ein paar Tage Dresden und Freiberg

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Sonntag, 18. September 2011, 18:50 (vor 5468 Tagen)
bearbeitet von Clemens Schäfer, Sonntag, 18. September 2011, 19:30

Hallo Forum,

Dresden, August 2010: In der Halle meines Hotels steht ein PC für Gäste. Ich will ins orgelforum schauen. Oh Schreck - abgeschaltet!

Dresden, September 2011. In der Halle meines Hotels steht ein PC für Gäste. Ich will ins orgelforum.info schauen. Oh Schreck - kein Zugang.

Wieder zu Hause: Das gleiche Problem. Nach viel Suchen und Probieren mit der Plätzchenbäckerei bin ich nun wieder drin. *nachgroll*, mußte das sein?

Sechs Tage Dresden, das war wieder ein Erlebnis. Über derzeit zwei Raphael-Madonnen - nach 500 Jahren erstmals wieder in einem Raum - darf man hier wohl schwärmen, die Alten Meister sind aber auch sonst umwerfend. Architekturfreunde kommen in DD ebenso auf ihre Kosten wie Straßenbahnfreunde etc. etc.

Auch musikalisch wurde in meinen Tagen einiges geboten. Am Samstag habe ich die Vesper in der Kreuzkirche gehört. Am Eingang wird das Programm für 2 Euro verkauft.
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Daneben gibt es eine Ausgangskollekte. Der Kreuzchor (Ltg. Roderich Kreile) sang von Sven David Sandström (*1942) “Es ist genug” nach der Kantate Nr., 24 von Buxtehude, “Singet dem Herrn ein neues Lied” op. 12 von Hugo Distler (mich beeindruckt Distler immer wieder), “Warum ist das Licht gegeben” op. 74.1 von Brahms und “Wer bis ans Ende beharrt” aus Elias von Mendelssohn (beides schöne Romantik). Dazwischen gab es BWV542, F+F g-moll (schlank und durchhörbar) mit Franziska Leuschner, ein wenig aussagekräftiges “Wort zum Sonntag” und einen Segen von Pfarrer Joachim Zirkler.

Ein Ausflug am Sonntag führte mich nach Freiberg.
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Die Nikolaikirche ist ein Veranstaltungsraum. Das Altarbild ist stehengeblieben; im Westwerk gibt es ein leeres Orgelgehäuse, am Eingang einen Opferstock “Für eine neue Orgel”.

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In St. Petri steht eine Silbermannorgel, auf der am Mittag geübt wurde. Es waren gerade Silbermann-Tage - verbunden mit einem Orgelwettbewerb. So konnte ich etwas von den herrlichen Stimmen dieses Instruments mitnehmen. Die Kirche selbst wurde durch Abteilung des Chores (Glaswand, Ausstellungsfläche) und der Seitenschiffe (feste Wände, Gemeinderäume) beeinträchtigt. Auch eine moderne Christusfigur vor der Glaswand gefiel mir nicht - sah eher wie ein Gespenst im Bettlaken aus.

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Der Freiberger Dom ist dagegen eine unbedingte Sehenswürdigkeit. Ab 11h sammelten sich Menschenmengen vor dem Portal und warteten auf das Ende des GD, der diesmal -wohl wegen der Silbermann-Tage - besonders festlich ausfiel. Jedenfalls konnte man von außen noch einen großen Bach erahnen. Geschichte, Architektur und Orgel des Doms (war nie Bischofssitz) sind gleichermaßen bedeutend. Eine Führerin bat alle Eintretenden Platz zu nehmen und kündigte zunächst Orgelspiel an: Man hätte Prof. Martin Schmeding aus Freiburg zu Gast. Der spielte mit betörend schönem Solo (Vox humana?) “Wenn wir in höchsten Nöthen sein” und dann F+F G-Dur 557 von Bach. Von mir aus hätte es so weiter gehen können. Aber auch die Ausführungen zu Geschichte und Kunst waren interessant.[image]
Auf dem Lettner steht noch eine zweite Silbermann-Orgel.

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Im Ort Augustusburg (gleichnamiges Schloß gleich nebenan) steht in der Pfarrkirche diese Orgel von Jemlich, 1896, 43/III.

Am Montag - Plakate hatten es angekündigt - gab es in der Kathedrale Dresden (Ehem.Hof- und Schloßkirche) die Goldberg-Variationen von Bach mit Martin Schmeding. Die hat dieser ja vor geringer Zeit an diesem Ort eingespielt - mit späterer Auszeichnung. Jetzt kamen über 600 Hörer (Eintritt 12 Euro), um das live zu hören. Die Reihen waren also eng gefüllt. Schmeding enttäuschte nicht. Im Gegenteil, er lief zu großer Form auf. Ruhig wurde die Aria vorgestellt, nicht zu heftig ging es in die erste Variation. Dann und wann erlaubte er es sich, in der Wiederholung das Tempo anzuziehen und weitere Verzierungen einzubauen. Aber das wurde später nicht mehr spürbar. Die ruhigen Variationen wurden kleine Dramen, die Laufwerke und Polyphonien blieben exakt durchhörbar. Alles nobel, auch wenn an Effekten nicht gespart wurde. Mitunter wurde man regelrecht körperlich erfaßt. Hinreißende, mitreißende, in Anspruch nehmende Musik. Soweit ich es mitbekommen habe, hat Schmeding alle Wiederholungen ausgespielt - selbst bei der Aria da capo. Es dauerte ca. 95 Minuten, wobei zu berücksichtigen ist, daß bei einem Tonträger die Zeit für das Umregistrieren (hier aber auch recht schnell und erstaunlich leise) herausgekürzt werden kann. Danach andächtige Stille. Beinahe hätte ich den Beifall auslösen müssen. Nun ja, es hätte auch weiter gehen können: Man könnte die Goldberg-Variationen auch als perpetuum mobile verstehen! Aber dann erhielt Schmeding doch den verdienten herzlichen Beifall, der mir wie ein warmer Regen vorkam.

In der Frauenkirche herrscht weiterhin die Athmosphäre einer Bahnhofshalle.
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Zwar bemühen sich die Ordner um etwas Ruhe. Wenn es zu wild wird, tritt einer an den Ambo, begrüßt die Anwesenden, mahnt Stille und Einkehr an, liest ein Kapitel aus dem alten Testament und schon ist die Häfte der Besucher schnell entschwunden. Aber das hält nicht lange vor. Schon bald kam man im Schutze der Menge das Fotoverbot geflissentlich mißachten. Es blitzt ihnehin aus allen Ecken. Nutzlos zwar, aber hell.

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In Dresden-Neustadt konnte ich noch einen Blick in die Dreikönigs-Kirche (hier tagte während der Wende im vom Kirchenschiff abgetrennten Saal die verfassungsgebende Versammlung des Freistaats) werfen. St. Petri etwas nördlich des neustädter Bahnhof war verschlossen. Unverhofft stand ich aber zwei Häuser weiter vor diesem Firmenschild.[image]

Mit dringender Empfehlung für einen Besuch in Dresden grüßt Clemens Schäfer


P.S. an ADMIN: Die Tools Fett/Kursiv/Größe/Link/Bild usw. stehen nicht mehr senkrecht untereinander neben dem Texteingabefeld sondern waagerecht nebeneinander und sind so sehr schlecht zu erreichen.
Das hochgeladene Bild erscheint nur noch am Textanfang und nicht an der Stelle des Curzors im Text. Es muß also nachträglich durch Ziehe/Verschieben im Text an die richtige Stelle bugsiert werden: Sehr lästig!
Haben andere die gleichen Erfahrungen?
Warum dürfen funktionierende Dinge nicht einfach so bleiben?

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)


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