Iveta Apkalna in St. Lambertus, D-Altstadt

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Montag, 05. September 2011, 20:19 (vor 5482 Tagen)

Hallo Forum,

das gab es heute abend in St. Lambertus:

Liszt, Funérailles (Orgelbearbeitung L. Rogg)
Escaich, Évocation II
Glass, Mad Rush
Franck, Pièce Héroique
Liszt, B.A.C.H

Ein tolles Programm, wie aus einem Guß. Dahinter stand nämlich Iveta Apkalna. Und wie!

In breiten Tempi, todtraurig und doch ungemein klangraffiniert kamen die Funérailles. Schon hier wurde klar, wie intensiv sich Apkalna mit den Registrierungen auseinandergesetzt hatte.

Von barbarisch brutaler Wucht und zugleich bacchantischem Wirbel pochte die zweite Évocatiion. Man wurde an den Wunderbaren Mandarin von Bartok erinnert. Fast wäre es zu spontanem Zwischenbeifall gekommen.

Dann zwei abfallende Liegetöne, etwas Konstrukt darum herum, zeitweilig Auflösung in Girlanden (mal vom SW der Chor- dann vom SW der Hauptorgel). Im letzten Drittel ein aufsteigender Dreiklang als Melodie, vielfach wiederholt; Tonrepetitionen langer Werte im Legato. Wieder Girlanden, abfallende Zweisamkeit...Lapidares Ende. 15 Minuten. Große Andachtsmusik.

Von geradezu süffiger Agogik danach das heroische Stück - sehnsuchtsvoll. So kann man nur losgelöst von akademischen Zwängen und vollblut musikantisch spielen. Großartig der breit ausgekostete Schluß, der dabei jeglicher Peinlichkeit entbehrte.

Ebenso stilsicher, groß aufgespielt aber nie übertrieben BACH. Vorsichtig, zögernd fast der Fugenbeginn aus der Chororgel, herrliche Klangfarbenwechsel, gut durchgestalteter Schluß, bei dem die p-Stelle mit Streichern aus der Chororgel kam.

Sofort einsetzender, anhaltender Beifall für eine überaus sympathische Künstlerin; ca. 140 Hörer. Zugabe Valse oubliée Nr. 1 von Liszt. Leicht und duftig.

Noch lange standen viele Besucher in der Kirche und diskutierten das Erlebte untereinander und mit Iveta Apkalna, die sich zu den Besuchern begab und in fließendem Deutsch Rede und Antwort stand. Verdienterweise nahm sie zahlreiche Komplimente entgegen. Ein großer Konzertabend.

Gruß Clemens Schäfer

P.S.
Iveta Apkalna spielt am 24.09. in Bonn, Kreuzkirche, am 03.10. in Ratingen St. Peter und Paul.
In St. Lambertus wird die Konzertreihe am 03.10. mit Bernhard Leonardy, Saarbrücken, fortgesetzt.

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)


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