Schlüchtern = Schüchtern?

jrbecker @, Sonntag, 04. September 2011, 07:56 (vor 5483 Tagen)

Eigentlich wollte ich es ja als einmaliges Versehen abtun und gar nicht weiter darauf eingehen. Aber Wolfgangs wiederholten "Angriff" auf Schlüchtern-Absolventen kann ich nun doch nicht so ganz auf mir sitzen lassen... ;-)

Ja, ich habe meine C-Prüfung in Schlüchtern gemacht, und ich stehe dazu. Denn ich habe sie anderes gemacht als die meisten Schlüchtern-Absolventen: nämlich in "nur" einem Kurs und wenn es nach dem Willen der damaligen Leitung gegangen wäre, hätte ich am Ende dieses Kurses kein Prüfungszeugnis mit nach Hause genommen (... was aber eine andere Geschichte ist). Aber ich habe echt das Gefühl, ich bin hier der einzige, der die Klostermauern von innen kennt... will sich noch jemand bekennen? (Interessant fände ich es schon!)

Nun aber zu Wolfgangs offensichtlich doch sehr verfestigten Negativ-Meinung: Wie schrieb er in einem anderen Thread:
"Das reflexhafte Abstoßen des 2. Achtfüßers, daß so viele orgelbewegte Organisten unter dem Stichwort "Äqualverbot" verinnerlicht haben (besonders, wenn sie auf der Kirchenmusikschule Sch(l)üchtern waren....scnr....), gibt es so also nicht."

Und im anderen:
"Das Liedvorspiel kann ja auch ganz frei sein und dabei die Stimmung und den Anlaß reflektieren. Und deshalb habe ich mir da noch nie irgendwelche Fesseln anlegen lassen und werd's auch künftig nicht tun. Sowas überlasse ich den Kirchenmusikschule-Sch(l)üchtern-Absolventen und den "Orgelbuch-zum-Gotteslob"-Notenzählern, bei denen jedes Vorspiel sklavisch mit 8' und 4' - "Registrierung" brav manualiter gemacht wird."

Ich war zu einer Zeit in Schlüchtern, wo das "Äqualverbot" dort noch gelehrt wurde, und ich habe mich für die Dauer des Kurses natürlich auch daran gehalten - man will ja nicht seine Prüfung riskieren... Trotzdem gehören zur Umsetzung einer Lehrmeinung immer zwei Seiten, nämlich neben dem Lehrenden auch der Schüler, der darüber entscheiden muss, ob er das Gelehrte auch annimmt und umsetzt. Zumindest da habe ich mich in dem ein oder anderen Punkt doch als resistent erwiesen bzw. das Gehörte nach eigener Prüfung in der Praxis entweder übernommen oder verworfen. Und ich weiß von einigen anderen Kursteilnehmern, dass auch sie ihren eigenen Weg gefunden haben. Zumal es ja auch immer mehrere Möglichkeiten gibt, Lehrmeinungen zu überprüfen, verstand sich Schlüchtern doch zumindest zu meiner Zeit als Ergänzung zum lokalen Unterricht vor Ort beim "eigenen" Orgellehrer. Und wenn man dann wieder zum "heimischen Herd" zurückgekehrt ist, gehe ich soch einmal davon aus, dass bei solchen Irrtümern der eigene Orgellehrer auch entsprechend auf seinen Schützling eingewirkt haben müsste.

Den zweiten Vorwurf dagegen, dass Liedvorspiele "sklavisch mit 8' und 4' - "Registrierung" brav manualiter gemacht wird" kann ich aus meinem absolvierten Kurs nicht nachvollziehen. In meinem Kurs zumindest wurde da eine andere Praxis vertreten, zumindest so wie ich es in Erinnerung habe (es ist ja schon einige Jahre her). Schließlich war der Leiter ja ein LKMD, der die Möglichkeiten seiner dreimanualigen Peter-Orgel schon auszunutzen wusste und in den festlichen Gottesdiensten den Absolventen ja auch sein Instrument und sein Können vorführen wollte. Hier Vielfalt zu zeigen und dann ein paar Stunden mit Schülern an der Orgel zu sitzen und zu vertreten: "Vorspiele nur mit 8'+4'" - daran kann ich mich nicht erinnern.

Was ich damit aber eigentlich sagen will: Ich will mich gar nicht dagegen wehren, dass ich Schlüchtern mal etwas falsch gelehrt wurde. So etwas dürfte auch an anderen Ausbildungsstätten immer weider einmal vorkommen. Ich wehre mich aber gegen Verallgemeinerungen und vor allem dagegen, dass das Synonym "Schlüchtern" zur Definition für "schlechte kirchenmusikalische Ausbildung" gesetzt wird. Zumindest in meinem Kurs gab es eine Reihe sehr fähiger Kirchenmusiker als Dozenten, von denen ich einiges gelernt habe (dieser hier gehörte z. B. dazu). Auch der mir zugeteilte Orgellehrer, den ich als einen ehrwürdigen Herrn der alten Schule bezeichnen möchte, hat mir gerade über die Herangehensweise an Stücke doch einige neue Impulse gegeben. Ich hatte - das habe ich an anderer Stelle schon beschrieben - ja eine eher gleichgültige Orgelgrundausbildung genossen und mir viele Dinge autodidaktisch erschliessen müssen. Für mich war der Kurs in Schlüchtern daher eine sehr intensive Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Trotz Äqualverbot. Meiner Meinung nach ist es tatsächlich so, dass es darauf ankommt, was man aus diesen Erfahrungen macht, was man umsetzt und was man als Ausgangspunkt für eigene Entwicklungen/"Forschungen" annimmt oder eben auch ablehnt.

Zum Schluss: Auch ich habe tatsächlich ein sehr gespaltenes Verhältnis zu Schlüchtern. Trotzdem habe ich es danach einigen Bekannten empfohlen, weil ich denke, dass der Ansatz eines konzentrierten Kurses neben dem eigenen, heimischen Orgelunterricht etwas ist, was zusätzliche Erfahrungen vermittelt. Und die Möglichkeit, sich mich anderen "Schülern" auszutauschen ist ebenfalls nicht zu verachten.

Sorry, Wolfgang, dass ich deine beiden Aussagen nicht stehen lassen konnte. Ich habe sie - das hoffe ich, wird deutlich - auch nicht als persönlichen Angriff verstanden, es ging mit nur um die daraus geschlossene Verallgemeinerung, die man - so ist meine Meinung - so halt nicht stehen lassen kann. Ich hoffe, dass ich dabei sachlich geblieben bin!

LG - trotzdem!
Jörg

P.S.: Ich habe immer gesagt, dass ich lernfähig bin. Wenn ich mit meiner Meinung falsch liege, nehme ich entsprechende Hinweise gerne entgegen...

Schlüchtern = Schüchtern?

Bauernflöte 2' @, Sonntag, 04. September 2011, 12:33 (vor 5482 Tagen) @ jrbecker

Ich war zu einer Zeit in Schlüchtern, wo das "Äqualverbot" dort noch gelehrt wurde, und ich habe mich für die Dauer des Kurses natürlich auch daran gehalten - man will ja nicht seine Prüfung riskieren...


Da ich Schlüchtern als katholischer Organist nicht kannte, hab ich mir mal die Homepage angesehen und dabei das hier entdeckt:

http://www.kmf-info.de/registrierkunde.pdf

Schlüchtern = Schüchtern?

fluteceleste @, München, Sonntag, 04. September 2011, 13:05 (vor 5482 Tagen) @ Bauernflöte 2'

..und siehe, da drin steht's auf Seite 1:
"Das sog. „Äqualverbot“, also das Zusammenziehen mehrerer Register gleicher Fußtonlage, hatte bei alten
Orgeln technische Gründe (unnötiger Windverlust) und gilt bei modernen Orgeln nicht unbedingt."

Ich finde das Ding ist nicht schlecht geschrieben, und kurz und prägnant- Was den meisten von uns eh geläufig ist, sollte so mancher Andere durchaus mal beherzigen.

Allerdings gehts dann weiter unten auch schon wieder los mit den interessanten Thesen:
"Wird auf dem Hauptwerk gespielt und das Pedal mit der Koppel zum Hauptwerk verstärkt, kann es „Tonlöcher“ geben; d.h. ich schlage im Pedal einen Ton an, der durch einen Manualton schon „besetzt“ ist. Möglichst vermeiden!"
Das ist doch höchstens bei einem Trio wichtig..ansonsten: soll ich etwa für mein Bach-Präludium das Rückpositiv ankoppeln, und dann das Pedalsolo mit der Zimbel spielen??Da nehme ich doch lieber das "Klangloch".
Aber genug der Schelte..

Schlüchtern = Schüchtern?

Oliver Horlitz ⌂, Sonntag, 04. September 2011, 14:18 (vor 5482 Tagen) @ fluteceleste

Allerdings gehts dann weiter unten auch schon wieder los mit den interessanten Thesen:
"Wird auf dem Hauptwerk gespielt und das Pedal mit der Koppel zum Hauptwerk verstärkt, kann es „Tonlöcher“ geben; d.h. ich schlage im Pedal einen Ton an, der durch einen Manualton schon „besetzt“ ist. Möglichst vermeiden!"
Das ist doch höchstens bei einem Trio wichtig..ansonsten: soll ich etwa für mein Bach-Präludium das Rückpositiv ankoppeln, und dann das Pedalsolo mit der Zimbel spielen??Da nehme ich doch lieber das "Klangloch".
Aber genug der Schelte..

Nein! Noch lange nicht genug: Als Literaturangabe Klotz und Klinda? Da sind etliche Jahrzehnte an musikwissenschaftlichen und aufführungspraktischen Erkenntnissen mit einem Satz ignoriert...

meint kopfschüttelnd
Oliver

Schlüchtern = Schüchtern?

FranzS. @, Sonntag, 04. September 2011, 14:44 (vor 5482 Tagen) @ Oliver Horlitz


Nein! Noch lange nicht genug: Als Literaturangabe Klotz und Klinda? Da sind etliche Jahrzehnte an musikwissenschaftlichen und aufführungspraktischen Erkenntnissen mit einem Satz ignoriert...

meint kopfschüttelnd
Oliver

Hallo,

wobei der Klotz seinerzeit ja durchaus Ahnung hatte. Wenn der Klotz das noch lesen könnte würde er wahrscheinlich auch den Kopf schütteln.

immer noch verärgert grüßt
Franz

Schlüchtern = Schüchtern?

Florian-L, Montag, 05. September 2011, 08:07 (vor 5482 Tagen) @ FranzS.


Nein! Noch lange nicht genug: Als Literaturangabe Klotz und Klinda? Da sind etliche Jahrzehnte an musikwissenschaftlichen und aufführungspraktischen Erkenntnissen mit einem Satz ignoriert...

meint kopfschüttelnd
Oliver


Hallo,

wobei der Klotz seinerzeit ja durchaus Ahnung hatte. Wenn der Klotz das noch lesen könnte würde er wahrscheinlich auch den Kopf schütteln.

Vielleicht hätte ihm dieser Leitfaden zugesagt, hat er sich im "Buch von der Orgel" doch recht apodiktisch hinsichtlich Registrierhinweisen gegeben (ab Seite 173):

"Halten Sie im Registrieren Ökonomie ... ziehen Sie möglichst wenig Register ... ziehen Sie für die einzelne Fußtonlage in der Regel nur je ein Register."

"Das 16'-Fundament sollen wir gern nur für homophone, nicht für polyphone Abschnitte verwenden..."

"...die Orgel der Reger-Zeit war insofern für das Reger-Spiel unzureichend; wirklich zureichend ist da nur die Werkorgel..."

Seite 84: "Ganz falsch ist übrigens die Meinung, man brauche die Walze für die Darstellung der Orgelwerke von Max Reger. Das Gegenteil ist richtig. Für die Wiedergabe der Schöpfungen dieses größten deutschen Orgelmeisters seit Bach darf ein solch kunstwidriges Mittel wie die Walze nicht verwendet werden. Regers Orgelmusik verlangt wie jede echte Orgelmusik eine gut disponierte Schleifladenorgel mit mechanischer Traktur und elektrischer Registratur."

Gruß, Florian

--
"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-

Schlüchtern = Schüchtern?

Florian-L, Montag, 05. September 2011, 06:32 (vor 5482 Tagen) @ Oliver Horlitz

Allerdings gehts dann weiter unten auch schon wieder los mit den interessanten Thesen:
"Wird auf dem Hauptwerk gespielt und das Pedal mit der Koppel zum Hauptwerk verstärkt, kann es „Tonlöcher“ geben; d.h. ich schlage im Pedal einen Ton an, der durch einen Manualton schon „besetzt“ ist. Möglichst vermeiden!"
Das ist doch höchstens bei einem Trio wichtig..ansonsten: soll ich etwa für mein Bach-Präludium das Rückpositiv ankoppeln, und dann das Pedalsolo mit der Zimbel spielen??Da nehme ich doch lieber das "Klangloch".
Aber genug der Schelte..


Nein! Noch lange nicht genug: Als Literaturangabe Klotz und Klinda? Da sind etliche Jahrzehnte an musikwissenschaftlichen und aufführungspraktischen Erkenntnissen mit einem Satz ignoriert...

Klinda ist doch gut, zumal es kaum etwas Vergleichbares gibt. Außerdem weist er darauf hin, dass es sich um unverbindliche Registriervorschläge handelt und welche Möglichkeiten es gibt, bestimmte Werke an "unpassenden" Orgeln zu spielen.

Gruß, Florian

--
"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-

Schlüchtern = Schüchtern?

Dulzian @, Sonntag, 04. September 2011, 16:39 (vor 5482 Tagen) @ fluteceleste

Ich finde diese Kurzfassung der Schlüchtern-Registrierkunde, die für die C-Kursler gedacht ist, eigentlich sehr gut. Wenn jemand eine bessere Kurzfassung hat, mit der die C-Kursaspiranten besser zurechtkommen können, nur her damit - würde es weiterleiten für den C-Kurs in unseren Kirchenkreisen.

Allerdings gehts dann weiter unten auch schon wieder los mit den interessanten Thesen:
"Wird auf dem Hauptwerk gespielt und das Pedal mit der Koppel zum Hauptwerk verstärkt, kann es „Tonlöcher“ geben; d.h. ich schlage im Pedal einen Ton an, der durch einen Manualton schon „besetzt“ ist. Möglichst vermeiden!"

Das ist doch höchstens bei einem Trio wichtig..ansonsten: soll ich etwa für mein Bach-Präludium das Rückpositiv ankoppeln, und dann das Pedalsolo mit der Zimbel spielen??Da nehme ich doch lieber das "Klangloch".

Das sehe ich anders. Gerade bei Bach, wo praktisch alle Orgelmusik polyphone Musik darstellt, möchte ich die Möglichkeit, mit der Pedalstimme eine andere Klangfarbe zu bekommen (auch um z.B. Tonlöcher zu vermeiden, aber nicht nur deshalb), möglichst erhalten, keineswegs nur bei Trios. Wenn es die Orgel nicht hergibt, z.B. angehängtes Pedal, nur ein Manual, usw..., ist es natürlich was anderes.

Im übrigen sehe ich es so, dass es alle möglichen Abstufungen gibt zwischen einem 100%-Tonloch, wenn Pedal-und Manualton zusammentrifft (Pedal ist an das Hauptwerk angehängt und hat keinerlei eigene Register), und z.B. einer Kopplung Oberwerk an Hauptwerk und Kopplung Oberwerk an Pedal, wo beim Bach-Präludium doch eine gute Klangfarbentrennung zwischen Pedal und Spiel auf dem Hauptwerk hörbar sein sollte.

Die Klanggestaltung eines Orgelstückes hängt von so vielen Faktoren ab, dass es "richtige" oder "falsche" Lösungen kaum gibt; die endgültige Entscheidung wird am Instrument selbst oder noch besser: durch Abhören einer Registrierung im Kirchenraum getroffen werden müssen.

Ein weiser Satz - er steht gleich zu Beginn in der Kurzanleitung aus Schlüchtern.

Schlüchtern = Schüchtern?

FranzS. @, Sonntag, 04. September 2011, 14:33 (vor 5482 Tagen) @ Bauernflöte 2'
bearbeitet von FranzS., Mittwoch, 07. September 2011, 21:29

Hallo,

Neben vielen anderen Dingen, ist das das beste.

"Ältere Italienische und süddeutsche Orgelmusik: keine Zungen verwenden! Keine Manualwechsel. Pedal sparsam verwenden"

tja Freunde, da bin ich gelinde gesagt, jetzt etwas ungehalten, der soll doch gleich sagen "solche Musik ist zu vermeiden, weil sie dem inneren Wesen der Orgelmusik wiederspricht". Welcher "Experte" hat denn das verfasst? Glaubt der denn wirklich in Süddeutschland und Italien gab es keine Zungen? Gerade im 17. Jahrhundert ist doch genau das Gegenteil der Fall, wenn man mal aufmerksam in der "Orgeldokumentation der Diözese Regensburg" blättert, wird man feststellen, dass Zungen auch in sehr kleinen Orgeln sogar noch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gebaut wurden. Genau so wie in Italien, dort gab es doch die wildesten kurzbechrigen Zungen, meist auch in der "Elevatione" eingestezt. Ohne den Verfasser zu kennen, glaube ich sagen zu können, dass dieser weder im Gebiet der Orgelmusik, der Musikgeschichte, noch der Orgelbaukunde großartig bewandert ist. Zudem glaube ich, dass jemand der so ein Gewäsch verfasst hat, gar nicht fähig sein kann Orgel zu spielen.

Principal 8 + Flöte 4 + Principal 2 ist also verboten? Ha Ha, das mache ich gleich mal, dann wir er kommen und mich hoooolen *grusel*, wenigstens weiß ich jetzt, dass es bei den Evangelen auch ein Sakrileg gibt: "Der böse Dämon Franziscus hat Principal 8 + Flöte 4 + Principal 2 gespielt, wir müssen jetzt die ganze Kirche neu weihen...."

Wenn hier so eine KÜNSTLERISCHE Ausbildung erteilt wird, rate ich ernsthaft den Laden dicht zu machen.

Grüße
Franz

Schlüchtern = Schüchtern?

fluteceleste @, München, Montag, 05. September 2011, 05:00 (vor 5482 Tagen) @ FranzS.
bearbeitet von fluteceleste, Montag, 05. September 2011, 07:00

..im Moment vermeldet meine Schlüchtern-Spycam, wie ein ungezogener Kursteilnehmer (erkennbar mit Klotz und Klinda im Rucksack) auf einem historischen Instrument die Toccata all elevazione von Altmeister C.J. mit einer verbotenen 4'-Flötenlückenregistrierung spielen will. Zum Glück sch(l)üchtert ihn sofort ein geistesgegenwärtiger Dozent ein..:-)

Edit: Im Ernst, dieser Ratgeber ist ein Merkzettel, der der Zielgruppe der angehenden Organisten als Orientierung zum Nachschauen, sozusagen als Spickzettel wenn man an die Orgel kommt, gute Dienste leisten kann. Höheren Anforderungen hält er nicht stand. Man hätte ihn sicher besser schreiben können. Aber vielleicht gibts ja mal ncoh eine neue Auflage. Er ist für Leute, die noch nicht wissen, was ein Plenum ist, usw.

Schlüchtern = Schüchtern?

BourdonCéleste, Montag, 05. September 2011, 10:46 (vor 5482 Tagen) @ fluteceleste

Das ist alles so gruselig. "Leute, die noch nicht wissen was ein Plenum ist"?

Dieser Zettel liest sich ja wie eine amerikanische Bedienungsanleitung, in die - wegen absurder Haftungsfälle - selbstverständlichste Alltäglichkeiten aufgenommen wurden wie etwa "Der Fahrersitz ist während der Fahrt nicht zu verlassen" oder "alle vier Räder des Automobils sind während der Fahrt so zu benutzen, dass sie im Regelbetrieb allesamt und gleichzeitig Bodenkontakt haben".

Und überhaupt: Wieso die Abgrenzung vom KÜNSTLERISCHEN? Ist das Ausbildungsziel dort etwa nur das richtige Tastendrücken zur korrekten, möglichst unkünstlerischen Lieduntermalung? Will da niemand Musik machen? Kann da niemand selber hören, was gut und was schlecht klingt???

Gibt es tatsächlich "Orgelbenutzer", die keine (wenigstens einfache) Musik machen wollen, sondern einfach nur korrekte Schallwellen zu produzieren gedenken? Ist diese Ausbildung tatsächlich darauf gerichtet?? Auch auf niedrigem Niveau kann man doch künstlerisch tätig sein wollen? Auch einfache Musik kann schön sein!

Schlüchtern = Schüchtern?

fluteceleste @, München, Montag, 05. September 2011, 16:31 (vor 5481 Tagen) @ BourdonCéleste

Das ist alles so gruselig. "Leute, die noch nicht wissen was ein Plenum ist"?

das IST gruselig! Jedenfalls in meinem ehemaligen C-Kurs in der schwäbischen Provinz hätten nach Abschluß der Prüfung noch mehr als die Hälfte dieses Pamphlet sicher brauchen können...
Siehe auch die Schlüchtern-Prüfungsordnung unter Punkt 10- gerade mal 10 Minuten Orgelkunde, das spricht viel über den Stellenwert. und dafür stundenlang Gehörbildung..


1.Orgel-Literaturspiel - ca. 20 Minuten
2.Gemeindebegleitung und Improvisation - ca. 25 Minuten
3.Klavierspiel (fakultativ) - ca. 15 Minuten
(4. weiteres Instrument-fakultativ)
5.Musiktheorie/Tonsatz - ca. 3 Stunden Klausur
6.Gehörbildung - 60 Minuten Klausur
7.Generalbaßspiel (fakultativ) - ca. 10 Minuten
8.Musikgeschichte - ca. 10 Minuten
9.Orgelliteraturkunde - ca. 10 Minuten
10.Orgelkunde - ca. 10 Minuten
10.1. Geschichtlicher Überblick
10.2. Technischer und klanglicher Aufbau der Orgel
10.3. Registrierkunde
10.4. Orgelpflege

11.Theologische Information - ca. 10 Minuten
12.Kirchenliedkunde (Hymnologie) - ca. 10 Minuten
(total sinnlos fand ich hier übrigens das Liedvorsingen!)
13.Gottesdienstkunde (Liturgik) - ca. 10 Minuten

obiges ist übrigens die Prüfungsordnung der Teilbereichsprüfung als Organist (unterscheidet sich in der Hinsicht nicht von der gemischten mit Chorleiter/Organist)..
vielleicht sollten manche auch einfach eher die "Teilbereichsprüfung als Popularmusiker machen" (sowas gabs damals bei mir noch gar nicht)...

Schlüchtern = Schüchtern?

ArnezN, Sonntag, 04. September 2011, 17:01 (vor 5482 Tagen) @ jrbecker

Hallo zusammen,

ich oute mich als Schlüchtern-Absolvent, habe meine Orgelprüfung im letzten Sommer endlich abgelegt. Und es hat Spaß gemacht. Jeder meiner - ich glaub, es waren fünf - Kurse hat Spaß gemacht. Und damit bin ich schon beim ersten wichtigen Punkt: In Schlüchtern treffen sich auf den Kursen meist junge Leute, die jüngsten gerade konfirmiert, die meisten so zwischen 16 und 18. Sehr viele davon, wie ich einst auch, vom Land, wo sie halt beim Regionalkantor Unterricht haben und sobald sie wissen, was ein Choralbuch ist, von ihren eigenen Gemeinden zum Orgeldienst verdonnert werden. Und dann kommt man nach Schlüchtern, bekommt für zwei Wochen einen anderen Orgellehrer, lernt dabei die unterschiedlichen Herangehensweisen an das Instrument, den Unterricht, die Literatur kennen. Und man lernt gleichaltrige Leute kennen, die auch so "Freaks" sind und Orgel spielen - auf dem Dorf sicher kaum möglich! Manche Freundschaften halten da noch Jahrzehnte über das Kursende hinaus.
Nun aber zum inhaltlich-musikalischen:
1. Wie gesagt, der - wenn auch nur kurzzeitige - Wechsel des Lehrers kann niemandem schaden, auch wenn man, wie ich auf einem Kurs dann bei einem Straube-Enkelschüler dessen Herangehensweise vermittelt bekommt.
2. Dieser "Input" motiviert einen für Unterricht und gottesdienstliches Spiel nach dem Kurs. Ich habe dort schon Ideen mitgenommen, von denen ich immernoch profitiere.
3. Vorspiele manualiter 8'+4' lehrt da schon lange keiner mehr. Im Gegenteil, auf einem Kurs gab es einen besonderen "Improvisations"-Unterricht, der sich zwar auf "wie mache ich aus dem Choralbuchsatz ein spannendes Vorspiel" beschränkte, aber man darf nicht vergessen, dass die Teilnehmer noch nicht unbedingt die 10-jährige Gottesdiensterfahrung haben.
4. Die Anforderungen der Prüfungsordnung sind höher als z.B. hier in Niedersachsen. Zugegeben, für einen, der seine Gottesdienste seit zehn Jahren nach Gesangbuch spielt und sich beim Nachspiel auch lieber an einer Fugenimprovisation als an einem Walther-Komm heiliger Geist vom Blatt probiert, ist sie falsch ausgerichtet. Aber das ist natürlich ein Problem der Bewertbarkeit. Ich habs mit viel Üben aber trotzdem geschafft, alle Choräle einigermaßen nach Choralbuch vom Blatt gespielt (auch mit obligatem C.f.) und meine Exemplare jetzt verliehen...
5. Zur Registrierkunde: Bitte auch hier nicht vergessen: Die meisten der Teilnehmer kennen nur ihre drei im heimischen Umkreis befindlichen Bosch-Orgeln und haben sich noch nie Gedanken über Registrierungen gemacht. Und wenn man mit Blick auf die Standard-Boschorgel die Anleitung liest, sieht man vielleicht über manche Ungenauigkeit hinweg. Das ist keine Wissenschaft, sondern ein Skript, dass den jugendlichen, unerfahrenen Prüflingen beim Lernen für die Prüfung dienen soll Und Bosch-Zungen klingen in der Elevationstoccata vmtl. wirklich nicht gut. Außerdem werden alle Standardregistrierungen an der Schuke-Orgel der Stadtkirche in Schlüchtern, wo die Prüfungen stattfinden, wieder obsolet, da da zur Choralbegleitung Prinzipal 8' und 4' das Maximum sind - aber das ist ein anderes Thema.

Viele Grüße von einem überzeugten Schlüchteraner,
Arne

Schlüchtern = Schüchtern?

jrbecker @, Sonntag, 04. September 2011, 17:32 (vor 5482 Tagen) @ ArnezN

Merzi für diesen Beitrag, du führst hier sehr hintergründig das aus, was ich meinte als ich Wolfgang nur knapp anwortete: "Bei aller Diskussion sollte die Zielgruppe beachtet werden."

Besser als du es getan hast, hätte ich das auch nicht darstellen können!

LG
J.R.

P.S.: Wer ist denn der "Straube-Enkelschüler" - J.H. aus O.?

Schlüchtern = Schüchtern?

schnitgers.anderer.erbe, Sonntag, 04. September 2011, 18:21 (vor 5482 Tagen) @ ArnezN

Sehr schöner Beitrag, besser kann man es kaum zusammenfassen.

Mich regen solche Verallgemeinerungen wie in der Registrierkunde zwar auch auf, aber beim wieder "runter kommen" muss man doch eingestehen, dass es für die Zielgruppe das richtige ist.

Das Ausbildungsstätten im übrigen eine unterschiedliche Wertigkeit haben ist auch nichts neues. Wenn ich da beispielsweise an klangliche Erlebnisse mit zwei Absolventen aus einer katholischen Ausbildungsstätte in R. nachdenke, schmerzen mir auch heute noch die Ohren. Trotzdem würde ich nie behaupten, dass alle Früchte dieser Anstalt gleich sind - *Ironie an* wenn auch sehr ähnlich ;) *Ironie aus*

Schlüchtern = Schüchtern?

FranzS. @, Sonntag, 04. September 2011, 19:39 (vor 5482 Tagen) @ schnitgers.anderer.erbe
bearbeitet von FranzS., Sonntag, 04. September 2011, 19:51

Sehr schöner Beitrag, besser kann man es kaum zusammenfassen.

Mich regen solche Verallgemeinerungen wie in der Registrierkunde zwar auch auf, aber beim wieder "runter kommen" muss man doch eingestehen, dass es für die Zielgruppe das richtige ist.

Hallo,

aber gerade dieser Zielgruppe muss man doch vermitteln, was man aus einfacher Literatur machen kann und da sind schriftliche Standardanweisungen voll und ganz unangebracht, ja sogar kontraproduktiv. Nehmen wir mal die Sammlung Cantantibus organis her. Hier finden sich neben schweren Sachen auch viel Leichtes, also Musik für die Zielgruppe. Der Orgellehrer ist meiner Meinung nach gefordert, den Schülern zu vermitteln, wie man eine süddeutsche Pastorale gut spielen kann. Er muss die Kreativität fördern und die Schüler aktiv dazu auffordern, verschiedene Registrierungen, Tempi, Verziehrungen usw. auszuprobieren und, mit gutem Beispiel voran gehend, diese Musik auch selbst gut und ernsthaft spielen (wollen). Er soll zeigen, wie eine 60er Jahre Zunge gerade bei einer süddeutschen Pastorella wirkungsvoll eingesetzt werden kann, dass "unschöne" Schwebungen durch "Äqualregistrierungen" bei einer simplen Aria helfen können, Leben in die Musik zu bringen (nicht umsonst heißt es "Principale und Gamba 8" bei Grünberger), oder wie eine Trompete gerade einem kleinen Präambulum, dass kompositorisch nicht viel hergibt, die nötige Wirkung verleiht. Kurz gesagt, nur ein Hauch vom barocken Geist vermitteln und es werden bessere, gebildetere und motiviertere Organisten diese Institution verlassen. Vor Allem sollte er möglichst viele Orgeln besuchen, und die Schüler auch aktiv in diese Besuche miteinbeziehen. Es scheitert wahrscheinlich an der Einstellung der Lehrer, dass Musik gut komponiert und technisch schwer sein muss um nicht als Kompromisslösung für C-Schüler zu gelten, die man mit Standartanweisungen abspeißt, weil man davon überzeugt ist, die Musik verdient gar nicht schön gespielt zu werden. Den allen würde ich raten, sich mal Eberhard Kraus anzuhören. Der konnte einfache Sachen gut und ernsthaft spielen, das muss man ihm lassen und vor allem hört man bei Kraus eins raus, was die Lehrer in Schlüchtern wohl zuhause gelassen haben (muss so sein, wenn man solche Anweisungen verfasst)- Spielfreude!

Grüße Franz

das ist übrigens Spielfreude

Schlüchtern = Schüchtern?

schnitgers.anderer.erbe, Sonntag, 04. September 2011, 19:56 (vor 5482 Tagen) @ FranzS.

Ja gut gesprochen und schöne Beschreibung eines Idealzustandes, der aber an der Praxis zu 75% vorbei geht. Sicher ist die klassische Geschmacksbildung Basis für lebendiges Musizieren und eben genau die findet nicht (mehr?) statt. Und an dieser Stelle versucht dieses Pamphlet eben kompensatorisch einzugreifen, ob in der richtigen oder weniger guten Art und Weise sei dahin gestellt. Für mich ist es nur eine Konsequenz aus (frustrierenden) Erlebnissen der Unterrichtspraxis.

Schlüchtern = Schüchtern?

FranzS. @, Sonntag, 04. September 2011, 20:05 (vor 5482 Tagen) @ schnitgers.anderer.erbe

Ja gut gesprochen und schöne Beschreibung eines Idealzustandes, der aber an der Praxis zu 75% vorbei geht. Sicher ist die klassische Geschmacksbildung Basis für lebendiges Musizieren und eben genau die findet nicht (mehr?) statt.

Leider war.

Für mich ist es nur eine Konsequenz aus (frustrierenden) Erlebnissen der Unterrichtspraxis.

das glaube ich eher nicht. Es sieht eher so aus, als ob es dieses Machwerk schon von Anfang an gegeben hat.

Grüße

Franz

Schlüchtern = Schüchtern?

FranzS. @, Sonntag, 04. September 2011, 20:13 (vor 5482 Tagen) @ FranzS.

Ach ja, bevor ich es vergesse. Das erste was ich als Lehrer zu sagen hätte:
Bach hören!

Schlüchtern = Schüchtern?

Poupoulcorouse @, Mülheim am Rhein, Sonntag, 04. September 2011, 20:36 (vor 5482 Tagen) @ FranzS.

Und um ein Gefühl für diese Musik zu bekommen, würde ich sogar noch weiter gehen und also sagen: "Zuerst Buxtehude und Bruhns hören!"

Schlüchtern = Schüchtern?

FranzS. @, Sonntag, 04. September 2011, 20:58 (vor 5482 Tagen) @ Poupoulcorouse
bearbeitet von FranzS., Sonntag, 04. September 2011, 21:28

Und um ein Gefühl für diese Musik zu bekommen, würde ich sogar noch weiter gehen und also sagen: "Zuerst Buxtehude und Bruhns hören!"

Hallo,
Ich finde Buxtehude und Bruhns noch mehr, sehr schwer verständlich, zumindest für den Anfgang. Ich kann nicht verstehen wie man erst ein Gefühl für Bach bekommen muss, BWV 544 und wenn dann kein Gefühl da ist, dann kommts auch nicht mehr. Als ich BWV 544 zum ersten mal gehört habe, hatte ich keine Ahnung von Buxtehude und was eine Fuge war wusste ich erst recht nicht. Mir wurde nur klar, DAS ist Musik, nicht das Zeigl vom Klavieruntericht. Mit Buxtehude oder Muffat konnte ich erst später was anfangen, damals hätte mich das gelangweilt.

Grüße Franz

Schlüchtern = Schüchtern?

Poupoulcorouse @, Mülheim am Rhein, Sonntag, 04. September 2011, 21:06 (vor 5482 Tagen) @ FranzS.

Ich muss zugeben, daß es mir auch schwerfällt, heute nachzuvollziehen, wieso es bei mir umgekehrt lief. Mit ca. 10 Jahren fiel mir eine Einspielung von Hans-Christoph Becker-Foss in die Hände. Bachs Unvermeidliche und Buxwv 142. Schon damals hat mich Buxtehude mehr beeindruckt. Beide Stücke sind auch nicht unbedingt repräsentativ.
Ich habe mich später dann an Walchas Bach-Einspielung gewagt. Da regte sich bei mir ebenfalls nicht viel. Erst als ich dann irgendwann auf Harald Vogels Buxtehude-Einspielung stieß, kam das große "Aha-Erlebnis".

Buxtehude und Bach war Schlüchtern = Schüchtern?

FranzS. @, Sonntag, 04. September 2011, 21:27 (vor 5482 Tagen) @ Poupoulcorouse

Ich muss zugeben, daß es mir auch schwerfällt, heute nachzuvollziehen, wieso es bei mir umgekehrt lief. Mit ca. 10 Jahren fiel mir eine Einspielung von Hans-Christoph Becker-Foss in die Hände. Bachs Unvermeidliche und Buxwv 142. Schon damals hat mich Buxtehude mehr beeindruckt.

Buxwv 142 (großes e-moll oder?) sperriger Einstieg in die Orgelmusik. Wäre doch interessant was passiert wäre, wenn statt der "unvermeidlichen" das BWV 548 (auch großes e-moll) drauf gewesen wäre....

Grüße Franz

Buxtehude und Bach war Schlüchtern = Schüchtern?

Poupoulcorouse @, Mülheim am Rhein, Sonntag, 04. September 2011, 21:35 (vor 5482 Tagen) @ FranzS.

Das ist allerdings eine gute Frage. Aber es kam ja nunmal so wie es eben kam ;-)

Schlüchtern = Schüchtern?

ArnezN, Sonntag, 04. September 2011, 20:52 (vor 5482 Tagen) @ FranzS.

Hängt ihr euch nicht ein bisschen zu sehr an einer schriftlich niedergelegten Lernhilfe für C-Kursler auf? Das ganze (das in meiner Prüfung, warum auch immer, garnicht abgefragt wurde) lässt einen doch überhaupt nicht auf den im Kloster erteilten Unterricht schließen, zumal da verschiedene Dozenten, von denen einige auch in dieser Runde durchaus bekannt sein dürften, an Übeorgeln, die zum großen Teil garkeine stilgerechte Interpretation ermöglichen, Unterricht in IHREM Stil, und nicht nach Vorgaben vom Kurhässlichen Landesbischofs oder wem auch immer geben! Ich könnte mal meine Prüfungsregistrierung von BuxWV 149 rekonstruieren, die ich mit meinem Kurslehrer ausgesucht habe. Ich wette, da ist einiges Verbotenes dabei! Übrigens gibt es auf jedem Kurs auch Vorlesungen/Seminare zu Orgelbau, Orgelbaugeschichte, Literaturgeschichte usw. - Ist ja auch Prüfungsrelevant. Mich wundert, dass Schlüchtern hier so einen schlechten Ruf hat, ich kenne das sonst durchaus umgekehrt!
Achja, viele C-Kurs-Absolventen aus Schlüchtern studieren später Kirchenmusik, ist das woanders auch so?

Gruß aus Göttingen,
Arne

Schlüchtern = Schüchtern?

BourdonCéleste, Montag, 05. September 2011, 10:52 (vor 5482 Tagen) @ FranzS.

Genau!!! "Geist" ist das Stichwort! Danke, Franz, ich möchte jedes Wort unterstreichen. Es sind - neben handwerklichen Fertigkeiten - im Wesentlichen die Einstellung und der Geist der Dozenten, die eine Lehranstalt prägen und den Schülern/Studenten - jedem auf dessen Niveau - unendlich Bereicherndes mitgeben, oder aber alles, was da ist, verstümmeln und ersticken können.

Schlüchtern = Schüchtern?

ArnezN, Montag, 05. September 2011, 11:20 (vor 5481 Tagen) @ BourdonCéleste

Genau!!! "Geist" ist das Stichwort! Danke, Franz, ich möchte jedes Wort unterstreichen. Es sind - neben handwerklichen Fertigkeiten - im Wesentlichen die Einstellung und der Geist der Dozenten, die eine Lehranstalt prägen und den Schülern/Studenten - jedem auf dessen Niveau - unendlich Bereicherndes mitgeben, oder aber alles, was da ist, verstümmeln und ersticken können.

Na, dann wird klar, warum Schlüchtern bei den Teilnehmern so beliebt ist und warum viele später Kirchenmusik studieren: Weil eben genau das angesprochene Vermittelt wird.
Mir drängt sich ein Vergleich zur hier geführten Diskussion auf: Wenn man auf einer Fotografie den Prospekt einer Orgel betrachtet und die Schleierbretter häßlich findet, kann man dann die Orgel und den Orgelbauer als schlecht abstempeln?

Viele Grüße,
Arne

Schlüchtern = Schüchtern?

MichaelS ⌂ @, Brackenheim, Dienstag, 06. September 2011, 08:42 (vor 5481 Tagen) @ ArnezN

Mensch, Ihr Leut da! Seid doch froh, dass es eine solche Einrichtung überhaupt gibt. In Anderen Landeskirchen gibt es sowas überhaupt nicht oder wurde in den letzten Jahren erst langsam Aufgebaut. Als ich C-Kurs gemacht habe wurde an der Kirchenmusik-Hochschule so "nebenbei" alle vier Wochen einen Samstag lang Kirchenliedkunde, Theologie, Musikgeschichte und die "Beifächer" Vorlesungsmäßig unterrichtet. Der Praktische Unterricht in Orgel, Chorleitung war Sache des Bezirkskantors und Gehörbildung usw. Privatvergnügen.
Was mir da sehr fehlte (und weshalb ich immer auf Kurse gefahren bin, am liebsten damals natürlich immer im September nach Ochsenhausen) war der Austausch und das "gegenseitige Befruchten", will meinen durch Austausch von Ideen zu einem neuen Lösungsansatz zu kommen. Und was auf Kursen natürlich eigentlich viel wichtiger ist: das (abendliche) Gespräch bei den gemeinsamen Mahlzeiten oder beim guten Viertel Roten...
Lehrmethoden und Lehrmeinungen können auch an Musikhochschulen katastrophal sein - wenn ich an manch alten Professor aus der Strube-etc.-Schule denke und dann französische Romantik...

Schlüchtern = Schüchtern?

BourdonCéleste, Dienstag, 06. September 2011, 08:55 (vor 5481 Tagen) @ MichaelS

Was mir da sehr fehlte [...] war [...] das "gegenseitige Befruchten"

Dafür war man in Schlüchtern wahrscheinlich zu schüchtern...

Spass beiseite, weiß schon was Du meinst. Dieser kollegiale Austausch ist äußerst wertvoll und bereichernd - zumal es immer besser ist, miteinander als übereinander zu reden.

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