Orgel in Triftern
FranzS.
, Donnerstag, 01. September 2011, 16:57 (vor 5485 Tagen)
bearbeitet von FranzS., Donnerstag, 01. September 2011, 19:16
Hallo,
ich komme gerade von einer eher unkonventionellen Orgel. Schöpfer dieses Instruments ist der von mir schon öfter erwähnte Pfarrer Striedl (der übrigens auch eine kleine Werbeschrift über das Sakrament der Buße geschrieben hat, mit dem Titel "d'Beicht machts' leicht!"). Triftern ist ein kleiner Markt im tiefsten Niederbayern (die nächste Großstadt ist wahrscheinlich Linz) und dort steht natürlich neben dem Wirtshaus die nicht all zu große Kirche. Leider hatte ich keine Kamera dabei aber hier gibt es einige Bilder, auch von der Orgel. Der Pfarrer Striedl hat sich folgende Disposition einfallen lassen:
I. HW:
Quintatön 16
Deutsch-Principal 8
Spitzflöte 8
Viola da Gamba 8
Oktave 4
Rohrschelle 4 (Mischung aus Quintade und Pommer)
Gemspfeife 2
Schwiegel 1
Mixtur 1 1/3 5-6 fach
Kupferchamade 16
Trompete 8
II. SW:
Singend Gedackt 8
Salicional 8
Italenisch- Principal 4
Nachthorn 4
Blockflöte 2
Nasard-quinte 2 2/3
Terzflöte 1 3/5
Scharff 1 4-5 fach
Zwergzimbel 1/3 3 fach
Französische Oboe 8
Gongglocken
Tremulant
III. Kronwerk:
Gedecktpommer 8
Fugara 4
Aelsharfe 4
Kleinprincipal 2
Farbentöne 8/3+ 8/7+ 8/9
Akkordzimbel 2/5 3-4 fach
Spitzentöne 1/6+ 1/8
Vox humana 8
Ped.
Diapason 16
Subbass 16
Quintbass 10 2/3
Prästant 8
Zartbass 8
Choralbass 4
Rauschpfeife 5 1/3
Kontrafagott 32 (sprechen leider nicht mehr viele an)
Bassposaune 16
Tenorposaune 8
Clarine 4
Chororgel (spielbar vom III. Manual)
Bordun 8
Gemshorn 8
Holzflöte 4
Dolcan 2
Sesquialtär 1 1/3+ 4/5
Acuta 1 4 fach
Cymbel-Piffaro 1/4+ 1/8
Krumhorn Regal 8
Spanische Fanfare 4
Ped.
Untersatz 16
Echobass 16
Cantus Firmus 4+ 1 1/3
Bombarde 8
Zinke 2
Koppeln
III zu I, III zu I super, III zu I sub, III zu II
II zu I, II zu I super, II zu I sub
I super, Pedal super
Normale Pedalkoppeln
Walze, 2 freie Kombinatonen, sämtliche gängie Spielhilfen.
Die Orgel wurde seit 20 Jahren nicht gewartet. Lediglich zwei Orgelbauer waren für zwei Stunden vor kurzem da, um ein paar Kleinigkeiten zu richten. Die Pedalzungen gehen nur bedingt, weil bei der Kirchenrenovierung ein schweres Holzbrett in das Pedalwerk gefallen ist. Das Generaltutti ist brachial und wirklich sehr nah an der Schmerzgrenze. Ansonsten ein unverwüstliches Teil und man stellt sich wieder die Frage: Planieren oder sanieren?
Grüße Franz
Orgel in Triftern
elsenp, Donnerstag, 01. September 2011, 17:23 (vor 5485 Tagen) @ FranzS.
Hallo,
die (geplante) Zukunft des Instruments ist hier nachzulesen:
Bericht des OSV
Alleine schon die lustigen Registernamen würden eine Erhaltung m.E. rechtfertigen.
Oder wer sonst läßt noch Zwerge an die Zimbel und holt Spitzentöne aus der Orgel...
Gruß
Peter
Orgel in Triftern
FranzS.
, Donnerstag, 01. September 2011, 17:40 (vor 5485 Tagen) @ elsenp
bearbeitet von FranzS., Donnerstag, 01. September 2011, 17:46
Hallo,
die (geplante) Zukunft des Instruments ist hier nachzulesen:
Bericht des OSV
Gruß
Peter
Halte ich eher für unwahrscheinlich, wozu auch? die Orgel funktioniert im Großen und Ganzen.
Grüße Franz
Liebfrauenkirche Neuenburg am Rhein - war: Orgel in Triftern
SKB, Donnerstag, 01. September 2011, 19:51 (vor 5485 Tagen) @ elsenp
die (geplante) Zukunft des Instruments ist hier nachzulesen:
Bericht des OSV
... schwierige Sache - im schönen Neuenburg am Rhein (so ziemlich südlichste Ecke Deutschlands, im Dreiländereck, in hervorragender Wein- und Spargelgegend gelegen), bei meinem Chor, tue ich ab und an Dienst an einer 1953 von Orgelbau Mönch, Überlingen, erbauten Orgel. Neuenburg war die erste Stadt, die im Krieg von den Franzosen praktisch völlig zerschossen wurde - dementsprechend schnell und möglichst günstig musste nach dem Krieg Kirche samt Orgel gebaut werden, was für die Orgel (in einem, finde ich, sehr schönen Sakralbau mit fantastischer Akustik stehend) bedeutet, dass in Massen Sperrholz, Pfeifen in eher günstiger Legierung, ein Spieltisch in billig-Haptik mit funktionslosem Schwelltritt, eine "interessante", aber nicht wirklich in sich schlüssige Disposition auf der Empore vorzufinden sind. Die im Prospekt stehenden tiefsten Prinzipalbasspfeifen sind, einem Korb Spargel gleich, eher nicht ganz so regelmäßig gerade gewachsen - einige sind unten eingeknickt, andere weisen oben eine von der Vertikale abweichende Richtung auf, die freien Kombinationen funktionieren immer mal wieder nicht, der Manual-16' (als Transmission im Pedal spielbar) tut meist nur ab dem fis'... insgesamt, so der OSV verständlicherweise, ein Fall für den Sondermüll und einen kompletten Neubau.
Wenn man am Instrument sitzt, hat man auch einiges zu tun, bis man "schöne" Klänge gefunden hat - das zweite Manual (mit extrem hochliegender Terzzimbel) hat es da besonders in sich. Wenn man dann aber mit dem Instrument warm wurde und etwa eine Gemeinde zu begleiten hat, ist man glücklich; bei aller Windstößigkeit, die die Orgel nun einmal hat (wie gesagt, ein Fall für den Sondermüll) kann man die (ungeschulte) Gemeinde damit führen, dass es eine Freude ist; die Orgel ist weder zu laut noch zu leise, bietet dem Gemeindegesang ein wunderbares, an neuen Orgeln selten zu findendes Bett, auf das er sich legen kann, ist bei aller Beschränktheit durch die seltsame Disposition sehr, sehr abwechslungsreich... so hat sie etwa ein Plenum, das man in dieser Wärme und gleichzeitig Brillanz an kaum einer modernen Orgel findet. Der elektrische Spieltisch lässt sich ungemein angenehm spielen - es ist eine Freude, darauf zu improvisieren und irgendwie hat man sehr, sehr schnell ein "kathedraleskes" Spielgefühl, so fantastisch ist das Instrument intoniert.
Insgesamt also eine Orgel, deren Qualitäten von einen Neubau praktisch nicht zu erreichen sind.
Was ist zu tun?
Viele Grüße
Liebfrauenkirche Neuenburg am Rhein - war: Orgel in Triftern
FranzS.
, Donnerstag, 01. September 2011, 19:55 (vor 5485 Tagen) @ SKB
die (geplante) Zukunft des Instruments ist hier nachzulesen:
Bericht des OSV
... schwierige Sache - im schönen Neuenburg am Rhein (so ziemlich südlichste Ecke Deutschlands, im Dreiländereck, in hervorragender Wein- und Spargelgegend gelegen), bei meinem Chor, tue ich ab und an Dienst an einer 1953 von Orgelbau Mönch, Überlingen, erbauten Orgel. Neuenburg war die erste Stadt, die im Krieg von den Franzosen praktisch völlig zerschossen wurde - dementsprechend schnell und möglichst günstig musste nach dem Krieg Kirche samt Orgel gebaut werden, was für die Orgel (in einem, finde ich, sehr schönen Sakralbau mit fantastischer Akustik stehend) bedeutet, dass in Massen Sperrholz, Pfeifen in eher günstiger Legierung, ein Spieltisch in billig-Haptik mit funktionslosem Schwelltritt, eine "interessante", aber nicht wirklich in sich schlüssige Disposition auf der Empore vorzufinden sind. Die im Prospekt stehenden tiefsten Prinzipalbasspfeifen sind, einem Korb Spargel gleich, eher nicht ganz so regelmäßig gerade gewachsen - einige sind unten eingeknickt, andere weisen oben eine von der Vertikale abweichende Richtung auf, die freien Kombinationen funktionieren immer mal wieder nicht, der Manual-16' (als Transmission im Pedal spielbar) tut meist nur ab dem fis'... insgesamt, so der OSV verständlicherweise, ein Fall für den Sondermüll und einen kompletten Neubau.
Wenn man am Instrument sitzt, hat man auch einiges zu tun, bis man "schöne" Klänge gefunden hat - das zweite Manual (mit extrem hochliegender Terzzimbel) hat es da besonders in sich. Wenn man dann aber mit dem Instrument warm wurde und etwa eine Gemeinde zu begleiten hat, ist man glücklich; bei aller Windstößigkeit, die die Orgel nun einmal hat (wie gesagt, ein Fall für den Sondermüll) kann man die (ungeschulte) Gemeinde damit führen, dass es eine Freude ist; die Orgel ist weder zu laut noch zu leise, bietet dem Gemeindegesang ein wunderbares, an neuen Orgeln selten zu findendes Bett, auf das er sich legen kann, ist bei aller Beschränktheit durch die seltsame Disposition sehr, sehr abwechslungsreich... so hat sie etwa ein Plenum, das man in dieser Wärme und gleichzeitig Brillanz an kaum einer modernen Orgel findet. Der elektrische Spieltisch lässt sich ungemein angenehm spielen - es ist eine Freude, darauf zu improvisieren und irgendwie hat man sehr, sehr schnell ein "kathedraleskes" Spielgefühl, so fantastisch ist das Instrument intoniert.
Insgesamt also eine Orgel, deren Qualitäten von einen Neubau praktisch nicht zu erreichen sind.
Was ist zu tun?
Viele Grüße
passt!
Liebfrauenkirche Neuenburg am Rhein - war: Orgel in Triftern
Subkoppel II - I
, Donnerstag, 01. September 2011, 20:17 (vor 5485 Tagen) @ FranzS.
... kann man die (ungeschulte) Gemeinde damit führen, dass es eine Freude ist; die Orgel ist weder zu laut noch zu leise, bietet dem Gemeindegesang ein wunderbares, an neuen Orgeln selten zu findendes Bett, auf das er sich legen kann, ...
Eine wunderschöne Beschreibung.
Aber ich kenne Gemeinden, die brauchen manchmal einen Stacheldraht (Trompete, Kornett etc.) in diesem Bett damit sie beim Singen nicht einschlafen.
Die Dispo wäre interessant.
Gruß,
Subkoppel II - I
Liebfrauenkirche Neuenburg am Rhein - war: Orgel in Triftern
SKB, Freitag, 02. September 2011, 08:27 (vor 5484 Tagen) @ Subkoppel II - I
... aus dem Kopf, mit möglicherweise falschen "Detailbezeichnungen" ("Block"-Flöte etc):
1. Manual (C-g'''):
Gedecktpommer (?) 16'
Prinzipal 8'
Flöte 8'
Gemshorn 8'
Oktave 4'
Rohrflöte 4'
Superoktave 2'
Mixtur 4f 1 1/3'
Trompete 8'
2. Manual (C-g''') - Schwelltritt ohne Funktion -
Rohrgedeckt 8'
Salicional 8'
Prinzipal 4'
Blockflöte 4'
Waldflöte 2'
Superoktave 1'
Terzzimbel 3f (?)
Rohrschalmey 8'
Pedal (C-f')
Prinzipalbass 16'
Subbass 16'
Zartbass 16'
Oktavbass 8'
Gedecktbass 8'
Oktavbass 4'
Posaune 16'
Normalkoppeln
Registernamen wie gesagt ohne Gewähr.
Und hier noch der Versuch einer Charakteristik der einzelnen Stimmen:
1. Manual (C-g'''):
Gedecktpommer (?) 16' - mit wenig Ansprachegeräusch, weich grundierend und im Plenum mitwachsend
Prinzipal 8' - relativ flötig, dennoch mit starkem "Kernklang"
Flöte 8' - sehr weit, im Raum aber stark tragend
Gemshorn 8' - streichend, den Übergang zu den leisen 8'- und 4'-Stimmen im 2. Manual bildend
Oktave 4' - sehr "klare", brillante Farbe; bringt auf den 8' sehr viel Oberton (auch wenn die Integration beider Register nicht sehr geglückt erscheinen mag)
Rohrflöte 4' - in der Ansprache etwas gepresst, aber für ein Flautino eine wunderschöne Farbe; Prinzipal lässt sich damit gut aufhellen und "einweichen"
Superoktave 2' - für die Flötigkeit des 8' erstaunlich scharf; wenngleich dadurch 8'4'2' etwas zu auseinanderfallend klingt, bringt die Schärfe im Mixturplenum fast einen Zimbel-Effekt ein
Mixtur 4f 1 1/3' - sehr dunkel, herrlich auf 8'4' passend. Gemeindebegleitung einer größeren Gemeinde geht da hervorragend. In einem großen Plenum (ohne 2', aber mit Trompete) wirklich symphonischer Klang
Trompete 8' - sehr runder, in sich weicher Klang; kein quasi-symphonisches Knattern, sondern eine angenehme Größe
2. Manual (C-g'''): im Vergleich zum Hauptwerk sehr zurückhaltend
Rohrgedeckt 8' - sehr zurückhaltend, mit deutlichem, aber leisem "Spucken" - wächst im Klang erstaunlich mit
Salicional 8' - zart, mit sehr viel Oberton streichend, dafür aber mit wenig Ansprachegeräusch. "Zerbrechlicher" Klang
Prinzipal 4' - "minor" der Oktave im Hauptwerk; schlanker, aber auch etwas brillanter
Blockflöte 4' - sehr zurückhaltende Farbe; für den Salicional etwas zu kräftig, mit beiden 8' und Gemshorn 8' HW entsteht aber fast ein Unda maris-Effekt
Waldflöte 2' - deutliche Ansprache, "kugeliger" Klang
Superoktave 1' - sehr leise, aber dadurch sehr "glitzernd" - zu den Grundstimmen wie ein Glockenspiel
Terzzimbel 3f (?) - ebenfalls sehr zurückhaltend; Integration in die Grundstimmen des zweiten nicht stark ausgeprägt, dadurch aber auch Glockenspiel-Effekt; das Hauptwerksplenum sowohl in Richtung scharf als auch farbig einfärbend
Rohrschalmey 8' - sehr runder, böse gesagt knödelnder Klang, dadurch allerdings wunderbar als Gabler-Vox humana zu verwendender Effekt, verbindet sich allerdings mit dem Plenum des zweiten Manuals nicht wirklich zu einem großen Ganzen
Pedal (C-f')
Prinzipalbass 16' - mit klarer Ansprache, grundsätzlich mit Kern, aber in sich sehr weich. Wächst stark mit dem Klang mit
Subbass 16' - weiches, dennoch tragendes Register, ebenfalls mitwachsend
Zartbass 16' (Transmission HW) - "Subbass minor", für HW-Transmission erstaunlich tragend, fantastisch schemenhaft bei schnellen Pedalpassagen
Oktavbass 8' - sehr stark, mit klarer Ansprache, für meine Ohren fast etwas zu tenorbetonend; kräftiger als Prinzipal 8' HW. Dafür bringt er auf der Posaune 16' fast den "Peng" einer weichen Pedaltrompete
Gedecktbass 8' - sehr rundes, fülliges Register, ziemlich zurückhaltend, wunderbar zur Begleitung geeignet, allerdings (Traktur oder Ansprache?) etwas langsam
Oktavbass 4' - rund, streichend, nie aggressiv; für einen c.f. im Tenor fast etwas zurückhaltend, aber "elegant"
Posaune 16' - mit starkem Grundton, etwas "polternd", aber von unglaublicher "Rundheit" oder Weichheit. Eröffnet zu einem Mixturplenum hinzu noch ganz andere Dimensionen von Größe - im Raum entsteht der Eindruck fast einer Bombarde
---
technisch wie gesagt eigentlich am Ende, aber klanglich kann man ohne große Mühe das Dach herunterholen - Gemeindeführungstauglich (in allen Bereichen, von kleiner Gemeinde mit 30 Sängern bis hin zur Osternacht mit voller Kirche), wie man es selten erlebt (weil sich der Klang nie aufdrängt, sondern stets "unter" der Gemeinde, tragend, bleibt), einerseits zwar geht nicht alle Literatur, die Klänge aber, die mit auch nur ein bisschen Einfühlungsvermögen möglich sind, entschädigen da vielmals dafür, da einfach glücklichmachend... Klänge, die ich an heute erbauten Orgeln so nie mehr gehört habe.
Ideen aus dem Forum?
Viele Grüße
Liebfrauenkirche Neuenburg am Rhein - war: Orgel in Triftern
Subkoppel II - I
, Freitag, 02. September 2011, 16:08 (vor 5484 Tagen) @ SKB
Rohrschalmey 8' - sehr runder, böse gesagt knödelnder Klang, dadurch allerdings wunderbar als Gabler-Vox humana zu verwendender Effekt, verbindet sich allerdings mit dem Plenum des zweiten Manuals nicht wirklich zu einem großen Ganzen
Die Rohrschalmey sieht wahrscheinlich so aus und ähnelt unserer "Vox humana", die ich genau aus diesen Gründen gegen eine (Trichter)-Schalmey ausgewechselt habe.
technisch wie gesagt eigentlich am Ende, aber klanglich kann man ohne große Mühe das Dach herunterholen - Gemeindeführungstauglich (in allen Bereichen, von kleiner Gemeinde mit 30 Sängern bis hin zur Osternacht mit voller Kirche), wie man es selten erlebt (weil sich der Klang nie aufdrängt, sondern stets "unter" der Gemeinde, tragend, bleibt), einerseits zwar geht nicht alle Literatur, die Klänge aber, die mit auch nur ein bisschen Einfühlungsvermögen möglich sind, entschädigen da vielmals dafür, da einfach glücklichmachend... Klänge, die ich an heute erbauten Orgeln so nie mehr gehört habe.
Ideen aus dem Forum?Viele Grüße
Eigentlich eine eindeutige Sachlage.
Wenn der OSV Sondermüll sagt, dann führt an einem Neubau eigentlich nichts mehr vorbei, will man nicht auf die Zuschüsse des Bistums verzichten.
Ich halte es aber für möglich, daß man dem OSV und einem Orgelbauer des Vertrauens mal diese besonderen Klangbeispiele und -kombinationen vorstellt und sie von deren Schönheit überzeugt.
Dann könnte entschieden werden welche Register in einen Neubau übernommen werden können und welche einfach "platt" sind.
Ähnliches kann ich nämlich bei unserer Orgel finden (Bj: 1952, III / P / 40).
Wir haben eine Hohlflöte 8' und eine Schwebung 8' mit wunderschönem Klang, die ursprünglich als "Gedact" und "Gamba" in einer Vorgängerorgel von 1790 gestanden haben und sicher wegen dieser Klangschönheit in eine 1876 gebaute Orgel übernommen wurden und aus dieser Orgel dann 1952 wieder übernommen wurden.
Natürlich bauen Orgelfirmen lieber komplett neu, aber nach deiner Beschreibung wäre eine Teilübernahme der Register doch wirklich sinnvoll und diskussionswürdig.
Gruß,
Subkoppel II - I
Liebfrauenkirche Neuenburg am Rhein - war: Orgel in Triftern
Friedrich
, Freitag, 02. September 2011, 16:19 (vor 5484 Tagen) @ Subkoppel II - I
Ich halte es aber für möglich, daß man dem OSV und einem Orgelbauer des Vertrauens mal diese besonderen Klangbeispiele und -kombinationen vorstellt und sie von deren Schönheit überzeugt.
Dann könnte entschieden werden welche Register in einen Neubau übernommen werden können ...
Natürlich kann es an einzelnen Registern liegen, wahrscheinlich spielt aber bei Phänomenen wie den von Sebastian beschriebenen noch mehr eine Rolle – zum Beispiel die Art der Aufstellung, der Wind (und vielleicht sogar dessen Mängel), das Zusammenspiel von Laden und Intonation usw. Man bräuchte also einen Orgelbauer und Intonateur mit viel Erfahrung und Fantasie in solchen Dingen, damit der die Lage beurteilt und ein Konzept entwickelt, wie diese Klangcharakteristik in ein technisch neues Instrument hinüberzuretten wäre. So fantasievoll, wie Sebastian die Sache schildert, müsste der Orgelbauer sich die neu-alte Orgel denken können, ungeachtet eigener Vorlieben.
Gruß,
Friedrich
Liebfrauenkirche Neuenburg am Rhein - war: Orgel in Triftern
SKB, Samstag, 03. September 2011, 20:28 (vor 5483 Tagen) @ Friedrich
Natürlich kann es an einzelnen Registern liegen, wahrscheinlich spielt aber bei Phänomenen wie den von Sebastian beschriebenen noch mehr eine Rolle – zum Beispiel die Art der Aufstellung, der Wind (und vielleicht sogar dessen Mängel), das Zusammenspiel von Laden und Intonation usw. Man bräuchte also einen Orgelbauer und Intonateur mit viel Erfahrung und Fantasie in solchen Dingen, damit der die Lage beurteilt und ein Konzept entwickelt, wie diese Klangcharakteristik in ein technisch neues Instrument hinüberzuretten wäre.
Das ist das Problem an der Sache - die Register an sich sind allein von der Materialqualität her sicher nicht erhaltenswert, und (wie an mehreren "Reorganisationen", bei denen ursprünglich auf Kegelladen stehende Register auf Schleifladen umgestellt wurden) auf einer mechanischen Schleiflade würde das sicher sofort deutlich, was wiederum für einen Totalneubau spricht.
Dafür aber kann (bei aller Unzulänglichkeit) die Orgel zu viele Dinge, die heutige Orgeln nicht unbedingt mehr können...
Ich selbst bin wirklich ratlos, was in diesem Fall zu tun ist.
Viele Grüße
Liebfrauenkirche Neuenburg am Rhein - war: Orgel in Triftern
FranzS.
, Samstag, 03. September 2011, 22:33 (vor 5483 Tagen) @ SKB
bearbeitet von FranzS., Samstag, 03. September 2011, 22:40
Ich selbst bin wirklich ratlos, was in diesem Fall zu tun ist.
Viele Grüße
Hallo,
da kenne ich noch so einige Teile, meist in Filialkirchen, aus den 30er -50er Jahren. Primitiv bis sehr primitiv gebaut. Zwei will ich hier vorstellen, sie wurden hergerichtet und funktioniern seitdem tadellos.
Nr. 1
Orgelbau "St. Gregorius- Werk, Georg Glatzl, Mühldorf" ca. 1935
Man.
Flötenprincipal 8
Gedeckt 8
Salicional 8
Kleinprincipal 4
Gemshorn 4
Echo-Mixtur III fach 2 2/3
Blockflöte 2
Ped.
Subbass 16
Zartbass 16
I zu Ped, I super und I sub, Walze (!),
künstlerisch gesehen wertlos, handwerklich gesehen auch, aber: dank der Sub und Superkoppel lassen sich sehr unterschiedliche Gemeindebegleitungen realisieren und die Orgel ist eigentlich auch sehr vielseitig. Ich hab sogar einige Nummern aus Regers op. 80 bzw. op. 69 drauf machen können. Und auch wenn sie bei vollem oder schnellern Spiel windstößig ist, geht aus dem Ding ordentlich was raus.
Nr. 2
Orgelbau Michael Weise, Plattling 1950
1. Man.
Salicional 8
Gedeckt 8
Principal 4
Mixtur III fach 2
2. Man.
Spitzflöte 8
Kleingedeckt 4
Nachthorn 2
Ped.
Subbass 16
II zu I, II zu I sub, I super, Pedalkoppeln
Automatisches Pianopedal.
Diese Orgel ist eigentlich auch sehr primitiv gebaut, Zink und Sperrholz. Noch vor ein paar Jahren pfiff sie aus dem letzen Loch. Sie wurde wieder zusammengeflickt und funktioniert seit ein paar Jahren tadellos, sogar die Kalkantenvorrichtung geht noch. Die klangliche Qualität übertrifft die handwerkliche Qualität und von Buxtehude bis Griesbacher geht alles (weil "barocke" Disposition, romantische Intonation), wenn man nicht all zu große Ansprüche stellt.
Ich sag, wenn man so ein Ding einigermaßen anhören kann, zusammenflicken! Denn solche Instrumente sind so primitiv gebaut, da kann gar nicht viel kapput sein und man muss ja nicht alles beseitigen, selbst wenns nichts besonderes ist.
Grüße Franz
Liebfrauenkirche Neuenburg am Rhein - war: Orgel in Triftern
Poupoulcorouse
, Mülheim am Rhein, Samstag, 03. September 2011, 23:19 (vor 5483 Tagen) @ FranzS.
Da ist was dran. Problematisch wirds erst dann, wenn bei wirklich elementaren Bereichen Murks verbaut wurde. Zum Beispiel Trakturen aus Draht. Da lässt sich irgendwann nicht mehr viel verbessern.
Liebfrauenkirche Neuenburg am Rhein - war: Orgel in Triftern
FranzS.
, Sonntag, 04. September 2011, 07:15 (vor 5482 Tagen) @ Poupoulcorouse
Da ist was dran. Problematisch wirds erst dann, wenn bei wirklich elementaren Bereichen Murks verbaut wurde. Zum Beispiel Trakturen aus Draht. Da lässt sich irgendwann nicht mehr viel verbessern.
Hallo,
richtig, bei vermurksten mechanischen Schleifladen kanns schnell ein bischen mehr kosten. Die von mir genannten Beispiele sind alles sehr einfache und ausgereifte pneumatische Systeme, wie vermutlich das der Orgel, die SKB beschrieben hat. Ich kenne auch noch eine elektrische Kegellade aus der Zeit. Diese wurde von Organisten kaputt geredet und da hieß es auch, ein Neubau solle her. Es stellte sich heraus, dass an der Orgel nicht viel zu reparieren war und auch dieses Instrument funktioniert wieder tadellos (der mir nicht bekannte Organist ist übrigens verstorben, ich habe da deshalb eine Zeit lang ausgeholfen und deshalb kenne ich die Orgel). Auch diese Orgel ist so primitiv, dass es eigentlich nicht mehr schlimmer geht. Klanglich überrascht sie dann doch sehr, was aber auch am Raum liegt.
Grüße Franz
Liebfrauenkirche Neuenburg am Rhein - war: Orgel in Triftern
MichaelS
, Brackenheim, Dienstag, 06. September 2011, 10:16 (vor 5480 Tagen) @ SKB
Hallo Sebastian,
ein schönes Referenzinstrument für Mönch fällt mir da ein: kath. Kirche St. Maria in 74889 Sinsheim-Hilsbach mit um die 30 Register auf zwei Manualen und Pedal. Man glaubt nicht, was in dieser Orgel der Fünfziger steckt.
Und wenn man dann schon mal da ist kann man auch gleich die Voit-Dame von 1874 in der fast benachbarten evangelischen Kirche genießen und das kann man, steht dieses schöne Instrument doch ein Wenig im Schatten der Walckerin eines anderen Sinsheimer Stadtteils, der seit wenigen Jahren auch außerhalb der Organisten-Szene gut bekannt ist...
Zuschüsse des Bistums?
Aeolinchen, Freitag, 09. September 2011, 05:33 (vor 5477 Tagen) @ Subkoppel II - I
Eigentlich eine eindeutige Sachlage.
Wenn der OSV Sondermüll sagt, dann führt an einem Neubau eigentlich nichts mehr vorbei, will man nicht auf die Zuschüsse des Bistums verzichten.
Gibt es in dieser Ecke denn noch Zuschüsse des Bistums für Orgelneubauten?
Orgel in Triftern
D. Hausmann
, Donnerstag, 01. September 2011, 17:30 (vor 5485 Tagen) @ FranzS.
Hallo Franz,
ich brauche wohl nicht zu fragen, wer´s gebaut hat, oder? ;-))
Gruß
Dieter
Orgel in Triftern
FranzS.
, Donnerstag, 01. September 2011, 17:45 (vor 5485 Tagen) @ D. Hausmann
Hallo Franz,
ich brauche wohl nicht zu fragen, wer´s gebaut hat, oder? ;-))
Gruß
Dieter
falsch geraten, es war Friedrich Meier.
Grüße Franz
Orgel in Triftern
Subkoppel II - I
, Donnerstag, 01. September 2011, 19:29 (vor 5485 Tagen) @ FranzS.
Die Pedalzungen gehen nur bedingt, weil bei der Kirchenrenovierung ein schweres Holzbrett in das Pedalwerk gefallen ist.
Was kann denn besseres passieren als daß bei Bauarbeiten ein Holzbrett in die Orgel fällt?
Vorausgesetzt es war keine Eigenleistung oder Schwarzarbeit und die schuldige Baufirma ist bekannt.
Mit dem richtigen OSV ließe sich dann doch einiges an der Orgel reparieren.
Gruß,
Subkoppel II - I
Orgel in Triftern
BourdonCéleste, Donnerstag, 01. September 2011, 19:30 (vor 5485 Tagen) @ Subkoppel II - I
wenn's nicht verjährt ist... :/
Orgel in Triftern
FranzS.
, Donnerstag, 01. September 2011, 19:45 (vor 5485 Tagen) @ Subkoppel II - I
Die Pedalzungen gehen nur bedingt, weil bei der Kirchenrenovierung ein schweres Holzbrett in das Pedalwerk gefallen ist.
Was kann denn besseres passieren als daß bei Bauarbeiten ein Holzbrett in die Orgel fällt?
Vorausgesetzt es war keine Eigenleistung oder Schwarzarbeit und die schuldige Baufirma ist bekannt.
Mit dem richtigen OSV ließe sich dann doch einiges an der Orgel reparieren.Gruß,
Subkoppel II - I
Hallo, ich bin zwar kein Jurist aber es könnte doch sein, dass die Sorgfaltspflicht in diesem Fall nicht primär bei der ausführenden Baufirma lag, sondern bei der Gemeinde, weil diese die Orgel nicht nach der in der Sache üblichen Sorgfalt geschützt hat. Die Gemeinde wusste ja, dass renoviert wird und hätte somit dafür sorgen müssen, die Orgel entsprechend zu schützen. Abgesehen davon würde ich sagen, dass es einfach egal war, denn die Zungen werden ja sowieso nicht gebraucht.
Grüße Franz
Walter Striedl (1926- 1999)
FranzS.
, Donnerstag, 01. September 2011, 21:06 (vor 5485 Tagen) @ FranzS.
Also ich bin jemand, der gerne auch die Gesichter kennt, deshalb noch ein Bild von Pfarrer Striedl. Leider ist es nicht besonders gut, da ich ein Foto fotografiert habe, dass über dem Spieltisch hing
![[image]](images/uploaded/201109012103574e5ff33de9723.jpg)
Grüße
Franz
Walter Striedl (1926- 1999) edit Kurzbiographie
FranzS.
, Donnerstag, 01. September 2011, 21:12 (vor 5485 Tagen) @ FranzS.
Hier noch eine Kurzbiographie mit einem besseren Foto. (ganz unten)
Orgel in Triftern
FranzS.
, Samstag, 12. November 2011, 20:21 (vor 5413 Tagen) @ FranzS.
bearbeitet von FranzS., Freitag, 20. April 2012, 12:01
Hallo zusammen,
zu meiner Freude konnte ich diesen Artikel lesen. Der vom Orgelsachverständigen vorgeschlagene Neubau (der wohl nicht so ganz unangebracht wäre, wenn man den gesunden Menschenverstand urteilen lässt) ist vorerst vom Tisch. Das verrückte Machwerk von Walter Striedl wird wohl noch einige Jahre seinen Dienst tun. Ich bin gespannt, welche Arbeiten ausgeführt werden. Tja, der Don Quixote wurde wohl diesmal von Baccalaureus noch nicht besiegt. Ein Hoch auf die Narretei, in der doch so viel Wahres und Gutes steckt! Noch einmal sei darauf hingewiesen; der Walter Striedl hatte die Kirche voll und stellte innerhalb von ein paar Wochen in einem niederbayerischen Provinznest einen riesigen Chor auf die Beine, der sogar Schallplattenaufnahmen veröffentlicht hat. Jedenfalls hat der Mann seine Hausaufgaben gemacht. Ich bin der Meinung, sein Erbe sollte erhalten bleiben, egal wie man es aus künstlerischer Sicht bewerten mag.
Grüße aus Niederbayern
Franz
Hallo,
ich komme gerade von einer eher unkonventionellen Orgel. Schöpfer dieses Instruments ist der von mir schon öfter erwähnte Pfarrer Striedl (der übrigens auch eine kleine Werbeschrift über das Sakrament der Buße geschrieben hat, mit dem Titel "d'Beicht machts' leicht!"). Triftern ist ein kleiner Markt im tiefsten Niederbayern (die nächste Großstadt ist wahrscheinlich Linz) und dort steht natürlich neben dem Wirtshaus die nicht all zu große Kirche. Leider hatte ich keine Kamera dabei aber hier gibt es einige Bilder, auch von der Orgel. Der Pfarrer Striedl hat sich folgende Disposition einfallen lassen:
I. HW:
Quintatön 16
Deutsch-Principal 8
Spitzflöte 8
Viola da Gamba 8
Oktave 4
Rohrschelle 4 (Mischung aus Quintade und Pommer)
Gemspfeife 2
Schwiegel 1
Mixtur 1 1/3 5-6 fach
Kupferchamade 16
Trompete 8II. SW:
Singend Gedackt 8
Salicional 8
Italenisch- Principal 4
Nachthorn 4
Blockflöte 2
Nasard-quinte 2 2/3
Terzflöte 1 3/5
Scharff 1 4-5 fach
Zwergzimbel 1/3 3 fach
Französische Oboe 8
Gongglocken
TremulantIII. Kronwerk:
Gedecktpommer 8
Fugara 4
Aelsharfe 4
Kleinprincipal 2
Farbentöne 8/3+ 8/7+ 8/9
Akkordzimbel 2/5 3-4 fach
Spitzentöne 1/6+ 1/8
Vox humana 8Ped.
Diapason 16
Subbass 16
Quintbass 10 2/3
Prästant 8
Zartbass 8
Choralbass 4
Rauschpfeife 5 1/3
Kontrafagott 32 (sprechen leider nicht mehr viele an)
Bassposaune 16
Tenorposaune 8
Clarine 4Chororgel (spielbar vom III. Manual)
Bordun 8
Gemshorn 8
Holzflöte 4
Dolcan 2
Sesquialtär 1 1/3+ 4/5
Acuta 1 4 fach
Cymbel-Piffaro 1/4+ 1/8
Krumhorn Regal 8
Spanische Fanfare 4Ped.
Untersatz 16
Echobass 16
Cantus Firmus 4+ 1 1/3
Bombarde 8
Zinke 2Koppeln
III zu I, III zu I super, III zu I sub, III zu II
II zu I, II zu I super, II zu I sub
I super, Pedal super
Normale Pedalkoppeln
Walze, 2 freie Kombinatonen, sämtliche gängie Spielhilfen.
Die Orgel wurde seit 20 Jahren nicht gewartet. Lediglich zwei Orgelbauer waren für zwei Stunden vor Kurzem da, um ein paar Kleinigkeiten zu richten. Die Pedalzungen gehen nur bedingt, weil bei der Kirchenrenovierung ein schweres Holzbrett in das Pedalwerk gefallen ist. Das Generaltutti ist brachial und wirklich sehr nah an der Schmerzgrenze. Ansonsten ein unverwüstliches Teil und man stellt sich wieder die Frage: Planieren oder sanieren?Grüße Franz
neues aus Triftern
FranzS.
, Freitag, 07. Juni 2013, 21:51 (vor 4840 Tagen) @ FranzS.
gerade lese ich, dass die Orgel in Triftern wieder einigermaßen zusammengeflickt wurde. Für die angegebenen knapp 40000€ wird wohl nicht allzuviel gemacht worden sein, aber immerhin etwas.