetürme ab, nur weil sie in Brabant Siebzehnhundertsoundso auch schon "Mode" waren?

- Das Fenster bekommt durch die Einbeziehung in das Gehäuse einen Sinn und ist nicht nur störendes Bauelement. Entsprechendes hätte für die zu erwartende Lichtwirkung gegolten.

- Das aus den Labien des Spiegelprospektes gebildete rautig stehende Quadrat definiert den Höhenschwerpunkt der Wand neu, gleichzeitig ist es der goldene Schnitt zur Firstlinie.

- Trotz der spitzen Winkel ruht die Gesamterscheinung sehr in sich, denn alle Linien finden ihre logische Entsprechung, Fortsetzung oder Antwort in bereits vorhandenen Elementen des Raumes.

- Die Orgel bildet keine Konkurrenz zum Bilderfries der Empore.

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