Bericht im Bonner Generalanzeiger

orgelwilli, Mittwoch, 28. September 2011, 08:48 (vor 5458 Tagen)

Treffen der besten Organisten in Beuel

Von Guido Krawinkel

Bonn. Besser hätte der Einstand nicht ausfallen können. Michael Bottenhorn, der ab 2012 die Nachfolge von Hans Peter Reiners als Seelsorgebereichsmusiker an St. Joseph in Beuel antreten wird, spielte das erste von sechs Konzerten eines gut siebenstündigen Orgelmarathons, der aus Anlass von Reiners 65. Geburtstag an der Oberlinger-Orgel stattfand.

Dieses Geschenk hat sich Reiners quasi selbst gemacht und seinem Nachfolger die Ouvertüre überlassen. Bottenhorn nutze die Chance und zeigte sich mit romantischen Transkriptionen symphonischen Zuschnitts als brillanter Organist, der nicht nur präzise, sondern auch mit einer großen Portion Musikalität zu spielen vermag.

Emotional sehr aufgewühlt nahm er etwa das Interlude symphonique aus Rédemption von César Franck, und auch bei Franz Liszts Orpheus-Paraphrase zeigte er sich als Virtuose mit ausdrucksvoll dosiertem Tiefgang.

Auch die anderen Musiker zeigten sich von ihrer besten Seite: Vincent Dubois und später Paolo Oreni mit souverän gespielten und auf ihren Interpretentypus zugeschnittenen Virtuosenprogrammen, Torsten Laux unter anderem mit einer als Uraufführung gespielten Psalmen-Fantasie und Johannes Geffert mit romantischen Orgelraritäten.

Für den fulminanten Schlusspunkt sorgte Olivier Latry. Präludium und Fuge Es-Dur (BWV 552) gestaltete er sehr stringent. Die sechste Symphonie von Charles-Marie Widor servierte Latry mit Grandeur und Charme. Das andere Extrem suchte Latry in zwei kleinen Stücken von Jehan Alain, die er fast bis zur Zerreißprobe als Entdeckung der Langsamkeit zelebrierte.

Die abschließende Improvisation ging - Hans Peter Reiners zu Ehren - über "Zum Geburtstag viel Glück", ein Riesenspaß, den ein musikalischer Ringelpiez auf der Orgelbank zwischen Latry und seinen Kollegen Bottenhorn, Oreni und Dubois noch zusätzlich steigerte. Am Ende war das Publikum völlig aus dem Häuschen und Reiners gerührt.
Artikel vom 28.09.2011

Bericht im Bonner Generalanzeiger

gk @, Mittwoch, 28. September 2011, 09:39 (vor 5458 Tagen) @ orgelwilli

So, und hier die "unzensierte" Fassung. Es sind zwar nur ein paar Details, die machen dann aber eben doch den Unterschied. Beim Kürzen habe ich zwar auch schon Schlimmeres erlebt (Rasenmähermethode, d.h. einfach "schnipp" und die zweite Hälfte fällt weg...), aber irgendwie las sich die gekürzte Fassung doch ein wenig zusammengestoppelt.

Ansonsten kann ich nur sagen: orgelwilli hat einen würdigen Nachfolger gefunden. Ob wir solche denkwürdigen Momente wie am Sonntag nochmal erleben werden, ist die Frage. Vieles wird anders werden, aber ein guter Mann ist Michael Bottenhorn in jedem Fall.

/gk


Besser hätte der Einstand nicht ausfallen können. Michael Bottenhorn, der ab Januar 2012 die Nachfolge von Hans Peter Reiners als Seelsorgebereichsmusiker an St. Joseph in Beuel antreten wird, spielte das erste von sechs Konzerten eines insgesamt gut siebenstündigen Orgelmarathons, der aus Anlass von Reiners 65. Geburtstag an der Oberlinger-Orgel stattfand.

Dieses Geschenk hat sich Reiners quasi selbst gemacht und seinem Nachfolger die Ouvertüre überlassen. Bottenhorn nutze diese Chance und zeigte sich mit romantischen Transkriptionen symphonischen Zuschnitts als brillanter Organist, der nicht nur ungeheuer präzise, sondern auch mit einer unerhört großen Portion Musikalität zu spielen vermag.

Emotional sehr aufgewühlt, mit feinen agogischen Nuancen nahm er etwa das Interlude symphonique aus Rédemption von César Franck und auch bei Franz Liszts Orpheus-Paraphrase zeigte er sich mitnichten als kunstfertiger Blender, sondern vielmehr als reflektierender Virtuose mit sehr klaren Klangvorstellungen und ausdrucksvoll dosiertem Tiefgang. Äußerst geschmackvoll spielte Bottenhorn vier Lieder ohne Worte von Felix Mendelssohn Bartholdy, mit großem Spannungsbogen vom seraphisch-würdevoll anhebenden Beginn bis zur großartigen Schlußapotheose die Ouvertüre aus dessen Oratorium Paulus.

Eine Improvisation über „Ein Danklied sei dem Herrn“ offenbarte einen mit allen Wassern gewaschenen Improvisator, der seine frankophile Neigung nicht verleugnet, sie aber mit einer deutlich individuellen Note zu würzen weiß. Das Publikum dankte es ihm mit stehenden Ovationen.

Auch die anderen Musiker des Orgelmarathons zeigten sich von ihrer besten Seite: Vincent Dubois und später Paolo Oreni mit souverän gespielten und auf ihren Interpretentypus zugeschnittenen Virtuosenprogrammen, Torsten Laux unter anderem mit einer als Uraufführung gespielten Psalmen-Fantasie, und Johannes Geffert mit romantischen Orgelraritäten.

Für den fulminanten Schlusspunkt sorgte schließlich Olivier Latry. Präludium und Fuge Es-Dur (BWV 552) gestaltete er sehr stringent, vor allem die absolut klar und mit stimmigen Temporelationen aufgebaute Tripelfuge wirkte in jeder Hinsicht schlüssig. Die sechste Symphonie von Charles-Marie Widor servierte Latry mit Grandeur und Charme auf den Punkt genau ausgespielt, lediglich das Finale wirkte mit rasenden Tempi völlig überzogen.

Das andere Extrem suchte Latry in zwei kleinen Stücken von Jehan Alain, die er fast bis zur Zerreißprobe als Entdeckung der Langsamkeit zelebrierte. Die abschließende Improvisation ging – Hans Peter Reiners zu Ehren – über „Zum Geburtstag viel Glück“, kein musikalisch besonders ergiebiges Thema, dafür aber ein Riesenspaß, den ein musikalischer Ringelpiez auf der Orgelbank zwischen Latry und seinen Kollegen Bottenhorn, Oreni und Dubois noch zusätzlich steigerte. Am Ende war das Publikum völlig aus dem Häuschen und Reiners sichtlich gerührt.

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