SZ-Artikel vom 3.9.2011

Karsten, Donnerstag, 08. September 2011, 12:18 (vor 5482 Tagen) @ perotin

Ich traf in München einen Bekannten, der mir von dem Artikel in der Druckausgabe der SZ vom 3.9.2011 erzählte. (Auf diesen wird sogar bereits in dem Wikipedia-Artikel "Edgar Krapp" hingewiesen. Bin mal gespannt, wie lange das dort stehen bleibt ;-)

Hier der Wortlaut des Artikels (nur Printausgabe):

Sehr, sehr erfolgreich

Wie ein Professor alle seine Schüler in den ARD-Musikwettbewerb bringt

München – 19 junge Musiker kämpfen derzeit beim ARD-Musikwettbewerb um Preis und Ehre im Fach Orgel, zum ersten Mal seit zwölf Jahren ist die „Königin der Instrumente“ wieder dabei. Die Kandidaten kommen aus Russland, aus Südkorea, aus Japan, aus Polen – und aus München: Gleich fünf von ihnen haben an der Musikhochschule studiert, alle beim selben Professor, Edgar Krapp, der auch Mitglied der Jury ist.

36 Musiker haben sich um die Teilnahme am Wettbewerb beworben, 19 davon wurden ausgewählt – von einer Vorjury aus drei Professoren. Auch dort zählte Edgar Krapp zu den Entscheidern. Zwar bekommt die Vorjury die Aufnahmen, die die Kandidaten als Bewerbung eingesandt hatten, nur anonymisiert zu hören. Doch kann ein versierter Organist auch auf einer Aufnahme das Instrument erkennen, auf dem gespielt wurde. Und anzunehmen ist auch, dass ein Lehrer seinen Schüler erkennt, mit dem er die Stücke ja wohl intensiv erarbeitet hat.

Edgar Krapp soll sich auch noch in anderer Weise besonders seiner Schüler angenommen haben: Ein weiteres Jurymitglied ist Friedemann Winklhofer. Dieser wiederum ist Custos, also Betreuer der Orgel in der Philharmonie im Gasteig – dort findet am 9. September das Finale des Wettbewerbs statt. Krapp soll zusammen mit Winklhofer den Schülern den Zugang zu der Orgel ermöglicht haben, ein unschätzbarer Vorteil den anderen Kandidaten gegenüber, die nur kurz vor ihrem Auftritt die Gelegenheit haben, sich mit ihr vertraut zu machen.

Hat Krapp seine Schüler protegiert? Kann es sein, dass bei einem weltweit ausgeschriebenen Wettbewerb ein Viertel der zugelassenen Bewerber von nur einem Lehrer kommt? Während gleichzeitig von sechs Schülern eines anderen Münchner Orgel-Professors kein einziger zum Zug kommt? Krapp war wegen des laufenden Wettbewerbs am gestrigen Freitag nicht zu erreichen. An seiner Statt nimmt Axel Linstädt Stellung, der künstlerische Leiter des Festivals. Die Häufung von Krapp-Schülern erklärt er zum einen damit, dass der Wettbewerb nun einmal in München stattfinde, was der Grund dafür sei, dass sich viele hiesige Musiker beworben hätten. Außerdem sei die Orgel lange Zeit nicht mehr dabei gewesen, deswegen sei die Gesamtzahl der Bewerber mit 36 nicht sehr hoch – bei den Trompetern hätten sich mehr als 80 beworben, deshalb sei dort stärker ausgesiebt worden. Und schließlich, so Linstädt: „Gute Lehrer ziehen gute Schüler an.“ In der Jury habe sowieso keines der acht Mitglieder die Chance, einem seiner Schüler einen Vorteil zu verschaffen. In den Jury-Richtlinien steht: „Befindet sich unter den Wettbewerbskandidaten ein Schüler eines Jurymitgliedes, so kann dieses Jurymitglied bei der Bewertung dieses Kandidaten, seines Schülers, nicht mitwirken.“ Das Mitglied darf sogar an den Beratungen über seinen Schüler nur teilnehmen, wenn alle anderen Mitglieder einverstanden sind. Linstädt: „Edgar Krapp hat von sich aus angeboten, die Beratung zu verlassen, wenn es um seine Schüler geht.“ Den Vorwurf der Vorteilsverschaffung, die Orgel im Gasteig betreffend, lässt Linstädt ebenfalls nicht gelten: „Kann schon sein, dass er sie ihnen mal gezeigt hat. Aber um wirklich vertraut damit zu werden, hätte ja jeder Schüler stundenlang daran üben können müssen.“ Und überhaupt: „Den Vorwurf der Mauschelei gibt es, seit es Wettbewerbe gibt.“

Im Orgelwettbewerb wurde am gestrigen Freitag der erste Durchgang abgeschlossen. Am 4. und am 6. September findet die zweite Runde statt. Am 8. und 9. September schließlich das Finale, in der Musikhochschule und im Gasteig, dort mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Großer Favorit auf den ersten Preis ist der 26-jährige Österreicher Michael Schöch. Er hat in diesem Jahr die Meisterklasse an der Münchner Hochschule absolviert – bei Professor Krapp.

Stephan Handel

Quelle und (C): Süddeutsche Zeitung vom 3. September 2011, Seite 39.

Gruß
Karsten


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