Zweimal Liszt (*22.10.1811)

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Montag, 24. Oktober 2011, 09:50 (vor 5433 Tagen)
bearbeitet von Clemens Schäfer, Montag, 24. Oktober 2011, 11:04

Hallo Forum,

ein außerplanmäßiges Orgelkonzert gab es am Freitag, 21.10.2011 in der Johanneskirche (Stadtkirche). Wolfgang Abendroth begann mit schöner, nicht übertriebener Agogik die große Szene der g-moll Fantasie BWV 542 darzustellen. Die Fuge kam dann frisch und lief bestens.

Als Zwischenspiel gab es Frohbergers FbWV 201, Fantasia sopra Ut, Re, Mi, Fa, So, La. Das hatte ich aus dem Kabarett-Abend in Wersten etwas farbiger im Ohr. Dennoch: Untadelig gespielt.

Am Ende Liszt: Ad nos, ad salutarem undam. Auf dieser Orgel? Ja, es geht. Zwar handelt es sich nun wirklich nicht um ein deutsch-romantisches Instrument. Andererseits ist sie groß genug, um dem Spieler Ausweichmöglichkeiten zu bieten. Abendroth hatte langen Atem und viel Klangsinn. Das war spannend erzählt. Starker Beifall der rund 40 Hörer.

Am Samstag, 22.10.2011, spielte Jens-Peter Enk in der hiesigen Christuskirche (Schuke 1957) Liszt. Und er hatte alle drei großen Stücke im Programm. Nun ist die Schuke-Orgel kleiner als die in der Johanneskirche und mindestens ebenso orgelbewegt. Außerdem hat sie keine Setzeranlage. Und weiter hatte der Registrant dem Spieler auch noch abgesagt. Würde das gut gehen?

Die ersten Takte von B.A.C.H. ließen ein wenig erschrecken. Das klingt in Verden anders. Und hier kam eine deutliche Verstimmtheit der Orgel hinzu: Man hatte die knapp 40 Hörer nicht im Kalten sitzen lassen wollen und ordentlich eingeheizt.

Aber es ist auch immer wieder erstaunlich, wie das menschliche Ohr imstande ist, sich etwas zurecht zu hören. Nach kurzer Eingewöhnung war man im spannenden Geschehen gefangen. Und das lag einerseits an der Qualität der Musik, andererseits aber an der überzeugenden Darbietung. Enk wußte, was er da machte. Und er tat es offenbar mit Lust und Überzeugung. Anders ist nicht zu erklären, daß ich sozusagen auf der Stuhlkante gesessen habe. Vielleicht ist es ja ganz gut, wenn man solche bekannten Stücke mal auf so einem eigentlich unpassendem Instrument serviert bekommt. Die holzschnittartigere Dynamik macht einiges klarer, was sonst im wohlabgetönten Klang eingebnet ist. Jedenfalls war anfängliche Skepsis großer Begeisterung gewichen. Es war richtig gewesen, auf Jens-Peter Enk zu setzen und die Struktur der Orgel inkauf zu nehmen. Ein überaus lohnendes Konzert! Dankbarer, lang anhaltender Beifall.

Gruß Clemens Schäfer

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

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