"Volles Rohr" in St. Gertrud, D-Eller

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Donnerstag, 27. Oktober 2011, 12:44 (vor 5430 Tagen)

Hallo Forum,

“Volles Rohr” hieß die Veranstaltung des 6. ido gestern in St. Gertrud, D-Eller. Den Seufzer im Hirn “Wenn Düsseldorf doch nicht so weit wäre...” (Dieter Hausmann in einem anderen Thread) wäre ich mir unbehaglich vorgekommen, wenn ich da nicht hingegangen wäre. So hilft das Forum, Vorurteile abzubauen. Gelang das wirklich?

In Bezug auf den Titel des Konzerts ganz bestimmt. Das war keine Veranstaltung mit Rumms und Krach, vielmehr eine eher kammermusikalische Darbietung. Zwar gab es Forte und Fortissimo - aber die waren eher einer Unterschätzung der Akustik geschuldet denn der interpretatorischen Inspiration. "Volles Rohr" war daher in hohem Maße irreführend.

Aber was war mit dem Ensemble, den Kompositionen? Nun Flöte - oft auch Piccoloflöte - , Schlagwerk und Orgel harmonieren durchaus. Und da die Spieler (Andrea Will, Flöten; Oliver Stratmann, Schlagzeuge; Hans-André Stamm, Orgel) offenbar gut vorbereitet und mit Eifer bei der Sache waren, klang alles gekonnt und effektvoll.

Das ging mit “Rondo alla celtica” für Orgel und Percussion von Stamm genau so los. Ruhig und tonschön, aber harmlos, danach ein Largo für Piccoloflöte und Orgel von Vivaldi. Mehr von unterhaltendem Charakter dann “Pick five” für Piccoloflöte, Percussion und Orgel sowie ein “Sicilienne” für Piccoloflöte und Orgel von Stamm. Harmonisch nicht anspruchsvoll und wenig modern.

Gehaltvoller wurde es mit Florian Posers (*1958) Capriccio. Das dreiteilige Stück wirkte geerdet und ernsthaft. Voll romantischer Schönheit dann die Cantilène” von Fauré für Flöte und Orgel. Die tiefere Lage der Flöte (gegenüber der Piccoloflöte) wirkte auch zusätzlich erholsam. Auch das Stück “Mandala” von Stamm hatte es in sich. Hier gab es Anklänge an minimal-music.

Spring Dance für Piccoloflöte und Orgel wirkte dagegen wie Folk; man hatte nordische Blondchen, auf der Wiese Blumen pflückend, vor Augen. Bemerkenswert die virtuosen kadenzartigen Einlagen der Piccoloflöte.

Nun folgte ein arg langes Solostück für Marimbaphon von Paul Smadbeck (*1955) mit dem Titel “Rhythm song”. Von Markus Karas (*1961) folgte eine sehr eingängige, ja etwas zu einfache “Petite Suite pour Flûte et Orgue”.

Danach wachte man aber wieder auf: Der Clou des Abends war “Wave Train” von Howard J. Buss (*1951) - endlich einmal Musik mit Biss! Marimbaphon und Flöte waren die Protagonisten. Und sie spielten sich die Bälle gekonnt zu. Da nötigte der eine die andere (und umgekehrt) zum Abbiegen in der Harmonik, drängelte zur Seite - kurz: Konzertieren vom Feinsten. Und das mit zeitnahen Ausdrucksformen (nicht nur Tonika, Subdominante, Dominante, Tonika). Hier machte es wirklich Spaß zuzuhören.

Die abschließenden Stücke hielten dieses Niveau leider nicht. Stamms “Toccata giocosa” für Orgel allein kam mir wie die Anfangspackung einer elektrischen Eisenbahn vor: Eine starke Marke, aber abgespeckter Inhalt. Und auch “Take seven” für alle drei Mitwirkende konnte Buss nicht vergessen machen.

Ca. 85 Minuten. Deutlicher, höflicher Beifall der ca. 70 Hörer, die aufstanden und sich zur Orgelbühne wandten. Eine Zugabe.

Was war das nun für Musik gewesen? Klassik-Verschnitt? Teilweise. Tanzmusik? Nein, nicht rhythmusbetont, nichts lateinamerikanisches. Jazz? Nur hin und wieder andeutungsweise. Folk? Nur in einem Titel. Pop? Nein, es fehlten die durchlaufenden Rhythmen. Rock? Nein, dito. Salonmusik? Es gab Anklänge. Sacralmusik? Habe ich nicht gespürt. Country? Nein, dazu viel zu klassisch bieder. Minimal? Nur zu einem kleinen Teil. Schlager? Gottlob nicht. Volksmusik? Dito. Bin ratlos.

Gruß Clemens Schäfer

--
Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

"Volles Rohr" in St. Gertrud, D-Eller

Martin78 @, Donnerstag, 27. Oktober 2011, 13:43 (vor 5430 Tagen) @ Clemens Schäfer
bearbeitet von Martin78, Donnerstag, 27. Oktober 2011, 16:46

Die abschließenden Stücke hielten dieses Niveau leider nicht. Stamms “Toccata giocosa” für Orgel allein kam mir wie die Anfangspackung einer elektrischen Eisenbahn vor: Eine starke Marke, aber abgespeckter Inhalt.

Hallo Herr Schäfer,

interessant, wie verschieden die Geschmäcker sind! Ich war zwar nicht in dem Konzert, kenne aber dieses Stück von Youtube (es gibt eine perfekte Interpretation, natürlich vom Komponisten höchstpersönlich) und kann mich dem dort veröffentlichten Kommentar nur anschließen: Ich finde das Stück fantastisch, es kann für mich bedenkenlos mit den großen, bekannten Toccaten der Orgelliteratur mithalten (Vierne D-Dur, Mulets Carillon-Sortie etc.) und ist in meinen Ohren ein ebenso großer "Reißer". Habe mir auch die Noten bestellt, bin aber leider noch nicht zum Üben gekommen. Das Stück ist auch nicht ohne, aber durchaus machbar; es ist sehr orgelmäßig komponiert.

Viele Grüße,
Martin

"Volles Rohr" in St. Gertrud, D-Eller

Reinhard Kluth ⌂ @, Tübingen, Donnerstag, 27. Oktober 2011, 18:06 (vor 5430 Tagen) @ Martin78

Auch ich finde dieses Stück ausgesprochen schön und sehr orgelmäßig. Ich werde es auch einstudieren. Habe mit Hans André grade wegen dieses Stücks nach dem Konzert noch lange gesprochen und wir sind übereingekommen, daß an "meiner" Orgel nur noch der Untersatz 32' fehlt (grade für dieses Stück).Ansonsten war ich natürlich von dem Konzert sehr angetan und viele viele Zuhörer, die noch ziemlich lange danach da waren, ebenfalls. Es gab auch m.E. keinen höflichen Beifall sondern eher einen begeisterten. Dieses Konzert war eben anders als die herkömmlichen und Hans-André Stamm weiß, das Publikum mit einer wunderbaren Musik, die jenseits des herkömmlichen - aber ohne Einbuße von Seriosität - liegt, zu fesseln. Abgesehen davon daß er mit seinen beiden Partnern ein ausgesprochen virtuoser Künstler ist. Übrigens fällt mir grade noch ein: Mandala für Orgel ist auch mehr als hörenswert. Auch das werde ich einstudieren.
Herzliche Grüße von Reinhard Kluth

"Volles Rohr" in St. Gertrud, D-Eller

forenadmin @, Donnerstag, 27. Oktober 2011, 18:20 (vor 5430 Tagen) @ Reinhard Kluth

Hier die Youtubelinks von den beiden Stücken

Toccata giocosa

Mandala für Orgel

"Volles Rohr" in St. Gertrud, D-Eller

FranzS. @, Donnerstag, 27. Oktober 2011, 19:29 (vor 5430 Tagen) @ forenadmin


Toccata giocosa

Hallo,
es ist ja durchaus erfreulich, dass jemand ein umfangreiches Orgelwerk schafft, aufführt und auch Menschen anspricht.
Leider finde ich diese Musik sehr schlimm.

Grüße Franz
(gerade das Gegengift hörend)

"Volles Rohr" in St. Gertrud, D-Eller

Reinhard Kluth ⌂ @, Tübingen, Donnerstag, 27. Oktober 2011, 19:39 (vor 5430 Tagen) @ FranzS.

Schade....aber ich verstehe es....
HG:Reinhard Kluth

"Volles Rohr" in St. Gertrud, D-Eller

Orlos, Donnerstag, 27. Oktober 2011, 20:12 (vor 5430 Tagen) @ FranzS.

Das mag jetzt etwas ketzerisch klingen, aber ich habe den Eindruck, man könnte aus der Stamm-Toccata interpretatorisch noch etwas mehr machen, als es der Komponist in dem Video tut. Das ist doch alles recht streng und gerade durchgespielt. Das mag aber Geschmackssache sein.
Kompositorisch ist das nett gemacht, auch mit eindrucksvollen Pedalpartien, den Vergleich mit der Vierne-Toccata fand ich jedoch vermessen. Nachdem ich mir jetzt einige Stamm-Videos angeschaut habe, auch mit Improvisationen, habe ich den Eindruck, dass die Stücke oft irgendwie zu lang sind. Natürlich wird da fleißig durch die Tonarten spaziert, aber der "Kick" der Vierne-Toccata liegt doch gerade in ihrer Kürze.
"Harmlos" finde ich als Bewertung zu stark und zu böse, aber überwältigt bin ich auch nicht gerade.

"Volles Rohr" in St. Gertrud, D-Eller

Reinhard Kluth ⌂ @, Tübingen, Donnerstag, 27. Oktober 2011, 21:21 (vor 5430 Tagen) @ Orlos

also mit Vierne kann man Stamms Toccata nun weiß Gott nicht vergleichen. Ich hatte manchmal den Eindruck, besonders im Mittelteil, es wären Anklänge an Charpentiers "L'Ange à la trompette" zu hören. Aber das war es dann auch; Anleihen bei anderen Komponisten sind hier nicht zu finden. Das Stück hatte in St. Gertrud schon eine schöne Wirkung,ganz anders als im Internet, wobei vor allem auch die wunderbare Akustik ihr übriges tat. Und Hans-André Stamm hat es mit einer sehr schönen Agogik interpretiert. Aber: mein Gott, muß man das nun auch wieder zerreden? Der eine mags halt, der andere nicht. Ich finde es schön - und - übrigens Orlos: die Arbeit an der zweiten Symphonie von Vierne macht einen Riesenspaß. Post von mir kommt noch.
Herzl.Gruß Reinhard Kluth

"Volles Rohr" in St. Gertrud, D-Eller

Friedrich @, Donnerstag, 27. Oktober 2011, 22:33 (vor 5430 Tagen) @ FranzS.

Leider finde ich diese Musik sehr schlimm.
Grüße Franz
(gerade das Gegengift hörend)

Geht mir auch so. Und das Gegengift ist gut gewählt. Wenn das möglich ist (und möglich ist noch weit mehr) – warum dann Dreiklänge turnen.

Gruß,
Friedrich

"Volles Rohr" in St. Gertrud, D-Eller

jrbecker @, Freitag, 28. Oktober 2011, 05:17 (vor 5429 Tagen) @ FranzS.

...
Grüße Franz
(gerade das Gegengift hörend)

Oh ja, das ist absolut Gegengift! Mit solcherlei Musik kann ich gar nichts anfangen. Das tue ich mir weder im Konzert noch auf CD an, es reizt mich noch nicht einmal das kostenlose Hören auf youtube. Von da aus ist es - meiner nicht wirklich wichtigen Meinung nach - nicht mehr weit bis dahin. - Uaaaah .... (aber wem es gefällt, der soll es ruhig hören oder gar spielen!!!)

Das soll aber nicht meine Bewunderung für diejenigen Interpreten, die solche Musik so mühelos darbieten schmälern! - Ich würd' halt nur nicht hingehen...

Die Toccata von Stamm hat sowohl mich als auch denjenigen, denen ich sie bislang (auf youtube) präsentiert habe sehr gut gefallen, ich bin ernsthaft am Überlegen, ob ich mich damit beschäftigen werde. Gibt es - Frage an die Stamm-Experten - für den Einstieg in seine Musik weitere Empfehlungen?

LG
Jörg

"Volles Rohr" in St. Gertrud, D-Eller

Martin78 @, Freitag, 28. Oktober 2011, 07:25 (vor 5429 Tagen) @ jrbecker

...
Grüße Franz
(gerade das Gegengift hörend)


Oh ja, das ist absolut Gegengift! Mit solcherlei Musik kann ich gar nichts anfangen. Das tue ich mir weder im Konzert noch auf CD an, es reizt mich noch nicht einmal das kostenlose Hören auf youtube. Von da aus ist es - meiner nicht wirklich wichtigen Meinung nach - nicht mehr weit bis dahin. - Uaaaah .... (aber wem es gefällt, der soll es ruhig hören oder gar spielen!!!)

Das soll aber nicht meine Bewunderung für diejenigen Interpreten, die solche Musik so mühelos darbieten schmälern! - Ich würd' halt nur nicht hingehen...

Die Toccata von Stamm hat sowohl mich als auch denjenigen, denen ich sie bislang (auf youtube) präsentiert habe sehr gut gefallen, ich bin ernsthaft am Überlegen, ob ich mich damit beschäftigen werde. Gibt es - Frage an die Stamm-Experten - für den Einstieg in seine Musik weitere Empfehlungen?

LG
Jörg

Wie gesagt - schön, dass die Geschmäcker sooo verschieden sind!

Auch wenn mein Vergleich mit Vierne vielleicht wirklich etwas überzogen ist (Stamms Toccata fehlt da etwas die Genialität), finde ich Stamms Stück nach wie vor eine wirkliche Entdeckung und mehr als "ganz nett", vor allem, da es für mich als C-Organisten auch nicht ganz außer Reichweite ist. Das Gegengift gehört wohl mit zu den schwierigsten Stücken der Orgelliteratur; ich höre es mir auch gerne an, aber sowas kann und will ich nicht spielen. Mein Kommentar war daher subjektiv von meiner Begeisterung als C-Organist gefärbt :-)

Ich kann allerdings den Einwand, dass Stamms Stücke (z.B. die "Toccata alla celtica") teilweise Längen haben, nachvollziehen.

So, und nun oute ich mich auch noch als Fan von Guilmant und Bédard - Feuer frei! :-)

Martin

"Volles Rohr" in St. Gertrud, D-Eller

schnitgers.anderer.erbe, Freitag, 28. Oktober 2011, 08:11 (vor 5429 Tagen) @ jrbecker

Also ich gebe es zu, bei dieser Musik wohnen auch zwei Seelen in meiner Brust. Für mich ist es einfach gute Gebrauchsmusik. Ich unterscheide da schon, was für ein Konzert taugt und was ich eben auch für Gottesdienste und Hochzeiten etc. verwenden kann. Auch nicht jede Haydn-Messe die einem heute im Konzert um die Ohren gefeuert wird, ist es wert, wenngleich sie im Gottesdienst wofür sie geschaffen wurde genau richtig wäre - passenden liturgischen Rahmen vorausgesetzt. Jedenfalls habe ich mir interessenhalber die Stamm-Noten zugelegt und sage mal so, vieles von dem Zeug geht ausgesprochen gut in die Finger, weil es eben offenbar aus Momenten der Improvisation heraus entstanden ist, zumindest scheint es so (und so klingt es ja auch). So Sachen wie "Rondo alla latina" gehen gut in die Finger, sind eine schöne Übung, klingen wenn man es geschmackvoll registriert nett und sind mir bei einer Hochzeit meinetwegen lieber als irgendwelches "Titanic-Gedöns". Und substanziell ist es nicht schlechter als vieles von Guilmant, Dubois, Benoist, Bonnet und wie sie alle heißen. Vierne ist für mich auch eine andere Liga. Nicht alles muss tiefgündig bis ins unendliche sein, dann müssen wir auch die ganze "Spielmusik" von Frescobaldi, Kerll & Co. entsorgen!

Geschmack

Antilope, Freitag, 28. Oktober 2011, 08:19 (vor 5429 Tagen) @ schnitgers.anderer.erbe

Muss ich eins von den beiden Stücken (Stamm/"Gegengift") mögen? Oder darf ich auch beides nicht schön finden?

Geschmack

Martin78 @, Freitag, 28. Oktober 2011, 08:29 (vor 5429 Tagen) @ Antilope

Muss ich eins von den beiden Stücken (Stamm/"Gegengift") mögen? Oder darf ich auch beides nicht schön finden?

Natürlich darfst du diese Musik verabscheuen *lach*!

Geschmack

schnitgers.anderer.erbe, Freitag, 28. Oktober 2011, 08:41 (vor 5429 Tagen) @ Antilope

Sterben musst du! Das ist das einzige was du im Leben wirklich musst. ;)

Geschmack

forenadmin @, Freitag, 28. Oktober 2011, 12:09 (vor 5429 Tagen) @ schnitgers.anderer.erbe

Im Rahmen von Geschmack hätte ich gerne mal eure Meinung zu

Toccata in e-moll von J.P. Verpeaux

gehört.

J.P.Verpeaux kann selber nicht mehr richtig spielen, da er an Parkinson erkrankt ist, aber er komponiert fleißig und behilft sich (bitte mich nicht anspringen!) der Software Hauptwerk, um seine Kompositionen zu Gehör zu bringen.

Geschmack

Reinhard Kluth ⌂ @, Tübingen, Freitag, 28. Oktober 2011, 13:02 (vor 5429 Tagen) @ forenadmin

Wo gibt es dazu, bitteschön, die Noten? Hätte ich gerne mal
HG.Reinhard Kluth

Geschmack

3rd_astronaut, Freitag, 28. Oktober 2011, 16:39 (vor 5429 Tagen) @ Reinhard Kluth

Ich erinnere mich aus der orgelforum.de-losen Zeit daran, dass J-P. Verpeaux in irgend einem anderen Forum aktiv war/ist...
Seine Homepage ist http://organ.monespace.net/pages/63.php . Wenn ich das richtig sehe, sind die Noten zu der Toccata e (noch) nicht öffentlich verfügbar (#201 in der Liste glaube ich).

Die Toccata Negra ist wohl sein erfolgreichstes Stück.

Geschmack

Orlos, Freitag, 28. Oktober 2011, 13:44 (vor 5429 Tagen) @ forenadmin

Jetzt habe ich mir ein paar der eingestellten Musikstücke angehört und habe große Schwierigkeiten, mir vorzustellen, wie das denn klänge, wenn es von einem "echten" Menschen gespielt würde. Denn hier fehlt natürlich jegliche Agogik. In diesem immer gleichen Tempo gespielt, wirken die Stücke furchtbar langweilig. Dazu kommt noch dieser seelenlose Klang, ich bin fast aggressiv geworden. Vielleicht sollte wirklich Herr Kluth sich die Noten besorgen und uns das 'mal live vorspielen.

"Volles Rohr" in St. Gertrud, D-Eller

Friedrich @, Freitag, 28. Oktober 2011, 09:10 (vor 5429 Tagen) @ jrbecker
bearbeitet von Friedrich, Freitag, 28. Oktober 2011, 09:51

Von da aus ist es - meiner nicht wirklich wichtigen Meinung nach - nicht mehr weit bis dahin.

Da muss ich ganz humorfrei sagen: Bitte nicht immer auf die »Jünglinge«, wenn man sie noch nie so erlebt hat, wie sie gedacht sind – also in einem Saal, in dem der Schall aus vier Ecken und von hinten kommt. Da gibt es viele Überraschungen, und es ergibt sich von ganz allein ein Sinn, den eine Stereo-YouTube-Aufnahme einfach nicht transportieren kann. Die »Jünglinge« sind ein Superstück elektronische Musik, auch wenn Stockhausen sie heute in einem Bruchteil der Zeit fertigstellen könnte, die er damals gebraucht hat. Und gut gesungen waren sie auch noch (von dem hier, als er noch ein paar Jährchen bis zur Pensionierung hatte).

Auch die Musik einer Jeanne Demessieux profitiert davon, wenn man sie live und/oder in günstigerer Akustik hört. Die Études gehören in einen Konzertsaal, und wenn sie dann einer oder eine gut spielen kann, dann gehört der Kiefer runtergeklappt.

Gruß,
Friedrich

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