Thomas Trotter in Mannheim, 31.12.2010
Auch wenn es nun schon ein paar Tage her ist - am 31.12.10 gab es in der Mannheimer Schloßkirche ein kleines Jubiläum: Zum zehnten Mal in Folge gab der britische Organist Thomas Trotter ein großes Silvesterkonzert in der ehemaligen "Hof-Capelle" des Kurfürsten. Wie schon am "New Year's Eve" der letzten Jahre war full house zu vermelden, ich schätze mal ca. 280 Hörerinnen und Hörer - mehr Sitzplätze sind in diesem Raum, in dem u.a. Ignaz Holzbauer, Abbé Vogler und W. A. Mozart musiziert haben, kaum realisierbar. (Die heutige Orgel ist von 1956, also nicht das Instrument, auf dem der junge Mozart einst spielte.)
Das Programm war:
Mozart, Fantasie f-Moll KV 608
Schumann, Nr. 1, 4 und 5 aus den "Studien in kanonischer Form" op. 56
Bach, Passacaglia BWV 582
Liszt, Prometheus (Transkription Guillou)
- Pause -
A. Hollins, Konzertouvertüre c-Moll
Dan Locklair (*1949), Rubrics - a liturgical suite (5 Sätze)
Leroy Anderson, The Syncopated Clock - The Typewriter - Blue Tango
(Transkription von Trotter selbst, wenn ich's recht verstanden habe)
R. Wagner, "Abendstern" (aus Tannhäuser) und "Walkürenritt" (Transkr. Lemare)
Zugabe: Elgar, Pomp & Circumstance Nr.1 (Transkr. Lemare)
Also wieder eine ansprechende Mischung aus bekannter Orgelliteratur und z.T. "populären" Transkriptionen. Traditionsgemäß gab es in der mit Kerzen nur dezent erleuchteten Kirche eine technisch ausgereifte Videoprojektion, die Trotter auch nutzte, um zwischen den Stücken einige Erläuterungen zu geben - in gutem Englisch und somit für viele Hörer wohl einigermaßen verständlich.
Es ist immer wieder eine Freude, ein so meisterliches Orgelspiel zu erleben. Rein spieltechnisch dürfte es wohl fast nichts geben, was Trotter nicht "hinbekäme". Die Videoprojektion halte ich bei derart souveränen Organisten (und dieser Art von Repertoire) für eine sinnvolle Sache. Eine zweite Kamera nur für's Pedal erlaubte öfters einen Blick auf die höchst akkurate "Fußarbeit". Die ganze Virtuosität steht bei Trotter aber stets im Dienst einer beseelten, musikalisch adäquaten Interpretation. So erhielt er denn auch wieder sehr herzlichen Applaus.
Bei Locklairs Rubrics sollte der Untertitel "Liturgische Suite" übrigens nicht zu der Annahme verleiten, es handle sich etwa um "leicht spielbare Stücke für den Gottesdienst". Das Werk ist technisch anspruchsvoll (u.a. Pedalglissandi), aber auch musikalisch fand ich es interessant.
Der Amerikaner Leroy Anderson (1908-1975) hat u.a. für das Boston Pops Orchestra komponiert. Das muntere The typewriter wurde in Deutschland als Titelmusik einer Fernsehserie bekannt...
Nach mehreren großen Erlebnissen, u.a. auch im Magdeburger Dom, glaube ich Trotters Konzerte guten Gewissens empfehlen zu können. Er spielt am 06.07.2010 in der Dresdner Kreuzkirche, am 06.08. im Mainzer Dom und (vermute bzw. hoffe ich mal) auch wieder zum Jahreswechsel in Mannheim.
Grüße,
perotin
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