Hagen A. Fritzsche und Marcel A. Ober in St. Peter, D
Hallo Forum,
das Konzert mit Hagen Anselm Fritzsche (Trompete, Elektronik) und Marcel Andreas Ober (Orgel, Elektronik, Synthesizer) ist nicht einfach zu beschreiben. Die Stücke hatten Namen, die ein Altsprachler gerne liest: Anabasis, Paraphrase, Distances, Konstruktion, Triptychon, Katabasis... nur Louange à l’immertalité de Jésus wandte sich an Neusprachler. War ja auch von Messiaen. Es begann mit Ives. Über unaswered question wurde paraphrasiert, eine dankbare Aufgabe für die Trompete. Die Distanzen stammten von Philipp Spätling, der Rest aus den Federn von Ober und Fritzsche.
Was war zu hören? Vor allen Betrachtendes. Entwicklungsmusik war eher nicht herauszuhören (das gabs gestern in der Tonhalle in Beethovens Sechster, Durchführung erster Satz *wohlfühl*). Und die Trompete wirkte in erster Linie aphoristisch (nochmal griechisch!): Ein Einwurf, ein Kommentar, ein Argument, eine Spitze...
Klangfarben gab es zu hören, unerhörte, seltene, kaum zu reproduzierende, weil dem Augenblick entsprungen. In Paraphrase und Louanges wurden ondes martenot angespült. Dieses Instrument hat Messiaen ja selbst in der Turangalila-Symphonie eingesetzt. Klingt wie dezent singende Säge. Sehr charakteristisch und wirkungsvoll. Die Elektronik steuerte hin und wieder Schlagzeugeffekte bei, verkam dabei aber nicht zum Ersatz für eine Rhythmusgruppe (keine durchlaufenden Rhythmen also). Ansonsten wurden die natürlichen Orgelklänge leicht ins Scharfe verfremdet. Auch Echobildungen, verzerrte Echos, etc. kamen aus der Elektronik- besonders bei den Trompeteneinwürfen effektvoll. Mitunter schaukelte sich das zu großen Ballungen auf.
Das Ganze war durchaus kurzweilig. Das war wohl einhellige Meinung der ca. 80 meist älteren Hörer, die sich durch die Ankündigung von Elektronik nicht hatten abgeschrecken lassen. Es gab aufrichtigen und anhaltenden Beifall. Warum die bestens aufgelegten Interpreten dann aber ausgerechnet bei der Zugabe aus der Rolle fielen, bleibt mir ein Rätsel. Nach so viel Akzeptanz für die neuen Klänge hätte es keine barocke Intrada sein dürfen.
Gruß Clemens Schäfer
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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)
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