Heinz Terbuyken in St. Lambertus, D-Alstadt, 03.01.2011

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Mittwoch, 05. Januar 2011, 11:35 (vor 5719 Tagen)

Hallo Forum,

1952 hatte mein Vater einen ersten Plattenspieler für Langspielplatten gekauft; da war ich noch im Vorschulalter. Und es begann die Einführung in die klassische Musik. Orgelspiel war mir von Kind an aus dem Gottesdienst bekannt. Der Orgelvirus aber wurde erst richtig geweckt, als mir vor ca. 15 Jahren eine Box mit den Guilmant-Sonaten, gespielt von Ben van Oosten, in die Hände fiel. Zufällig, denn ich hatte nur eine vage Ahnung, was es da im französischen Bereich so alles gibt. Schon deshalb werde ich Maitre Guilmant immer in Ehren halten, auch wenn er als Komponist - bezogen auf seine Zeit - nicht der modernste, originellste etc. ist.

Heinz Terbuyken hatte in seinem Konzert am 03.01.2011 (1. Konzert der “Internationalen...” und zugleich 1. Konzert der “Winterlichen...”) einen Guilmant-Schwerpunkt gesetzt. Das wohl auch, weil die “Winterlichen” in diesem Jahr 2011 thematisch an die Zahl “11” anknüpfen und Guilmants Todesjahr 1911 ist - übrigens auch das Geburtsjahr meines Vaters.

So begann der Abend mit der Paraphrase über “Tochter Zion” op. 90 NR. 16. Es schloß sich, dunkel getönt, Mozart mit der Fantasie d-moll KV 397, an. Von Liszt gab es ein “Salve Regina”. Nun folgte eine Gruppe Guilmant’scher Noels aus op. 60. Geschmackvoll das alles.

Nun gab es einen kurzen Ausflug in die (schon nicht mehr ganz) Moderne: Alain mit “Petite Piece”, “Berceuse” und “Ballade en mode phrygienne”; allesamt frühe Werke des 18-jährigen. Phrygien wußte am meisten zu gefallen.

Den Abschluß bildete Guilmants dritte Sonate: Markig die Ecksätze, umso deutlicher der Kontrast zum sanften, gut abgetönten Adagio molto in der Mitten. Das war die Art von Sätzen, die mich bei van Oosten vor Jahren so fasziniert und dann in die Orgelspur gesetzt hatten.

Herzlicher Beifall der rund 90 Hörer, anhaltend (auch Terbuyken steht wie Hans-Peter Reiners in Bonn kurz vor dem Ruhestand - es war vielleicht sein letztes “Winterliches” etc.) und durch eine Zugabe belohnt, die wohl eher ungewollt alles vorhergehende musikalisch in den Schatten stellte: Praeludium C-Dur 9/8 BWV 547. Welch ein Swing! Wunderbar zum Mitatmen. Da war es, das große Werk, das den ganzen Abend gefehlt hatte.

Gruß Clemens Schäfer

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

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