Orgeln im Allgäu - Ein Reisebericht - Teil 2
Endlich war es dann soweit, dass ich mich auch einmal an eine Orgel setzen konnte: Seit ich 1987 den „Völkl“ mein Eigen nennen konnte, hatten mich die dort beschriebenen Albiez-Orgeln begeistert. Im gleichen Jahr konnte ich im Rahmen eines Schulausfluges die kurz zuvor fertig gestellte Orgel in der St. Ursula-Kirche in München spielen, ein Klang, der seinen Schöpfer als meisterhaften Intonateur auszeichnete und der mich schon damals sehr beeindruckte.
Allen voran jedoch träumte ich damals davon, einmal die Orgel in der St. Martin-Kirche zu Langenargen zu spielen. Jetzt war es soweit: Der sehr zuvorkommende Kirchenmusiker gestattete nach einer kurzen Email-Anfrage den Besuch und so trafen wir uns. Er führte mich auf die Empore, öffnete mir das Instrument und ließ mich alleine. Das Instrument – 1978 erbaut als die erste dreimanualige Orgel von Wilfried Albiez – war seinerzeit viel beachtet und gerühmt. Heute scheint es ein wenig stiller um diese Orgel geworden zu sein, die jedoch nach wie vor ihrem guten Ruf gerecht wird. Es sind allerdings seit der Erbauung einige kleinere Änderungen vorgenommen worden, die dem Instrument insgesamt gesehen jedoch gut getan haben.
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Zunächst einmal waren 1978 insgesamt sieben Register noch nicht eingebaut worden. Dies ist jedoch offensichtlich innerhalb kurzer Zeit nach der Fertigstellung nach geholt worden, denn der Organist der Kirche erzählte mir z. B. über die Hauptwerkstrompete 16‘, die 1978 vakant war, heute jedoch vorhanden ist – wenn auch nicht mehr im Hauptwerk (dazu gleich mehr). Auch die übrigen 1978 noch vakanten Register sind heute vorhanden. Von daher ist also die erste Veränderung, die dem Instrument zugutekam, die Vervollständigung. Dann jedoch die Änderungen: Man erkannte im Laufe der Jahre, dass die Orgel doch ein wenig eng gebaut ist, einige Register waren nicht zum Stimmen zugänglich, am meisten litt und störte dabei zugleich die Bombarde 16‘ des Pedals. Diese hat man heute ausgelagert, sie steht heute hinter einem Gitter rechts von der eigentlichen Orgel und wird elektrisch angesteuert - deshalb wählte ich das vom Ausschnitt her etwas seltsame Bild für das Forum, darauf erkennt man rechts den "Bombardenverschlag". In der Datenbank von Piet Bron gibt es zwei Bilder, die einen Vergleich vorher/nachher ermöglichen: ganz unten in der Datenbank sind weitere Bilder vorhanden. Das sieht sicher nicht superschön aus, ist jedoch funktional und klanglich in diesem Falle gut gelungen.
Weiter Änderungen: Die Hauptwerks-Trompete 16' ist ebenfalls nicht ideal untergebracht und für den zur Verfügung stehenden Raum im Hauptwerk überdimensioniert. Dieses Register steht heute daher als Trompete 8' im Schwellwerk. Sie ist dort an die STelle der Trichterschalmey 4' gerückt, die ersatzlos entfiel. Damit hat das Schwellwerk nun die "klassische" Zungenbesetzung Basson 16' - Trompette 8' - Hautbois 8' - Vox humana 8'. Schließlich wurde im Schwellwerk noch die Sifflöte 8/9' nach 1' umgesetzt. Das finde ich zwar schade, aber auch der 1' ist hier sicherlich vielfältiger einsetzbar. Fazit: Diese Orgel kann ich uneingeschränkt empfehlen, hier würde ich immer wieder gerne hinkommen.
Auch hier gibt es eine kleine "Chortruhe":
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Am nächsten Tag gab es dann wiederum eine echte Allgäuerin zu bespielen – aus dem Jahr 1965, erbaut von Johannes Karl, der – so habe ich durch den sehr netten und informativen Austausch mit dem Organisten gelernt – als Orgelbauer sehr umstritten ist. Und das zu Recht. Das Werk in der St. Gallus-Kirche zu Kißlegg spiegelt nicht im Geringsten den Glanz wieder, den das historische Gehäuse von Franz Anton Kiene aus dem Jahr 1821 ausstrahlt - das ist übrigens derselbe Orgelbauer, der auch den Prospekt der oben beschriebenen Langenargener Orgel geschaffen hat.
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Auch die Disposition, die eine klangliche Vielfalt und Farbenreichtum verspricht, täuscht über die tatsächlichen Fähigkeiten des Instruments hinweg. Möchte man von den Unzulänglichkeiten des Instruments berichten – man wüsste nicht, wo anfangen: Eine viel zu laute wie auch offensichtlich nicht mehr ganz dichte Windversorgung, eine ausgelaugte Elektrik für die Registersteuerung, eine schwammige mechanische Spieltraktur sind einige der technischen Mängel, und dann hat man über die konstruktiven (die Orgel ist recht willkürlich hinter dem historischen Prospekt aufgestellt) und klanglichen (eigentlich gibt es kaum ein Register, das klanglich hält, was es verspricht) hat man dann noch gar nicht gesprochen. Fast schon erwartungsgemäß ist ein solches Instrument auch nicht mehr so gut in der Pflege (weil es einfach wahnsinnig schwer ist, ein solches Instrument einfach „nur“ zu pflegen), so dass durch Verstimmungen natürlich ein noch schlechterer klanglicher Eindruck entsteht.
Trotzdem versucht der ortsansässige Organist sein Bestes, um für diese prachtvolle Kirche (hier ein Blick von der Empore:)...
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...ein angemessenes Instrument zu generieren – sei es durch „Notmaßnahmen“ am Instrument oder durch Initiierung zumindest eines Umbaus oder gar durch den Anstoß eines Neubaus – den zu leisten die Gemeinde alleine aber sicherlich nicht in der Lage sein wird. Nun, einige Wochen vor meinem Besuch dort war es dann soweit und die zuständigen amtlichen Stellen haben der Kirche anlässlich des beklagten Orgelzustandes einen Besuch abgestattet. Als die Herrschaften jedoch die Empore betraten um das Corpus deliciti zu besichtigen, bemerkten sie einige Schattierungen unterschiedlicher Stärke an der Decke und es folgte unumwunden die Feststellung, dass dort wohl Wasser durch das Dach eindringe und die Bausubstanz der Decke angreife. Hier seien unaufschiebbar bauliche Maßnahmen erforderlich, die bei der Größe der Kirche sicherlich einen so bedeutsamen finanziellen Umfang erreichen werden, dass – so sagte es mir der Organist – man sämtliche Überlegungen bezüglich der Orgel zunächst einmal in weite Ferne schieben müsse. Würden die Sanierungsarbeiten an Dach und Decke nicht angegangen, so hätten die amtlichen Stellen eine Sperrung der Kirche in Aussicht gestellt – das wäre sicherlich die schlechteste von allen denkbaren Alternativen. Den aktuellen Sachstand kenne ich leider noch nicht, es wäre jedoch interessant, darüber zu erfahren. Hier ein paar Details des Spieltischinneren:
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Der schwarze Kasten rechts ist die Walzensteuerung, hier in der "0"-Stellung:
![[image]](http://img843.imageshack.us/img843/6279/bild003negnr4.jpg)
... und hier in der "Maximal"-Stellung, fast alle Metallstäbchen liegen nun an den Kontakten an:
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So sieht Elektrik 1965 aus:
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Hier kommen wir wieder in unsere Grundsatzdiskussion, nämlich der Frage, ob eine solche Orgel erhalten werden soll oder nicht. Ich habe mich im Forum ja schon mehrfach als ein Freund orgelbewegter Instrumente und entlegener Obertöne geoutet, insofern tendiere ich also oftmals noch zum „erhalten“, wo andere schon lange aufgegeben haben. Hier jedoch muss selbst ich sagen, dass ich selten ein Instrument erlebt habe, das so „substanzlos“ daherkam. Und das möchte ich nicht auf die Verstimmung oder den allgemein schlechten Zustand schieben: Ich habe schon ganz andere, desolatere Orgeln gespielt als diese, bei deren klanglichen Erlebnis mir jedoch das Herz aufging und man auf Anhieb erkannte, dass da Substanz „im Kasten“ ist, die es sich zu erhalten lohnt. Hier jedoch fehlte mir diese meiner Meinung nach. Zwar gibt es einige wenige Register, die ihren orgelbewegten Charme noch ausspielen, der Gesamteindruck ist hier jedoch selbst bei mir so, dass ich dieser Orgel nicht nachweinen würde. Ich würde mich sehr freuen, wenn es hier gelänge, ein dem Raum wie auch dem vorhandenen historischen Gehäuse angemessenes Instrument zu errichten. (Womit ich allerdings nicht meine, dass hier eine Rekonstruktion der seit vielen Jahren verlorenen Barockorgel angebracht wäre, aber darüber werden sich ja dann irgendwann sicherlich die Gutachter streiten…)
(Fortsetzung folgt)
Orgeln im Allgäu - Ein Reisebericht - Teil 2
Hallo,
danke für den Bericht.
Eine Frage zum Spieltisch von Kisslegg
Hier ein paar Details des Spieltischinneren:
gibt es bitte noch ein Bild der Registerschalter und der Spielanalage von der Manualseite her? Ich würde gerne meine Vermutung zum Spieltischbauer an dann sichtbaren weiteren typischen Details überprüfen.
Grüße von tiratutti
Orgeln im Allgäu - Ein Reisebericht - Teil 2
gibt es bitte noch ein Bild der Registerschalter und der Spielanalage von der Manualseite her? Ich würde gerne meine Vermutung zum Spieltischbauer an dann sichtbaren weiteren typischen Details überprüfen.
Die neue Bildgröße lässt schon mehr Details erkennen. Über die Beantwortung meiner Frage würde ich mich trotzdem freuen, auch wenn sie so ausfällt, dass keine Bilder von der Spielseite vorhanden sind. Danke.
Grüße von tiratutti
Orgeln im Allgäu - Ein Reisebericht - Teil 2
gibt es bitte noch ein Bild der Registerschalter und der Spielanalage von der Manualseite her? Ich würde gerne meine Vermutung zum Spieltischbauer an dann sichtbaren weiteren typischen Details überprüfen.
Die neue Bildgröße lässt schon mehr Details erkennen. Über die Beantwortung meiner Frage würde ich mich trotzdem freuen, auch wenn sie so ausfällt, dass keine Bilder von der Spielseite vorhanden sind. Danke.Grüße von tiratutti
Gemach, gemach, ... selbstverständlich werden Fragen beantwortet, manchmal dauert es nur etwas länger...
Nein, leider habe ich kein Foto von der Spieltischvorderseite gemacht, sie schien mir zu "gewöhnlich" - ein Spietisch mit elektrischer Registertraktur und freien Kombinationen eben... Was wären denn die Besonderheiten nach denen du suchst? Auf welchen Spieltischbauer deutet denn das Innenleben hin?
Immerhin habe ich hier noch ein weiteres Detailfoto von innen, vielleicht hilft das ja auch noch:
![[image]](http://img62.imageshack.us/img62/2971/bild004negnr5.jpg)
LG
Jörg