Markus Hinz in St.Josef, D-Rath, 17.01.2011

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Dienstag, 18. Januar 2011, 13:44 (vor 5704 Tagen)
bearbeitet von Clemens Schäfer, Dienstag, 18. Januar 2011, 18:30

Hallo Forum,

das dritte “Winterliche” versprach ein besonderes zu werden. Schon das Programm hatte es in sich. Und die Orgel gehört zu den Geheimtips in Düsseldorf - und sicher auch ein Stückchen darüber hinaus. Die Daten erscheinen nicht besonders spektakulär. Da entschloß sich die Gemeinde St. Josef (ja, mit “f”) in D-Rath, ein eher durch Arbeiter und Kleinbürgertum geprägter Vorort (Mannesmann!), zu dem Bau einer neuen Orgel. Klais bekam den Auftrag. Das war 1936. Da baute man zunächst 17 Stimmen, 1937 kamen vier Pedalregister hinzu, 1938 und 1940 brachten weitere Bauabschnitte. Da gab es 45 Register auf drei Manualen und Pedal (dort sogar ein 32’). Noch 1941 kommen 5 weitere Stimmen hinzu. Kriegsschäden im November 1944 werden sofort behoben. So konnte im November 1945 der Kölner Organist Hans Bachem bereits wieder ein Konzert geben. 1955 wurde erneut erweitert. Die Orgel bekam einen neuen Spieltisch und ein Oberwerk mit elf Stimmen. Später wurden einzelne Register (Prinzipale, Trompete 8’ im HW, Mixtur im HW ausgetauscht). Der Leser weiß es schon: So eine Bauweise geht nur bei elektrischer Traktion. (Quelle: Blarr, Orgelstadt Düsseldorf, 1982)
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Im Laufe der Jahrzehnte ist ein Instrument erwachsen, das in Zusammenwirken mit dem
neoromanischen Raum und seinem guten- nicht breiigen - Nachhall die Darstellung fast aller Stilrichtungen erlaubt. Satte Bässe, sonore Tutti, klar zeichnende Soli. Und so konnte Markus Hinz bei “Jesu meine Freude” von Karg-Elert aus dem Vollen schöpfen: http://www.kirchenmusik-brenneke.de/Orgel%20in%20Duesseldorf.html (etwa zur Hälfte herunterscrollen) Wunderbar klar stand der Abschlußakkord des ersten Teils, dann eine der Umregistrierung geschuldete Pause (keine Setzeranlage vorhanden) und Einstieg in den langsamen Teil mit seinen betörenden Soli - ein jedes leicht anders abgetönt: Herrlich. Am Ende großartige Ausrufezeichen zwischen den einzelnen Abschnitten der Chorzeilen. Und die ganz eigen-artig (im Wortsinne!) registriert. Auch dies eine große interpretatorische Leistung.

Im schönen Gegensatz dazu ein bis zum nahen Stillstand ruhiges, aber ausgehaltenes Adagietto (Mahler, 5. Symphonie, Orgelfassung von Hans-Martin Schwindt). Ausgesuchte Farben, sparsam aber sehr wirkungsvoll die arpeggierten (nomen est omen!) Akkorde zur Harfennachbildung: Nur zweimal - und schon war die Illusion perfekt.

Ebenfalls von ruhigem Charakter die Vogelpredigt des Hl. Franz von Assisi (Orgelbearbeitung Camille Saint Saens). Nach ausgiebigem Gezwitscher setzte Franz mit vorsichtig sonorer Stimme ein. Auch dies gut durchgestaltet.

Am Ende die “Kirchliche Festouvertüre über den Choral Ein feste Burg ist unsrer Gott” op. 31 von Otto Nicolai (Orgelbearbeitung Franz Liszt). Nach Vorstellung des Chorals in schöner Harmonisierung geht es an die Verarbeitung. Als der Schluß stand, wurde kaum der Nachhall abgewartet. Die knapp 50 Hörer spendeten kräftigen, anhaltenden Beifall, so daß sich Hinz genötigt sah, eine Zugabe zu spielen. Zeit- und ortsangemessen improvisierte er in Karg-Elert-Farben über “Josef, lieber Josef mein”. Hätte länger währen dürfen...

Die Erwartungen waren eingetreten: Ein besonders Konzert!

Gruß Clemens Schäfer

P.S. Nach den Konzert der Ortskantor Odilo KLasen zu mir: Ich bewundere den Spieltisch: Von 1955, aber läuft einwandfrei wie eine Nähmaschine!

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

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