Daniel Beckmann im Wormser Dom
4. September, 18 Uhr.
Im Rahmen sowohl der Wormser Domkonzerte als auch des Kultursommers Rheinland-Pfalz war der noch ziemlich frischgebackene neue Mainzer Domorganist in Worms zu Gast. Beckmann (*1980) spielte den dieses Jahr beinahe unvermeidlichen Liszt ("Weinen, klagen..."), Bach (P, A & F C-Dur) und Widors 6. Symphonie.
Wer die Wormser Domorgel (Klais 1985 III/34) kennt, dürfte - wie ich - bei dem Programm neugierig bis skeptisch geworden sein. Um es kurz zu machen: Der Liszt war schlichtweg beeindruckend. Sowohl interpretatorisch (hervorragende Ausdeutung, auch des Liszt seinerzeit motivierenden Todes seines Sohns) als auch von Seiten der Registrierung. Man hätte einer Orgel dieses Jahrgangs und dieser Größe schwerlich zugetraut, einen so satten, dunklen, wirklich vollkommen zu Liszt passenden Klang erzeugen zu können.
Das folgende bachsche Präludium versprach viel, nicht zu rasch genommen, das gewaltige Pedalsolo weit ausgreifend, aber nicht zu episch. Im Adagio dann der Bruch. Ruhig fließend, cantabel begonnen, schien mittendrin Beckmann die Idee abhanden gekommen zu sein, was er mit diesem Concerto-Satz anfangen solle. Die Musik stand, wurde zu einer bloßen Aneinanderreihung einzelner Harmonien. Die folgende Fuge dann schwungvoll-virtuos, für den Wormser Dom mit seinem üppigen Nachhall aber definitiv zu rasch. Eine deutliche Temporeduzierung oder aber ganz konsequentes non legato-Spiel hätten Not getan, so wurde aus der Bachschen Polyphonie ein einziger wabernder Klangbrei.
Ähnlich leider der finale Widor. Ein in seinen Ecksätzen so explizt auf Monumentalität ausgelegtes Opus auf einer doch recht bescheiden dimensionierten Orgel darstellen zu wollen, dazu gehört Mut. An dem mangelte es Beckmann auch nicht, nur unterschätzte er wiederum die Akustik des Doms und überschätzte andererseits seine Ausdauer. Die geradezu stürmischen Tempi der Forte-Sätze ließen sich nicht durchhalten und verwandelten überdies zusammen mit Beckmanns konsequentem Legato-Spiel die detaillierte Virtuosität der Sätze in bloßes flächiges Dröhnen.
Schade drum. Beckmann ist ganz sicher einer der hervorragenden jungen deutschen Organisten und hatte sich eben so sicher eine Menge bei seinem Programm gedacht. Fragt sich nur, ob er sich mit diesem Programm an diesem Ort unbedingt einen Gefallen getan hat.
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