Orgel-Tour Mosel-Luxemburg Oktober 2011 - Teil 2: Mertert
Als nächstes konnte ich mir die Orgel im luxemburgischen Moselort Mertert anschauen: dazu fuhren wir pittoresk genau 2 Minuten mit der interessanten kleinen Moselfähre in Oberbillig/Wasserbillig.
Anschliessend in den Ort Mertert - es lohnt sich übrigens, wenn man dort schon Orgeln anschaut, auch zu tanken und sich mit luxemburgischer Schokolade und Kaffee einzudecken - Diesel ganze 20 Cent weniger in Luxemburg!!! Oioioioi...
Also: Mertert/Lux.
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Eine wahrhafte "Haupt"-Orgel...
Ursprünglich in 1859 von den Gebr. Breidenfeld für die Vorgängerkirche einmanualig erbaut (einige Register sind noch in der heutigen Orgel erhalten) und 1886 in der neuen Kirche aufgestellt, im Jahre 1949 dann von der Firma Haupt aus Lintgen mit 15 Registern/II.Manualen technisch neu erbaut - pneumatisch - (mit Material von 1859).
1989 durch Herbert Schmid (ebenfalls Lintgen) renoviert und erweitert, sowie von Pneumatik auf elektropneumatische Kegelladen umgebaut, um die Präzision und Zuverlässigkeit zu verbessern. Mit Erfolg: damit konnte man 20 Jahre zufrieden sein.
2008 stand die nächste Renovation/Ueberarbeitung durch die Firma Thomas Gaida an: man entschied sich, die Orgel um 3 Register zu erweitern (grosse Soloflöte, Trompetenreihe 16 8 4, und den "Muselbass" (luxemburgisch für Moselbass....).
Im Laufe der Arbeiten stellte sich heraus, dass eine totale Erneuerung der maroden Spieltischtechnik von 1949/89 unumgänglich wurde, so ersetzte man den alten Spieltisch durch einen Neuen, Modernen mit allen Möglichkeiten, und bewahrt seitdem den alten Spieltisch auf der Empore seitlich als Museumsstück auf.
Somit wurde gleichzeitig eine Vielzahl an Möglichkeiten geschaffen, den vorhandenen, auf elektropneumatischen Kegelladen befindlichen Klangbestand noch besser auszunutzen:
Die - nun ungewöhnliche (Extensionen/Transmissionen) - aber höchst vielseitige Disposition lautet seit 2008:
I.Manual Hauptwerk:
Bourdon 16
Principal 8
Holzflöte 8
Gedackt 8
Salicional 8
Octave 4
Traversflöte 4
Principal 2
Mixtur IV 2
Krummhorn 8
Trompete 16, 8 und 4
II. Manual Schwellwerk:
Stillgedackt 8
Viola di Gamba 8
Vox coelestis 8
Flöte 4
Quinte 2 2/3
Blockflöte 2
Terz 1 3/5
Scharff III 1
Tuba mirabilis 8
Koppelregister/Extensionen/Auxilliarie an Schwellwerk (II):
Lieblich Gedackt 8
Hornprincipal 8
Holzflöte 8
Bourdon 8
Principal 4
Traversflöte 4
Piccolo 2
Trompete 16, 8 und 4
-Tremulant
III. Manual: Solowerk: Auxilliarie
Lieblich Gedackt 8
Hornprincipal 8
Marienflöte 8
Bourdon 8
Principal 4
Traversflöte 4
Piccolo 2
Trompete 16, 8 und 4
Pedalwerk:
Muselbass 32' (akustische Schaltung aus 16', 10 2/3' und 6 2/5'-Reihe)
Subbass 16
Zartgedackt 16
Octavbass 8
Holzflöte 8
Violoncello 8
Gedacktbass 8
Choralbass 4
Bassflöte 4
Principalflöte 2
Soloflöte 2
Pedalmixtur 4
Posaune 16
Trompete 8
Trompete 4
Singendcornet 2
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Mein Eindruck:
Natürlich kann oder könnte man den vielen Extensionen und Quernutzungen diverser Register kritisch gegenüberstehen: in Amerika ist das allerdings scheins kein Thema.
Bei einer Schleifladenorgel: undenkbar, klar.
Bei einer sowieso elektropneumatischen Kegelladenorgel mit einem (organisch) gewachsenen Zustand von 1859 (nur einige Register), 1949 (Prospekt und 15 Register), 1989 (weitere Register), der Rest von 2008 im - allerdings deutlich romantischem Klanggewand: WARUM NICHT?
Breidenfeld-Haupt-Schmid-Gaida-Orgel...
Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit am Spieltisch fand ich die Orgel klanglich einfach nur noch hinreissend und vielseitig, mit schönen Einzelregistern, herrlichen Streichern und Flöten und einem mächtigen Grand-Choeur.
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Wenn man will, nutzt man das Instrument als vielseitige "brave" Dorforgel, wenn man sich noch auf die zusätzlichen Möglichkeiten der Orgel einlässt, als veritable Konzertorgel mit schon (fast) kathedralhaften Möglichkeiten (z.B. gekoppelte Plena gegen eine Solozunge 16/8/4 als cantus firmus etc.). Dies ginge natürlich bei einem normalen reinen "Standard-Schema" nicht - nichts gegen eine Standard-Disposition, aber schliesslich findet man so was ja dann folglich auch landauf-landab.
Schön und gut - Mein ganz persönliches Fazit: mit den vorhandenen Mitteln in einer Dorfkirche das Optimum herausgeholt, ohne den gewachsenen elektro-pneumatischen Zustand zu zerstören. Eher logisch-symphonisch weiterentwickelt.
Die Merterter sind übrigens sehr glücklich mit ihrer kleinen Kathedralorgel, sowohl der Organist wie auch das Kirchenvolk, einschliesslich Marienflöte und Muselbass: Halleluja...!
Aber: hier gilt auch wieder meine Empfehlung: selber hinfahren, spielen, hören UND DANN meckern oder jubeln...!
Fortsetzung folgt - to be continued...
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Thomas Haubrich