Orgel-Tour Mosel-Luxemburg Oktober 2011 - Teil 1

untersatz32 ⌂ @, Amriswil, Dienstag, 01. November 2011, 13:31 (vor 5425 Tagen)
bearbeitet von untersatz32, Dienstag, 01. November 2011, 20:29

Liebe Kollegen/innen,

vor 2-3 Wochen konnte ich - im Rahmen einer bei mir anstehenden Orgelerweiterung - einige Orgeln im Raum Mosel/Luxemburg besichtigen und spielen, die von der Firma Thomas Gaida (Merchweiler/Wemmetsweiler) renoviert, oder erweitert oder neu erbaut wurden.

Es sind dies

1) Trier, Katholische Kirche Herz-Jesu (Sebald-Orgel)

2) Mertert (Luxemburg), Katholische Kirche Haupt-Orgel (so hiess er…)
– mit Breidenfeld-Beständen aus dem 19. Jhdt.

3) Esch-Alzette (Luxemburg), Katholische Kirche Sacre-Coeur (Haupt-Orgel)

4) Konz, Katholische Kirche Neue Gaida-Orgel


[image]
Zunächst schaute ich mir die, 2010 von Thomas Gaida renovierte und in der Intonation verbesserte Eduard-Sebald-Orgel von 1957 in der Herz-Jesu-Kirche Trier an:

Zwar war die Orgel bereits 1993 schon einmal durch eine andere Firma gereinigt und überholt worden (NEIN - es fand zwischenzeitlich KEIN Wechsel in der Kirchenmusiker-/Organistenstelle statt -), diese Arbeiten liessen jedoch nach wie vor massiv Wünsche nach einer klanglichen Verbesserung offen.

Ziel der erneuten Arbeiten durch Thomas Gaida in 2010 war, mit dem vorhandenen Klangmaterial ein optimales, charakteristisches Klangresultat zu erzielen, ohne die Herkunft der Orgel zu verleugnen, und somit aus den vorhandenen Registern das Bestmögliche herauszuarbeiten, ohne zu forcieren oder „brutal“ zu werden:
dies ist, zumindest meines Erachtens gelungen: zwei Einweihungskonzerte aus 2010 mit den Orgelprofessoren Johannes Geffert und Nicolas Kynaston beweisen den Mut und das Engagement des Orgelbauvereines Herz-Jesu.

Die Principale singen jetzt wirklich, das Krummhorn näselt fröhlich, sonor aber trotzdem mit hübschem 50er-Jahre-Unterton vor sich hin, die Flöten haben jetzt Charme und die behutsam ergänzten Register Schwebung 8' und Oboe 8' im SW stellen eine bedeutende klangliche Bereicherung dar, zumal noch eine originale Subkoppel fürs Schwellwerk vorhanden ist. Das vorher läbbrige und "knatschige" Spielgefühl im Spieltisch ist jetzt übrigens auch schön präzise und durchaus angenehm. Die 16'-Bässe im Pedal rollen richtig rund durch den Raum und bieten ein sattes, aber butterweiches Fundament.

Die Orgel stellt jetzt so wie sie ist, ein Schmuckstück dar, welches die Abneigung Vieler gegen 50er-Jahre-Orgel nun zu widerlegen vermag.

Massnahmen 2010 waren:


Ich kenne die Orgel übrigens sowohl noch von ihrem Zustand VOR den Arbeiten in 1993, und auch NACH der Renovation von 1993. Insofern kann ich gut die drei verschiedenen Klangeindrücke vergleichen, wie sie sich in den frühen Neunzigern, den späten Neunzigern, sowie nach den Arbeiten 2010 darstellen bzw. darstellten.

Hier die neue Disposition seit 2010 (die weiteren, auf der Homepage des Orgelbauvereines aufgelisteten Erweiterungswünsche wurden nicht realisiert (siehe dort))

Fazit:
Meines Erachtens: eine grösstenteils originale Orgel von 1957, die nun Spass macht, super klingt und auf den Raum abgestimmt ist…
Aber: Besser hinfahren und selber spielen…

I.Hauptwerk:

Quintade 16'
Principal 8'
Gemshorn 8' (anstelle von Salicional, dieser nun im SW)
Octave 4'
Nachthorn 4'
Quinte 2 2/3'
Octave 2'
Mixtur V-VI
Trompete 8'

II.Schwellwerk:
Rohrgedackt 8'
Salicional 8' (anstelle von Gemshorn, dieses jetzt im HW)
Principal 4'
Querflöte 4'
Zartquinte 2 2/3'
Blockflöte 2'
Terzflöte 1 3/5'
Scharff III-IV
Oboe 8‘ (englisches Register aus Lagerbeständen, anstelle von Rankett 16‘)
Vox coelestis 8‘ (romantisches Register aus Lagerbeständen, anstelle von Kopftrompete 4‘)
Tremolo

III.Brustwerk:
Lieblich Gedackt 8'
Spitzflöte 4'
Quintade 4'
Principal 2'
Nazard 1 1/3'
Terzcymbel IV
Krummhorn 8'
-Tremolo

Pedalwerk:
Principalbaß 16'
Subbaß 16'
Octavbaß 8'
Gedacktbaß 8'
Choralbaß 4'
Gedacktflöte 4'
Bauernflöte 2'
Rauschpfeife III
Posaune 16'


Grüsse: Thomas

FORTSETZUNG FOLGT...

--
Thomas Haubrich


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