Bernhard Leonardy in St. Lambertus, D-Altstadt

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Mittwoch, 12. Oktober 2011, 10:17 (vor 5445 Tagen)

Hallo Forum,

Bernhard Leonardy spielte am 03.10.2011 das Internationale Orgelkonzert in St. Lambertus, D-Altdtadt - zugleich eine Veranstaltung des gerade angelaufenen 6.ido.

Ein ganzer Abend Orgelmusik ohne Orgelmusik - geht das überhaupt? Ja, wenn man Bearbeitungen zuläßt. Und so kamen die ca. 80 Hörer in den Genuß eines Rachmaninov-Konzerts von der Orgel.. Angeregt durch die Orgelbearbeitung des cis-moll-Préludes durch Vierne, hatte Leonardy die Sept morceaux (1893/94) für die Orgel gesetzt. In einer Transkription von Patricia Bird erklang “Vocalise”; schließlich improvisierte Leonardy über zwei Themen aus dem 2. Klavierkonzert c-moll.

An technischen Voraussetzungen mangelt es Leonardy gewiß nicht. An keiner Stelle hatte man Angst, daß es eng werden könnte - im Gegenteil: Er konnte gefahrlos und frei aufspielen. Große Mühe hatte er sich offenbar mit den Registrierungen gemacht. Und hier lag auch der Schwerpunkt des Abends. Es war eine blendende Orgeldemonstration an Hand einiger höchst effektvoller Werke. Und dennoch blieb an manchen Stellen der Wunsch nach dem Steinway. Es ist halt alles unverkennbar pianistisch geschrieben und empfunden. Das galt nachgerade für den Beginn des cis-moll Preludes, aber auch für die schnelleren morceaux. Auch der Witz der nachgeschleuderten zwei Schlußtöne in der Humoresque G-Dur verlangte nach einem Flügel. Keine Wünsche offen blieben dagegen bei den ruhigen Nummern (Noctune a, Méliody e, Romance f). Hier war wirklich raffinierte Klangregie am Werk. Auch die Vocalise - sanft eingebettet in Streicher - geriet sehr schön.

Die Bekanntschaft mit russischer Seele quittierte das Publikum mit deutlichem, aber eher kurzem Beifall. Keine Zugabe. Bleibt die Frage, was hier gewollt war. Warum gibt es ein Bedürfnis, ja vielleicht sogar eine Notwendigkeit, Rachmaninov auf die Orgel zu transkribieren? An Orgelliteratur, die auch die hier gezeigten
Fähigkeiten des Spielers /der Orgel zu demonstrieren geeignet wäre, fehlt es ja nicht. Im Gegenteil - es gibt jede Menge ungehobener Schätze.

Gruß Clemens Schäfer

P.S.: Wegen eines Defekts an meinem PC kommen jetzt einige verspätete Besprechungen. Sollte jemand mich per Mail kontaktiert haben, könnte diese Mail auch ins Leere gegangen sein.

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

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