Baumgratz, Koch und Bangert in St. Martin, D-Unterbilk

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Dienstag, 18. Oktober 2011, 10:42 (vor 5439 Tagen)

Hallo Forum,

das Konzert am Sonntag, 16.10., in St. Martin, D-Unterbilk, brachte die Begegnung mit den Komponisten Cécile Chaminade (1857-1940) und Albert de Klerk (1917-1998). Wolfgang Baumgratz musizierte mit Eva Koch (Sopran) und Carmen Bangert (Mezzosopran).

Für Orgel solo erklang zunächst ein sehr schönes spätromantisches Offertoire d-moll von Chaminade. Hörens- und aufführenswert.

Die Missa Duo Seraphim für zwei gleiche Stimmen und Orgel von de Klerk (1965) folgte. Mäßig modern, also recht sachlich und mit einigen akkordischen Schärfen, zugleich aber nicht ohne eine gewisse Süße, ohne je kitschig zu sein. de Klerks Tonfall hat da richtige Maß zwischen Sentimento und Konstruktion. Die Stimmen paßten gut zueinander und wußten auch zu verschmelzen. Für Orgel solo dann drei weitere Stücke von de Klerk: Zwei Etüden in a (1949) und Variationen über “Gott ist mein Lied” (1984).

Den Abschluß machte die Messe pour deux vois égales et orgue op. 167 von Chaminade. Wieder schön romantisch, klangvoll und durchaus inspiriert; vor dem Benedictus eine längere Orgelpassage. Beide Messen übrigens ohne Credo, die von Chaminade mit einem zuätzlichen Satz O Salutaris nach dem Sanctus.

Leider hatten sich nur rund 25 Hörer für dieses ausgefallene Programm interessiert. Die aber spendeten dankbar Beifall. Eine Zugabe.

Gruß Clemens Schäfer

--
Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

Baumgratz, Koch und Bangert in St. Martin, D-Unterbilk

Antilope, Mittwoch, 19. Oktober 2011, 19:54 (vor 5438 Tagen) @ Clemens Schäfer

Ich lese immer wieder, dass die Konzerte so schlecht besucht sind. Ist das nur beim Orgelfestival so, oder betrifft es alle Konzertreihen? Oder liegt es an der Auwahl der Kirchen?

Baumgratz, Koch und Bangert in St. Martin, D-Unterbilk

perotin @, Rhein-Neckar-Raum, Mittwoch, 19. Oktober 2011, 22:06 (vor 5438 Tagen) @ Antilope

Ich lese immer wieder, dass die Konzerte so schlecht besucht sind. Ist das nur beim Orgelfestival so, oder betrifft es alle Konzertreihen? Oder liegt es an der Auwahl der Kirchen?

Der Besuch ist in D'dorf offenbar sehr unterschiedlich. Herr Schäfer schrieb auch öfters schon von Orgelkonzerten mit 200 Besuchern und darüber (etwa in der Neanderkirche). Das Angebot an Orgel- und anderen Kirchenkonzerten scheint ja in dieser Stadt ziemlich riesig zu sein - was grundsätzlich positiv ist, aber evtl. dazu führen könnte, daß manche(r) ein bestimmtes Konzert nicht besucht, weil er/sie - nur als Beispiel - gerade vorgestern Torsten Laux gehört hat und demnächst zu Vincent Dubois nach Lambertus will; den baldigen Soloabend des berühmten Pianisten XY nicht zu vergessen...

Sicher sind auch nicht alle Kirchen beim Publikum gleich beliebt. Und der Bremer Domorganist W. Baumgratz ist vielleicht in D'dorf nicht so bekannt?

Weitere Gründe lassen sich wohl finden - vom Wetter bis zum Fernsehprogramm...

Grüße,
perotin

Baumgratz, Koch und Bangert in St. Martin, D-Unterbilk

Frank Berger @, Wassenberg, Mittwoch, 19. Oktober 2011, 22:17 (vor 5438 Tagen) @ Antilope

hallo zusammen; ich war am Sonntag nicht in Bilk, dafür aber um 15 Uhr in Urdenbach, ev. Dorfkirche (auch Prof. Wolfgang Baumgratz) und um 17 Uhr in Itter (Prof. Bernd Scherers, Orgel, und die Hausherrin Pamela König, Cembalo). Beide Konzerte waren relativ gut besucht. Die Urdenbacher Kirche war zwar nicht voll , aber es waren ca. 100 Zuhörer da. In Itter (eine romanische Dorfkirche mit nur ca. 90 Sitzplätzen) gab es hier und da Lücken in den Bänken, es dürften also 70-80 Zuhörer dagewesen sein.
Programm von Wolfgang Baumgratz: nur Bach. Die Peter-Orgel im Schöler-Gehäuse schien beweisen zu wollen, dass sie zu Recht durch einen Neubau ersetzt werden wird - es gab technische Probleme.
Programm in Itter : barocke Italiener und Spanier für Orgel und Cembalo, Bach (Schmücke dich... für Orgel, und Franz. Suite 5 für Cembalo). Meine Befürchtung, das Cembolo (im Chorraum) könne sich gegen die Orgel (Weimbs, 2000) nicht durchsetzen, bewahrheitete sich nicht, obwohl durch nicht nur leise Register gewählt wurden. Es war eine interessante Kombination.
Bilder der Orgeln sind in meinem facebook-Album "Orgeln in Düsseldorf" zu sehen.

Herzliche Grüße
Frank

Besucherfrequenz, war: Baumgratz...

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Donnerstag, 20. Oktober 2011, 17:41 (vor 5437 Tagen) @ Antilope

Hallo Antilope!

Das ist ein verflixt schwieriges Thema. Zum einen ist das Angebot an Orgelkonzerten in D tatsächlich recht groß. Zum anderen ist die Orgelgemeinde naturgemäß begrenzt und nur schwer zu vergrößern. Viele haben neben Orgel auch andere musikalische Interessen. So kann ich z.B. am Freitag immer dann nicht die Konzerte in der Johanneskirche besuchen, wenn Abo-Termin bei den Symphoniekonzerten ansteht. Und wer mehrere Abos in der Tonhalle hat, ist öfters mit Überschneidungen konfrontiert.

Dann gibt es Stadtteile, in denen nun mal niemand vom Fernseher weg zu locken ist. Sicher tut das Fernsehprogramm oder das Wetter auch sonst etwas zur Sache.

Ich verstehe ja die Veranstalter, die nicht immer nur in die gleichen, zentral gelegen Kirchen gehen wollen. Auch in den Randbezierken gibt es hörenswerte Instrumente. Aber das Risiko, daß dorthin nur wenige Unentwegte hinfahren (Orgelpublikum ist nicht jung!), ist halt groß. Wenn vor Ort eine lebendige Gemeinde existiert, mag das zur Füllung der Kirche reichen - sonst herrscht schnell gähnende Leere.

Werbung und Ankündigung (oft sind die Besucher einer Programmlotterie ausgesetzt) sind ein weiteres Thema. Hier gibt es bestimmt viel zu verbessern. Kirchenmusiker haben aber keinerlei Ausbildung in PR. Außerdem ist die auch eine Geldfrage.

Am Ende gilt: Wie man es macht, macht man es falsch.

Gruß Clemens Schäfer

P.S.Gehe ich recht in der Annahme, daß sich der Nick "Antilope" auf dem i betont? Wie die Musen Terpsichore, Kalliope? ;-)

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

Besucherfrequenz, war: Baumgratz...

Antilope, Freitag, 21. Oktober 2011, 07:32 (vor 5436 Tagen) @ Clemens Schäfer

Hallo Antilope!

Das ist ein verflixt schwieriges Thema.

In der Tat! Manche Theater haben einen ganzen Stab von Menschen, die sich dessen annehmen.

Zum einen ist das Angebot an Orgelkonzerten in D tatsächlich recht groß. Zum anderen ist die Orgelgemeinde naturgemäß begrenzt und nur schwer zu vergrößern. Viele haben neben Orgel auch andere musikalische Interessen. So kann ich z.B. am Freitag immer dann nicht die Konzerte in der Johanneskirche besuchen, wenn Abo-Termin bei den Symphoniekonzerten ansteht. Und wer mehrere Abos in der Tonhalle hat, ist öfters mit Überschneidungen konfrontiert.


Dann gibt es Stadtteile, in denen nun mal niemand vom Fernseher weg zu locken ist. Sicher tut das Fernsehprogramm oder das Wetter auch sonst etwas zur Sache.

Ich verstehe ja die Veranstalter, die nicht immer nur in die gleichen, zentral gelegen Kirchen gehen wollen. Auch in den Randbezierken gibt es hörenswerte Instrumente. Aber das Risiko, daß dorthin nur wenige Unentwegte hinfahren (Orgelpublikum ist nicht jung!), ist halt groß. Wenn vor Ort eine lebendige Gemeinde existiert, mag das zur Füllung der Kirche reichen - sonst herrscht schnell gähnende Leere.

Werbung und Ankündigung (oft sind die Besucher einer Programmlotterie ausgesetzt) sind ein weiteres Thema. Hier gibt es bestimmt viel zu verbessern. Kirchenmusiker haben aber keinerlei Ausbildung in PR. Außerdem ist die auch eine Geldfrage.

Das stimmt!

Am Ende gilt: Wie man es macht, macht man es falsch.

So pessimistisch würde ich es nicht sehen!

Was mich halt wundert: Die Initiatoren von IDO sind doch ursprünglich mit dem Ziel angetreten, mehr Leute für das Thema "Orgel" zu begeistern. Was ist, angesichts dieser Besucherzahlen, davon übrig geblieben? Mission gescheitert? So manches Crossover ist ja offenbar auch künstlerisch nur teilweise erfolgreich, wenn ich da an die Besprechung in der RP (z.B. Orgel und japanische Trommeln) denke. Oft bleibt es bei einem plumpen nebeneinander.

Gruß Clemens Schäfer

P.S.Gehe ich recht in der Annahme, daß sich der Nick "Antilope" auf dem i betont? Wie die Musen Terpsichore, Kalliope? ;-)

Ich hätte gerne das "o" betont :-)

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