Thierry Escaich, Ars Cantandi, St. Peter, D
Hallo Forum,
um es gleich vorweg zu sagen: Das war ein ganz großer Abend. Thierry Escaich (Orgel) und die Chorgemeinschaft “Ars Cantandi” (Ltg. Marcel Andreas Ober) brachten am 10.10.2011 in St. Peter, D-Unterbilk/Friedrichstadt Werke von Bach, Duruflé und Escaich. Knapp 100 Besucher erlebten eine Sternstunde.
Den Auftakt machte Escaich mit Duruflés Prélude aus op. 5. Herrlich ruhig und sicher ging er dabei zu Werke. Schon hier wurde deutlich: Die Göckel-Orgel würde an diesem Abend in den richtigen Händen sein. Entweder hatte Escaich die Tücken von Raum und Instrument intuitiv erfaßt oder er war von Ober intensiv eingewisen worden - einerlei: Es wurde an diesem Abend nie zu laut, nie zu Brei, nie zu Cluster. Selten habe ich die Orgel so gut gehört; Christoph Martin Frommen hat es vor Jahren mal sehr gut gemacht.
An zweiter Stelle dann zwei Motets für Chor und Orgel von Escaich, unterbrochen durch ein Poéme für Orgel solo. Erstere Motet begann chorisch über einem Orgeltriller und war eher ruhig. Das Poéme brachte dann Schwung, der in die zweite Motet mitgenommen wurde.
A capella sang dann der Chor ein “Dixit Dominus”von Escaich - ein ungemein eindringliches Stück. Das “Spricht der Herr” hat hier den Charakter eines bereits ausgeführten Befehls. Es schraubt sich die Tonleiter hinauf, bis den Stimmlagen natürliche Grenzen gesetzt sind. Atemberaubend - für Hörer und Sänger gleichermaßen.
Ein wenig durchatmen konnte der Chor dann bei Duruflés Toccata op. 5. Perfekt gemacht. Vom gleichen Komponisten folgten dann vier a capella Motets, die vergleichsweise harmlos und lieblich klangen, auch wenn sie es nicht immer waren: Ubi caritas. Tota pulchra es, Tu es Petrus und Tantum ergo. Jedem dieser kurzen Chorstücke ließ Escaich eine ebenfalls kurze aber prägnante Improvisation folgen.
Eine zweite Runde dieser Art gab es mit Bach: Hier sang der Chor Herzliebster Jesu, Wenn ich einmal muß scheiden und Christ ist erstanden. Es folgten jeweils kommentierende Kompositionen von Escaich, die aus Improvisationen bei früherer Gelegenheit entstanden sind. Jedesmal nimmt Escaich darin die Stimmung des Chorals auf; so wird z.B. die Choralmelodie bei “Wenn ich einmal muß scheiden” dünn und kläglich angestimmt und dann fahren von allen Seiten heftige Einwürfe in das Geschehen. Wenn ich richtig gehört habe, steckten da die fallenden Seufzermotive von Liszts “Weinen, Klagen” drin.
Ein Chorstück mit Orgel “In memoriam” von Escaich und eine freie Improvisation über ein gregorianisches Thema rundeten das Konzert ab. Puh! Das war Anstrengung pur - nicht nur für die Interpreten. Aber es hat sich gelohnt. Escaich hat etwas zu sagen, hat eine eigene Tonsprache. Er verzettelt sich nicht mit Zierrat, alles macht den Eindruck von Zielgerichtetheit. Da muß Form drin sein, auch wenn man beim ersten Hören natürlich nicht alles gleich analysieren kann. Kurz: Es war spannend von der ersten bis zur letzten Sekunde. Was will man mehr?
Stehende Ovationen. Eine Zugabe des Organisten verbot sich - das wäre gegenüber dem famosen Chor unfair gewesen. Beseelt ging man nach Hause.
Gruß Clemens Schäfer
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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)