Zungenpfeifenbau in der DDR

Fabian Brackhane ⌂ @, Worms, Freitag, 23. September 2011, 12:20 (vor 5463 Tagen)

Hallo zusammen,

man liest ja in einschlägigen Artikeln immer wieder, das die Beschaffung von Lingualpfeifen in der DDR ein massives Problem war, weil kein dortiger Betrieb sie herstellen konnte.

Warum eigentlich nicht? Am Know-How kann es ja wohl kaum gelegen haben, jedenfalls nicht bei so bedeutenden Firmen wie Sauer oder Schuke. Bliebe also noch das in der DDR ja stets virulente Thema Materialbeschaffung. Wenn es das war, was genau fehlte denn dann? Messing?

Fabian

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www.orgelauskunft.de

Zungenpfeifenbau in der DDR

schnitgers.anderer.erbe, Freitag, 23. September 2011, 19:04 (vor 5463 Tagen) @ Fabian Brackhane

Also ich weiß es ja auch nur aus Erzählungen. Das Hauptproblem war meist das Material und im Laufe der Zeit ist dann eben auch Technologie flöten gegangen. In meiner ehemaligen Heimatgemeinde zu Kindertagen weiß ich, dass das Zinn für die Pfeifen von der Partnergemeinde im "richtigen Deutschland" bezahlt und beschafft wurde, ebenso die beiden Zungen von Giesecke. Messing für Blätter war auch ein riesen Problem. Man denke sich einmal den Zugriff auf Laukhuf weg und versuche Messingblech in 3 Abstufungen pro 1/10mm zu beschaffen. Ich weiß von einem älteren Orgelbauer, dass er Zungenblech für einen befreundeten Kollegen in die DDR rein geschmuggelt hat und preiswerte Noten und Platten im Gegenzug mitgenommen hat. Gleiche Sorgen, wenn es um ein Gebläse ging. Ist aber auch alles in epischer Breite durch Nussbücker in der Acta und vor allem durch Markus Voigt in seiner Diss dargestellt worden.

Zungenpfeifenbau in der DDR

keilbalg, Samstag, 24. September 2011, 07:56 (vor 5462 Tagen) @ schnitgers.anderer.erbe

also zinn gab es eigentlich immer. es war zwar nicht einfach, ausreichend zinn zu besorgen, aber mit geschick schaffte man es. eine frage war der zinnpreis, der nach, für fast jeden vernunftbegabten menschen unverständlich, den unterschiedlichsten verwendungszwecken verschiedene preise hatte. für kirchen war es besonders preisgünstig: ca. 7 ddr-mark.
die zungen wurden in der regel bei giesecke besorgt, weil es in der ddr niemanden gab, der welche herstellte bzw. für andere orgelbaubetriebe in lohnarbeit produzierte. orgelmotoren gab es entweder von böhm/gotha (schrecklich laute teile) oder von laukhuff. die kamen dann als "geschenksendung - keine handelsware" im paket. bezahlt wurden sie und die zungen in der regel von der jeweiligen partnergemeinde.
ich weiß es genau, hatte direkt mit dem orgelbau in der ddr zu tun.

Zungenpfeifenbau in der DDR

schnitgers.anderer.erbe, Samstag, 24. September 2011, 18:57 (vor 5462 Tagen) @ keilbalg

danke für den bericht, wenn es nicht so ernst gewesen wäre, könnte man herzlich drüber lachen...
das mit den böhm-gebläsen hatte ich erfolgreich verdrängt ;), hab auch nur mal eins von der sorte erlebt, aber das genügte

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