Orgelkonzerte/Gottesdienste
willscher, Freitag, 21. Oktober 2011, 08:43 (vor 5435 Tagen)
In etlichen Beiträgen ging/geht es um Orgelkonzerte, um das gewinnen neuen Publikums.
Dabei kann man doch neues Publikum auch und gerade durch gute Gottesdienstgestaltung "rekrutieren". Das fängt an mit Orgelspiel rund um den Gottesdienst. Reinhard Kluth spielt immer (hat er jedenfalls mal gepostet) ein größeres Orgelwerk vor dem GD. Der Gottesdienst ist doch das zentrale Anliegen des Organisten (es sei denn, er hat sich bewußt für eine Tätigkeit als reiner Konzertorganist entschieden). Natürlich sprengt eine ganze Symphonie den gottesdienstlichen Rahmen. Aber man kann das doch kombinieren. Dankbare Veranstaltungen sind Orgelmatineen (oder Soireen) im Anschluß an den Gottesdienst. Da bleiben erfahrungsgemäß immer Leute. Man sollte das auf vielleicht 30 Minuten beschränken. Im Anschluß an eine solche Matinee ab und an mal eine Orgelführung anzubieten - das wird meist recht dankbar angenommen, denn noch immer ist die Orgelempore für viele ein "unbekanntes Wesen". Und natürlich sind Veranstaltungen für Kinder wichtig. Da reicht es doch manchmal, ein kleines Stück zur Einstimmung zu spielen und dann das Feld den Kindern zu überlassen, die einen Löcher in den Bauch fragen dürfen. Wenn die dann am Instrument sitzen und ihren Flohwalzer probieren können, sind die glücklich. Und wollen gar nicht mehr weg. Violinen, Saxophone und Trommeln kann man problemlos leihen, bei der Pfeifenorgel geht das ja eher schlecht. Richtig gut wäre natürlich eine Programmgestaltung, die sich an die entsprechenden Texte des Gottesdienstes anlehnt. Macht natürlich Arbeit............
In St. Joseph gibt es einmal im Quartal ein Orgelkonzert für Kinder, in der Regel an einem Montag nachmittag. Motto sind immer spezielle Themen wie Improvisationen über Werbespots und Handy-Klingeltöne oder "Mozart für Kinder" oder "Rund um Hamburg" (wo dann neben der Hamburg-Hymne auch Lotto King Karls "Hamburg meine Perle" herhalten mußte), neulich hatten wir das Thema "Donner, Blitz, Gewitter".
Mich würden mal Eure Erfahrungen (sei es als Hörer oder als Gestalter) interessieren.
Gruß
Andreas
Orgelkonzerte/Gottesdienste
Karsten, Freitag, 21. Oktober 2011, 09:51 (vor 5435 Tagen) @ willscher
bearbeitet von Karsten, Freitag, 21. Oktober 2011, 10:02
Hallo!
Da hat Andreas einen ganz wichtigen Punkt angesprochen.
Einfasch durch die Auswahl guter Musik, und wenn es nur "gute" Gebrauchsmusik ist, kann man die Gottesdienstbesucher dafür sensibilisieren. Einerseits haben die Leute eine gewisses Gefühl dafür, wann etwas "tolles" kommt. Leider ist es aber so, dass die Begeisterung für etwas "tolles" oft nur mit dem db-Wert bzw. gezogene Registerzahl steigt.
Aber auch das kann man ja nutzen ^^
Ein guten Ansatz hatte da mein erster Orgellehrer. Ein hauptamtlicher Organist, heute vergleichbar mit B-Kirchenmusiker. Er spielt vorwiegend Literatur und einer seiner "Grundsätze" war, zumindest zu versuchen, alle zwei Wochen ein Stück von Bach im Gottesdienst zu spielen, auch wenn es "nur" ein kleines Choralvorspiel war. Zweimal im Jahr, Dreikönig und zum Tag des ewigen Gebetes, etablierte er eine Orgelsoiree, meist ein gemischtes Programm mit Orgelsolostücken und Gesang. Dabei erklangen auch "Kleinmeister". Die Programme waren jedenfalls sehr durchdacht, teilweise durch gesprochen Meditationstexte ergänzt. Sein Nachfolger hat das ausgebaut zu monatlichen Matineen, die weiterhin recht gut besucht zu sind.
Leider kenne ich auch ein anderes Beispiel: Ebenfalls ein hauptamtlicher Kirchenmusiker, sogar mit Konzertexamen. Leider macht er um gute liturgische Gebrauchsmusiken, die die Leute direkt ansprechen, einen großen Bogen. U.a. aus künstlerischen Gründen. Da spielt er lieber einmal im Monat einen "großen Bach" zum Auszug - und wundert sich, wie die Leute bei so genialer Musik nach Hause gehen können...
Gruß
Karsten
Orgelkonzerte/Gottesdienste
FranzS.
, Freitag, 21. Oktober 2011, 11:32 (vor 5435 Tagen) @ Karsten
Hallo!
....Leider ist es aber so, dass die Begeisterung für etwas "tolles" oft nur mit dem db-Wert bzw. gezogene Registerzahl steigt.
Hallo,
ich habe eher das Gegenteil erlebt. Ich spiele zur Gabenbereitung fast immer Literatur und gerade die Trios von Krebs, die Sonaten von Schnitzer, die Orgelstücke von Grünberger, kurz: locker flockige und fruchtig frische Klassik kommt immer sehr gut an, mehr als ein massives Sortie. Auch mit der Kombination Trompete und Orgel habe ich gute Erfahrungen gemacht, während romantische (Gebrauchs)musik die Leute weniger anzusprechen scheint.
Grüße Franz
Bach in jedem Gottesdienst!
Dulzian
, Freitag, 21. Oktober 2011, 11:41 (vor 5435 Tagen) @ Karsten
bearbeitet von Dulzian, Freitag, 21. Oktober 2011, 12:21
Ein guten Ansatz hatte da mein erster Orgellehrer. Ein hauptamtlicher Organist, heute vergleichbar mit B-Kirchenmusiker. Er spielt vorwiegend Literatur und einer seiner "Grundsätze" war, zumindest zu versuchen, alle zwei Wochen ein Stück von Bach im Gottesdienst zu spielen, auch wenn es "nur" ein kleines Choralvorspiel war.
Ich bin nur ein C-Schein-Besitzer und mache alle 2-3 Wochen Orgelvertretung, seit einigen Jahren.
Bisher habe ich in jedem Gottesdienst sowohl zu Beginn als auch am Ende ein Stück von Bach gespielt, und bei Abendmahlgottesdiensten auch zum Abendmahl. Da es sich um ev. Gottesdienste handelt, wird dabei weder ein- noch ausgezogen, sondern die Leute bleiben sitzen, bis das Stück zu Ende ist.
Das Problem für mich ist nur, dass die Stücklänge einen gewissen Zeitrahmen nicht überschreiten sollte. Als Maximum für einen normalen Gottesdienst nehme ich für meine Stückauswahl ca. 5 min für ein Stück an. Damit sind viele Präludien und Fugen von Bach, auch viele der größeren Choralbearbeitungen, z.B. von der 18 Leipzigern, vom Zeitrahmen her verwendbar. Meist spiele ich dann das Präludium am Anfang und die zugehörige Fuge am Ende. Mein Pfarrer ist sehr zugänglich, im Ausnahmefall geht es auch länger. Z.B. habe ich die Passacaglia (ca. 7min) mal am Anfang gespielt, und die zughörige Fuge (ca.5min) am Ende.
Z.B. für den kommenden Ewigkeitssonntag habe ich die Fantasie und Fuge c-moll BWV537 eingeplant - für mich passt die Fantasie mit ihren Seufzermotiven und die Fuge mit den aufsteigenden halben Noten in Halbtonschritten im Mittelteil wie kein anderes für diesen Sonntag. Da bei diesem Stück die Fantasie auf der Dominante endet, füge ich die Tonika noch dran, weil die Fuge nicht unmittelbar folgt, sondern der Gottesdienst durch Fantasie und Fuge eingerahmt wird.
Bach in jedem Gottesdienst!
Friedrich
, Freitag, 21. Oktober 2011, 11:55 (vor 5435 Tagen) @ Dulzian
Z.B. für den kommenden Ewigkeitssonntag habe ich die Fantasie und Fuge c-moll BWV537 eingeplant - für mich passt die Fantasie mit ihren Seufzermotiven und die Fuge mit den aufsteigenden halben Noten in Halbtonschritten im Mittelteil wie kein anderes für diesen Sonntag. Da bei diesem Stück die Fantasie auf der Dominante endet, füge ich die Tonika noch dran, weil die Fuge nicht unmittelbar folgt, sondern der Gottesdienst durch Fantasie und Fuge eingerahmt wird.
Toll, dass Du solche Sachen regelmäßig im Gottesdienst spielst!
In diesem Fall käme ich – wenn ich's denn spielen könnte – allerdings zu einem anderen Schluss. Ich würde das Stück so lassen wie es ist und das offene Ende mit dem Pfarrer abstimmen. Schlussbildungen sind bei jedem Komponisten etwas sehr Charakteristisches – bei Bach allemal. Der würde wohl kaum einfach eine c-Moll-Tonika dranhängen. Am Ende stünden Stück und Spieler möglicherweise nicht so gut da, wie es die fantastische Komposition verspricht. Hast Du schon ausprobiert, wie es klingt? Ich stelle es mir ziemlich ernüchternd vor.
Mein Rat: Trau Dich – es ist ein besonderer Sonntag, und so eine Einleitung eröffnet den Gottesdienst auf besondere Weise.
Gruß,
Friedrich
Bach in jedem Gottesdienst!
Dulzian
, Freitag, 21. Oktober 2011, 12:17 (vor 5435 Tagen) @ Friedrich
bearbeitet von Dulzian, Freitag, 21. Oktober 2011, 12:22
In diesem Fall käme ich – wenn ich's denn spielen könnte – allerdings zu einem anderen Schluss. Ich würde das Stück so lassen wie es ist und das offene Ende mit dem Pfarrer abstimmen. Schlussbildungen sind bei jedem Komponisten etwas sehr Charakteristisches – bei Bach allemal. Der würde wohl kaum einfach eine c-Moll-Tonika dranhängen. Am Ende stünden Stück und Spieler möglicherweise nicht so gut da, wie es die fantastische Komposition verspricht. Hast Du schon ausprobiert, wie es klingt? Ich stelle es mir ziemlich ernüchternd vor.
Naja, für mich steht gerade diese Fantasie und Fuge als Beispiel da, dass Bach offenbar lückenlos sofort die Fuge anschließen lassen wollte, geradezu als Beweis für diese Handhabung, wie sie sich ja auch heute etabliert hat.
Wenn also die Fuge direkt folgt, ist das Ende der Fantasie auch schlüssig so.
Nur, in meinem Fall muß die Fantasie alleine stehen. Für mich wirkt das Ende dann zu offen.
Ein extremeres Beispiel ist der Mittelteil vom Piece d'Orgue: ich nehme es gerne bei Hochzeiten als Stück zum Auszug, im vollen Plenum unter Glockengeläut. Der Mittelteil endet sogar auf einem Dominantseptakkord. Auch hier hänge ich die Tonika dran.
Ich hoffe, der alte Bach wird es verzeihen, aber wenn es die Gegebenheiten erfordern, nicht das Stück komplett zu spielen, erlaube ich mir die Freiheit, den Grundakkord dranzuhängen.
Mich würde allerdings wirklich interessieren, ob speziell bei dieser Fantasie aus BWV537 es auch andere Leute hier so sehen, dass man sich trauen sollte, es auf der Dominantenendung zu belassen, selbst wenn die Fuge nicht direkt folgt?
Jedenfalls vielen Dank für diesen Hinweis, Friedrich - vielleicht sehe ich es da ja wirklich zu eng mit dem Zwang, auf der Tonika enden zu wollen?
Bach in jedem Gottesdienst!
Reinhard Kluth
, Tübingen, Freitag, 21. Oktober 2011, 12:21 (vor 5435 Tagen) @ Friedrich
Es ist bei mir in der Tat so, wie Andreas es schon zu Anfang sagte: ich beginne sonntags immer ca. 10 bis 8 Minuten vor dem Gottesdienst mit einem Literaturstück, ebenso gibt es eins zur Kommunion und zum Auszug. Häufig spiele ich auch zur Gabenbeeitung oder auch - in Absprache mit dem Pfarrer - nach der Predigt eine eher meditative Musik. Aber immer gibt es Literatur. Dies habe ich von meinem ehemaligen Lehrmeister Viktor Scholz so übernommen und es führt dazu, daß der Gottesdienstbesucher eine Unmenge an Literatur kennenlernt. Die auszuwählende Literatur richtet sich bei mir immer nach der Liturgie des jeweiligen Sonntags und wird vorher "an der Emporentüre angeschlagen" so daß sich jeder informieren kann. Für die Improvisation ist dann immer noch Zeit genug für Choralvorspiele oder Zwischenspiele zwischen den einzelnen Strophen oder Hallelujaruf etc. (Letzten Sonntag gab es zum Auszug die Toccatina in Seven von Andreas; da blieben ziemlich viele sitzen).
Herzl.Grüße Reinhard Kluth
Ansage, welches Literaturstück gespielt wird
Dulzian
, Freitag, 21. Oktober 2011, 12:29 (vor 5435 Tagen) @ Reinhard Kluth
bearbeitet von Dulzian, Freitag, 21. Oktober 2011, 12:38
Die auszuwählende Literatur richtet sich bei mir immer nach der Liturgie des jeweiligen Sonntags und wird vorher "an der Emporentüre angeschlagen" so daß sich jeder informieren kann.
Eine andere Möglichkeit ist noch, dass man dem Pfarrer einen Zettel in die Hand gibt, worauf steht, welche Literaturstücke am Beginn und Ende des Gottesdienstes gespielt werden.
Es steht dann dem Pfarrer frei, was er damit macht - z.B. nach dem Eingangsstück mitzuteilen, was gerade gespielt wurde. Am Ende nach dem Segen kommt bei uns noch die Ansage, dass die Leute sitzen bleiben mögen für das Schlußstück, eine gute Gelegenheit, mitzuteilen, was denn gespielt wird.
Ich bin der Meinung, dass es die Leute ruhig erfahren sollten und auch eine gewisse Wertschätzung darstellt, wenn bei größeren Literaturstücken angesagt wird, was gespielt wird.
Bin allerdings mit dem Usus bei den Katholens nicht vertraut, aber bei ev. Gottesdiensten sollte so eine Ansage schon möglich sein...
Ansage, welches Literaturstück gespielt wird
perotin
, Rhein-Neckar-Raum, Sonntag, 23. Oktober 2011, 16:25 (vor 5433 Tagen) @ Dulzian
bearbeitet von perotin, Sonntag, 23. Oktober 2011, 16:28
Eine andere Möglichkeit ist noch, dass man dem Pfarrer einen Zettel in die Hand gibt, worauf steht, welche Literaturstücke am Beginn und Ende des Gottesdienstes gespielt werden.
Es steht dann dem Pfarrer frei, was er damit macht - z.B. nach dem Eingangsstück mitzuteilen, was gerade gespielt wurde. Am Ende nach dem Segen kommt bei uns noch die Ansage, dass die Leute sitzen bleiben mögen für das Schlußstück, eine gute Gelegenheit, mitzuteilen, was denn gespielt wird.
Ich bin der Meinung, dass es die Leute ruhig erfahren sollten und auch eine gewisse Wertschätzung darstellt, wenn bei größeren Literaturstücken angesagt wird, was gespielt wird.
Bin allerdings mit dem Usus bei den Katholens nicht vertraut, aber bei ev. Gottesdiensten sollte so eine Ansage schon möglich sein...
Ja, sollte! Aber die Wege des Herrn - und auch die des Herrn Pfarrers - sind bekanntlich unerforschlich...
Seit einem Jahr spiele ich öfters in einer hiesigen Ev. Kirche, da der dortige Hauptorganist nicht alles machen kann. Es ist üblich, daß die Gemeinde beim Orgelnachspiel Platz behält, und die recht stattliche Orgel (gut 40 Register) ermöglicht schon so einiges. Der Pfarrer ist an sich ein recht netter und umgänglicher Mensch; doch auf meine Bitte, kurz anzusagen, welches Stück am Schluß erklingt, kam nur "Das mache ich nicht".
Als "Neuling" wollte ich nicht gleich eine Diskussion anfangen, gewundert hat's mich aber schon.
Der Gottesdienstbesuch ist in besagter Kirche allerdings mitunter derart schlecht, daß (außer bei besonderen Gottesdiensten) meine Motivation, größere Literaturstücke vorzubereiten, mittlerweile eher gering ist. Man kann dort im Grunde schon froh sein, wenn mehr als ca. 10 Besucher dem Sonntagsgottesdienst beiwohnen. Es mag mit dem Stadtviertel zusammenhängen, in dem die (eigentlich recht schöne) Kirche liegt, auch wenn das sicher nicht der einzige Grund ist. - Ich will keineswegs voreilige Konfessionsvergleiche anstellen, muß aber doch sagen, daß in den katholischen Kirchen, die ich hier kenne, eine so "leere" Sonntags- oder Vorabendmesse nach wie vor fast undenkbar ist...
Grüße,
perotin
Ansage, welches Literaturstück gespielt wird
elsenp, Sonntag, 23. Oktober 2011, 17:58 (vor 5433 Tagen) @ perotin
Ich sehe das Ansagen eines Orgelstücks zum Auszug im Rahmen eines Gottesdienst auch eher kritisch. Für mich gehört das liturgische Orgelspiel (dazu gehören auch das Vor- und Nachspiel) zum "Gottesdienst" und nicht zu einer künstlerischen Veranstaltungen. Da finde ich den Zettel am Kircheneingang oder an der Emporentür mit Angabe der Orgelwerke und der vom Chor oder Instrumentalisten vorgetragenen Werke besser. Derjenige, den die Musik interessiert, kann sich dort informieren. Genauso ist es mit für spezielle Gottesdienste gedruckten Lied- und Textblättern: Dort darf auch gerne stehen, dass der Organist Herr X. am Ende noch das Stück Y vom Komponisten Z spielt.
Aber das amtlichen "Vermelden" am Ende des Gottesdienstes (so ist dies jedenfalls in der kath. Kirche meist geregelt) passt nicht zu dem dienenden Amt des Kirchenmusikers. Ich kenne einen Kollegen (Berufsmusiker), der (nebenamtlich) regelmäßig den Sonntagsgottesdienst spielt. Er legt dem Pfarrer jedes Mal einen ausführlichen "Hinweiszettel" vor, der neben den reinen Angaben zum Stück und Komponisten noch viel mehr "Infos" enthält wie z.B.
"Heute spielt unser beliebter, langjähriger Organist X. die Toccata d-moll opus 59 von Max Reger. Es handelt sich um ein äußerst schwieriges Stück, das höchste Anforderungen an den Organisten stellt. Atemberaubende Manualpassagen wechseln sich mit schwierigsten Pedaleinsätzen ab. Es wäre schade, wenn sie so eine Meisterleistung verpassen würden und bleiben daher nach dem Schlußsegen sicher gerne noch 5 Minuten in den Bänken!"
Darauf möchte ich liebend gerne verzichten.
Herzliche Grüße
Peter
Ansage, welches Literaturstück gespielt wird
Friedrich
, Sonntag, 23. Oktober 2011, 19:45 (vor 5433 Tagen) @ elsenp
Ich sehe das Ansagen eines Orgelstücks zum Auszug im Rahmen eines Gottesdienst auch eher kritisch. Für mich gehört das liturgische Orgelspiel (dazu gehören auch das Vor- und Nachspiel) zum "Gottesdienst" und nicht zu einer künstlerischen Veranstaltungen. […]
Wenn ich Ihre Einwände richtig verstehe, geht es Ihnen um irgendwie unangemessene Selbstdarstellung des Musikers. Die kann ich aber beim besten Willen nicht darin erkennen, dass eine Komposition benannt wird. Es gibt historische Kirchen, die voll sind von selbstbewussten Zeugnissen der Künstler, die zu Bau und Ausstattung beigetragen haben, von Initialen über Wappen und volle Namensnennung bis hin zu Selbstporträts in 3D. Schmälert das in irgendeiner Weise die Würde des Ortes?
Wenn nun Vor- und Nachspiel bemerkenswerte Kompositionen sind, deren Kunsthöhe einfach die Frage aufkommen lässt, wer sie denn geschrieben hat? Sicher kann da jeder privat zum Tastenmeister gehen und fragen – aber warum dann keine Ansage? Sie braucht ja nicht so auszusehen wie am Schluss Ihres Beitrags zitiert. Ein Titel, ein Name schaffen Erwartung und helfen, das Kunstwerk einzuschätzen. Warum sollen menschliche Leistungen in der Kirche kleingemacht oder verschwiegen werden?
Gruß,
Friedrich
P. S.
Eher sehe ich ein Problem darin, dass die abkündigenden Pfarrer oder Kirchenvorstandsmitglieder nicht immer firm in musikalischer Terminologie und nichtdeutscher Aussprache sind. Wenn man da ein Zettelchen zum Abkündigen fertigmacht, sollte man damit rechnen, dass nicht jeder weiß, wer "L. Vierne" ("El Wierne") ist oder dass "Toccata" (himmelnochmal!) ein langes A in der Mitten hat (man zwinge Google ruhig mal, nach "Tocatta" zu suchen).
Ansage, welches Literaturstück gespielt wird
doppelfloete_h
, Hannover, Mittwoch, 26. Oktober 2011, 12:19 (vor 5430 Tagen) @ Friedrich
...wie schön! letzten sonntag vor dem abendgottesdienst mit der pastorin in der sakristei - sie konnte den spanischen titel (tiento de 1er tono de mano derecha) sogar noch unfallfreier über die lippen bekommen als ich ;)
an der hauptamtlichen stelle, wo ich diverse assistenz- und vertretungsdienste übernehmen darf, ist zum 10-uhr-gottesdienst am sonntag ein gedruckter gottesdienstablauf usus. da muss man sich dann auch immer bis spätestens freitag mittag überlegt haben, was also vor- bzw. nachspiel erklingen soll. den gedruckten gottesdienstablauf kenne ich so auch noch aus anderen gemeinden der stadt, vielfach stehen die titel der musikalischen beiträge mehr oder weniger detailliert aufgeführt mit drauf. ich finde das keine grundvoraussetzung - aber doch eine "angenehme sitte". im abendgottesdienst sonntags 18 uhr sagt dann der betreffende prediger/die predigerin in der begrüßung "nachträglich" das gehörte orgelvorspiel an + was es als nachspiel zu hören gibt.
ich finde, aus dem gottesdienst wird dann noch lange kein konzert. und ich empfinde es als herausforderung, für jeden gottesdienst den "richtigen" musikalischen rahmen zu finden. der gottesdienst ist mir als musiker etwas wert - und genauso erwarte ich eigentlich auch, dass pastoren und gemeinde die musik als teil des ganzen begreifen (wollen). an meiner nebenamtlichen stelle, wo ich seit 10 jahren tätig bin, hat einer der pastoren von sich aus das "sitzenbleiben" eingeführt. und ich freue mich dort genauso über jeden netten kommentar oder interessiertes nachfragen: "das war ja interessant, was war das für ein stück?" aus der gemeinde hörte man gelegentlich sogar die anregung, doch zumindest das nachspiel bei den abkündigungen mit anzusagen. - allerdings scheinen das letztlich leider einzelfälle zu sein, oder die sitten reißen ein: jedenfalls schlug mir in einigen der letzten gottesdienste wieder ein ungewohnt starker gesprächspegel während des und nach dem (!) glockenläuten zu beginn entgegen. SO vergeht einem dann doch eher die lust...
Ansage, welches Literaturstück gespielt wird
jrbecker
, Sonntag, 23. Oktober 2011, 20:47 (vor 5433 Tagen) @ elsenp
Ich sehe das Ansagen eines Orgelstücks zum Auszug im Rahmen eines Gottesdienst auch eher kritisch. Für mich gehört das liturgische Orgelspiel (dazu gehören auch das Vor- und Nachspiel) zum "Gottesdienst" und nicht zu einer künstlerischen Veranstaltungen. Da finde ich den Zettel am Kircheneingang oder an der Emporentür mit Angabe der Orgelwerke und der vom Chor oder Instrumentalisten vorgetragenen Werke besser. Derjenige, den die Musik interessiert, kann sich dort informieren. Genauso ist es mit für spezielle Gottesdienste gedruckten Lied- und Textblättern: Dort darf auch gerne stehen, dass der Organist Herr X. am Ende noch das Stück Y vom Komponisten Z spielt.
Auch ich kann diesen Einwand nicht nachvollziehen. Ich mache es bereits seit 25 Jahren so, wie von Dulzian beschrieben. Ich habe das - auf Anregung eines Organisten, der das so schon viel länger praktiziert - in mittlerweile drei Gemeinden eingeführt und es hat in allen Gemeinden positiven Anklang gefunden. Mir ging es dabei in erster Linie darum, das Nachspiel zum ev. Gottesdienst eben zu einem Bestandteil des Gottesdienstes und damit der Verkündigung zu machen. Das ist es für mich nicht, wenn ich auf der Orgel etwas runternudle und unten die Leute sich noch lauter unterhalten und hinausstürmen. Dann kann ich das Spielen auch sein lassen, wie ein solcher Rauswerfer als Bestandteil des Gottesdienstes aufgefasst werden kann, leuchtet mir nicht ein. Aber das mag einer der Unterschiede zwischen der ev. und der kath. Auslegung des Liturgiebegriffs zu sein, was wir hier auch nicht weiter erörtern müssen.
Dass das Nachspiel zum Bestandteil des Gottesdienstes wird, funktioniert natürlich nur dann, wenn ich vorher auch weiß, welche Lieder und Texte dem Gottesdienst zugrunde liegen und in welche "emotionale Richtung" die Predigt gehen wird. Hierfür ist Kommuniktion erforderlich, aber da haben wir ja auch schon gelesen, dass das verschiedenerorts nicht gegeben ist. Ich habe da vor allem bei meiner derzeitigen Stelle geradezu ideale Bedingungen...
LG
Jörg
Ansage, welches Literaturstück gespielt wird
Dulzian
, Montag, 24. Oktober 2011, 06:38 (vor 5432 Tagen) @ jrbecker
bearbeitet von Dulzian, Montag, 24. Oktober 2011, 06:51
Dass das Nachspiel zum Bestandteil des Gottesdienstes wird, funktioniert natürlich nur dann, wenn ich vorher auch weiß, welche Lieder und Texte dem Gottesdienst zugrunde liegen und in welche "emotionale Richtung" die Predigt gehen wird. Hierfür ist Kommuniktion erforderlich, aber da haben wir ja auch schon gelesen, dass das verschiedenerorts nicht gegeben ist. Ich habe da vor allem bei meiner derzeitigen Stelle geradezu ideale Bedingungen...
Ja, genauso sehe ich es auch, habe die gleichen guten Bedingungen. Ich empfinde es als schön, wenn man es hinbekommt, dass z.B. das zugehörige Gemeindelied zu einem Literaturstück über diesen Choral im Gottesdienst vorkommt. Da zumindest ich ein neues Literaturstück nicht aus dem Ärmel schütteln kann, sondern optimalerweise mehrere Wochen vorher damit anfange, ist Kommunikation erforderlich. Mein Pfarrer ermutigt mich und lädt mich ein, solcherart Stücke herauszusuchen, was wir dann langfristig abstimmen. Ich finde es einfach großartig, dass es doch heute noch viele gelebte Lieder gibt von Chorälen, die mehrere 100 Jahre alt sind.
Ich finde es soooo schön, wenn man z.B. einen Bachchoral am Anfang anbringen kann, und als Eingangslied wird das entsprechende Gemeindelied gesungen!
Was das Ansagen zu Literaturstücken betrifft, würde ich auch nie auf die Idee kommen, den Pfarrer direkt dazu aufzufordern. Wenn ich größere Stücke geplant habe, bekommt er entweder einen Zettel in die Hand, wo drauf steht, welches Stück und wie lang es ist (könnte ja Einfluß auf die Zeitplanung haben), oder ich antworte auf die Gottesdienstablauf-Mail, welche ich meist einen oder zwei Tage vorher bekomme, mit einer kurzen Antwort, wo ich diese Info reinschreibe.
Damit überlasse ich es dem Pfarrer, was er damit macht. Wenn es nicht angesagt wird, finde ich es auch keinen Beinbruch - nur wenn der Pfarrer gar nicht erst die Information bekommt, kann er natürlich auch nichts ansagen!
Es geht nicht um wer oder wie, sondern was gespielt wird!
Dulzian
, Montag, 24. Oktober 2011, 06:23 (vor 5432 Tagen) @ elsenp
bearbeitet von Dulzian, Montag, 24. Oktober 2011, 06:52
Ich sehe das Ansagen eines Orgelstücks zum Auszug im Rahmen eines Gottesdienst auch eher kritisch. Für mich gehört das liturgische Orgelspiel (dazu gehören auch das Vor- und Nachspiel) zum "Gottesdienst" und nicht zu einer künstlerischen Veranstaltungen. Da finde ich den Zettel am Kircheneingang oder an der Emporentür mit Angabe der Orgelwerke und der vom Chor oder Instrumentalisten vorgetragenen Werke besser. Derjenige, den die Musik interessiert, kann sich dort informieren. Genauso ist es mit für spezielle Gottesdienste gedruckten Lied- und Textblättern: Dort darf auch gerne stehen, dass der Organist Herr X. am Ende noch das Stück Y vom Komponisten Z spielt.
Warum magst du es nur, wenn man bei "speziellen" Gottesdiensten die Information bekommt, was gespielt wird?
Warum nicht auch bei "normalen" Gottesdiensten? Was mich betrifft, wenn ich nur ein kurzes Stückchen, z.B. aus dem Orgelbüchlein spiele, gebe ich vorher auch keine Information an den Pfarrer ab. Aber bei größeren Werken, z.B. wenn die Leute am Anfang ein Präludium und am Ende die zugehörige Fuge zu hören bekommen, können sie m.E. ruhig auch bei "normalen" Gottesdiensten erfahren, was da gespielt wird.
"Heute spielt unser beliebter, langjähriger Organist X. die Toccata d-moll opus 59 von Max Reger. Es handelt sich um ein äußerst schwieriges Stück, das höchste Anforderungen an den Organisten stellt. Atemberaubende Manualpassagen wechseln sich mit schwierigsten Pedaleinsätzen ab. Es wäre schade, wenn sie so eine Meisterleistung verpassen würden und bleiben daher nach dem Schlußsegen sicher gerne noch 5 Minuten in den Bänken!"
Das ist so ziemlich das Abartigste, was ich bisher gehört habe.
Weder das der Interpret in den Vordergrund gerückt wird noch das irgendwelche Geschichten über die Bewältigung des Stückes palavert werden, ist passend.
Warum nicht so am Ende des ev. Gottesdienstes nach dem stehend gesungenen Amen:
"Nun bitte ich die Gemeinde, wieder zum Ausgangsstück Platz zu nehmen, es erklingt die Toccata d-moll von Max Reger".
Umgang mit dem Nachspiel - Konsumentenempfehlungen
BourdonCéleste, Mittwoch, 26. Oktober 2011, 11:53 (vor 5430 Tagen) @ Dulzian
"Nun bitte ich die Gemeinde, wieder zum Ausgangsstück Platz zu nehmen, es erklingt die Toccata d-moll von Max Reger".
"Namentlich der Kirchenchor möge bitte mit dem Austausch von Plätzchenrezepten und Dorfgerüchten warten, bis das Orgelnachspiel beendet ist. Bitte versuchen Sie auch nicht, dem Organisten während (!) des Nachspiels die Hand zu schütteln um ihm frohe Weihnachten zu wünschen (Während der Fahrt nicht mit dem Fahrer sprechen!). Wer unbedingt vor dem Schlussakkord die Empore verlassen möchte, soll dies leise tun, ohne Getrampel und Gelächter. Bitte beachten Sie auch, dass die Benutzung von Mobiltelefonen erst wieder gestattet ist, wenn die Königin der Instrumente ihre endgültige Parkposition erreicht hat..."
Ansage, welches Literaturstück gespielt wird
3rd_astronaut, Mittwoch, 26. Oktober 2011, 16:55 (vor 5430 Tagen) @ elsenp
Für mich gehört das liturgische Orgelspiel (dazu gehören auch das Vor- und Nachspiel) zum "Gottesdienst" und nicht zu einer künstlerischen Veranstaltungen.
Aber das amtlichen "Vermelden" am Ende des Gottesdienstes (so ist dies jedenfalls in der kath. Kirche meist geregelt) passt nicht zu dem dienenden Amt des Kirchenmusikers.
Sorry, aber das klingt für mich sehr katholisch, und das meine ich nicht positiv (ich bin Katholik). Jedes gefühlte "Sich-Wichtigmachen" einer Person ungleich dem "Herrn Pfarrer" ist anstößig. Überhaupt ist ein längeres, künstlerisches Orgelspiel ja schon grenzwertig, und dann auch noch eine "amtliche Vermeldung"... Wichtiger ist doch, dass der Organist zur Wandlung kniet. ;-)
Aber im Ernst -- ich habe ein dutzend Jahre lang in einer evangelischen Kirche gespielt, wo Vor- und Nachspiel abgekündigt wurden. Es ist manchmal hilfreich, manchmal hätte man es bleiben lassen können: Wenn ich im Jahreskreis kurze Stücke ohne besonderen liturgischen Bezug gespielt habe, mit deren Namen sich der Kirchenvorsteher herumgequält hat, hätte man es lassen können. Wenn andererseits z.B. ein Bachsches Choralvorspiel dran war, kann der Titel helfen, die Melodie zu erahnen. Dann ergab sich mMn auch ein Gewinn der Verkündigung im Gottesdienst darin. Manchmal könnte ich mir auch ein erläuterndes Sätzchen hilfreich vorstellen (natürlich nicht so wie Peters Lobhudelei-Beispiel), z.B. dass bei Dubois' "Trois Mages" die Orgel keinen Heuler hat, sondern der Weihnachtsstern auch akustisch aufgegangen ist o.ä.
Ansage, welches Literaturstück gespielt wird
elsenp, Donnerstag, 27. Oktober 2011, 07:14 (vor 5429 Tagen) @ 3rd_astronaut
Sorry, aber das klingt für mich sehr katholisch, und das meine ich nicht positiv (ich bin Katholik). Jedes gefühlte "Sich-Wichtigmachen" einer Person ungleich dem "Herrn Pfarrer" ist anstößig. Überhaupt ist ein längeres, künstlerisches Orgelspiel ja schon grenzwertig, und dann auch noch eine "amtliche Vermeldung"... Wichtiger ist doch, dass der Organist zur Wandlung kniet. ;-)
Ja, ich bin katholisch. Und ICH finde (das ist meine persönliche Meinung), dass mein Orgelspiel im Gottesdienst Teil der Liturgie ist. Wenn ich im Gottesdienst ein Orgelwerk spiele, wird dies Teil der Liturgie. Das hat nichts mit Nicht-Sich-Wichtigmachen zu tun, sondern ist eine Grundhaltung, die ich für wichtig halte. Sicherlich würde die Priester, mit denen ich zusammen arbeiten, auch am Ende des Gottesdienstes verlesen, welches Orgelstück zu hören sein wird. Aber zum einen möchte ich dies nicht (s.o.) und zum anderen fände ich es unpassend, im Rahmen der Verkündigungen ("Am Dienstag wird Frau Walter aus der Kirchgasse, die im Alter von 92 Jahren verstorben ist, um 9:30 Uhr zu Grabe getragen. Zum Auszug hören wir dann die Toccata in seven von John Rutter." o.ä.).
Ich fände es auch seltsam, wenn z.B. der Lektor oder die Lektorin vor der Lesung den Einleitungstext verliest mit den Worten "Wir hören jetzt eine Einleitung zur Lesung der von Pater Max Müller verfasst wurde" oder zu den Fürbitten "Die Fürbitten stammen aus dem Fürbittbuch Nr. 7 von Otmar Faulstich.". Wäre doch auch unpassend?
Gruß
Peter
Ansage, welches Literaturstück gespielt wird
Reinhard Kluth
, Tübingen, Donnerstag, 27. Oktober 2011, 08:36 (vor 5429 Tagen) @ elsenp
Bravo, ganau so ist es und dem pflichte ich nur bei. Orgelspielen ist eine in die Liturgie eingebundene dienende Kunst, in der nicht das besondere Können hervorgehoben werden muß.
Viele Grüße von Reinhard Kluth
Ansage, welches Literaturstück gespielt wird
doppelfloete_h
, Hannover, Donnerstag, 27. Oktober 2011, 10:30 (vor 5429 Tagen) @ Reinhard Kluth
...richtig. aber widerspricht das eine dem andern?
wenn es allerdings derart ungeschickt verpackt wird wie im fiktiven beispiel nach den sterbefällen, sollte man natürlich tunlichst drauf verzichten. das dürfte ja wohl JEDER so sehen :)
- also ist ein "unauffälliger aushang" wohl doch das richtige...
Ansage, welches Literaturstück gespielt wird
Reinhard Kluth
, Tübingen, Donnerstag, 27. Oktober 2011, 12:57 (vor 5429 Tagen) @ doppelfloete_h
...ja genau, hab ich ja schon vermerkt. Bei mir hängt immer der kirchenmusikalische Zettel an der Emporentür und jeder kan sich genug informieren.
LG. Reinhard Kluth
3 Anmerkungen dazu
Dulzian
, Dienstag, 01. November 2011, 09:31 (vor 5424 Tagen) @ Reinhard Kluth
bearbeitet von Dulzian, Dienstag, 01. November 2011, 11:54
Bravo, ganau so ist es und dem pflichte ich nur bei. Orgelspielen ist eine in die Liturgie eingebundene dienende Kunst, in der nicht das besondere Können hervorgehoben werden muß.
Das sehe ich genauso. Und ich fände es auch abartig, das besondere Können hervorzuheben. Hat natürlich gar nix damit zu tun, ob man ggfs. kundtut, was gespielt wird (also im Gegensatz dazu, wie gespielt wird...).
Aber ein paar Dinge fallen mir noch dazu ein:
1) Wann fängt denn die Liturgie oder der gesamte Gottesdienst an, wann hört er auf (im Zusammenhang mit dem Orgelspiel als eine in die Liturgie eingebundene Kunst)?
Nach meinem Verständnis startet der Gottesdienst durch das Glockengeläut zu Beginn, und endet durch das Glockengeläut am Ende. Folglich sehe ich all das, was vor dem Glockengeläut vor Beginn stattfindet, als nicht zur Liturgie zugehörig. Etwa auch, wenn man, wie Herr Kluth, vor diesem Glockengeläut Orgel spielt.
2) Vor dem Gottesdienst und vor dem Glockengeläut Orgel zu spielen, wie Reinhard Kluth es praktiziert, finde ich sehr schön, bezweifle aber die Machbarkeit zumindest im ev. Kirchenbereich in Ostwestfalen (auch auf Rügen, woanders kenne ich die Gebräuche nicht). Grund: Die Leute treffen sich in der Kirche, und halten erstmal ein Schwätzchen. Es ist auch ein Ort der Kommunikation der Menschen untereinander, vor und nach dem Gottesdienst - das würde ich nicht geringschätzen. Ich bezweifle, dass vollkommene Stille eintreten würde, wenn man hier Orgel spielen würde.
3) Nichts finde ich wichtiger als die Stille, aus der heraus musiziert wird. Es ist jedesmal für mich ein besonderer Moment, wenn am Beginn des Gottesdienstes die Glocken läuten, die Leute noch munter schwatzen. Jedoch, wenn die Glocken leiser werden und schließlich ganz verstummen, wird es auch in der Kirche vollkommen still. Diese Stille, aus der heraus das Eingangsstück gespielt wird, empfinde ich als Konzertatmosphäre, sehr geeignet, um ein Literaturstück zu spielen. Ganz genau dasselbe am Ende des Gottesdienstes, wenn die Menschen Platz nehmen, um dem Ausgangsstück zu lauschen. Natürlich könnte auch nach dem Gottesdienst und Glockengeläut weiter musiziert werden. Die Stille jedoch wäre nicht mehr da, und damit auch nicht mehr der besondere Thrill, der damit verbunden ist.
Ansage, welches Literaturstück gespielt wird
3rd_astronaut, Donnerstag, 27. Oktober 2011, 10:41 (vor 5429 Tagen) @ elsenp
Sicherlich würde die Priester, mit denen ich zusammen arbeiten, auch am Ende des Gottesdienstes verlesen, welches Orgelstück zu hören sein wird. Aber zum einen möchte ich dies nicht (s.o.) und zum anderen fände ich es unpassend, im Rahmen der Verkündigungen ("Am Dienstag wird Frau Walter aus der Kirchgasse, die im Alter von 92 Jahren verstorben ist, um 9:30 Uhr zu Grabe getragen. Zum Auszug hören wir dann die Toccata in seven von John Rutter." o.ä.).
Ich sehe das Problem nicht. Etwas Fingerspitzengefühl bei den Vermeldungen ist doch immer nötig. Es könnte ja theoretisch auch passieren:
"Am Dienstag wird Herr Walter aus der Kirchgasse, der im Alter von 64 Jahren verstorben ist, um 9:30 Uhr zu Grabe getragen. Am Mittwochabend lädt die Kolpingfamilie ein zum Vortragsabend 'Freude und Erfüllung im Ruhestand'."
Dürfen deshalb prinzipiell keine Vortragsabende mehr vermeldet werden?
Ich fände es auch seltsam, wenn z.B. der Lektor oder die Lektorin vor der Lesung den Einleitungstext verliest mit den Worten "Wir hören jetzt eine Einleitung zur Lesung der von Pater Max Müller verfasst wurde" oder zu den Fürbitten "Die Fürbitten stammen aus dem Fürbittbuch Nr. 7 von Otmar Faulstich.". Wäre doch auch unpassend?
Das mit den Fürbitten wäre ungewöhnlich, ja. Aber wenn z.B. der Pfarrer in seiner Predigt ein Gedicht / ein projiziertes Bild einbaut oder nach der Kommunion ein besinnlicher Text verlesen wird, wird selbstverständlich der Urheber genannt. Ich sehe das Problem wiederum nicht.
5 Anmerkungen dazu
Dulzian
, Dienstag, 01. November 2011, 09:15 (vor 5424 Tagen) @ elsenp
bearbeitet von Dulzian, Dienstag, 01. November 2011, 09:35
Sicherlich würde die Priester, mit denen ich zusammen arbeiten, auch am Ende des Gottesdienstes verlesen, welches Orgelstück zu hören sein wird. Aber zum einen möchte ich dies nicht (s.o.) und zum anderen fände ich es unpassend, im Rahmen der Verkündigungen ("Am Dienstag wird Frau Walter aus der Kirchgasse, die im Alter von 92 Jahren verstorben ist, um 9:30 Uhr zu Grabe getragen. Zum Auszug hören wir dann die Toccata in seven von John Rutter." o.ä.).
Hierzu ein paar Anmerkungen:
1) Zumindest in der ev. Kirche im Ostwestfälischen Bereich wird bei Abkündigungen verlesen, wer in der vergangenen Woche kirchlich bestattet wurde. Es wird also nicht verlesen, wer danach bestattet werden wird.
2) Diese Abkündigungen sind zeitlich nicht im Zusammenhang mit dem Stück am Ende des Gottesdienstes, sondern finden vorher statt. In unserer Gemeinde ist es Tradition, dass direkt nach dieser Abkündigung auf der Orgel solo eine Choralstrophe aus "O Haupt voll Blut und Wunden" ertönt. Ich habe mir dafür aus der Matthäuspassion von Bach eine wundervolle und schlichte Harmonisierung für Orgel umgeschrieben.
3) Es kann sehr gut vorkommen, das direkt im Anschluß an diese Abkündigung eine Taufe stattfindet. Der Kontrast könnte nicht größer sein. Sterben und Geburt, Abkündigung und Taufe - all das gehört eben dazu.
4) Das Stück am Ende des Gottesdienstes ist zeitlich in einem VIEL größeren Abstand als z.B. die Taufe, die oft genug ziemlich "brutal" direkt hinter der Abkündigung stattfindet. Dort dann mitzuteilen, um welches Stück es sich handelt, tut an der Abkündigung, die weit vorher im Gottesdienstablauf stattfand, wahrlich keinen Abbruch! Diese plumpe Verfahrensweise wie im Zitat von elsenp dargestellt, kann also bei uns nicht vorkommen in der Praxis.
5) Normalerweise wird mir ca. 2 Tage vorher mitgeteilt, ob Abkündigungen wegen bis zum Sonntag stattgefundenen kirchlichen Beerdigungen vorkommen, gemeinsam mit dem Liedzettel. Als einmal gehäuft mehrere Abkündigungen dieserart vorkamen, habe ich den Pfarrer gefragt, ob ich stattdessen am Ausgang des Gottesdienstes etwas Getrageneres als das ursprünglich geplante spielen solle. Das hat er vehement abgelehnt, mit der Begründung, dass Leben und Tod zusammen einen Platz hat in der Kirche - ich solle ruhig das fröhlichere Stück spielen!
Bach in jedem Gottesdienst!
elsenp, Freitag, 21. Oktober 2011, 14:59 (vor 5435 Tagen) @ Reinhard Kluth
Die auszuwählende Literatur richtet sich bei mir immer nach der Liturgie des jeweiligen Sonntags und wird vorher "an der Emporentüre angeschlagen" so daß sich jeder informieren kann.
Hallo Reinhard,
sei froh, dass du noch die Zeit findest, etwas "anzuschlagen" und VOR dem Gottesdienst noch ein Orgelstück anzubieten.
Bei unseren Super-Hyper-GdG's und KGV's mit 5 bis 10 ehemals selbständigen Gemeinden bist du froh, wenn du überhaupt noch pünktlich von einem Gottesdienst zum nächsten kommst. Krönung war für mich immer ein Sonntagsgottesdienst um 09:00 Uhr in S., danach 10:00 Uhr in F. - Fahrtstrecke 6 km über kurvigste Nebenstraßen. Mein "Chef" hat sich bei einer solchen Fahrt in seinem Geländewagen in einer Kurve überschlagen.
Da bleibt weder Zeit für vor-gottesdienstliche Orgelmusik noch für "Anschläge" an der Emporentüre.
Herzliche Grüße
Peter
Bach in jedem Gottesdienst!
Reinhard Kluth
, Tübingen, Freitag, 21. Oktober 2011, 17:45 (vor 5435 Tagen) @ elsenp
Das tut mir wirklich leid für Dich ---- Bistum Aachen?-
LG Reinhard
Bach in jedem Gottesdienst!
elsenp, Freitag, 21. Oktober 2011, 20:41 (vor 5435 Tagen) @ Reinhard Kluth
Volltreffer!!!
Herzlichen Gruß
Peter
Bach in jedem Gottesdienst!
Dulzian
, Samstag, 22. Oktober 2011, 17:52 (vor 5434 Tagen) @ elsenp
bearbeitet von Dulzian, Samstag, 22. Oktober 2011, 17:57
sei froh, dass du noch die Zeit findest, etwas "anzuschlagen" und VOR dem Gottesdienst noch ein Orgelstück anzubieten.
Bei unseren Super-Hyper-GdG's und KGV's mit 5 bis 10 ehemals selbständigen Gemeinden bist du froh, wenn du überhaupt noch pünktlich von einem Gottesdienst zum nächsten kommst. Krönung war für mich immer ein Sonntagsgottesdienst um 09:00 Uhr in S., danach 10:00 Uhr in F. - Fahrtstrecke 6 km über kurvigste Nebenstraßen. Mein "Chef" hat sich bei einer solchen Fahrt in seinem Geländewagen in einer Kurve überschlagen.
Da bleibt weder Zeit für vor-gottesdienstliche Orgelmusik noch für "Anschläge" an der Emporentüre.
Wenn die Zeit nicht da ist, etwas an die Emporentür "anzuschlagen", was sowieso nur wenige Leute lesen würden (nur eine Vermutung, Entschuldigung!), bliebe ja meine vorgeschlagene Variante, dem Pfarrer einen Zettel in die Hand zu drücken, wo drauf steht, was man und wo man beabsichtigt, Literaturstücke im GD anzubringen (mit der Hoffnung/Erwartung, dass das eben auch angesagt wird), kostet praktisch NULL Zeit. So praktiziere ich es jedenfalls, aber kann natürlich nur vom ev. Prozedere ausgehen.
Davon abgesehen, kapiere ich nicht, warum man die GD-Zeiten nicht z.B. auf 9Uhr + 10.30Uhr verlegen kann, oder 8.00/9.30/11.00, falls es im schlimmsten Fall 3 GD sein müssen. Dann bliebe auch noch genügend Zeit, dazwischen entspannt zu plaudern, etwas zu verschnaufen und für den Pfarrer, mit den Menschen persönlich etwas zu sprechen - sowas soll ja ganz sinnvoll sein, und für die Seelsorge bestimmt wichtiger als dieses elende Gehetze.
Diese Art der Handhabung habe ich selber erfahren, auch mit den beiden Gottesdiensten an unterschiedlichen Orten (zugegebenermaßen waren sie mit vernünftigen Straßen passierbar).
Bach in jedem Gottesdienst!
Reinhard Kluth
, Tübingen, Samstag, 22. Oktober 2011, 21:17 (vor 5434 Tagen) @ Dulzian
Genauso ist es und ich kann dem nur beipflichten: Bei uns sind die Gottesdienstzeiten auch um 9.30 Uhr und 11.00 Uhr, allerdings liegen die Kirchen auch nur ca. 1 km auseinander.
Reinhard Kluth
Bach in jedem Gottesdienst!
elsenp, Sonntag, 23. Oktober 2011, 06:11 (vor 5433 Tagen) @ Dulzian
Davon abgesehen, kapiere ich nicht, warum man die GD-Zeiten nicht z.B. auf 9Uhr + 10.30Uhr verlegen kann, oder 8.00/9.30/11.00, falls es im schlimmsten Fall 3 GD sein müssen. Dann bliebe auch noch genügend Zeit, dazwischen entspannt zu plaudern, etwas zu verschnaufen und für den Pfarrer, mit den Menschen persönlich etwas zu sprechen - sowas soll ja ganz sinnvoll sein, und für die Seelsorge bestimmt wichtiger als dieses elende Gehetze.
Zunächst mal: Die Zeiten sind inzwischen entflochten, da man die Gottesdienste neu aufgeteilt und "ausgedünnt" hat. Fakt war aber vor einigen Jahren: 3 Sonntagsgottesdienste um 9:00 / 10:00 / 11:00 Uhr. Grund: 3 starke Pfarrgemeinden (-räte), von denen keiner vor 9:00 Uhr ("ist für unsere Kirchgänger zu früh") und keiner nach 11:00 Uhr ("da bekommt die Hausfrau den Sonntagsbraten nicht mehr gar") den Gottesdienst wünschte.
Inzwischen hat sich die Situation im Bistum Aachen so verschlimmert, dass eine kleine Pfarre froh sein kann, überhaupt noch einen regelmäßigen Gottesdienst angeboten zu bekommen.
Herzlicher Gruß
Peter
Bach in jedem Gottesdienst!
willscher, Freitag, 21. Oktober 2011, 14:31 (vor 5435 Tagen) @ Dulzian
Ich bin nur ein C-Schein-Besitzer und mache alle 2-3 Wochen Orgelvertretung, seit einigen Jahren.
Was heißt denn "nur"? Das ist doch eine tolle Sache. Und zumindest im Norden von D gibt es echte Probleme mit dem Nachwuchs (sowohl bei Katholens als auch in der ev. Kirche). Da ist jede gute Vertretung immer herzlich willkommen. Man darf nicht unterschätzen, wieviel Zeit manchmal für Telefonate wg. einer Vertretung draufgeht!
Z.B. für den kommenden Ewigkeitssonntag habe ich die Fantasie und Fuge c-moll BWV537 eingeplant - für mich passt die Fantasie mit ihren Seufzermotiven und die Fuge mit den aufsteigenden halben Noten in Halbtonschritten im Mittelteil wie kein anderes für diesen Sonntag. Da bei diesem Stück die Fantasie auf der Dominante endet, füge ich die Tonika noch dran, weil die Fuge nicht unmittelbar folgt, sondern der Gottesdienst durch Fantasie und Fuge eingerahmt wird.
Hätte Bach auch so gemacht. Wie oft habe ich wundervolle Orgelvorspiele in Paris gehört, die dann abrupt enden mußten, weil der Zelebrant am Altar ungeduldig wurde. Da gibt es ja so nette Summer, mit denen der Zelebrant den Organisten zur Raison rufen kann/konnte, egal, ob der Langlais, Litaize oder Messiaen hieß...........und dann wurde gnadenlos moduliert und innerhalb weniger Sekunden ein Schluß "herbeigespielt".
Gruß
Andreas
Bach in jedem Gottesdienst!
Dulzian
, Freitag, 21. Oktober 2011, 16:06 (vor 5435 Tagen) @ willscher
bearbeitet von Dulzian, Freitag, 21. Oktober 2011, 16:43
Wie oft habe ich wundervolle Orgelvorspiele in Paris gehört, die dann abrupt enden mußten, weil der Zelebrant am Altar ungeduldig wurde. Da gibt es ja so nette Summer, mit denen der Zelebrant den Organisten zur Raison rufen kann/konnte, egal, ob der Langlais, Litaize oder Messiaen hieß...........und dann wurde gnadenlos moduliert und innerhalb weniger Sekunden ein Schluß "herbeigespielt".
Das empfinde ich schon als ziemlichen Hardcore, dermaßen gnadenlos abgewürgt zu werden, statt eine Komposition, wenn nicht vollständig möglich, aber doch wenigstens in einem in sich geschlossenen Teil daraus ganzbeinig präsentieren zu können.
Ich gestehe aber, dass ich z.B. bei der wunderbaren Fuge über das Magnifikat BWV733, welche leider aber auch rel. lang ist, aus dem (über-)langen manualiter-Teil die Takte 42-97 gekürzt habe, sodass das ganze sich auf 3 Seiten und 2-3 min reduziert hat. Ich finde, Takt 98 (das ist der gloriose Pedaleinsatz) fügt sich gut an Takt 41 an.
Nun weiß ich nicht, ob ich mich schämen muß ob des Streichens von 55 Takten oder mich stattdessen daran erfreuen kann, durch diese Maßnahme ein wirklich bestens geeignetes Stück für den Gottesdienst zur Verfügung zu haben...
Bach in jedem Gottesdienst!
FranzS.
, Freitag, 21. Oktober 2011, 19:37 (vor 5435 Tagen) @ Dulzian
Das empfinde ich schon als ziemlichen Hardcore, dermaßen gnadenlos abgewürgt zu werden, statt eine Komposition, wenn nicht vollständig möglich, aber doch wenigstens in einem in sich geschlossenen Teil daraus ganzbeinig präsentieren zu können.
Tja, katholisch halt, kennt man ja.....
Ich gestehe aber, dass ich z.B. bei der wunderbaren Fuge über das Magnifikat BWV733, welche leider aber auch rel. lang ist, aus dem (über-)langen manualiter-Teil die Takte 42-97 gekürzt habe, sodass das ganze sich auf 3 Seiten und 2-3 min reduziert hat. Ich finde, Takt 98 (das ist der gloriose Pedaleinsatz) fügt sich gut an Takt 41 an.
Nun weiß ich nicht, ob ich mich schämen muß ob des Streichens von 55 Takten oder mich stattdessen daran erfreuen kann, durch diese Maßnahme ein wirklich bestens geeignetes Stück für den Gottesdienst zur Verfügung zu haben...
J. L. Krebs ist immer irgendwie zu lang ;-). Der Bach wird dir die Kürzung jedenfalls nicht übel nehmen.
Grüße
Franz
Bach in jedem Gottesdienst!
Reinhard Kluth
, Tübingen, Freitag, 21. Oktober 2011, 17:49 (vor 5435 Tagen) @ willscher
.........Organisten zur Raison rufen kann/konnte......
genau an der Stelle hätte ich dann aber ein Werk von Raison aufgelegt. Bei seinen Messen handelt es sich um herrliche Orgelmusik.
Aber mal im Ernst: meinem Pfarrer würde es nie nie nie einfallen, mein Orgelspiel zu unterbrechen oder ungeduldig zu werden. Grundsätzlich: wenn ich spiele sitzt er. Allerdings liegt das wahrscheindlich daran, weil er selbst hervorragend Orgel spielt.
LG Reinhard
Bach in jedem Gottesdienst!
Andreas Scotty Böttcher
, Dresden, Samstag, 22. Oktober 2011, 13:56 (vor 5434 Tagen) @ Reinhard Kluth
bearbeitet von Andreas Scotty Böttcher, Samstag, 22. Oktober 2011, 14:01
...meinem Pfarrer würde es nie nie nie einfallen, mein Orgelspiel zu unterbrechen oder ungeduldig zu werden.
Da würden Sebastian Knebel und ich uns auch beschweren. ;-)
Grundsätzlich: wenn ich spiele sitzt er. Allerdings liegt das wahrscheindlich daran, weil er selbst hervorragend Orgel spielt.
Mit Sicherheit!! Auch ich erlebe immer wieder einen enormen Niveau- und Qualitätsgewinn im Zusammenwirken mit Veranstaltern, Produzenten, Toningenieuren etc., wenn diese als Hobby selber ein Instrument spielen oder im Chor singen - jedenfalls in irgendeiner Form selber Musik machen.
Herzlich grüßt
Scotty.
--
"Tradition ist Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche." (Gustav Mahler)
Bach in jedem Gottesdienst!
3rd_astronaut, Freitag, 21. Oktober 2011, 15:20 (vor 5435 Tagen) @ Dulzian
Bisher habe ich in jedem Gottesdienst sowohl zu Beginn als auch am Ende ein Stück von Bach gespielt, und bei Abendmahlgottesdiensten auch zum Abendmahl. Da es sich um ev. Gottesdienste handelt, wird dabei weder ein- noch ausgezogen, sondern die Leute bleiben sitzen, bis das Stück zu Ende ist.
Warum verwendest du *ausschließlich* Werke von J. S. Bach?
Bach in jedem Gottesdienst!
Dulzian
, Freitag, 21. Oktober 2011, 15:57 (vor 5435 Tagen) @ 3rd_astronaut
bearbeitet von Dulzian, Freitag, 21. Oktober 2011, 17:14
Warum verwendest du *ausschließlich* Werke von J. S. Bach?
Weiß ich auch nicht, wahrscheinlich weil ich bisher keine schönere Orgelmusik gefunden habe... :-)
Ein bisschen wird die "Ausschließlichkeit" aufgeweicht durch ein paar Stücke von Mendelssohn und Brahms während des Abendmahls oder den Hochzeitsmarsch von Mendelssohn als mein Standardstück beim Einzug einer Trauung.
Oder es liegt an den hohen Investitionskosten der Noten, alle 11 NBA-Bände von Bärenreiter, nach und nach einzeln angeschafft, nachträglich in Leinenbindung gebracht, was sich auf immerhin ca. 700,-€ zusammengeläppert hat und sich dann ja amortisieren muß. ;-)
Die Sache bei mir ist so, dass ich den Gottesdienst als Chance und Podium nutze, mir nach und nach weitere Stücke von Bach einzuverleiben und dort dann eben auch zu präsentieren. Im übrigen sitze ich an so einem Stück wie Fantasie und Fuge BWV537 mehrere Wochen lang (an der Passacaglia waren es mehrere Monate lang) bei täglichem Üben, und dazu meist zum Schluß noch eine Unterrichtseinheit, wenn es soweit steht und um den Feinschliff geht. Schreibe ich nur, dass nicht der falsche Eindruck entsteht, ich könnte sowas aus dem Ärmel schütteln.
Wenn ich meine ziemlich lange Wunschliste bzgl. Einstudierung von Bachorgelwerken abgearbeitet habe, wozu auch ein paar unvollendete Stücke gehören, die z.B. von Stocksmeier ziemlich gut zu Ende gebracht wurden, gehe ich dann gerne an andere Komponisten ran (Mendelssohn, Schumann, Brahms, evtl. Reger), sofern meine Lebenszeit reicht. Allerdings wartet auch ein schöner Flügel in meinem Wohnzimmer darauf, mehr bedacht zu werden (dort ist es übrigens fast ausschließlich Chopin).
Bach in jedem Gottesdienst!
3rd_astronaut, Freitag, 21. Oktober 2011, 17:59 (vor 5435 Tagen) @ Dulzian
Warum verwendest du *ausschließlich* Werke von J. S. Bach?
Wenn ich meine ziemlich lange Wunschliste bzgl. Einstudierung von Bachorgelwerken abgearbeitet habe, wozu auch ein paar unvollendete Stücke gehören, die z.B. von Stocksmeier ziemlich gut zu Ende gebracht wurden, gehe ich dann gerne an andere Komponisten ran (Mendelssohn, Schumann, Brahms, evtl. Reger), sofern meine Lebenszeit reicht. Allerdings wartet auch ein schöner Flügel in meinem Wohnzimmer darauf, mehr bedacht zu werden (dort ist es übrigens fast ausschließlich Chopin).
Du könntest es ja mal rumdrehen und Chopin auf der Orgel (leider eine Investition, aber Jubeljahr, oder 4free)
und Bach auf dem Klavier (nochmal Liszt) spielen ;-)
Nein, ich hatte mich nur gewundert über die Ausschließlichkeit der Bachwerke...
Auch "Bachifizierung" der ev. Liturgie möglich
Dulzian
, Freitag, 21. Oktober 2011, 16:15 (vor 5435 Tagen) @ 3rd_astronaut
bearbeitet von Dulzian, Freitag, 21. Oktober 2011, 16:34
Mir fällt noch ein, dass ich ebenfalls dabei bin, für mich auch die ev. Liturgiestücke zu "bachifizieren":
Das Choralvorspiel "Allein Gott in der Höh", BWV715 habe ich soweit geändert (Melodienotenlängen, Tonart, Zeilenenden), dass es für die Liturgiepraxis nutzbar ist. Dieses Stück enthält unglaublich interessante Harmoniefortschreitungen.
Das "Christe du Lamm Gottes" habe ich aus der Johannespassion entnommen und entsprechend angepasst.
Aus dem Ende des langen Choralvorspiels "Gottes Sohn ist kommen" lässt sich ein schönes 5-stimmiges Amen bauen.
Bei Sterbefallabkündigungen soll bei uns auf der Orgel eine Strophe "O Haupt voll Blut und Wunden" gespielt werden. Den entsprechenden Orgelchoral, so wunderschön er ist, empfinde ich nicht als schlicht genug für diesen Anlaß, habe stattdessen aus der Matthäuspassion mir eine der verschiedenen Harmonisierungen herausgesucht.
Wer Interesse hat, kann sich per email bei mir melden, dann sende ich die PDF-Dokumente von obigen "bachifizierten" Stücken zu. Ich habe jeweils Noten auf 3 Systemen für separate Melodie, mittleres System für Alt- und Tenorstimme, und Pedal, als auch auf 2 System für Klavierbegleitung in der Winterkirche gemacht.
Im übrigen bin ich immer noch auf der Suche, aus welchen Stücken sich "Ehr sei dem Vater", das Kyrie, Sanctus und andere ev. Liturgieelemente bauen lassen - also wenn da jemand Ideen hat, nur her damit.
Auch "Bachifizierung" der ev. Liturgie möglich
Tabernakelwanze
, Niederrhein, Samstag, 22. Oktober 2011, 10:48 (vor 5434 Tagen) @ Dulzian
Bei aller Liebe zu Bach, aber bei mir darf es durchaus auch was anderes sein, gerade beschäftige ich mich mit Frescobaldi, Scheidemann und Cabecon. Zum Ewigkeitssonntag kommt bei mir gerne Buxtehudes contrapunktisches Meisterwerk "Mit Fried und Freud ich fahr dahin" und das anschließende "Klaglied" dran. Dauert auch länger, wird vorher mit dem Pfarrer abgesprochen, der freut sich darüber.
Auch "Bachifizierung" der ev. Liturgie möglich
Dulzian
, Samstag, 22. Oktober 2011, 17:36 (vor 5434 Tagen) @ Tabernakelwanze
bearbeitet von Dulzian, Samstag, 22. Oktober 2011, 17:40
Bei aller Liebe zu Bach, aber bei mir darf es durchaus auch was anderes sein, gerade beschäftige ich mich mit Frescobaldi, Scheidemann und Cabecon. Zum Ewigkeitssonntag kommt bei mir gerne Buxtehudes contrapunktisches Meisterwerk "Mit Fried und Freud ich fahr dahin" und das anschließende "Klaglied" dran. Dauert auch länger, wird vorher mit dem Pfarrer abgesprochen, der freut sich darüber.
Naja, ein Dogma ist es bei mir auch nicht, mehr oder weniger nur J.S.Bach zu spielen, es hat sich bisher so ergeben ... ;-)
Von Buxtehude habe ich leider bisher nur das C-Dur Präl.+Fuge+Chaconne Buxw137, gespielt (hat mich aber auch tief beeindruckt).
Falls am Ewigkeitssonntag auch Abendmahl sein sollte, würde ich evtl. noch das Schübler-Trio "Wachet auf, ruft uns die Stimme" herauskramen - ist ja eigentlich für den Abschluß des Kirchenjahres prädestiniert. Oder evtl. "O Mensch bewein dein Sünde groß" aus dem Orgelbüchlein. Je nachdem, welcher Traurigkeitsgrad gewünscht wird -:), obwohl ich bis jetzt noch gar nicht weiß, ob überhaupt Abendmahl ist (also die weitere Option damit da wäre, neben Eingangs- und Ausgangsstück im ev. Gottesdienst ein Literaturstück unterzubringen).
Schade übrigens, dass ich zwar email-Anfragen bekam wegen Zusendung der beschriebenen "bachifizierten" Liturgiestücke, aber sonst keiner hier darüber schreiben will, vielleicht gäbe es ja noch weitere Stücke von Bach, aus denen man mit mehr oder weniger Eingriffen Liturgiestücke schnitzen könnte...