Orgeln im Allgäu - Ein Reisebericht - Teil 5 - Ende
Kommt man als evangelischer Organist in eine katholisch dominierte Region, so denkt man sich eigentlich, dass man in der evangelischen Kirchengemeinde willkommen ist und einem dort vielleicht auf höfliche Nachfrage auch einmal das Üben an der Orgel erlaubt wird – erst recht, wenn es sich um ein eher unbedeutendes Instrument aus dem Jahre 1972 handelt: Eine zweimanualige Weigle-Orgel mit 12 Registern. Erwähnenswert allenfalls das historische Gehäuse aus der Erbauungszeit der Kirche, errichtet von dem Orgelbauer Schäfer aus Biberach.
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Aber meine höfliche Anfrage gleich zu Beginn des Urlaubs bescherte mir eine kurze und knappe Absage: Der Pfarrer sei momentan in Urlaub und jemand anders könne über meine Anfrage nicht entscheiden. Unverständnis machte sich bei mir breit, aber nachdem ich dann das Instrument gesehen hatte, denke ich, dass ich tatsächlich nichts verpasst habe. (Auch in dieser Kirche finden wir - ähnlich wie in St. Josef in Memmingen, nur eine Stufe kleiner - eine reichhaltige Ausmalung des Chorraums:)
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Ähnlich erging es mir übrigens bei der Konkurrenz: Versprach ein Blick in die St. Ulrich-Kirche in Wangen ein interessantes Spielerlebnis, so blieb meine per Mail gestellte Anfrage an das Pfarrbüro nicht nur während unseres Urlaubs unbeantwortet… also auch hier hat man meine Anfrage lieber totgeschwiegen als sich damit auseinandersetzen zu müssen, einem Besucher den Zugang zur Orgel gewähren zu wollen. Es wäre interessant gewesen, eine weitere Karl-Orgel kennenzulernen, aber leider sollte es nicht sein (Disposition habe ich auch hier nicht finden können):
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Da lobe ich mir den Organisten der Klosterkirche zu Weißenau. Dank eines Kontakts aus dem Orgelforum war es sehr einfach, dort einen Termin auszumachen, zu dem ich mich mit ihm traf. Er führte mich und meine Familie hinauf zum Spieltisch, wies mich auf zwei, drei Besonderheiten der Holzhey-Orgel hin und ließ mich dann für den Rest des Nachmittags alleine.
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Dieser Nachmittag wird eines der unvergesslichen Erlebnisse meines Organistendaseins sein. Die Orgel befindet sich dank der 1987 erfolgten Restaurierung in einem sehr guten Zustand, es ist eine große Freude, die unterschiedlichsten Klangfarben dieser Orgel zu erkunden und den Raum damit zu benetzen. Von den zartesten Flöten bis hin zu dem fülligen und satten Plenum – hier findet sich nichts schreiendes, nichts, was mich an die „norddeutsch“ angehauchten neobarocken Pfeifenkisten denken lässt, die es in meiner Heimatstadt zu Hauf gibt und die nach nun 40 – 50 jähriger Dienstzeit als abgeschrieben eingestuft werden und um deren Ersatz man sich bemüht. Dieser unverwechselbare Klang einer typischen süddeutschen Barockorgel lässt für viele Literatur keinerlei Wünsche offen (naja, dass ich keinen Reger mag, schrieb ich ja schon…).
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Dieser Orgel wünsche ich noch ein langes Leben und dass sie noch viele Orgelfreunde mit ihrem "kernigen Sound" für sich begeistern kann. Für mich jedenfalls war diese Orgel gerade der richtige Urlaubsabschluss.
Was zum Schluss meines kleinen Berichts nun bleibt, ist eine Empfehlung, im Allgäu nicht zu versäumen, immer auch einmal einen Blick in die Kirche hinein zu werfen, und zwar nicht nur in die großen bekannten, sondern ruhig auch in die, die ein wenig Abseits der üblichen touristischen Routen liegen. Hätte ich ein wenig mehr Zeit gehabt, hier und dort nach einem Orgelschlüssel oder einem Treffen mit dem Organisten zu fragen, ich bin mir sicher, dass ich nicht überall so abgewiesen worden wäre, wie in Wangen selbst. Das zeigen die Erfahrungen an der großen Holzhey-Orgel in Weißenau.
Und jetzt soll hier mal Schluss sein.
Vielen Dank für die geschätzte Aufmerksamkeit! (Über Rückmeldungen würde ich mich freuen, gerne auch über Ergänzungen der Dispositionen, ich sehe, Aeolinchen war schon aktiv, vielen Dank!)
LG
Jörg
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