Orgelweihe in 92637 Letzau bei Weiden

Regerman @, Montag, 31. Oktober 2011, 17:41 (vor 5426 Tagen)

Am 30. 10. 2011 wurde mit einem Konzert von Prof. Kunibert Schäfer (Regensburg, s. Bild) die neue Kögler-Orgel in Letzau vorgestellt. Das Instrument (20/II/P) des aus St. Florian / Oberösterreich stammenden Orgelbauers hinterließ einen sehr nachhaltigen Eindruck und bereichert die Orgellandschaft Weidens und der nordöstlichen Oberpfalz. Kögler baute eine historisierende Orgel: Rein mechanische Trakturen, Konstruktion des Eichengehäuses und der Windladen nur mit Holzverbindungen (ohne Schrauben), gehobelte, nicht geschliffene Holzoberflächen, Keilbalganlage u.a. Als vergleichbar konzipiertes instrument wäre die rund 100 km südöstlich gelegene Orgel in Bad Kötzting des vor den Toren Wiens arbeitenden Orgelbauers Ferdinand Salomon zu nennen. Köglers Orgel faszinierte durch ihre Sensibilität, beginnend bei der Traktur bis hin zur ungemein farbig und lebendig geratenen Intonation. Diese verleugnet nicht den oberösterreichischen Orgelbau mit seinen charmant und weich singenden Flöten, den klar sprechenden Prinzipalen und den "gestandenen" Bässen. Die voll ausgebaute Posaune 16' ist sehr dezent intoniert und gibt dem Pedal Gravität und knurrige Zeichnung. Das Cornettino im Brustwerk imitiert den Klang eines Zungenregisters. Der bemerkenswert effektive Tremulant wirkt auf das gesamte Werk und scheint vor allem die Flöten wie zu neuen Registern zu verwandeln. Kraft und Brillanz ohne schneidende Schärfe charakterisieren das Plenum. Die feine Orgel ist eine Empfehlung wert!

[image]

I. Hauptwerk C-g'''

1. Principal 8'
2. Hohlflöte 8'
3. Gamba 8'
4. Octave 4'
5. Spitzflöte 4'
6. Quinte 2 2/3'
7. Superoctave 2'
8. Terz 1 3/5'
9. Mixtur IV

II. Brustwerk C-g'''

10. Holzgedackt 8'
11. Flöte 4'
12. Octave 2'
13. Waldflöte 2'
14. Quinte 1 1/3'
15. Cornettino II
16. Cimbel II

Pedal C-f'

17. Subbaß 16'
18. Octavbaß 8'
19. Octave 4'
20. Posaune 16'

Tremulant
Koppeln II/I, I/P, II/P

Orgelweihe in 92637 Letzau bei Weiden

BourdonCéleste, Montag, 31. Oktober 2011, 17:56 (vor 5426 Tagen) @ Regerman

Am 30. 10. 2011 wurde mit einem Konzert von Prof. Kunibert Schäfer (Regensburg, s. Bild) die neue Kögler-Orgel in Letzau vorgestellt.

[image]

Schöner Prospekt! Wäre aber auch so gegangen:

[image]

Orgelweihe in 92637 Letzau bei Weiden

orgelwilli, Montag, 31. Oktober 2011, 22:33 (vor 5425 Tagen) @ BourdonCéleste

In dem Raum sicher angemessener!

Orgelweihe in 92637 Letzau bei Weiden

Hausorgler @, Feldkirch/Vorarlberg, Mittwoch, 02. November 2011, 18:47 (vor 5424 Tagen) @ orgelwilli
bearbeitet von Hausorgler, Donnerstag, 03. November 2011, 06:21

Mir gefällt der Prospekt. Wobei ich gestehen muß, daß mich umgekehrt aufgehängte Pfeifen, die mit den darüber stehenden Pfeifen ein Spiegelbild bilden, nicht so schrecklich vom Hocker reißen. Als gelegentlicher Gag - von mir aus. Aber der Gag nutzt sich wie jeder oft erzählte Witz schnell ab. Und in letzter Zeit sind mir einige solcher Prospektgestaltungen mit hängenden Pfeifen begegnet. Das wird dann öde.
Überhaupt nicht gefällt mir dieser Prospekt. Die hängenden Pfeifen sehen aus wie Brunnenrohe. Fehlt nur noch das Plätschern.

Orgelweihe in 92637 Letzau bei Weiden

orgelwilli, Donnerstag, 03. November 2011, 14:09 (vor 5423 Tagen) @ Hausorgler

Ja das sieht aus, als ob die Pfeifen aus der Orgel rausfallen.......

Orgelweihe in 92637 Letzau bei Weiden

otto krämer, Donnerstag, 03. November 2011, 14:28 (vor 5423 Tagen) @ orgelwilli

..und die packt doch jeder auch gerne einmal an...o Gott...wie das nach kurzer zeit aussieht -

Orgelweihe in 92637 Letzau bei Weiden

elsenp, Donnerstag, 03. November 2011, 14:49 (vor 5423 Tagen) @ otto krämer

..und die packt doch jeder auch gerne einmal an...o Gott...wie das nach kurzer zeit aussieht -

Vorschlag: Stacheldraht, Elektrozaun, Plexiglasabdeckung, Selbstschußanlage...

Irgendwie erinnert mich die Orgel ein wenig an diese hier in Los Angeles. Alles scheint in Bewegung zu sein...

Orgelweihe in 92637 Letzau bei Weiden / Regensburger Dom

zehnzweidrittel @, Donnerstag, 03. November 2011, 14:56 (vor 5423 Tagen) @ otto krämer

..und die packt doch jeder auch gerne einmal an...o Gott...wie das nach kurzer zeit aussieht -

Das ist doch bei jedem Prospektentwurf der Fall - ungeachtet ob Spiegelpfeifen oder nicht - sofern das Kranzgesims nicht hoch genug ist.

Auch sind Spiegelpfeifen - ob nun oberpfalztypisch oder nicht - ein normales Mittel der Prospektgestaltung. Sie finden sich z.B. auch im barockisierenden Orgelprospekt des Klais-Orgel in Fuchsmühl.

Ich möchte aber mal Eure kritischen Gedanken zu einer Seite dieser Diskussion führen, die bisher zu kurz gekommen ist:
Wann hat man schon groß die Möglichkeit, nach einem erfolgreichen Orgelneubau den Entwurf eines -wie ich wohl annehme - Mitbewerbers zu sehen?
Wäre es nicht interessant, auch die anderen Entwürfe sehen zu können, um so den Entwicklungsprozess dieses Instrumentes verstehen zu können?

In diesem Zusammenhang möchte ich ausdrücklich auf die Nr. 37 des ISO Journals hinweisen, in dem der Angebots- und Entwurfsprozess der Regensburger Domorgel nachvollzogen wird und alle an den letzten beiden Angebotsrunden beteiligte Orgelbauer mit Ihren Entwürfen zu Wort kommen! Das war für mich einzigartig, weil man bisher eigentlich nie an solche Daten gekommen ist.
Höchst spannend und interessant.

Viele Grüße

zehnweidrittel

Letzau - Entwurf Jann

BourdonCéleste, Donnerstag, 03. November 2011, 15:15 (vor 5423 Tagen) @ zehnzweidrittel
bearbeitet von BourdonCéleste, Donnerstag, 03. November 2011, 15:22

Folgende Überlegungen lagen dem Entwurf zugrunde:

Wenn man einen Entwurf beginnt, fragt man als Zeichner zuerst, ob die Orgel sich dem Raum unterordnen oder sehr eigenständig sein soll. Während der Siegerentwurf offenbar (schon ausweislich der Schleierbretter, der geschwungenen Labienverläufe sowie der Stufung der Felder) auf eine große Eigenständigkeit zum Raum gesetzt hat, fiel beim Entwurf der Firma Jann die Entscheidung auf Unterordnung unter den Raum und wurde wie folgt umgesetzt:


- Verwendung der selben Hölzer und Texturen wie in Dachkonstruktion, Empore und Gestühl im Raum bereits vorhanden.

- Aufnahme der Schlichtheit des Raumes.

- Aufnahme der Geometrie des Raumes: Klare Formen und Winkel aus dem Fundus der Formen und Winkel des Raumes.

- Aufnahme der Höhe des Raumes. Deutliche Vertikalität im Dialog mit Portal und Fenstern.

- Die angedeutete Kornähre im oberen Fenster spiegelt den Winkel der Dachneigung und des Firstes. Dieser Gedanke wird vom Orgelgehäuse aufgenommen, es vervollständigt die Dachneigung durch deren Spiegelung zu quadratischen Rauten. Geäusekanten setzen sich im Labienverlauf fort.

- Der Spiegelprospekt ist kein billiger 70er-Jahre-Effekt, sondern setzt dieses Winkelspiel vom Dachfirst abwärts nur konsequent fort. Ein guter Entwurf enthält keine "Gags". Alles sollte für das konkrete Projekt Sinn machen - ästhetisch und funktional. Zitate und Paraphrasen sind freilich erlaubt - oder lehnt jemand Gehäusetürme ab, nur weil sie in Brabant Siebzehnhundertsoundso auch schon "Mode" waren?

- Das Fenster bekommt durch die Einbeziehung in das Gehäuse einen Sinn und ist nicht nur störendes Bauelement. Entsprechendes hätte für die zu erwartende Lichtwirkung gegolten.

- Das aus den Labien des Spiegelprospektes gebildete rautig stehende Quadrat definiert den Höhenschwerpunkt der Wand neu, gleichzeitig ist es der goldene Schnitt zur Firstlinie.

- Trotz der spitzen Winkel ruht die Gesamterscheinung sehr in sich, denn alle Linien finden ihre logische Entsprechung, Fortsetzung oder Antwort in bereits vorhandenen Elementen des Raumes.

- Die Orgel bildet keine Konkurrenz zum Bilderfries der Empore.

[image]

Orgelweihe in 92637 Letzau bei Weiden / Regensburger Dom

Tastenhalter @, Donnerstag, 03. November 2011, 19:31 (vor 5423 Tagen) @ zehnzweidrittel

In diesem Zusammenhang möchte ich ausdrücklich auf die Nr. 37 des ISO Journals hinweisen, in dem der Angebots- und Entwurfsprozess der Regensburger Domorgel nachvollzogen wird und alle an den letzten beiden Angebotsrunden beteiligte Orgelbauer mit Ihren Entwürfen zu Wort kommen! Das war für mich einzigartig, weil man bisher eigentlich nie an solche Daten gekommen ist.<

Es gibt die Darstellung der von Orgelbau Eisenbarth/Passau im Zusammenhang mit dem Wettbewerb zur Schwalbennestorgel im Kölner Domeingereichten Entwürfe in Organ, Heft 2/2000 aus der Feder von Christian Ekowski.
Und ich erinnere mich, weitere Entwürfe zum gleichen Objekt anderer Werkstätten in einer Publikation gesehen zu haben, kann aber nicht mehr sagen, wo. Die Suche in meinen Orgelschriften war bis jetzt erfolglos. Vielleicht weiß jemand die Fundstelle.

Gruß Tastenhalter

Orgelweihe in 92637 Letzau bei Weiden / Regensburger Dom

Contrebasson 32' @, Freitag, 04. November 2011, 00:32 (vor 5422 Tagen) @ Tastenhalter

Es gibt die Darstellung der von Orgelbau Eisenbarth/Passau im Zusammenhang mit dem Wettbewerb zur Schwalbennestorgel im Kölner Domeingereichten Entwürfe in Organ, Heft 2/2000 aus der Feder von Christian Ekowski.
Und ich erinnere mich, weitere Entwürfe zum gleichen Objekt anderer Werkstätten in einer Publikation gesehen zu haben, kann aber nicht mehr sagen, wo. Die Suche in meinen Orgelschriften war bis jetzt erfolglos. Vielleicht weiß jemand die Fundstelle.

Gruß Tastenhalter

Also, die die verschiedenen Entwürfe finden sich in der offiziellen Festschrift, die ich leider gerade nicht zur Hand habe, zur Einweihung der Schwalbennestorgel im Kölner Dom. Hier wird - so weit ich mich erinnere - auch der Entstehungsprozess beispielsweise unter dem Stichwort Standortfrage dargestellt.
Auch vor ehrlichen Worten bezüglich dieser gräßlichen "West-Werk-Simulation" mit abgehängten Stoffbahnen, die ein Gefühl für eine Westwerkorgel im gotischen Raum ergeben sollten, wird nicht zurückgeschreckt.

Einen weiteren kleinen Hinweis auf die Ausschreibung und den Verlauf des anschließenden Wettbewerbs findet sich im Orgelführer Deutschland 1 von Göttert und Isenberg.

Darüber hinaus steht im großen oder kleinen Chorsaal über der Sakristei des Kölner Doms ein Prospektentwurf aus dem Hause Klais in neo-gotischer Manier, der in der Festschrift nicht veröffentlicht wurde. Wer dort mal vorbeikommen sollte, das ist schon sehenswert.

Gruß Contrebasson 32'

powered by my little forum