Kirchenmusik in Italien

orgelsolo ⌂, Voitsberg, Donnerstag, 08. September 2011, 20:47 (vor 5478 Tagen)

Guten Abend,

Der Sommer und die Urlaubszeit gehen zu Ende, und wie jedes Jahr war ich auch heuer wieder an der oberen Adria, und besuche dort im Urlaub auch immer eine italienische Messe (hauptsächlich der Neugier wegen)

Obwohl Italien eigentlich ein Musikland ist, spielt Kirchenmusik meiner Erfahrung nach eine eher untergeordnete Rolle.
Eine richtige Pfeifenorgel ist nicht selbstverständlich. Meist begnügt man sich mit Elektronien, auf denen dann Musiker mit eher bescheidenen Können spielen.
Ich hab auch schon in Italien erlebt, dass die Kirche zwar eine stillgelegte Pfeifenorgel besitzt, und man, statt diese instandzusetzen, eine E-Orgel angeschafft hat.
...vielleicht liegt es auch daran, dass es in Italien angeblich keine Kirchensteuer gibt.

Ein besonderes Erlebnis war für mich einmal, als ich im romanischen Dom von Caorle ab und zu bei der Abendmesse spielen durfte. Dort steht eine richtige Orgel, die allerdings mit ca. 15 Registern + allen möglichen Super und Subkoppeln für den großen Dom eher bescheiden bemessen ist, dafür romantischen Charme hat (Baujahr 1930).
.... bei der Kommunionimprovisation schwebte ich doppelt Voce Umana im HW, Voce celeste im Schwellwerk...einfach zum träumen

[image][image]

Die "Domorgel" von Caorle hängt im Hauptschiff über dem Hauptportal an der Wand, während der Spieltisch im Seitenschiff vor der Apsis steht.
Diese liturgisch geprägte Orgelbauweise ist in Italien sehr beliebt.
Die Verzögerung war erstaunlicherweise gering, und die Orgel funktionierte auch trotz der hohen sommerlichen Temperaturen im Dom zuverlässig. Faszinierend war an dieser Orgel ein Schalthebel, mit dem man die Ganze Orgel mehrere Töne transponieren konnte.
... was sehr praktisch ist.

Die Kirchenlieder werden in Italien alle sehr langsam gesungen, die Orgel führt nicht (wäre dafür auch viel zu schwach), sondern schließt sich dem Tempo des Volkes an.
Ein allgemeines Gesangbuch wie das Gotteslob gibt es nicht, jede Gemeinde hat ihr eigenes Heftchen zusammenkopiert. Ich muss zugeben, dass ich eine kleine Schwäche für die schmalzig romantsichen Kirchenlieder aus Italien habe und auch deshalb gern dort in die Kirche gehe...

Reine Orgelmusik gibt es jedoch nur selten, beim Einzug wird gleich ein Lied gespielt, zum Auszug ebenso...katholischer Purismus in seiner reinsten Form

Kirchenchöre sind ebenfalls ein eigenes Kapitel in Italien. Chöre sind dort meist sehr groß, jedoch auch überaltert, aber es wird mit Inbrunst gesungen. Intonation ist leider eher Nebensache, auch wenn die Chöre von studierten Musikern geleitet werden.
( Ich habe eine CD vom Domchor in Siena geschenkt bekommen, wo einem das Grauen aufsteigt..)

Entweder sind es fehlende finanzielle Mittel, oder südländische Gelassenheit, weshalb die Kirchenmusik in Italien so dürftig ist. Oder steht die katholische Liturgie so im Mittelpunkt, dass die Kirchenmusik nur Beiwerk ist.
Wenn man an die Fernsehübertragung der Christmette im Petersdom denkt, sind ja auch keine musikalischen Highlieghts dabei.

Gruß, Martin

Kirchenmusik in Italien

FranzS. @, Donnerstag, 08. September 2011, 22:42 (vor 5478 Tagen) @ orgelsolo
bearbeitet von FranzS., Donnerstag, 08. September 2011, 23:04

Der Sommer und die Urlaubszeit gehen zu Ende, und wie jedes Jahr war ich auch heuer wieder an der oberen Adria,

na ja, ist ja eigentlich gleich bei dir um die Ecke.


Obwohl Italien eigentlich ein Musikland ist, spielt Kirchenmusik meiner Erfahrung nach eine eher untergeordnete Rolle.

Italien Musikland? Schon Mozart wusste, 'alles Scharlatane'. Ich würde Italien nicht als Musikland bezeichnen und schon gar nicht als Orgelland (dafür gibt es in Italien nicht solche modischen Katastrophen wie 'Jack Wolfskin' oder 'Deichmann').

Eine richtige Pfeifenorgel ist nicht selbstverständlich. Meist begnügt man sich mit Elektronien, auf denen dann Musiker mit eher bescheidenen Können spielen.
Ich hab auch schon in Italien erlebt, dass die Kirche zwar eine stillgelegte Pfeifenorgel besitzt, und man, statt diese instandzusetzen, eine E-Orgel angeschafft hat.
...vielleicht liegt es auch daran, dass es in Italien angeblich keine Kirchensteuer gibt.

Es ist halt so, dass eigentlich in allen Ländern das Geld fehlt, auch in Frankreich und Spanien dürfte es nicht besser aussehen und ja, es gibt keine Kirchensteuer.

Entweder sind es fehlende finanzielle Mittel, oder südländische Gelassenheit, weshalb die Kirchenmusik in Italien so dürftig ist. Oder steht die katholische Liturgie so im Mittelpunkt, dass die Kirchenmusik nur Beiwerk ist.

Die Kirchenmusik war eben auch primär Sache der Klöster, da gab es gute Kirchenmusik sogar Opern. Auch in Italien dürfte das damals so gewesen sein, waren doch viele italienischen Orgelkomponisten Kleriker bzw. Mönche. Die Tatsache, dass die Kirchenmusik in neuerer Zeit in den rein katholischen Ländern so dürftig ist, führe ich auf den fehlenden Einfluss der Protestanten zurück.

Tja wenn man was Vernünfiges will, kann man ja diese Spezialisten buchen. Der arme Haller, hoffentlich hatte er Humor....

Ciao
Franzo

powered by my little forum